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Pedalen-Paul and Carmense went for a hike.
3 days ago
Día 1028: de Acatenango al Campo Miratenango
Carmens Wecker klingelte heute morgen um 4:00, denn sie wollte zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel des Acatenangos sein. Ich hatte gestern Abend schon entschieden, nach der 12h-Wanderung in die Nacht hinein, dass ich da raus bin. Ich war viel zu fertig, um heute morgen schon wieder bei Dunkelheit die steile Wand hinauf zum Gipfel zu klettern. Zwar hatte ich mir das bis zum letzten Moment offengehalten, aber die schlaflose Nacht, in der wir beide ziemlich gefroren hatten in unseren zu dünnen Schlafsäcken und auf knapp 4000m Höhe, auf die wir überhaupt nicht akklimatisiert sind (das Herz schlägt schneller und die Atmung macht seltsame Sachen, die einen nicht schlafen lassen, wenn man nicht daran gewöhnt ist), waren das Zünglein an der Waage, die zu der Entscheidung führten, Carmen nicht bis auf die Spitze zu begleiten. Die Nachtwanderung gestern fand ich schon ziemlich grenzwertig, und die zusätzlichen 300-400 Höhenmeter, die ich heute mit meinen fast profillosen Sohlen meiner abgenutzten Wanderhalbschuhen zusätzlich zu den sowieso schon etwa 1300 Höhenmetern herunterrutschen hätte müssen, das war mir zu viel. Als Carmen 4:20 fast lautlos aus dem Zelt kroch, schnappte ich mir ihren Schlafsack und mummelte mich auch noch mit diesem ein und fand wenigstens noch ein bisschen Schlaf, bis sie gegen 7:00 wieder das Zelt öffnete. Ihre Fotos vom Sonnenaufgang sprechen Bände, ganz bestimmt habe ich da was ganz Spektakuläres verpasst, aber es ging einfach nicht und mein schlechtes Gewissen hielt sich dennoch in Grenzen, trotz des perfekten, schönen Wetters. Unser Zeltplatz allerdings lag im Sonnenschatten der Morgensonne, mit klammen Fingern baute ich unser Zelt ab und wir packten unsere Rucksäcke. Die Höhe führt auch dazu, dass man kaum Hunger hat, und so fiel auch unser Frühstück sehr minimal aus (ein Teil des Brotes war sowieso verschimmelt). Langsam traten wir den Rückweg an, die Beine waren schwer, die von Carmen wahrscheinlich noch umso mehr, nehme ich an. Nach ein bisschen Rumgeeier fanden wir den Hauptweg zurück um den Gipfel des Acatenango, bis wir nach etwa 2km wieder auf den steilen Abstieg trafen. Heute war viel weniger los, zwar waren schon auch einige Wandergruppen unterwegs, aber es war viel ruhiger als gestern, niemand rannte, alles ging recht gesittet zu. Auch kamen uns einige Räumtrupps entgegen, die wenigstens einen Teil des Mülls einsammelten, der überall in Massen herumlag. Die Camps auf dem Abstieg sahen trotzdem wirklich traurig aus, keine Ahnung, wie man da campen kann, richtig eklig. Wir machten viele kleine Pausen auf dem Abstieg, zogen immer mal wieder ein Kleidungsstück aus, langsam wurden die Temperaturen angenehmer, umso weiter wir ins Tal kamen. Nebenbei hatte ich ab und zu mobiles Internet und schickte fleißig Nachrichten zu DHL, kleckerweise verlangen die immer mehr absurdes Zeug von mir: Steuerabrechungen und Kopien vom Ausweis meines Kontaktes in Guatemala City, Unterschriften unter undurchsichtige Dokumente - hoffentlich hat dieser Wahn bald ein Ende! Aber nun ja: Ostern ist vorbei und es arbeitet da auch mal wieder jemand und es keimte Hoffnung, das innerhalb der nächsten Tage meine Rohloff von DHL an den guatemaltekischen Zoll übergeben wird und dann auch mal bei meinem Gastgeber in Guatemala-Stadt ankommen wird. Wir wählten für den letzten Teil des Abstiegs diesmal nicht den Weg, wo man bezahlen muss, sondern die östlichere Variante, einem schmalen, sehr steilen Weg mit tiefen Treppenstufen und noch rutschigerem Lavasand. Links und rechts säumte nagelneuer Stacheldraht diesen Weg und machte den Abstieg nochmal etwas adrenalingeladener; rutscht man hier mal weg, kann man sich schön die Klamotten aufschlitzen oder wahlweise auch das Gesicht. Hier setzte ich mich auch einige Male auf meinen Hintern, die Kombination aus Steilheit und Rutschigkeit war echt mies. Kate hatte uns per Nachricht schon