Routes

Planner

Features

Updates

App

Login or Signup

Get the App

Login or Signup

peacemaker_fx🕊️

Follow

Map data © OpenStreetMap contributors
About peacemaker_fx🕊️
Radfahren, Wandern, Paddeln, Joggen - Ich bewege mich gerne und bin gerne draußen in der Natur, möglichst weit weg von Autos und Motorenlärm. Mindestens einmal pro Woche versuche ich, der Stadt den Rücken zu kehren. Klappt nicht immer, aber oft. Meistens solo, ab und zu mit Freunden.
Eine sportliche Herausforderung ist fast immer mit dabei. Ich versuche aber diese nicht die Oberhand gewinnen zu lassen, sondern bewusst das Unterwegssein selbst als Erlebnis zu verstehen und zu gestalten. Klappt auch nicht immer, aber oft.


PN: felix(*at*)masurenburg.de
Distance travelled

37,040 km

Time in motion

3112:39 h

Recent Activity

went on an adventure.

6 days ago

Langlauf -Bärenfels nach Altenberg

Der Sonntagmorgen startet, verglichen zu Samstag, mit deutlich mehr Weitsicht, wenngleich die dichte, graue Wolkenschicht geblieben war. Anscheinend ist sie nur ein paar Meter nach oben gerückt. Meine Unterkunft befindet sich im eingemeindeten Ortsteil Bärenfels - Kurort Bärenfels - etwa 8-9 km Straßenentfernung vom Altenberger Zentrum entfernt. Der Plan für heute ist, die Ski direkt vor Ort anzuschnallen und als Langlaufwanderung bis dorthin zurückzukehren. Das Altenberger Loipennetz erstreckt sich bis hier. Auf der Webseite heute früh aber plötzlich einige Abschnitte meiner geplanten Route als gesperrt markiert. Ich kann schlecht einschätzen, was das bedeutet und frage meine Pensionswirtin. Sie meint, dass ich mir keine Sorgen machen sollte. Kann sein, dass der Schnee nicht hoch genug für eine qualitativ hochwertige Loipe ist, aber man käme auf jeden Fall durch. Das ist erfreulich. Ich mache mich in die Spur. Von Bärenfels führt ein vollkommen ungespurter Winterwanderweg um den Spitzberg herum. Es ist jedoch ausreichend Schnee da. Nur am Ende, wo es durch den dichten Wald aus dem Tal nach oben geht, gucken immer wieder Äste und Erdboden durch. Doch dort ist es teilweise ohnehin so steil, dass ich die Ski abschnalle und zu Fuß hochlaufe. Oben angekommen erreiche ich die sogenannte Kammloipe, welche an dem Dorf Schellerhau vorbeiführt. Hier ist kein Wald. Freie Sicht. Links unter mir liegt der Ort mit seinen verschneiten Dächern, rechts geht es tief hinunter in das bewaldete Tal des Pöbelbachs. Dahinter, in der Ferne, bedecken weiße Felder und Wälder die andere Talseite. In der Entfernung wird's dann aber doch wieder dunstiger. Die Spur ist einwandfrei, soweit ich das beurteilen kann. Jetzt, am späteren Vormittag, streben immer mehr Leute aus dem Tal nach oben. Ich verstehe nicht, warum dieser Teil als gesperrt deklariert wurde. Vor mir liegt der Pöbelknochen, der Berg, dessen Gipfel ich gestern einen Besuch abgestattet hatte. Es geht wieder in den Wald, rechts am Berg vorbei, bis ganz hinunter zum Bach. Die Loipe ist fast jungfräulich und ich gleite wie auf Schienen bis zur Brücke. Es ist noch nicht mal 12. Viel Zeit. Spontan folge ich den blauen Pfeilen der Loipenausschilderung auf die andere Talseite, wo nach kurzem Anstieg erneut eine lange Gerade bergab auf mich wartet. Nur ein einziger Skiläufer und ein Winterwanderpärchen begegnen mir. Wo's runtergeht, geht's auch irgendwann wieder hoch. Nach dem ungeplanten Schlenker kämpfe ich mich auf der Hauptroute bis hinauf zur Straße. Dann ist es wieder relativ eben. Ich befinde mich jetzt erneut am Fuß des Kahlebergs, wo ich ebenfalls gestern schon war. Die Loipe wird spürbar voller. In dem Dreieck zwischen Altenberg, Rehfeld-Zaunhaus und Zinnwald-Georgenfeld ist die Dichte an Loipen und Winterwanderwegen besonders hoch und es gibt einige Einkehrmöglichkeiten drumherum. Ich folge ab hier der ausgeschilderten Loipe "L1", einer insgesamt ca. 10 km langen Rundtour zwischen Kahleberg und Zinnwald-Georgenfeld. Nach einer 600 m langen, für meine Verhältnisse recht steilen Abfahrt in's Tal (nur 1x umgefallen), führt der Weg zum Lugstein hinauf. Die Hangneigung ist glücklicherweise sanft genug, dass man in der Spur bleiben kann. Die meisten anderen Langläufer fahren diese Strecke in der anderen Richtung, um die schöne, lange Abfahrt zu genießen. Sie sausen an mir vorüber und ich lerne meine Lektion Demut. Dafür ist mir sehr schön warm, als ich den Gipfel erreiche. Die unergründlichen, grauen Wolken ziehen zum Greifen nah über die flache Hochebene. Hier oben scheint ungleich mehr Schnee zu liegen als 200 Hm weiter unten. Bäume und Sträucher sind regelrecht eingepackt in dicke Schneepanzer und biegen sich unter der Last. Bei klarer Sicht könnte man sicher ziemlich weit ins Land schauen, doch momentan muss ich fast froh sein, die nächste Wegbiegung rechtzeitig zu erkennen. Nach einem kurzen Blick in das Restaurant der Lugsteinbaude drehe ich gleich wieder ab. Schon anhand der Skier, die rundherum im Schnee stecken, war absehbar, dass die Menschen sich drinnen stapeln. Auf Warten und Anstehen hab ich keinen Bock. Ein paar Meter weiter, am Rand des Dorfes, komme ich an einer kleinen Grillhütte vorbei. Perfekt. Der verbleibende Weg bis Altenberg führt nur noch abwärts. Nicht steil, sondern meinen Skills angemessen moderat geneigt. Hinter dem riesigen, gut gefüllten Parkplatz neben der Bundesstraße verlasse ich die L1-Loipe und biege auf die Versöhnungsloipe ab. Eine riesige Menge kunstvoller Holzfiguren säumt den Wegesrand. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man mit einer Kettensäge so filigran arbeiten kann. Ist angeblich aber so. Schon bald liegt Altenberg vor mir. Eine letzte Abfahrt und ich lande am unteren Ende des Abfahrtshangs, wo sich die Menschenmassen drängeln und laute Schlagermusik aus den Lautsprechern dröhnt. Finito. Schnell gebe ich die ausgeliehenen Ski zurück und sprinte zum Schienenersatzverkehr-Bus. Gerade noch geschafft. Bis auf den letzten Quadratzentimeter vollgestopft schaukelt er los. Den Rückweg bestreite ich mit dem Deutschlandticket und 5-mal Umsteigen. War vielleicht ein Fehler und ich hätte, wie auf der Hinfahrt, den durchgehenden Zug nehmen sollen. Von Dresden bis Senftenberg waren alle Regionalbahnen voll mit Dynamo Dresden Fans. Die Hälfte davon peinlicher und unangenehmer Nazipöbel. Jeder dunkelhäutige Mensch wurde mit rassistischen Bemerkungen oder Witzchen belegt. Ich schäme mich für solchen Mitmenschen. Zum Glück blieb trotz der Enge und der latent aggressiven Stimmung alles friedlich. Die zweite Langlaufwanderung dieses Wochenendes war ebenfalls sehr schön und hat super geklappt. Am Ende war ich sogar schneller, als ich vorher geschätzt hatte. Im Vergleich zu echten Langlaufkönnern ist meine Durchschnittsgeschwindigkeit wahrscheinlich dennoch jenseits von Gut und Böse. Doch daran hänge ich keinen allzu großen Ehrgeiz. Ich nehme viele Draußenstunden im Schnee mit mir nach Hause und ein gelungenes Winterwochenende.

02:50

18.3km

6.4km/h

410m

330m

, , and others like this.

3 days ago

Spontaneity can be so wonderful, Felix. You made the most of that fantastic winter weekend. Of course, it would have been absolutely amazing with sunshine, but your mystical photos are also quite wonderful. 🌫️ And that fresh, soft snow... I almost think you threw yourself down on purpose now and then

Translated by Google •

went on an adventure.

