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Pelle Nörmann went for a hike
October 7, 2026 at 06:08
00:14
427m
1.8km/h
0m
Bei den Hunden ist es wie bei den Menschen. Wenn der Hebst des Lebens irgendwann beendet ist und der Winter als letzter Lebensabschnitt begonnen hat, ist das unausweichliche Ende nicht mehr fern.
So ist es bei unserer Finnya. Sie ist jetzt mitten in ihrem persönlichen Winter, vielleicht auch schon etwas über die Mitte hinaus.
Ein paar Wochen trennen sie von 16 aufregend und schön gelebten Jahren. Für ein Labrador ein stattliches Alter.
Wir Menschen sprechen bei dem Erreichen eines hohen Lebensalters gerne von einem erfüllten Leben.
Irgendwann wird das Sehen unscharf und das Hören wird leise. Alle Sinne werden träge, die Knochen werden zu sehens steif und alles geht immer langsamer von statten.
Eine Sache jedoch bleibt davon unberührt und zeigt jetzt seine wahre Größe.
Das ist die Berührung.
Das spüren von Berührung.
Das fühlen von Berührung.
Die Berührung ist die mächtigste Empfindung, die das Leben zu vergeben hat.
Wenn Worte nichts mehr sagen können und wenn die Gefühle nicht mehr weiter wissen, dann kommt die Zeit der Berührung. Ganz ruhig, ganz zart, ohne Krach, ohne Getöse.
Sie hat eine ganz eigene Kraft, eine Kraft die kaum in Worte gezwängt werden kann. Es ist eine Kraft, die sich jedem Versuch einer genauen Beschreibung bestimmt, aber doch zärtlich zu entziehen vermag. Das gilt sowohl für den, der die Berührung gibt, als auch für den, dem die Berührung zugedacht ist. Und wenn es gar eine ganz tiefe und intensive Berührung, aus dem Tiefsten des Herzens ist, dann spüren beide am Ende keinen Unterschied mehr zwischen geben und bekommen.
Aus zwei Lebewesen wird in diesem Moment ein Leben. Ein magischer Moment, der sogar im Stande ist, die Zeit etwas langsamer vergehen zu lassen. Die unbeschreibliche Einzigartigkeit des Lebens überstrahlt dann alles um diese Berührung herum und verschmilzt mit der Besinnung über das Sein.
Wann beginnt nun das Leben, mehr Leid als Freude zu sein?
Bei uns Menschen beginnen ab einem gewissen Zeitpunkt die Qualen des Lebens die Oberhand zu gewinnen.
Es gilt scheinbar, unbedingt am Leben fest zu halten. Doch wer ist es, der am Leben fest hält? Ist es der betreffende Mensch höchst selbst, der nicht gehen will oder sind es die liebenden, vielleicht überfürsorgenden Angehörigen, die nicht los lassen können wollen?
Bei dem Hund liegt es an eben diesen liebenden Menschen zu entscheiden, dass es nicht zu einem qualvollen Leben kommt.
Wann aber ist der Zeitpunkt, an dem man dem geliebten Freund vorschnell das Leben nimmt und wann ist der Zeitpunkt, an dem man dem geliebten Familienmitglied schlicht die Schmerzen nimmt?
Es ist schon von brutaler Schwere nur alleine über diese Situation zu schreiben, diese jedoch auch irgendwann aushalten zu müssen, ist im höchsten Maße Herz zerreißend. Ein Grund dafür, ist bestimmt auch die im Übermaß vorhandene Hilflosigkeit, mit der der Tod immerzu um sich schmeißt.
Die Trauer über das Lebensende überstrahlt, einer Super Nova gleich, in dem Moment des Geschehens alles. Die Freude muss sich ihre Daseinsberechtigung im Anschluss erst mühsam in kleinen Schritten zurück erobern, um über die gemeinsame Zeit glücklich erinnern zu können.
Und so wird die Erinnerung zu einem mächtigen Verbündeten bei den Zurückgebliebenen. Dabei ist es ein großes Glück, dass diese mächtige Erinnerung all das Schlechte und all das Betrübliche, das im Laufe der gemeinsamen Zeit passiert ist, scheinbar spielerisch, einfach hinter einem Horizont losen Nebelbrei verschwinden lassen kann.
Und irgendwann ist es dann die Sonne nur noch, die die Erinnerung in fröhlichem Lichte erstrahlen, und jeden Gedanken an das Gewesene, mit sanfter Freude vor dem inneren Auge ablaufen lässt.
Die wahre Herausforderung ist es, genau den Moment zu erkennen, an dem der Hund seine Lebensfreude verliert.
Den Unterschied zu erkennen, wann das Tier sich dem Menschen zuliebe, ihm ein letztes mal hingibt und wann das Tier, sich dem Menschen zuliebe, selbst dabei aufgibt, ist die letzte und dabei auch die größte noch zu bewältigende Aufgabe dieser Zweisamkeit. Rational scheint das nahezu unmöglich zu sein, und doch ist das Gelingen von so elementarer Wichtigkeit.
Nur wer das reale Leben los lassen kann, kann danach das Tor seines Herzens mit beiden Händen weit genug öffnen, um die Seele des Verstorbenen für immer in sich auf zu nehmen und ihm dort seine neue und zugleich letzte Heimat zu geben.
Es bleibt mir im Moment nicht mehr, als jeden einzelnen Tag mit Finnya einfach nur zu genießen, jeden einzelnen Tag einfach nur die Freude und Dankbarkeit über ihr Dasein mit voller Hingabe zu genießen. Und genau das tue ich. Das tue ich so sehr von Herzen gern, wie ich jetzt gerade nichts lieber auf der Welt etwas gerne tun möchte, als genau das.
Ich genieße...
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