vorgewarnt, auch sie hatte sich hier hingelegt. Nachdem wir das Restaurant passiert hatten, an dem wir vorgestern Abend zuerst zelten wollten und wo heute richtig lebendige Betriebsamkeit herrschte, kamen wir noch an einigen großen Wandergruppen vorbei, die von ihren Guides Abschlusszertifikate überreicht bekamen und die obligatorischen Gruppenfotos mit viel Gepose schossen. Nochmal freuten wir uns, kein Teil dieser Gruppen gewesen zu sein. Die letzten Meter schleppten wir uns ziemlich durchgenudelt bis zum Zeltplatz, wo Kate uns freudig und mit ihrer recht lauten, sehr bestimmenden Art begrüßte und Willkommen hieß. Wir sortierten unser Geraffel durch, gaben ihr ihr geliehenes Equipment zurück und machten uns auf den Weg zurück ins Dorf, um dort auch noch das gemietete Zelt, den Rucksack und die Wanderstöcke zurückzugeben. Danach fuhr uns Kate zurück nach Antigua, zuerst noch zu einem Optiker, denn Carmen braucht neue Brillengläser. Ihre Brille war auf der Busfahrt von Tikal auf den Boden gefallen, lag da die ganze Nacht unter meinen Füßen und die Gläser waren nun völlig zerkratzt. Tatsächlich war es möglich, dass sie hier bis morgen neue Brillengläser angefertigt bekommen konnte, welch ein Glück. Als letztes fuhr uns die liebe Kate auch noch zum Campingplatz zurück. Sie überhäufte uns mit Nahrungsmitteln aus ihrem Kühlschrank, denn sie schafft ihren Bulli heute zum Mechaniker, auch ihre Ersatzteile hatte DHL nun endlich geliefert, auf die sie, genauso wie ich, längere Zeit gewartet hatte, irgendwie ein unsichtbares Band, was uns die letzten Tage auf dem Campingplatz verbunden hat. Sie wird noch heute nach El Salvador fliegen und musste deswegen ihren Kühlschrank leeren, was uns wiederum zugute kommt. Wir luden sie im Campingplatzrestaurant dafür zu einer großen Schale Nachos und Zwiebelringen ein, danach trennten sich nach einer langen Verabschiedungszeremonie unsere Wege. Ich zog wieder in meine Yacht ein, Carmen nahm sich heute mal den alten VW T1 als Übernachtungsmöglichkeit, wir waren beide echt kaputt von der Wandertour und brauchten Ruhe und Erholung.
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Pedalen-Paul and Carmense went for a hike.
4 days ago
Día 1027: Volcanes Acatenango y Fuego
Die Nacht am Fuße des Acatenango war ruhig und angenehm frisch. Trotz Ankündigung wurden wir nicht durch andere Wanderer gestört, die hier mitten in der Nacht aufbrechen; auch nicht von Kate, die ihren Bulli nebenan auf dem Parkplatz geparkt hatte und verrückterweise auch 1:00 nachts aufgebrochen war, um zum Vulkan Fuego aufzusteigen (sie wollte die Wanderung am Stück machen, da sie es sich ersparen will, Zelt, Campingzubehör und Wasser für 2 Tage da hochzuschleppen - durchaus ein Argument!). Netterweise hatte sie uns aber einen Schlüssel für ihren Bus da gelassen, und so konnten wir da drin unser Frühstück zubereiten und unsere Rucksäcke final packen. Gegen 8:30, bei klarem, schönem Sonnenwetter, wie wir es seit Tagen nicht gesehen hatten, starteten wir in den langen Wandertag hinauf zum Acatenango und vielleicht noch zum Fuego, dem aktivsten Vulkan Zentralamerikas. Zuerst schlappten wir das erste Stück bis zum Restaurant hinauf, wo wir gestern zuerst eigentlich zelten wollten. Ab da gab es zwei Wege weiter bergauf, wir entschieden uns für den rechten Weg, denn auf dem sehr schmalen, linken Weg kamen uns massenweise Wanderer entgegengerannt (ja, wirklich, man rennt hier). Nachdem wir auf der rechten Seite die ersten 200 Höhenmeter weggeklettert hatten, kam von hinten ein Guide angeschnauft und wollte Geld von uns, da dieser Weg privat sei. Wir waren beide richtig angepisst, denn es gab zu Beginn des Wanderweges kein Schild und keinen Hinweis darauf, aber wir wollten natürlich den steilen Berg auch nicht wieder hinablaufen und zahlten zähneknirschend 50 Quetzal Wegezoll. Wir erreichten den Wald, der uns ab nun bis zur Baumgrenze begleiten würde, der Weg wurde noch steiler und uns kamen zahllose Wanderer entgegen, viele rannten mit Gepäck den Berg herunter, animiert durch ihre jungen Guides, die sich einen