7 days ago

Damit mir von diesem Winter nicht nur die vereisten Berliner Fuß- und Radwege in Erinnerung bleiben, entschied ich mich am Freitagnachmittag sehr spontan das Wochenende mit Langlaufen im winterliche Sachsen zu verbringen. Beherrschen tue ich die Kunst auf 2 schmalen Brettern über den Schnee zu gleiten wirklich nur anzatzweise. Bewundernd schaue zu (mehr hinterher), wenn andere kraftvoll und souverän an mir vorbeiziehen, während ich so vor mich hingurke. Trotzdem macht es mir Spaß. Die Anfahrt von Berlin nach Altenberg ist wesentlich schneller und unkomplizierter als ich zunächst vermutet hatte - 2 Stunden mit dem Zug von Berlin HBF nach Dresden + 1 Stunde Busfahhrt. So kann ich mich bereits am Vormittag in die Spur schmeißen und öfter auch daneben. Bis mittags bleibe ich auf der Stadtloipe, eine Runde von nicht mal 1 km Länge, welche eine Wiese unterhalb des Abfahrtshangs umrundet. Einen winzigen Hügel hinunter übe ich Bremsen und Anhalten, was mir trotz aller Youtube-Videos, die ich mir angeschaut habe, immer noch ein großes Rätsel geblieben ist. Meinen ganzen Kladderadatsch, Rucksack usw., konnte ich glücklicherweise in der Touristinfo am Bahnhof deponieren. Dort gibt es nicht nur Schließfächer, sondern auch einen Raum, wo man sich umziehen kann, wenn man will sogar duschen. Als mir das Üben zu langweilig (und auch ein wenig zu frustrierend) wird, suche ich mir die einfachste Anfängerloipe mit wenig Steigungen und Abfahrten heraus und richte die Spitzen der Ski in Richtung Wald. Bisher war ich die ganze Zeit mit mir selbst beschäftigt. Erst fange ich an meine Umgebung so richtig bewußt wahrzunehmen. Die grauen Wolken fliegen so niedrig, dass sie gelegentlich als Nebelbänke zwischen den Bäumen hängenbleiben und die ohnehin schon recht diesige Luft nun vollkommen undurchsichtig erscheint. Mystische Stimmung in einem Wald ohne Farben. Die Äste der Nadelbäume biegen sich tief, unter der Last der dicken Schneepacken. Die Laubbäume und Sträucher hingegen erscheinen als filigrane, weiße Kristallkunstwerke. Nichts bewegt sich. Ich bleibe stehen. Kein Laut ist zu hören. Fast vollkommene Stille. ... bis aus der Ferne das muntere Geplauder und Stöcke-Geplapper des nächsten Langläufergrüppchens durch die Bäume schallt. Tatsächlich sind so einige unterwegs. Nicht so viele, dass es in Gedränge ausartet, doch viel mehr als 3-4 Minuten Nur-der-Wald-und-ich sind nicht zu haben. Nach dem Abstecher zum Pöbelknochen, einem der 14 Achttausender im Erzgebirge, geht es sanft bergab wieder zurück Richtung Ort. Es ist aber noch viel zu früh. Am Ende der Runde nehme ich eine Querverbindung, die in den Wald auf der gegenüberliegenden Seite der Landstraße führt. Dort lieg der Kahleberg. Obendrauf gibt es eine Baude mit Ausschank. Daher sind hier deutlich mehr andere Skiläufer unterwegs als zuvor. Lange, lange geht es nur hinauf. Das ist zwar einigermaßen anstrengend, doch vor der Rückweg gruselt mir mehr. Vorher gibt es die wohlverdiente Stärkung und einen herrlichen Ausblick ins unergründliche Nichts. Nun denn. Nundor! Es geht einigermaßen, solange es nicht zu steil ist und ich es schaffe nicht zu schnell zu werden. Ein bisschen was hat das Trainieren heute früh doch gebracht. Wie ich unterwegs feststellen muss, darf ich allerdings nicht mehr rumtrödeln, sonst komme ich heute nicht mehr an mein Gepäck. Die Touristeninfo schließt 17:00 Uhr. Alles geklappt und nur 1 Mal durch Ganzkörpereinsatz gebremst. Im Großen und Ganzen bin ganz glücklich mit diesem Tag und dieser Tour und überhaupt damit, dass ich mir selbst den kleinen Arschtritt gegeben habe loszufahren. Trotz meiner technischen Schwierigkeiten konnte ich es genießen und fühle mich inwischen wieder deutlich sicherer auf den Brettern. Mal schauen, was der morgige Tag so bringen wird.

02:06

13.4km

6.4km/h

210m

250m

, , and others like this.

5 days ago

A beautiful winter landscape, even if it's only gloomy 🤩, ideal for first steps on skis and feet, and the soft snow is perfect for practicing falls 😃 Have fun! ❄️

Translated by Google •

went gravel riding.

January 23, 2026

Die sonnigen Wintertage sind vorbei. Eisiger Ostwind schiebt zusammengeballtes, graues Nichts über den Himmel. Fast streift es die kahlen Äste der höheren Bäume, welche aus der schwarzen Masse des Waldes nach oben ragen. Über den Wiesen und Feldern hat der Frost kalten Dunst aus der Luft gepresst. Die Natur scheint am tiefsten Punkt der Winterstarre angekommen. Aber trotzdem. Ich will raus. Unbedingt. Weg von der Stadt. Wenigstens für eine Weile. Wandern wäre auch eine Option gewesen, doch sind viele Feld- und Waldwege glatter, als mir das Spaß macht. Heute mal testen, wie sich der Drahtesel anstellt. Von @tr's Tour vergangene Woche hatte ich den Einfruck gewonnen, dass der Radweg auf dem Oderdeich schnee- und eisfrei sein würde. Gleich erst mal die Route stibitzt und als ersten Abschnitt in meine eigene Planung integriert. Falls der Januartag sich auf diesen 30 km für eine längere Tour als zu ungemütlich und untauglich zeigt, kann ich mir in Schwedt überlegen, ob ich abbreche und wieder nach Hause fahre. Zunächst besteht die Schwierigkeit darin, Angermünde überhaupt zu verlassen. Keine 5 Minuten nachdem das warme Zugabteil hinter mir liegt, lässt sich die hintere Bremse nicht mehr bewegen. Mist! Eingefroren. Wasser im Bowdenzug. Eine halbe Stunde stehe ich bei der Tankstelle und versuche dem Problem mit Türschlossenteiser beizukommen. Klappt nicht. Meine Finger sind krebsrot. Die Sensibilität meiner Zehen liegt nur sehr knapp vor der einer Tiefkühlpizza. Das Experiment wird abgebrochen. Die Tour nicht. Dann muss eben eine Bremse reichen. Ist nicht doll. Aber ich denke, es wird funktionieren. Auf kleinen Straßen geht's über die Hügellandschaft Richtung Oderbruch. Außerhalb der Stadt pfeift der Wind und beißt mit -8° scharfen Zähnen. Trotzdem schaffe ich es, mich nach und nach warmzuradeln. Jeden Anstieg, der zusätzliche Anstrengung erfordert und Wärme erzeugt, ist willkommen. Als ich Stolpe erreiche, ist sie bis in die Finger- und Zehenspitzen vorgedrungen und mein Körper fühlt sich unter den diversen Kleidungsschichten wie ein kleiner Bollerofen an. Kurzer Fotostopp am Grützpott. Die fernen Anhöhen des östlichen Oderbruchrandes auf der polnischen Seite sind durch den Kältenebel nur als schwache Silhouetten zu sehen. Locker verteilen sich schwarze, kahle Bäume auf den rauhreif-weißen Wiesen des riesigen, flachen Talgrundes. Auch ohne viel Schnee gibt die karge, stille Landschaft ein wunderbares Winterbild ab. Zu lange darf ich nicht bleiben. Sonst ist der Ofen wieder aus. Der Radweg auf den Deich neben dem Kanal lässt sich tatsächlich einwandfrei beradeln. In der Nähe von Stützkow treffe ich auf die überfluteten Polderwiesen. Riesige Eisflächen, aus denen Schilf und Bäume herausragen. Der faszinierende Anblick wird mich bis Schwedt begleiten. Doch vorher mache ich noch den kleinen Abstecher zum Aussichtsturm an der Stromoder. Ansonsten würde ich sie auf meiner geplanten Strecke heute gar nicht zu Gesicht bekommen. In diesem Abschnitt des Oderbruchs führt keine durchgehende Tour daran entlang. Unbeeindruckt von den kleinen Eisschollen auf seiner Oberfläche wälzt sich der Fluss schnell und kraftvoll voran. Breite Eisränder reichen vom Fuß des Deichs bis hinaus in die Strömung. Dann geht's zurück zum Kanal und den Eispoldern. Nach 2 Stunden erreiche ich Schwedt. Ich fühle mich fit, mir ist warm und mit nur einer Bremse komme ich auch soweit klar. Kein Grund also, nicht weiterzufahren. Die 4-5 km neben der stark befahrenen Ausfallstraße sind wohl das am wenigsten schöne Stück der ganzen Tour. Meist gibt es zum Glück einen Radweg. Ruhiger wird es dann ab Vierraden und noch ruhiger als ich von der Landstraße auf die einspurige Strecke - mehr ein asphaltierter Feldweg - nach Kummerow abbiege. Die kleinen Dörfer, die entlang der Strecke vor mir aus dem Dunst auftauchen und hinter mir wieder darin verschwinden, scheinen ebenso Winterschlaf zu halten, wie die Wälder und Felder, Seen und Flüsse. Kein Mensch zu sehen. Bis hier verlief meine Route über die Hügel am oberen Rand des Welsebruchs. Von Norden her mündet nun das Radowbruch ein. Der Krümmung des Tals folgend radele ich bis zum kleinen Wohnplatz Karlsberg, kurz hinter Blumberg. Dann geht es hinunter. Dass die Querung des Randowbruchs auf einer ziemlichen Buckelpiste über Stock und Stein stattfindet, ist wohl teils meiner mangelnden Planungssorgfalt, teils mangelnden Alternativen geschuldet. Jedenfalls bin ich überrascht, als das Navi mich in den Wald schickt. Ich fahr zwar auch gerne da wo's ein wenig holpert, aber heute wäre ich auch mit einer reinen Straßenstrecke glücklich gewesen. Ein paar Stellen im Wald, wo die Wildschweine den Weg umgepflügt haben, sind jetzt steinhart gefroren und vollkommen unbefahrbar. Ich muss schieben, teils sogar tragen. In der Ebene ist es dann etwas besser. Aus dem Tal hinaus gibt es einen halbwegs passablen Plattenweg. Oben liegt Lützlow und auf der Straße komme ich jetzt wieder flotter voran. Das Gelände ist leicht hüglig, jedoch gibt es schönere Flecken auf dieser Welt. Große Felder, massig Windräder, Autobahnbrücken. Ich ziehe durch. Der Rückenwind unterstützt. Von Bietikow geht es dann allmählich abwärts in die Uckerseerinne. Die kuppeligen Hügel an deren Rand und die eingebetteten Seen in den Senken sind ein Augenschmaus. Der letzte Abschnitt der Tour führt dann von Seelübbe am Unteruckersee bis Prenzlau. Auch dieser ist komplett zugefroren. Wahrscheinlich könnte man quer hinüberlaufen. An der Uferpromenade ein letzter Blick über den See, um diese stille, in sich gekehrte, weiß-graue Stimmung noch einmal auf mich einwirken zu lassen. Doch dann muss ich dringend zum Supermarkt, um was zu Trinken zu besorgen. Der Inhalt meiner Trinkflasche war schon ich Schwedt vollständig zu Eis erstarrt. Bis der nächste Zug fährt, gönne ich mir ein Stück Kuchen und 'ne heiße Schokolade im Cafè. Auf nichts hätte ich jetzt weniger Lust, als 25 Minuten auf dem zugigen Bahnsteig zu stehen. Ich bin ganz begeistert, dass doch alles so gut geklappt hat. So halb hatte ich damit gerechnet, dass mir in Schwedt schon zu kalt sein würde, um weiterzufahren. Jede Woche brauche ich so eine Tour zwar nicht, aber ich freue mich, mal eine längere Strecke bei Minusgraden durchgehalten zu haben.

