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Jens went for a hike
September 26, 2026 at 09:08
03:31
12.5km
3.6km/h
40m
40m
Noch einmal Sonne und spätsommerliche Temperaturen – und diesmal eine Landschaft, die während der Wanderung durchaus zum Nachdenken anregte.
Der erste Abschnitt führte überraschend lange durch den Katinger Wald. Auf einem schmalen Pfad ging es kilometerlang nahezu menschenleer durch dichten Laubwald. Kaum zu glauben, dass auch dieser Wald letztlich Menschenwerk ist: Wo heute unter anderem Pappeln, Eichen, Erlen und Eschen wachsen, befand sich vor dem Bau des Eidersperrwerks noch vom Meer beeinflusstes Watt. Erst nach der Eindeichung wurde hier ab Ende der 1970er-Jahre aufgeforstet.
Nur langsam wurde der Weg breiter und die Landschaft offener. Vorbei am Ringpriel ging es durch Wiesen und Feuchtgebiete Richtung Grüne Insel. Vom angekündigten Vogelparadies zeigte sich heute zwar erstaunlich wenig – ein paar Enten und Möwen ließen sich blicken –, dafür wurde die Weite der Landschaft immer eindrucksvoller.
Auf dem Schafsberg änderte sich die Szenerie dann vollständig. Wald und enge Wege lagen hinter mir, vor mir öffnete sich die Eider und ab dann folgte ich dem Leitdamm. Und immer deutlicher wurde der Gegensatz, der diese Landschaft prägt: Der Mensch hat hier massiv in die Natur eingegriffen, dem Einfluss des Meeres Flächen entzogen – und damit gleichzeitig einen neuen Naturraum geschaffen, der heute wiederum unter Schutz steht.
Am Eidersperrwerk bekam dieser Gedanke schließlich sein ziemlich imposantes Ausrufezeichen. Schon die Markierungen vergangener Sturmfluthöhen machten eindrücklich klar, weshalb Küstenschutz hier weit mehr als ein abstraktes Thema ist.
Und dann kam noch ein Glückstreffer, den man kaum planen kann: Ich hatte die Schranke gerade passiert, als wenige Minuten später Warnsignale ertönten und der Straßenverkehr gestoppt wurde. Die Straßenbrücke, über die ich eben noch gelaufen war, klappte nach oben – Schiffsschleusung. Plötzlich setzte sich dieses riesige technische Bauwerk vor meinen Augen in Bewegung und gab einem Schiff den Weg durch die Schleuse frei.
Danach noch über das mächtige Sperrwerk und schließlich zurück zum Ausgangspunkt. Eine Wanderung mit erstaunlich vielen Gegensätzen: enger Wald und große Weite, geschützte Natur und gewaltige Technik – und dazwischen immer wieder die Frage, wo hier eigentlich Natur aufhört und Menschenwerk beginnt.
PS: Und ganz nebenbei gab es noch etwas zu lernen: An einer Bodensonnenuhr begegnete mir erstmals ganz bewusst die „wahre Ortszeit“. Mein Schatten zeigte kurz vor elf, während die Uhr schon Viertel nach zwölf sagte. Des Rätsels Lösung: Sonnenzeit ist tatsächlich Ortszeit – erst Längengrad, Zeitgleichung und Sommerzeit machen daraus unsere gewohnte Uhrzeit. Wieder etwas gelernt. ☀️⌚
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