Spaß daraus machen, die zumeist jungen Backpacker aus aller Welt zu diesem kleinen Wettbewerb anzustacheln. Völlig bekloppt. Der Untergrund, dunkler, loser Lavasand, ist sehr rutschig, was das Gerenne noch deutlich gefährlicher macht. Wirklich erstaunlich, denn grob geschätzt mehr als 90% der Leute sind hier mit Guides und in Gruppen unterwegs, man sollte eigentlich meinen, den Guides sollte die Sicherheit ihrer Wandergruppe wichtiger sein als solch alberner Spaß. Mit den Unmassen an Wandergruppen um uns herum blieb der Genuss auch ein wenig auf der Strecke; Deutsch, Englisch, Französisch, Holländisch, Japanisch, Spanisch, die ganze Welt ist hier unterwegs, aber auch viele Einheimische - die beiden Vulkane sind zweifelsohne eine der größten Attraktionen Zentralamerikas. Wir hofften, dass es später ein wenig ruhiger werden würde, denn um den aktiven Vulkan Fuego, der die eigentliche Attraktion ist, erreichen zu können, gibt es zwei Wege um den Gipfel des Acatenangos herum, einen westlichen und einen östlichen. Wir entschieden uns für den westlichen, denn der östliche wird fast ausschließlich von Gruppen mit Tourguides genutzt, wir hätten dort nochmal bezahlen müssen zusätzlich zu der Wegegebühr und später noch der Eintrittsgebühr, die wir ebenfalls zu entrichten hatten. Zwar erwarteten uns auf der westlichen Seite ein paar mehr Höhenmeter, aber dafür wurde es tatsächlich ein wenig ruhiger. Was uns wirklich schwer schockierte, war der viele Müll, vor allem in den 2-3 Camps unterwegs. Noch nie habe ich so einen vermüllten Bergwanderweg gesehen, auch das schmälerte den Wandergenuss ein wenig und spricht leider Bände über die Mentalität der Leute hier, einheimischer wie auch ausländischer Touristen. Furchtbar. Die Camps waren vor lauter Müll eigentlich kaum noch nutzbar. Immer wieder trafen wir auch die bedauernswerten Träger, die Holz, Wasser und Gepäck für ihre allerhöchstens mittelmäßig zahlenden Kunden hochschleppen - nicht mehr als 25$ bekommen die Träger für etwa 25kg Gepäck. Ich trag mein Zeug lieber selber, ich könnte das nicht, jemand anderes mein Zeug hochschleppen zu lassen, auch wenn die Träger natürlich davon leben und es ihr Lebensunterhalt ist; trotzdem würde ich mich nicht gut damit fühlen. Mit Erreichen der Baumgrenze um die Mittagszeit herum wurde es deutlich kühler, nebliger und feuchter. Kurz vorher hatten wir uns einfach an den Wegesrand gesetzt und unser Brot mit Käse und Salami gegessen sowie Bananenbrot, unsere einzige Verpflegung für heute und morgen. Gleichbleibend steil ging es immer weiter bergauf, bis wir in etwa 3700m Höhe erreicht hatten und ab diesem Punkt die letzten 1-2km unterhalb des Gipfels des Acatenangos bis zum Basecamp weiterstapften, endlich weniger steil. Dabei gab es ein paar schöne Aussichten in die unter uns liegenden Täler und Berge, wenn sich kurz mal die ständig sehr dynamisch verändernde Wolkendecke lichtete. Am Basecamp angekommen hieß es, unsere Plattform zu finden, denn hier haben viele Touranbieter ihre Hütten auf den jeweils eigenen Plattformen am steilen Hang unterhalb des Gipfels gebaut. Unsere Plattform gehört Don Valeriano unten aus dem Dorf, dort gibt es gar nichts, nur eine kleine, flache Fläche zum Zelten, aber mehr brauchen wir ja auch nicht. Nach einiger Sucherei und ein bisschen Rumgefrage fanden wir dann auch unsere Plattform, die natürlich auch ordentlich vermüllt war; wir räumten ein bisschen auf und bauten unser Zelt auf. Nach etwa 1200 Höhenmetern hatten wir uns eine Pause verdient und so krochen wir ins Zelt und machten eine kleine Mittagsruhe. Von unserer Plattform aus hat man schon einen spektakulären Blick, nicht nur ins Tal, sondern vor allem auf den in südlicher Richtung gelegenen Fuego, wenn sich denn die Wolkendecke mal lichtet. Aber man sieht ihn nicht nur, sondern man hört ihn vor allem, mit einem sehr charakteristischen Geräusch speit er alle paar Minuten Lava und Gas aus, mal mehr, mal weniger grollend und irgendwie blechern zischend. Eindrucksvoll, sehr eindrucksvoll. Wir hofften, dass sich das Wetter zum Abend doch noch etwa bessern würde, denn mittlerweile, gegen 15:00 hatte sich der Himmel komplett zugezogen, dichter Nebel waberte um unser Zelt und wir warteten einen leichten Nieselregen ab. Gegen 16:00 aber zogen wir dann noch noch los, obwohl es immer noch sehr nebelig war und man bisweilen vom Fuego nichts sehen konnte. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Vom Basecamp aus geht es erstmal wieder knapp 400 Höhenmeter runter, um dann wieder genauso viel hinaufzuklettern, um nah an den Fuego heranzukommen. Zur gleichen Zeit wie wir brachen auch viele andere Wandergruppen auf, um am Abend bzw. in der Dunkelheit den feuerspuckenden Vulkan von nächster Nähe aus zu betrachten. Wir versuchten, uns an den vielen Leuten vorbeizudrängeln, was auch ganz gut gelang, und so kamen wir vor einem großen Teil der Gruppen oben an, allerdings leider immer noch in dichtem Nebel. Immer nur wenige Sekunden brach hier und da die dichte Wolkendecke auf und gab für einen kurzen Moment den Blick auf das tiefe Tal und zuweilen auch auf den vor uns liegenden Vulkankrater frei, ohne aber jedoch mal einen Moment preiszugeben, wenn er wirklich richtig Lava spuckt. Gespannt saßen alle Wanderer auf dem schmalen Kamm im dichten Nebel, genauso wie wir hoffend, dass es doch noch aufklaren würde, den Sonnenuntergang und die Dunkelheit abwartend. Immer wieder zischte und fauchte blechern der Fuego, einen Moment lichtete sich kurz die Wolkendecke und eine fette Rauchsäule und etwas Lava war durch den Nebel zu sehen. Bitterkalt und schneidend windig war es auf dem exponierten Kamm, wir hatten so ziemlich alles an Klamotten an, die wir dabei hatten, wer hätte gedacht, dass wir in Zentralamerika nochmal solche Temperaturen erleben würden. Die Dunkelheit setzte ein und tatsächlich, es klarte ganz langsam auf und wir konnten glühend leuchtende Lava sehen. Allerdings hatte ich leider ziemliches Bauchgrummeln, uns war furchtbar kalt und mir graute es vor dem langen Rückmarsch in der Dunkelheit an diesem sowieso schon langen Wandertag, und wir zogen uns langsam zurück, ein bisschen wehmütig, weil es nun immer mehr aufklarte und der Vulkan alle paar Minuten Feuer und Lava spukte, ein absolut beeindruckendes Schauspiel mit Gänsehautmomenten. Die ganzen jungen Ami-Backpacker grölten und schrien immer wieder wie von Sinnen laut auf, "Oh my goooood", "Awesome", jeder muss seiner Begeisterung noch lauter zum Ausdruck bringen als sein Nebenmann; wie nervtötend junge Backpacker doch manchmal sein können. Trotzdem, auch in Verbindung mit der nicht ganz einfachen Wanderung hier herauf hat sich das alles absolut gelohnt, so was sieht man nicht oft im Leben und das wird lange in Erinnerung bleiben. In der Dunkelheit, mit dem Kopflicht auf der Stirn, rutschten wir mehr als wir liefen auf dem Lavasand wieder den Fuego hinunter, immer wieder die Köpfe zum Vulkankrater drehend, wenn dieser erneut Lava spuckte, scheinbar immer größer und spektakulärer wurden die Ausbrüche; beeindruckend, wie die Lava, nicht weit von uns, die Hänge links und rechts des Kraters hinunterlief. In der Talsohle zwischen Fuego und Acatenango hielt ich es nicht mehr aus, ich hatte Bauchschmerzen, irgendwas hatte ich nicht vertragen und so verzog ich mich in der Dunkelheit zwischen die Büsche....ohnehin würde es auf unserer Plattform im Basecamp nirgendwo eine Toilette geben, und so war das wenigstens schon mal erledigt. Danach ging es nochmal den steilen Hang 400 Höhenmeter hinauf zurück zu unserem Basecamp unterhalb des Gipfels des Acatenango, wie Kaugummi zogen sich die letzten Meter den Berg herauf. Nach 21:00 erreichten wir endlich unser Zelt, hundemüde und ziemlich kaputt nach fast 12h Wanderung; die Höhe knapp unter 4000m machte uns doch schon zu schaffen, wir hatten beide Kopfschmerzen und waren ziemlich ausgezehrt. Aus dem Plan, noch ein Weilchen den spuckenden Vulkan zu beobachen, wurde nichts mehr, denn es war so kalt, dass wir zu schnell auskühlten, und so zogen wir uns sofort ins Zelt und in unsere Schlafsäcke zurück und versuchten, ein bisschen Schlaf zu finden.