04:49

92.8km

19.3km/h

600m

630m

, , and others like this.

January 25, 2026

🥶Awesome!🚵‍♀️👍

Translated by Google •

went for a hike.

January 11, 2026

Weil es so schön war gestern, und weil das Wetter noch viel schöner werden soll, und weil ich sowieso den Winterwald so toll finde, habe ich die Biesdorfer, so gern ich sie habe, unter Missachtung aller sozialen Konventionen schon vor dem gemeinschaftlichen Mittagessen verlassen, um mir noch mal eine schöne Portion verschneiter Landschaften zu Gemüte zu führen. Die Sonne strahlt vom tiefblauen Himmel. Der Schnee glitzert. Die Felder glänzen im Licht – glatt wie geometrisches Formen. Die Sicht ist klar. Vom Hügel zwischen Biesdorf und Haselberg kann ich quer über das Oderbruch bis nach Polen schauen. Immer mal durch ein kleines Waldstück unterbrochen geht es durch die Felder nach Haselberg und weiter zum Harnekoper Großen See. Der Weg, der nach Überquerung der Landstraße hinten um den See herum führt, ist unter dem tiefen Schnee verborgen. Im Wald ist's klar, wo es langgeht, dann laufe ich in einer schmalen Fahrspur am Feldrand, die ihm ungefähr zu folgen scheint. An den See kommt man von dieser Seite kaum heran. Es wäre nicht nur witzig, sondern auch kürzer quer über das Eis bis zum Ende des Sees laufen. Allerdings sind weder andere Menschen darauf zu sehen noch Fußspuren, die darauf deuten würden, dass es trägt. Dann lieber nicht. Das ist mir doch ein bisschen zu spannend. Das Dorf touchiere ich nur ganz am Rand. Gleich biege ich wieder ab und tauche in den riesigen Wald ein. Bei Fontane heißt er „Der Blumenthal“, nach einer gleichnamigen, kleinen Stadt, die sich im späten Mittelalter etwa an dem Ort befunden haben soll, wo heute der Wohnplatz „Stadtstelle“ ist. Wilde Sagen und Spekulationen ranken sich darum. Anfangs folge ich der schmalen Straße, die zu dem Harnekoper Bunker führt. Ich biege vorher von ihr ab. Wie Schienen laufen die Skispuren neben mir auf dem schnurgeraden Waldweg. Von dem blauen Himmel und der Wintersonne bekommt man hier unten zwischen den Bäumen leider nicht so viel mit. Hätte ich mir eigentlich auch denken können. Nun ja. Jetzt bin ich hier. Hinter der alten Bahnstrecke der Wriezener Bahn wird das Gelände dann zumindest abwechslungsreicher. In den Tälern gibt’s so richtig schönen Winterwald. Still und starr träumt er unter seiner weißen Decke. Plötzlich stoße auf eine große Lichtung. „Licht“ - nach dem schattigen Wald ist das wahrhaft wörtlich zu verstehen. Auf dem Berg inmitten der Felder liegt das ehemalige Vorwerk Biesow. Eine Handvoll Häuser, umgeben von den Ruinen riesiger Scheunen aus Ziegeln und Feldsteinen. Von dort wandere ich dann in südlicher Richtung weiter. Gleich nachdem ich wieder im Wald bin, verlasse ich die Zufahrtsstraße wieder. Der Weg verläuft am Grund eines langgestreckten Tals, zumindest scheint es so. Zu beiden Seiten erheben sich niedrige Hügel. Noch steht die Sonne hoch genug, dass sie über die Kuppen hinüberschauen kann. Ab und zu dringt ihr goldener Schein durch das Gewirr der Baumkronen und zaubert Muster aus Licht und Schatten in den Schnee. Ich passiere die winzige Waldsiedlung bei der Försterei Blumenthal. Diese ist wiederum hat ihren Namen von dem Wald geerbt. Ein einsames Kind zimmert am Wegesrand einen Schneemann. Bald danach erreiche ich die Bundesstraße. Dahinter geht es hinunter in das Tal der Lattseenkette. Die glaziale Rinne ist so tief in die Barnimer Platte eingefräst, dass um diese Zeit kein Sonnenstrahl mehr bis zum Grund vordringt. An den beiden kleineren Seen vorbei folge ich dem urigen Trampelpfad im Hang. Als ich am Großen Lattsee für ein Foto zum Ufer hinunterkraxele, sehe ich Fußspuren, die über das Eis führen. Offenbar hält es. Komme ich also doch noch zu einer kleinen Eiswanderung, bis das Ende des Sees erreicht ist. Der letzte Teil der Wanderung bis Strausberg ist dann nicht mehr so interessant. Es wird allmählich dunkel. Macht keinen Sinn mehr, den schönen Uferpfad am Ihlandsee zu nehmen. Ich wähle die kürzeste Strecke und versuche ein wenig Tempo zu machen; so gut das auf dem rutschigen Untergrund eben möglich ist. Die Spikes und die Wanderstöcke kommen zum Einsatz. Ich freue mich, das ganze Equipment mal nicht nur sinnlos herumgeschleppt zu haben. In Wilkendorf hole ich auch die Stirnlampe raus. Nicht so sehr, weil ich nichts mehr erkennen könnte, sondern weil die Strecke auf Straße verläuft. Die ist teilweise spiegelglatt. Da ist es mir schon einigermaßen wichtig, dass die Autofahrer mich sehr rechtzeitig sehen können. Zum Glück kam insgesamt nur eins vorbei. An der S-Bahn war gerade noch Zeit, dass ich mir im Restaurant einen Coffee-to-go schnappen kann, als schon die S5 in den Bahnhof einfährt.

04:19

24.7km

5.7km/h

290m

280m

, , and others like this.

January 16, 2026

Great winter photos, exciting text, Felix. It's like I was there. 🤗

Translated by Google •

went for a hike.

January 10, 2026

Ein nachträglicher Weihnachts-Neujahrs-Geburtstags- und ganz allgemein Sich-wieder-mal-blicken-lassen-Besuch bei Freunden in Biesdorf stand für dieses Wochenende auf dem Plan. Das winzige Dorf gehört verwaltungstechnisch zu Wriezen, liegt jedoch auf der Höhe und schaut von dort auf die Kleinstadt im Oderbruch herunter. Erstaunlicherweise hat sich der Winter ja mal länger als 2 Tage gehalten. Das will natürlich weidlich ausgenutzt werden und ich kombiniere den Besuch mit einer Wanderung über die verschneiten Hügel am Rand des Odertals. Der für gestern vorhergesagten Super-Blizzard Elli hatte sich anscheinend von der ganzen Panik in den Medien anstecken lassen und sich nicht bis Berlin vorgewagt, geschweige denn noch weiter nach Osten. Daher ist der Schnee nicht mehr so ganz taufrisch. Doch in den bewaldeten Tälern, wo die tiefstehende Januarsonne nicht rankommt, sieht es noch aus wie im tiefsten Winter und der Schnee ist pulverig und tief. Auf einigen Wegen sind sogar Loipen. Ob die tatsächlich profimäßig mit Maschine gezogen worden sind, oder ob die tatkräftigen Brandenburger Langläufer sie gespurt haben, vermag ich nicht zu beurteilen. Wenn ich so etwas versuchen würde, sähe es definitiv nicht so gerade aus. Ich gebe mir größte Mühe sie nicht zu zertrampeln. Auf und ab geht’s den Sieben-Hügel-Weg zum Baasee. Die Strecke kenne ich. Hab sie schon x-mal zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt. Das macht aber überhaupt nichts. Mit dem ganzen Schnee sieht alles wie neu aus. Die Waldschänke hat geschlossen. Schade. Das wäre das i-Tüpfelchen gewesen. Nach einem Blick über den zugefrorenen See geht’s aus der tiefen Senke wieder nach oben. Bis hierher waren fast alle Wege trotz des Schnees recht einfach zu bewandern. Zum Teil sind sie – vermutlich nach dem ersten größeren Schneefall - tatsächlich sogar mal geräumt worden, doch inzwischen haben Wanderer und Spaziergänger ohnehin feste Pfade ausgelatscht. Nun ist damit Schluss. Eine ganze Weile brechen maximal die Fußstapfen eines einzelnen Vor-Wanderers durch die weiße Decke; abgesehen von unzähligen verschiedenen Tierspuren natürlich. Es scheint, die Rehe und Hasen laufen genauso gerne wie Menschen auf befestigten Waldwegen, statt quer durchs Gehölz. Der Schnee stiebt bei jedem Schritt und mir wird von der Anstrengung gehörig warm. Später stoße ich dann erneut auf Wege mit Auto-Fahrspuren. Der Förster vielleicht. Aktuell werden überall Bäume gefällt. Wolken haben sich vor die Sonne geschoben. Die Talsenken verschwinden sofort in dämmrigem Zwielicht. Ohne das Leuchten des Schnees, könnte man dem Weg selbst eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang wahrscheinlich nur noch mit Lampe folgen. Der letzte Kilometer führt auf einem alten Hohlweg durch die Felder. Hinter den weißen Hügelrücken geduckt sind schon die Hausdächer von Biesdorf erkennbar.

03:00

15.3km

5.1km/h

290m

220m

, , and others like this.

went for a hike.

January 4, 2026

Der Plan für dieses Wochenende war, das Haus nicht zu verlassen und gemütlich vor der Flimmerkiste zu rekonvaleszieren. Tee, Taschentücher, Hustenbonbons, Obst, Chips, Nüsschen, Schokolade, Vitamintabletten, Deckchen, Kissen, Fernbedienung - alles liegt bereit. Nix da. Ein Sonntagmorgenblick aus dem Fenster reicht. Schon der Anblick des frisch angerichteten weißen, kalten Pulvers elektrisiert mich. Ich kann nicht widerstehen. Ich MUSS! das haben. Wie durch ein Wunder bin ich sogar plötzlich wieder vollkommen gesund. Los geht's. Noch im Regio sitzend schraube ich an der Tour herum und quasi schon am Türöffner-Blinki-Knopf rumspielend, entscheide ich mich, doch nicht in Biesenthal auszusteigen, sondern bis Melchow weiterzufahren. Weniger Leute da. Ich tauche ein in das weiße Wunderland. Unten, oben, rechts und links. Ich weiß gar nicht so recht, wo ich zuerst hingucken soll. Jeder Busch ein filigranes Labyrinth aus schwarz und weiß. Die kleinen Fichten und Tannen sehen aus wie unter dickem Zuckerguss. Ihre dünnen Äste biegen sich unter der schweren Flatschen, sodass die Bäumchen ganz dünn und verfroren aussehen. Jeder Schritt, der durch die unberührte Weiße bricht, erzeugt jenes unverwechselbare Knarksen. Ich bin so glücklich, während ich durch den weißen Tunnel stapfe, zu dem der Weg geworden ist. Durch den Ort will ich nicht gehen. Wo Autos fahren, wird der Schnee schnell zu nassem, braunen Matsch. Daher wandere ich über die Felder nördlich um Biesenthal herum. Der Schnee glättet alle kleinen Falten und Runzeln der Landschaft. Wie mit Zirkel und Lineal, oder von einem guten Zeichner gemalt, lenkt nichts von den reinen Schwüngen und Konturen der Hügel und Täler ab. Nur die Sonne, die am morgens noch so nett vom blauen Himmel heruntergewunken hat, war wohl der Meinung, sie hätte sich für heute genug gezeigt. Der Wolkenschleier blieb zugezogen. Kein Glitzer. Demütig und still beugen sich die Kronen der Kiefern am fernen Waldrand unter ihren weißen Mützen. Bis zur Überquerung der Finow bei der Wehrmühle habe ich den Weg für mich allein. Nun begegne ich mehr und mehr anderen Schneespazierern und -wanderern, mit und ohne Kinder, mit und ohne Schlitten. Das Laufen auf dem bereits gut ausgetretenen Weg wird nun auch einfacher. Als ich im Schnee auf die Skispuren treffen, werde ich kurz neidisch. Ach, wäre das jetzt geil. Tja, zu spät dran gedacht. Ich umrunde den Wukensee. Er ist so halb zugefroren. Eine Schar Enten hocken lustlos an der Eiskante herum. Auch hier sind einige Leute unterwegs. Dann geht es wieder auf den Berg, naja, Hügel hinauf. Oben, auf der Wiese neben der Motocrossstrecke hat sich eine größere Gruppe aus Kindern mit Schlitten und Erwachsenen versammelt. Angefangene Schneemänner am Wegesrand. Tassen mit heißen Getränken werden verteilt. Kurze Zeit später bin ich wieder alleine und tauche erneut in den Winterwald ein. Bis Lanke geht's ordentlich hinauf und hinunter. Manchmal ist nicht mehr zu erkennen, wo der kleine Weg entlangführt. Die Schneedecke hat den Waldboden zu einer homogenen Fläche gemacht. Ein wunderbarer, winziger Trampelpfad am Ufer des Krumme-Lanke-Sees bringt mich zum Ort Lanke. Zum Glück ist vor mir schon jemand ortskundiges entlang getrampelt, sonst hätte ich sicher Schwierigkeiten gehabt, ihn zu finden. Die Strecke bis Lanke war zum großen Teil Neuland. Der zweite Teil der Wanderung wird nun auf bekannten und bereits mehrfach gewanderten Pfaden entlangführen. Zunächst folge ich dem Uferweg des Obersee bis zur Autobahnbrücke. Dort habe ich dann alle Verdauungsspaziergänger abgehängt. Die Spezies entfernt sich ungern sehr weit vom geparkten Auto. Den Weg am See finde ich eigentlich ganz schön, da er so dicht und so flach am Wasser verläuft. Doch die Tag-und-Nacht-nie-endende Geräuschkulisse der Autobahn macht die Atmosphäre leider für mich zunichte. Vom Ende des Obersees geht es auf gerader, nicht allzu spannender Waldstrecke weiter hügel-auf und hügel-ab bis Ützdorf. Gerade will sich schon in die kleine Nebenstraße einbiegen, als ein gelbes, warmes Licht im Augenwinkel mich noch mal zu einem Blick über die Schulter verleitet. Die Imbissbude vor dem Hotel sieht so einladend und gemütlich aus. Das wäre doch ein Frevel, nicht mal einen Blick zu werfen. Soljankagestärkt und Hopfengetränkt geht's dann eine Viertelstunde später weiter. Die Autos haben den Schnee auf der Straße zu einer harten, spiegelglatten Fläche planiert. Ich frage mich, wie die darauf fahren können, wo ich zu Fuß kaum vorwärtskomme, ohne bei jedem zweiten Schritt beinahe auf dem Allerwertesten zu landen. Ich bin froh, unbeschädigt auf den Wanderweg abzubiegen, der hinunter zu Liepnitzsee führt. Kein Eis, trotzdem ein schöner Wintereindruck. Durch den Schnee auf dem Boden und die schwarzen Baumstämme werden die normalerweise versteckten Konturen der Hügel auf der Insel und am Südufer deutlich sichtbar. Aus der Entfernung sieht es aus, als würden die Äste und Zweige der Bäume nach oben hin immer heller und lichter werden. Kalt und starr, schwarz und weiß warten sie im Winterschlaf auf den nächsten Frühling. Die Dämmerung setzt ein. Ich muss mich beeilen, wenn ich in Wandlitz nicht 'ne Stunde auf den nächsten Zug warten will. Wird knapp werden. Ich überhole alle. Lieber ist mir das egal, ob die sich darüber wundern, warum ich so zackig durch den Wald marschiere, als dass ich später auf dem Bahnhof herumfriere. Am Ende noch zwei kurze Joggingeinlagen und Voilà! Pünktlich auf die Minute.

04:10

22.9km

5.5km/h

250m

260m

, , and others like this.

January 4, 2026

PS: On a different note. I finished my Spree River hike with the final leg on the fourth Sunday of Advent. However, I've only just now gotten around to editing all the photos and writing the report. - For anyone interested: komoot.com/de-de/tour/2723170586

Translated by Google •

went gravel riding.

December 24, 2025

02:01

44.6km

22.1km/h

180m

210m

, , and others like this.

December 25, 2025

...pumping fresh, cold air through my lungs...



...soaking up light and vitamin D...



...burning 2.5 calories as a precaution...



...a dose of just me and my bike...



...fields, forest, nature...



...freedom and wide open spaces...



is far more contemplative for me than anything that's coming next. I'm not the biggest

Translated by Google •

went for a hike.