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Pedalen-Paul and Carmense went for a hike.
5 days ago
Día 1026: de La Soledad a Campo Miratenango
Mit Kate, der resoluten Britin, die wir auf dem Campingplatz kennengelernt hatten und die mit einem kleinen VW-Bus unterwegs ist, seit ihr Rad geklaut wurde, verstanden wir uns wirklich gut. Sie bot uns an, mit ihr zusammen in ihrem Bus zum Acatenango zu fahren, um diesen zu besteigen, so wie es viele Leute hier tun - es gilt als eines der absoluten touristischen Highlights Guatemalas, die meisten gehen mit Guides und gebuchten Gruppentouren hoch, wir wollen es auf eigene Faust machen. Gestern waren wir einkaufen und deckten uns mit Lebensmitteln ein und heute morgen packten wir unsere Sachen, ich verließ meine Yacht, in der ich die letzten Tage gehaust hatte, Carmen stellte ihr Rad und ihr Gepäck wieder auf dem Zeltplatz unter und wir stiegen kurz nach 10:00 in Kates Bus und fuhren etwa 1,5h in das kleine Dorf La Soledad, welches am Fuße des Acatenangos liegt und der Ausgangsort für die Wanderungen auf den Vulkan ist. La Soledad war deutlich weniger touristisch, als ich erwartet hatte, es ist wirklich nur ein kleiner Weiler, nicht gerade schön und auch ziemlich arm. Zuerst gingen Carmen und ich zu einem kleinen Equipmentverleih, dem einzigen hier, um uns Ausrüstung für die Wanderung zu mieten; nach ein bisschen Suchen fanden wir ein Schild und auch das Haus dazu, welches eigentlich ein normales Bauernhaus ist. Das uns dargebotene Equipment war dann auch in bescheidenem Zustand und von mittelmäßiger Qualität, eigentlich wollte ich einen wärmeren Schlafsack mieten, aber entschied mich, doch mit meinem hochzuwandern und hoffte, dass er ausreichen würde. Auch die Schaumstoff-Isomatte schlug ich aus, Kate bot mir stattdessen ihre an, die auf jeden Fall besser als meine billige Sommer-Isomatte von Decathlon ist, die ich mir in Bogota kaufen musste, nachdem sich meine gute Mountain Equipment kurz vorher delaminiert hatte. Carmen wiederum brauchte einen Rucksack, hier hatten sie tatsächlich einen ganz guten im Angebot und außerdem mieteten wir uns ein Zelt, das ausreicht, um gemeinsam drin pennen zu können. Die hochpreisigen, modernen Wanderstöcke in schlechtem Zustand schlugen wir auch aus und entschieden uns für Holzstöcke, die kosteten nur 1/5 davon. Nach ein bisschen Gehandel stand der Deal. Danach hieß es, herauszufinden, wo wir nächtigen können. Im Dorf gab es einen Parkplatz, wo man auch zelten kann, den steuerten wir zuerst an. Die Leute da waren sehr nett und hilfsbereit, Kate konnte ihren Camper da stehenlassen, Carmen und ich überlegten ein Weilchen hin und her, ob wir da zelten oder heute schon ein kleines Stück aufsteigen und einen etwas weiter oben gelegenen Zeltplatz, der auf Ioverlander eingetragen ist, aufsuchen sollten. Wir entschieden uns für letzteres, spätestens die Aussage der Parkplatzeigentümer, dass es nachts sehr unruhig auf dem Platz sein würde, da viele Touren abends und nachts starten (viele steigen tatsächlich über Nacht auf, um den sehr aktiven Zwillingsvulkan Fuego brodeln und die Lava leuchten zu sehen), überzeugte uns, wirklich noch weiter nach oben zu wandern. Ganz klar war zwar nicht, ob das klappen