December 21, 2025

Schöneweide gibt's nur im Dunkeln, in diesem Wanderprojekt. Eine Stunde vor Sonnenaufgang stehe ich an der Treskowbrücke. Die Lichtverhältnisse ähneln denen vor einem Monat. Menschenleer. Autoleer. Mehrere Reihen Straßenlampen überspannen die Spree wie gelbe Lichterbögen. Vierter Advent - in ein paar Tagen ist Weihnachten. Es ist etwas unheimlich, zu dieser frühen Stunde am einsamen Ufer und zwischen geschlossenen Großmärkten und leerstehenden, alten Industriebauten entlangzuwandern. Zurück an der Schnellerstraße wummern die Bässe aus dem RSO-Klub. Die paar Gestalten, die um halb 8 dort herauskommen, sehen ziemlich durchgenudelt und bettreif aus. Der Umweg zur Stubenrauchbrücke über den Baumarktparkplatz lohnt sich kaum, denn immer noch ist es dunkel und die Sicht auf den Fluss wird zudem noch durch eine Reihe Pappeln verhindert. Daran schließt sich ein weiteres, nicht vermeidbares Stück entlang der mehrspurigen Hauptstraße an. Niemand wohnt hier. Irgendwelche Gewerbe sitzen hinter den Zäunen und Mauern. Als ich die Minna-Todenhagen-Brücke erreiche, ist der erste Schimmer des beginnenden Tages zu erahnen. Über dem Wasser liegt feiner Dunst und es fängt ein wenig an zu tröpfeln. Direkt neben der Brücke mündet der Britzer Verbindungskanal, de facto der Anschluss des Teltowkanals zur Spree. Zu beiden Seiten seiner Mündung gibt es kleine Parks, wobei der linke, rund um den Rodelberg, größer ist und einen deutlich schöneren Eindruck hinterlässt. Der andere, gegenüber, drückt sich so halb unter die Brücke, wirkt etwas kahl und ist ganz schön vermüllt. Während das Schwarz der Nacht dem Grau des Tages weicht, erreiche ich den Plänterwald, wo ich dem breiten Uferweg folge. Die Joggerdichte nimmt abrupt zu. Ich frage mich, wie es hier zugeht, wenn gerade mal nicht Dezember, 5 Grad über Null und Nieselregen ist. War lange nicht mehr hier. Im Spreepark steht das neue Riesenrad. Ohne Gondeln noch, aber immerhin. Der malerisch zugewucherte Lost-Place um die verrosteten und verrottenden DDR-Fahrgeschäfte von einst ist einer großen Baustelle gewichen. Anders, aber mit ähnlich morbidem Charme ist der Blick über das Wasser, wo die abenteuerlichen Ankerverbände von menschenleeren Schrottbooten auf dem bleigrauen Wasser schaukeln. Anscheinend haben sie sich von der Rummelsburger Bucht nunmehr bis ans andere Spreeufer ausgebreitet. Der Himmel hängt so tief, dass die Spitzen der höheren Bäume darin verschwinden. Ich drehe eine Runde über die Insel der Jugend. Abgesehen vom hübschen Bogen der Abteibrücke mit ihren nachgemachten Mittelaltertürmen, die wohl zu jeder Jahreszeit fotogen ist, wirkt der Rest der Insel heute trostlos und verlassen. Nur ein einsamer Angler fischt dort im Trüben. Zurück an Land geht es am Zenner vorbei. Ich denke an einen schönen Augustabend zurück, den ich mit meinem Bruder im Biergarten verbracht habe. Ich weiß noch, an welchem Tisch wir gesessen haben. Treptower Park. Alles joggt um mich herum. Im Spalier liegen die Ausflugsdampfer am Ufer. Vorne, kurz vor dem halben Treptower, öffnet schon der erste Glühweinstand sein Rollo. Ich überquere die Spree. Zweimal hatte ich sie mit drin, dann wieder rausgeflogen. Zum Schluss dann doch wieder reingenommen. Wennschon, dennschon - gehört die Umrundung der Halbinsel Strahlau zu einer ordentlichen Spreewanderung dazu. Kaum hätte ich es für möglich gehalten, doch auf der schmalen Uferpromenade sind wir langsamen Spaziergänger (ich rechne mich mal mit dazu) und Gassigeher in der Minderheit. Um nicht überrannt zu werden, heißt es, die Augen andauernd vorn und hinten zu haben, am besten gleichzeitig. Ein bisschen bin ich auch neidisch, doch aktuell ist Joggen für mich leider tabu, wejens Plantarsehne. Zum Ausgleich wird ein wenig rumgelästert; natürlich nur in Gedanken. Als würden sie sich irgendwo unterwegs in Luft auflösen, ist der Großteil der Ausdauerläufer an der Spitze der Halbinsel einfach verschwunden. Der Rückweg entlang der Rummelsburgerer Seite gestaltet sich daher deutlich entspannter. Nun wird auch klar, warum die wilden Floß- und Bootkonstruktionen jetzt auch am Treptower Ufer liegen. Die Bucht ist offenbar einfach zu eng geworden. Vom Ende der Rummelsburger Bucht laufe ich ein paar hundert Meter in einer Schlucht zwischen den neuen Stadthäusern bis vor zur S-Bahnunterführung und nach dem waghalsigen Abenteuer, die Kreuzung am hinteren Ende der Elsenbrücke zu überqueren, bin ich wieder an der Spree. Entlang der Kaimauer des ehemaligen Osthafens kann man ohne Belästigung durch den Autoverkehr bis fast zur Oberbaumbrücke laufen. Der Blick zurück offenbart dagegen den Baufortschritt der neuen Elsenbrücke. Im kommenden Jahr soll angeblich die westliche Hälfte eröffnet werden. Ich flaniere vorbei an den neuen Stahl-Glas-Beton-Quadern der Medien- und Digital-Economy-Unternehmen, die nach seiner Schließung auf dem Gelände des alten Osthafens gewachsen sind, sowie an den historischen, grauen Hafengebäuden vom Anfang des 20. Jh. Nur auf dem letzten, kurzen Stück am Spreepeicher muss ich auf den Gehweg neben der lauten Stralauer Allee ausweichen. Da die Oberbaumbrücke eines DER Berliner Wahrzeichen ist, widme ich ihr eine komplette Hin- und Zurück-Überquerung. Von 1961 bis 1989 wäre das nicht möglich gewesen, da die Spree in diesem Abschnitt, zwischen Elsen- und Schillingbrücke (der nächsten stromabwärts), während der Zeit der deutschen Teilung die Staatsgrenze bildete. Das zu vergessen, ist schier unmöglich, denn unmittelbar hinter der Brücke schließt sich die East-Side-Gallery an. Sie ist das längste erhaltene Stück der Berliner Mauer. Wenn man's genau nimmt, ist es eigentlich die Hinterlandmauer - also der DDR-seitige Abschluss des breiten Grenzsteifens. Sie besteht inzwischen auch nur noch aus Repliken. Dem Strom der Touristen, die zu den 1990 von diversen Künstlern bemalten Segmenten pilgern, tut das allerdings keinen Abbruch. Zwischen Schilling- und Jannowitzbrücke gibt's keine Chance, auch nur halbwegs durchgehend am Spreeufer entlangzulaufen. Ich wechsle auf die linke Flussseite. Die ehemaligen Industriegebäude sind schon lange in schicke Lofts umgewandelt und durch zusätzliche Neubauten verdichtet, zu modernen Wohnquartieren geworden. Es ist die momentan einzige Stelle, wo man auf Sichtweite ans Wasser herankommt. Ein bisschen schräg sieht es aus, finde ich, wie sich auf einem beträchtlichen Stück des Uferstreifens, direkt vor den sicherlich sündhaft teuren Eigentumswohnungen, das Teepeeland erstreckt. Dort wohnen die Besetzer in Zelten und selbstgezimmerten Hütten. Berliner Kontraste. Den Rest der Strecke lege ich an der Köpenicker Straße zurück, die im Wesentlichen eine Durchfahrtsstraße ist und weder einen sonderlich schönen noch lebenswerten Eindruck macht. An jedem Arbeitstag überquere ich die Jannowitzbrücke mit dem Fahrrad. Mit der Zeit wird man ja ziemlich betriebsblind - geht mir zumindest so - und man nimmt nur noch die Sachen wahr, die direkten Einfluss auf das Fahrgeschehen haben - andere Verkehrsteilnehmer, neue Baustellen, Scherben oder Eis auf dem Radweg - während das Gehirn alles aus der bewussten Wahrnehmung ausblendet, was so ist wie immer, z.B. die fast die gesamte restliche Umgebung. Heute, zu Fuß, aus einer anderen Richtung kommend, mit anderem Tempo und einer anderen Perspektive, sieht es so fremd und ungewohnt aus, als wäre ich zum ersten Mal im Leben hier. Eins der Dinge, die ich wirklich nicht kannte, war der Fußweg unter der Brücke zum Märkischen Ufer. Ich bin zurück an der Spree. Und bleibe. Durch das gesamte Berliner Stadtzentrum bis nach Charlottenburg gibt es fast ununterbrochen einen Weg direkt am Wasser. Am Rolandufer unterhalb des Berliner Finanzministeriums und am Nicolaiviertel vorbei erreiche ich die Rathausbrücke. Ich drehe eine kleine Runde über den Weihnachtsmarkt, der im Innenhof des Humboldtforums aufgebaut ist. Ich passe. Nach dem Weihnachtsmarktbesuch gestern Abend fühle ich mich einem Glühwein noch nicht wieder gewachsen. Der Blick von der hohen Ufermauer über das Marx-Engels-Forum zum Alex mutet seltsam endzeitlich an. Hinter den Grundmauern irgendwelcher, vermutlich im Krieg zerstörter Gebäude am Ufer erheben sich große, braune Haufen aus Schutt, Sand und Erde. Die Türme von rotem Rathaus und Marienkirche sind trotz nebligen Dunst noch vollständig erkennbar, während Fernsehturm und Hochhäuser am Alex nur als abgebrochene Stümpfe zu existieren scheinen. Dahinter beginnt das Nichts. Dem Braun und Grau zum Trotz dreht sich in der Mitte das schreiend, leuchtend bunte Riesenrad. Weiter geht's. Ich wechsle wieder an das rechte Ufer, um einen besseren Blick auf den Dom und die Museumsinsel zu bekommen. Weil Weihnachten ist, lasse ich mich auf der nächsten Brücke von bettelnden Kindern überreden, 10 Euro für angeblich taubstumme Kinder zu spenden. Leider habe ich keinen 10er. Deshalb machen wir's mit PayPal. Eine sehr dämliche Idee! Im Lauf des Nachmittags nervt ständig das Handy, wenn die Gören neue Geldanforderungen mit immer höheren Beträgen schicken. Musste erst mal rausbekommen, wie man jemanden da sperrt. Es folgen der Monbijoupark und Schiffbauerdamm. Immer schön am Wasser entlang. Gegenüber liegen die Museumsinsel und der Bahnhof Friedrichstraße. Über die Marschallbrücke wechsele ich zum Reichstagsufer. Die Spree fließt zwischen den zum Bundestag gehörenden Gebäuden Marie-Elisabeth-Lüders-Haus und Paul-Löbe-Haus hindurch, die nicht nur durch die dünnen Brückenstege verbunden sind, sondern durch ihre Glas-und-Beton-Architektur eine Einheit bilden. Der Fluss bildet einen fast halbkreisförmigen Bogen. An seiner Innenseite liegt der Spreebogenpark, den ich jedoch von dem Weg unten am Ufer nicht sehen kann. Außerhalb erheben sich die gigantische Konstruktion des Hauptbahnhofs und, als dominantestes Gebäude, der futuristische Cube, dessen spiegelnde, quadratische Seitenfassaden aus unterschiedlich geneigten Dreiecksflächen bestehen. Die Reflexion macht es quasi unmöglich, sich abgesehen von seiner Würfeligkeit die genaue Form des Bauwerks vorzustellen. Die beiden werden umrahmt von abweisenden Büroklötzen aus Beton. Wie ich feststellen muss, ist der Uferweg am Kanzleramt derzeit gesperrt. Jetzt aber wirklich. Das ganze Jahr hingen entsprechende Schilder an den Laternen, doch ein Holzsteg führte an der Baustelle vorbei. Jetzt ist der Steg weg und ich muss wohl oder übel hinten um das Kanzleramt herumlaufen. Wenigstens kann ich dort noch einen kurzen Blick auf den Reichstag erhaschen. Auf eine gewisse Art finde ich es sympathisch. In den meisten Ländern sieht's rund um die höchsten Regierungsgebäude immer perfekt ordentlich und wie geleckt aus. Bei uns gibt es stattdessen eine prima Baustelle mit Baggern, Containern, Haufen aus Erde und Material sowie Bauzäunen. Optisch passt das Besucherzentrum, das ebenfalls aus einer etwas unförmigen Ansammlung von Containern besteht, wunderbar dazu. Da sieht man doch gleich: Deutschland ist das Land der Ingenieure, nicht so sehr der Ästheten und Schöngeister. Im Haus der Kulturen der Welt gönne ich mir eine Rast. Es ist leer und dementsprechend angenehm ruhig. Sind vermutlich alle auf dem Weihnachtsmarkt oder nutzen den verkaufsoffenen Sonntag zum Last-Minute-Geschenke-Shoppen. Ich sitze nur kurz. Der kürzeste Tag des Jahres fordert auch von der Pause seinen kleinen Tribut. Entlang des nächsten, südlichen Spreebogens wird es zur Abwechslung etwas grüner. Links der Spree erstreckt sich der Tiergarten. Ein Fotostopp am Schloss Bellevue muss sein. Vor dieser Wanderung war mir gar nicht so bewusst, dass sich wirklich sehr viele bekannte Berliner Bauwerke in Sichtweite der Spree befinden. Die Havel kann da jedenfalls auf keinen Fall mithalten. Erneuter Seitenwechsel hinter dem S-Bahnhof Bellevue. Die nächsten 2 Kilometer wandere ich am Moabiter Ufer. Es gibt ein paar Stellen, wo man anhand der paar erhaltenen historischen Industriegebäude so ein bisschen erahnen kann, wie es zur Hochzeit der Industrialisierung hier ausgesehen haben mag. Die Spree war alles, lieferte Wasser als Roh- oder Verbrauchsstoff, führte die Abwässer ab, diente als Transportweg zum An- und Abtransport von Rohstoffen und Waren. Alle möglichen Großindustrien und Manufakturen, von der Meierei C. Bolle, der Königlichen Porzellanmanufaktur, Textil- und Chemischen Fabriken bis zum Maschinenbau von Siemens&Halske prägten das Bild der Spree in diesem Abschnitt bis zur Mitte des 20. Jh. Dazwischen lugen Fassadenzeilen gründerzeitlicher Wohnviertel und ergänzende Nachkriegs-Wohnbebauung über das Wasser. Viele der alten Industrie- und Produktionshallen sind bereits lange abgerissen und haben moderner Architektur Platz gemacht. Ein paar haben die Zeiten überdauert und künden bis heute vom großbürgerlichen Stolz und Selbstbewusstsein ihrer einstigen Herren. Geblieben ist auch das Korsett aus Spundwänden und steilen Ufermauern, die dem Fluss seinen Lauf vorgeben. Eiserne Geländer an ihrer oberen Kante begrenzen den ausgebauten Promenadenweg. Einzige kleine Ausnahme ist der sogenannte Rattenweg, wo zwischen Ufer und Sportplatz ein wenig wildes Grün wächst. Ab der Gotzkowskybrücke führt der Uferweg in Moabit nicht mehr weiter. Es geht hinüber nach Charlottenburg. Um die nächste, enge Spreeschleife gibt es dort einen grünen Uferstreifen vor den hohen Häuserblöcken. Am Ende des Bogens mündet der Landwehrkanal zurück in die Spree, die er heute Morgen zwischen Elsen- und Oberbaumbrücke verlassen hatte. Gleichzeitig zweigt der Charlottenburger Verbindungskanal nach Norden ab. Die Stelle wird daher auch Spreekreuz genannt. Das Charlottenburger Spreeufer zwischen Röntgen- und Caprovibrücke ist ein breiter Grünstreifen, beinahe schon ein langgestreckter Park. Im weiteren Verlauf bis zur Schlossbrücke wird er zwar schmaler, dafür blickt man über das Wasser zum Grün des Österreichparks statt auf die glatten Wände des Heizkraftwerks. Ich kann nicht umhin, die Spree für ein paar hundert Meter zu verlassen, um einen Ausflug durch den Park des Schlosses Charlottenburg zu machen. Ein weiteres historisches Gebäude in unmittelbarer Spreenähe. Park und Schloss sind sicher in den Sommermonaten um einiges hübscher, doch das imposante, breite Gebäude und die geometrischen, geraden Formen der barocken Gartenanlage entfalten auch in der kahlen Jahreszeit ihre faszinierende Wirkung. Widerstehen kann ich allerdings einem Besuch des Weihnachtsmarkts vor dem Schloss. Wieder zurück an der Spree verlasse ich den Park durch die Hintertür unter der Eisenbahnbrücke. Im Berliner Stadtgebiet blieben bis zu diesem Punkt, trotz späterer steinerner Einfassung, die meisten Windungen des ursprünglichen, natürlichen Flusslaufs über die Jahrhunderte erhalten. Auf dem letzten Stück vor der Mündung wurden jedoch Ende des 19. Jh. alle engeren Kurven begradigt. An meiner Uferseite ziehen sich Laubenpiepersiedlungen entlang. Daher ist es recht grün. Der Weg hindurch heißt Knüppeldamm. Der freie Blick auf die Spree wird oft durch eine Reihe von Büschen und Bäumen verhindert. Mit der dicken, grauen Wolkendecke lässt sich das schwindende Licht leider nicht mehr weg-erklären. Die Dämmerung kriecht aus den dunklen Winkeln hervor. Vermehrt sind nun wieder joggende Mitmenschen zu beobachten, die spätestens seit der Oberbaumbrücke fast verschwunden waren. Am Wiesendamm ist der Knüppeldamm zu Ende. Nach etwa 17 km - mit nur minimalen Unterbrechungen - autofreien Uferweg muss ich nun die Spree verlassen und neben der ungemütlichen Durchfahrtsstraße "Freiheit" durch das Gewerbegebiet laufen. Hinter der gigantischen Müllverbrennungsanlage Ruhleben führt eine Straße auf die lange, spitze Halbinsel Sophienwerder, die zwischen dem begradigten Flusslauf und einem Altarm liegt. Obwohl ich keine besonders große Hoffnung habe, dass es klappt, will ich den Versuch wagen, bis nach vorne zur Spitze zu kommen. Einen Bürgersteig gibt es bald nicht mehr. Auf der schmalen Straße ist jedoch kein Verkehr. Neben langweiligen, hohen Mauern und Zäunen scheinen sich die knapp 2 km ewig hinzuziehen. Illegal entsorgter Sperrmüll und abgestellte LKW säumen den Straßenrand. Ich finde es ein wenig unheimlich, hier durch die einsame Dunkelheit zu laufen. Begegnen möchte ich hier niemandem. Kurz vor der Spitze stehe ich, wie befürchtet, vor einem verschlossenen Tor. Das Ende der Landzunge gehört dem Wasser- und Schifffahrtsamt. Schade! Wäre lustig gewesen, von dort aus zur Spreemündung zu schauen. Da hilft das Jammern aber auch nicht und unterdes ist es eh zappenduster. Auf der langen, einsamen Straße geht es wieder zurück. 40 Minuten später stehe ich wieder an der Kreuzung neben dem Müllheizkraftwerk. Auf der Freiheit passiere ich nun die andere Seite des großen Industrie- und Gewerbegebietes. Im Unterschied zu vorher fahren viele Autos, doch es gibt auch einen Fußweg. Weniger trostlos ist die Strecke trotzdem nicht. Der offizielle Spreeweg (Grüner Hauptweg Nr. 1 ) führt wahrscheinlich deswegen auch nicht hier entlang, sondern noch viel weiter vom Fluss entfernt, durch die Murellenschlucht. Weder von hier noch von dort kann man die Spree sehen. Ich erreiche Stresow und bin wieder in bewohntem Gebiet. Die weihnachtlich beleuchteten Fenster und Balkone machen es gleich viel gemütlicher und ich kann meinen Schritt wieder etwas verlangsamen und die verbleibenden Meter entspannt zurücklegen. Der Stresowpark liegt direkt hinter der Spreemündung an der Havel. Näher heran kommt man auf dieser Seite nicht an die Mündung und kann leider auch nicht um die Ecke der historischen Industriehallen herumschauen. Doch von der Charlottenbrücke und natürlich von der Spandauer Sternbergpromenade kann ich - so gut das eben aktuell noch möglich ist - das Ende des 400 Kilometer langen Flusses sehen. Ein Jahr lang habe ich sie begleitet und auf den 13 Etappen viele ihrer verschiedenen Facetten kennengelernt und miterlebt. Es war eine tolle Reise und, wie immer, bin ich ein bisschen traurig, dass sie nun vorbei ist. Doch stolz bin ich auch. Nicht zuletzt auch darüber, dass es keinen so gravierenden Motivationshänger gab wie bei der Havelwanderung, sondern, dass ich es geschafft habe, das Vorhaben kontinuierlich, Monat für Monat, weiter voranzubringen. Wer öfter schon mal in meinen länglichen Komootberichten herumgelesen hat, wird's wohl nicht überraschen, dass diese letzte Etappe mir am meisten Kopfzerbrechen bereitet hat. Stadtwanderungen stehen auf meiner Beliebtheitsskala nicht sehr weit oben. Da die Spree aber nun einmal hindurchfließt, gab es je keine Option unbehelligt davonzukommen. Alles in allem hielten sich der Nervigkeits-, Verkehrs- und Lärmfaktor in deutlich bescheideneren Grenzen als befürchtet. Abgesehen vom Anfangs- und Endstück verlief die gesamte Strecke fast autofrei - was mir wirklich viel bedeutet - zum größten Teil sogar auf schönen, ufernahen Flanierwegen. Dennoch bleibt, anders als bei einer Wanderung durch den Wald, in der Großstadt ein nicht unterschreitbares Stresslevel bestehen. Es war eher ein Zufall, dass der Termin für die letzte Etappe auf einen Sonntag fiel, wo die Hektik der Stadt zumindest ein klein bisschen weniger aufdringlich ist. Außerdem ist ja gleich Weihnachten. Davon abgesehen war die Wanderung der Länge angemessen anstrengend und 2–3 Sonnenstrahlen hätten mir die Stimmung auch nicht vermiest. Ich hoffe, die Fotos sind trotzdem halbwegs anschaubar.

08:07

46.2km

5.7km/h

340m

350m

, , and others like this.

went for a bike ride.

December 1, 2025

Blick aus dem Fenster und zum Thermometer. Kurz entschlossen lasse ich alles, was ich eigentlich heute Nachmittag erledigen wollte, stehen und liegen, werf mich in Schale und schwing mich auf's Fahrrad. Die Strecke so notdürftig zusammengeklickert - irgendwo durch den Wald - wird schon passen. Tut's auch. Gut sogar. Natürlich kommt man immer wieder an bekannten Stellen vorbei, nicht zuletzt, weil Komoot bestimmte Wege besonders bevorzugt, aber es war doch überraschend viel unbekanntes Terrain dabei. Den Krumme Lanke-See bei Lanke und überhaupt die Strecke über die Hügel zwischen Lanke und Biesenthal kannte ich überhaupt nicht. Dabei war ich schon zig-Mal in beiden Orten. Nässe, Kälte und das pappige, alte Laub machen aktuell selbst sandigsten Wege recht gut passierbar. Es ist eine wahre Lust durch den Wald zu wetzen. Eigentlich wollte ich nur bis Bernau zur S-Bahn radeln. Doch trotz der bereits 60 weggeradelten Kilometer und obwohl es inzwischen schon stockduster war, hatte ich noch nicht genug. Da geht noch was. Eine vollkommen unbekannte Waldstrecke hätte ich mir wohl nicht mehr zugemutet, doch den Pankeradweg von Bernau bis zum Schlosspark Niederschönhausen - das krieg ich auch mit verbundenen Augen hin. Um den ganzen unerledigten Sch..ß tut's mir kein bisschen leid.

03:27

79.5km

23.0km/h

410m

440m

, , and others like this.

went for a hike.

November 21, 2025

Immerhin ist’s nicht mehr vollkommen duster als der Bus Nr. 423 mich an der Endhaltestelle Steinfurt-Vorwerk raussetzt. Publikumsverkehr hat dort anscheinend einen gewissen Seltenheitswert. Der Busfahrer rauscht ohne Anzuhalten durch die Wendeschleife. Erst nach protestierendem Rufen bekomme ich einen Zusatzhalt auf der anderen Straßenseite. Allerdings muss ich zugeben, dass ich zuvor nicht die Haltewunschtaste betätigt hatte, sondern davon ausgegangen war, dass man am Ende automatisch rausgeschmissen wird. Offenbar nicht. Mein erster Weg führt natürlich hinunter zur Spree. Über den frostweißen Wiesen hängt blaugraues Zwielicht. Wo ich nun schon extra so früh aus den Federn gekrochen bin, hatte ich ein wenig auf einen hübschen Sonnenaufgang spekuliert, doch undurchdringliche Wolken hängen über der Spreeaue. Auch meine zweite Hoffnung wird enttäuscht. Der gestrichelte Weg, der auf der Karte neben dem Fluss verläuft, ist – wie schon halb vermutet – kein echter Weg. Die Fahrspur endet am Weidezaun. Weiter hinten sind Kühe zu sehen. Vor denen fürchte ich mich zwar nicht, jedoch stiefelt auf der benachbarten Pferdekoppel eine dick eingemummelte Frau herum. So gerne ich über die Wiesen neben dem Fluss bis zur Autobahnbrücke gelaufen wäre, direkt vor ihren Augen einfach durchzumarschieren, kommt mir doch etwas zu dreist vor. Der Vollständigkeit halber frage ich. „Nein, da geht’s nicht weiter“, sagt sie. Ich nehme die Straße. Langsam wird es heller. Langsam nur, komme ich vorwärts. Wegen all dem glitzernden Puderzucker-Raureif muss ich bei jedem zweiten Schritt stehenbleiben, es bewundern und probieren ein Foto davon zu machen. Trotzdem lasse ich es mir nicht nehmen, den Abstecher zur Spree bei der Autobahnbrücke zu machen, bevor ich nach Burig weiterlaufe. Dort lasse ich endlich den Asphalt hinter mir. Als das Dorf gerade hinter mir liegt, bahnt sich die Sonne einen Weg durch die Wolkenbänke. Ihr gleißendes Licht verleiht allem um mich herum mit einem Mal strahlende Farben und Strukturen aus Schatten. Ein herrlicher, kleiner Wanderweg führt am Waldrand entlang um das Sumpfareal einer alten Flußschleife. Dahinter trifft er kurze Zeit später auf die Spree und folgt ihr als Uferweg bis Spreebord, einem Ortsteil von Neu Zittau. Ich wandele weiterhin noch ganz verzaubert durch die ungewohnten Winterpracht, in die der Nachtfrost die Welt getaucht hat. Die Luft ist immer noch lausekalt. Von der schwarzen Wasseroberfläche steigen zarte Nebelschwaden auf. Ein wenig mystisch. Das Dorf touchiere ich nur kurz auf einer Nebenstraße. Anschließend überquere ich die Spree und laufe 1,5 km auf dem Radweg neben der Landstraße. Dort rollt der morgendliche Berufsverkehr aus dem Umland nach Erkner. Unterwegs komme ich an der kleinen Siedlung mit dem ulkigen Namen „Schönschornstein“ vorbei. Noch bevor die Straße die ersten Stadtrandsiedlungen erreicht, verlasse ich sie. Ein kleiner Pfad führt durch die weißen Wiesen zur Spree und anschließend weiter bis zum Anfang des Bretterschen Grabens. Zur Mündung der Spree in den Dämeritzsee führt leider kein Weg. Auf der linken Seite sind Grundstücke, rechts ist wegloser Sumpf- und Auwald, welche zudem unter Naturschutz stehen. Ich folge dem Wanderweg am Graben entlang. Die Sonne strahlt nun vom blauen Himmel herab und hat so einige Spaziergänger hervorgelockt. In der Wohnsiedlung Neuseeland ist einer der wenigen Wasserzugänge auf dieser Seite des Dämeritzsees. Anhand des weißen Schifffahrtzeichens kann ich so ungefähr die Stelle ausmachen, wo die Spree einmündet. Ich laufe durch die Siedlung Richtung Stadtzentrum. Schicke Villen hinter schmiedeeisernen Toren und Zäunen säumen die Straße. Die Innenstadt von Erkner war im 2. Weltkrieg quasi vollständig zerstört und hinterher im DDR-Stil wieder hochgezogen worden. Obwohl inzwischen alles schick saniert wurde und neue Gebäude etwas architektonische Abwechslung beitragen, ist ein Rest-Charme von Plattenbausiedlung geblieben. Ich jedenfalls muss mich dem heute nicht stellen sondern schlüpfe entlang des Seeufers daran vorbei. Immer weiter geht es um den See. Unbemerkt überquere ich dabei die Berliner Stadtgrenze. Im Hessenwinkel stehen noch größere und mondänere Villen als auf der gegenüberliegenden Seite des Dämeritzsees. Danach reicht's mir aber erstmal wieder mit Gehwegwandern. Nachdem ich die sogenannte Russenbrücke überquert habe, kann ich endlich wieder über weichen Waldboden laufen. Richtig dicht kommt man hier jedoch nicht an die Spree heran. In der Wochenendhaussiedlung Schönhorst mache ich einen Abstecher zum Wasser hinunter. Gegenüber liegt Klein Venedig mit seinen vielen kleinen Kanälen. Seinen Reiz entfaltet es vor allem vom Wasser aus. Dann geht es weiter über die Wiesen und durch den Wald. Die Müggelspreefähren F23 und F24 fahren im Winter nicht. Sonst hätte es mich sicher ernsthaft verlockt dem hübschen Kern des Fischerdörfchens Rahnsdorf einen Besuch abzustatten oder von Neu-Helgoland über den kleinen Müggelsee nach Müggelhort überzusetzen. Sei's drum. Der Uferweg am Kleinen Müggelsee ist ein wunderschöner Trampelpfad. Wäre schade gewesen, ihn verpasst zu haben. Der Große Müggelsee. Beeindruckend groß und dunkelblau liegt er jetzt vor mir. Fast 4 km entfernt sind die winzigen Häuschen von Friedrichshagen. Sie leuchten in strahlendem Weiß über das Wasser. Der Weg verläuft ein Stück entfernt vom Ufer im Wald aber immer in Sichtweite des Wassers. Ab und an findet sich eine kleine Angler- oder Badestelle, von wo ein ungehinderter, freier Blick über den See möglich ist. Da das Wetter so wunderbar klar und sonnig ist, entscheide ich mich kurzerhand zum Müggelturm hochzulaufen. Tatsächlich, muss ich gestehen, sind inzwischen schon mehrere Jahre vergangen, dass ich ihn das letzte Mal besucht habe. Gute Gelegenheit. Ich hatte gar nicht mehr in Erinnerung, dass die Müggelberge so hoch sind. Kurzer Schreck: alles dicht?! - Nein. Der Turm ist zum Glück geöffnet. Das Restaurant dagegen macht nur am Wochenende auf. Ich genieße den weiten Blick von oben. Die Sicht zwar doch etwas diesiger, als ich mir vorgestellt hatte, aber immer noch recht gut. Sogar die Cargolifter-Halle vom Tropical Island ist noch zu erkennen. Naja, gerade so. Der Rückweg zum Müggelsee geht schnell. Ich lege ein kleine Pause beim Rübezahl ein. Dort sieht's aus wie im tiefsten Winter. Durch die Müggelberge und den Wald von der Sonne abgeschirmt, scheint sich hier die Kälte länger zu halten und der Raureif hat sich in den letzten Tagen zu dicken Schneemützen auf Tischen und Stühlen des Biergartens aufgetürmt. Es ist wirklich kalt. Ich schlinge meine Bratwurst hinunter bevor sie einfriert und bereue fast, dass ich mir ein kaltes Bier statt eines Glühweins bestellt habe. Nicht zuletzt die unerträgliche Rummelplatzmukke, die aus der Eisbahn schallt, zwingt mich zu höchster Eile. Trotzdem braucht es 2-3 Kilometer straffen Wanderschritt, bis die kalten Finger und Zehen wieder warm geworden sind. Die Aussicht über den See ist zwar von der Uferpromenade auf anderen Seite besser, aber ich laufe heute nicht durch den Spreetunnel nach Friedrichshagen, sondern begnüge mich einem Foto. Langsam aber stetig steigt bereits der Schatten des Waldes auf den Fassaden der Häuser am gegenüberliegenden Ufer empor. Zwar mache ich mir keine Illusionen, dass ich die verbleibenden 11-12 km noch schaffe, bevor die Sonne untergeht, aber Trödeln ist jetzt auch nicht mehr angesagt. Das Stück an der Müggelspree zwischen Spreetunnel und Savador-Allende-Brücke ist für heute der letzte längere Abschnitt in der Natur oder zumindest durchs Grüne. Als ich die Treppenstufen zur Brücke erklommen habe, braust mit einem Mal der Großstadtverkehr um mich herum. Das in Gedanken versunkene, halb automatische Einen-Fuß-vor-den-anderen-Setzen ist nun vorbei. Mit mir und entgegen bewegen sich Menschen, Fahrräder, E-Roller und Hunde, fordern Aufmerksamkeit. Ich brauche einen Moment. Entlang der hohen Mauer laufe ich um das Gelände des alten Kabelwerks herum. Die leeren Industriegebäude aus roten Ziegeln ragen hoch hinauf. Auf Vorsprüngen und in Mauerritzen krallen sich kleine Bäumchen fest. Lost-Place-Feeling. An der Rückseite knabbern die Bagger. Die alten Produktionshallen sind fast vollständig verschwunden. Auf dem dahinter liegenden Gelände bis zu Ufer liegen große Haufen von Abrißschutt. Ein Stück weiter, auf der Halbinsel Krusenick, kann man sehen, wohin die Reise geht. Alles neu. Wohntürme mit vielen Balkons zu Wasserseite reihen sich am Ufer. Auf dem Katzengrabensteg geht es hinüber zur Köpenicker Altstadt. Ich bleibe auf dem Fußweg dicht am Wasser, meide den Verkehr, den Lärm und die bunten Farben dort oben. Nachdem die Spree unter der Dammtorbrücke hindurchgeflossen ist, nimmt sie von links die Dahme in sich auf. Es wirkt eher anders herum, denn die Dahme ist hier mindestens 3 oder 4 mal so breit wie die Spree. Um dem linken Spreeufer weiter folgen zu können, umrunde ich die Köpenicker Altstadt nun ein Stück entlang der Dahme durch den Luisenhain. Die parkartige Uferpromenade erstreckt sich von der Dammbrücke bis zu Langen Brücke. Für ein hübsches Foto vom Köpenicker Schloss bin ich eine halbe Stunde zu spät. Die Sonne steht schon zu tief. Aber an seiner Wasserseite steht sowieso ein häßliches Baugerüst. Von der Hektik und dem Lärm des freitäglichen Feierabendverkehrs begleitet, geht's über die Dahme. Doch schon in der nächsten Seitenstraße ist der Trubel nur noch Erinnerung. Die Ortslage heißt Spindlersfeld. Auf die Spree treffe ich in dem kleinen Menzelpark wieder. Sie heißt jetzt nicht mehr Müggelspree sonder Treptower Spree. Von dort zieht sich ein Grünstreifen Ufer entlang, in dem ein breiter Spazierweg verläuft. Die hiesigen Neubausiedlungen hat man netterweise etwas weiter hinten errichtet, sodass alle den Blick über den Fluss genießen können. Weiter voraus, im Eiselenweg, wo auch der Namensgeber des Quartiers seine Villa hatte, geht das nicht mehr. Dort finden sich exklusive Wassergrundstücke. Zwischen Spindlerbrücke und Oberspree, einem Ortsteil von Niederschöneweide, ist ein kleiner Wald. Unter den Bäumen ist es nun schon ziemlich dunkel. Ich fange an, über die Stirnlampe nachzudenken, die ich im Rucksack mit mir herumtrage. Von jenseits des Horizonts trifft ein letzter, schwacher Widerschein der Sonne auf den Himmel und spendet soviel Licht, dass er in einem tiefen Blauton erstrahlt. Die Spree wirft ihn zurück und blinkert durch die Baumstämme. Als ich Oberspree erreiche, muss ich erneut auf die Straße wechseln. Zunächst laufe ich durch eine verkehrsarme Seitenstraße, den Bruno-Bürgel-Weg, wo sich neben einigen Gewerbebetrieben, lauter Sportplätze befinden; das Nachwuchszentrum des 1. FC Union, wie ich lese. Eltern stehen auf dem Gehweg davor herum oder sitzen in ihren geparkten Autos und warten auf ihre Sprösslinge. Kurz bevor ich auf die dicht befahrene Schnellerstraße einbiege, ergreife ich in einem kleinen Areal aus neu gebauten Stadthäusern die Chance, den allerletzten Rest vom Sonnenuntergang über der Spree zu erhaschen. Die laute Hauptstraße kann ich jedoch bald wieder verlassen. Hinter der Häuserzeile führt nun wieder ein Weg am Ufer entlang. Am anderen Spreeufer ist die gründerzeitliche Industriearchitektur des ehemaligen Kabelwerks Oberspree zu sehen. Das Licht der Straßenlaternen und beleuchteten Fenster wird von der unruhigen, schwarzen Flussoberfläche gespiegelt und verzerrt. Über Schöneweide gibt es vermutlich bändeweise zu erzählen, besonders über die aufstrebende Industriealisierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts - Kabelwerk, Kraftwerk, Akkumulatorenwerk, Werkzeumaschinenbau, um nur einige zu nennen. Als sonderlich schöner Stadtteil ist es jedoch nicht bekannt. Da macht's eigentlich nix, dass es schon dunkel ist. Ich beschließe - um meiner Planung zu genügen - den kleinen Schlenker nach Oberschöneweide, auf der anderen Spreeseite, nicht wegfallen zu lassen. Hin über den Kaisersteg, zwischen den alten Werkhallen hindurch und auf der Treskowbrücke zurück. Mehr Spree geht dann heute nicht. Der S-Bahnhof liegt geradezu. Welten liegen zwischen dem Anfang der heutigen Etappe in Steinfurt und dem Ende in Schöneweide. Während ich in dem dicht gedrängten Pulk von Menschen auf die S-Bahn warte, denke ich fast mit Wehmut an die weite, dunkle Einsamkeit der morgendlichen Spreewiesen zurück. Der heutige Weg war lang, aber auch gnädig mit mir. Er hat mich nicht brüsk und unvermittelt ins Großstadtgewimmwel geschubst, sondern mich recht behutsam herangeführt. Es gibt entlang der Stecke gar keine eindeutig definierbare Grenze, von der ich sagen könnte "hier", hier ist der Übergang; hinter mir Land, vor mir Stadt. Was dem vielleicht am nächsten kommt sind wohl zwei Punkte: Zum einen, wo der Bretterschen Graben Erkner erreicht und zum anderen das Ende der Promenadenwegs neben der Müggelspree an der Salvador-Allende-Brücke. Dazwischen tauchen zwar immer wieder städtische Gebilde auf - Villenviertel, Neubau- und Einfamilienhaussiedlungen, verkehrsreiche, breite Straßen, Industrie- und Gewerbegebiete, doch verschwinden sie auch wieder und man läuft durch wieder durch die Natur. Insgesamt blieb der Weg jedoch trotz der im Verlauf stark zunehmenden Besiedlungsdichte einigermaßen unbehelligt von dessen unangenehmen Begleiterscheinungen. Nun wartet noch die allerletzte Wanderetappe an der Spree auf mich. Ich fürchte mich ein wenig davor, denn Stadtwanderungen sind nicht wirklich meins. Vielleicht überrascht sie mich aber auch damit, dass sie viel schöner wird, als ich mir gerade vorzustellen vermag.

07:52

44.6km

5.7km/h

490m

480m

, , and others like this.
Loading