würde, da zu zelten, denn es gibt zwei Plätze: der erste mit vielen, sehr widersprüchlichen Aussagen, ob man da wirklich campen kann, denn eigentlich ist es nur ein Restaurant; und der zweite verlangt angeblich 50$ pro Nacht, was uns aber nicht wirklich als vorstellbar erschien. Aber das würde dich bestimmt alles finden. Wir aßen erstmal Mittag, machten uns einen großen Salat aus Kates Gemüsebeständen und dazu gab es noch Gegrilltes von einem kleinen Straßenstand nebenan. Danach sortierten Carmen und ich unser Gepäck neu und stopften die Rucksäcke. Der Plan war, heute zum untersten Campingplatz aufzusteigen, dort Carmens Zelt mit einigem Geraffel stehen zu lassen und morgen dann zum Basecamp auf ca. 3700m Höhe hinaufzuwandern und da im gemieteten Zelt zu übernachten, um am Montag morgen kurz vor Sonnenaufgang auf die Spitze des Acatenango zu wandern und danach wieder nach La Soledad hinabzukraxeln. Kate wiederum hatte den Plan, eine etwas kleinere Wanderung zu machen, nicht bis zur Spitze des Acatenangos, sondern zu einem tiefergelegenen Aussichtspunkt des Fuegos. Sie würde morgen früh um 1:00 starten und am selben Tag wieder absteigen, aber auf uns warten und mit uns zusammen nach Antigua zurückfahren; ihr Plan hat logistische Gründe, die ich hier nicht näher erläutern möchte, das sprengt den Rahmen. Nach dem späten Mittagessen und unserer Packerei liefen wir aber zu dritt los, Kate begleitete uns mit leichtem Gepäck. Steil, sehr steil, ging es gleich von Anfang an den Berg hoch und wir merkten alle sehr deutlich, dass wir überhaupt nicht akklimatisiert sind. Nach etwa 1,5km schon erreichten wir einigermaßen verschwitzt das Restaurant und vermeintliche Camp. Dort stellte sich schnell heraus, dass Zelten dort nicht möglich ist, das Restaurant war geschlossen und die Besitzer erklärten uns, dass die Wiese nebenan, die bisschen wie ein Campingplatz anmutete, privat ist, zelten nicht erlaubt. Also liefen wir wieder ein Stück bergab auf einem abzweigenden Wanderweg zu dem 50$-Zeltplatz, den wir nach einem kurzen Fußmarsch schnell erreicht hatten. Mitnichten 50$ waren da zu zahlen, sondern 50 Quetzal für uns beide zusammen, das sind nicht mal 8$. Wir wurden nett empfangen, es gab sogar eine warme Dusche für 35 Quetzal obendrauf, und wir können auch Carmens Zelt da stehen lassen. Perfekt. Kate öffnete den argentinischen Malbec, denn das war so ziemlich der Hauptgrund, warum sie mitgekommen war: sie wollte sich mit mir die Flasche Wein teilen, die ich vorher im Supermarkt gekauft hatte. Ich trank nur ein halbes Gläschen, das stieg mir sehr schnell ziemlich zu Kopf (Kate scheinbar auch, denn sie wurde noch gesprächiger als vorher). Während wir die Zelte aufbauten, verabschiedete sich Kate von uns, sie wollte vor Einbruch der Dunkelheit unten ankommen und früh ins Bett. Nachdem ich allerdings eine schöne, warme Dusche genossen hatte (denn hier oben wird es schon um einiges frischer), hörte ich ein bekanntes, typisches 2L-Diesel-Pumpe-Düse-Geräusch: Kates roter VW-Bus kam von der anderen Seite den Berg hochgekrochen. Sie hatte auf dem Rückweg entschieden, dass es hier viel schöner ist als auf dem Parkplatz unten im Dorf, und der alternative Rückweg hatte sich als verkehrsfähig für ihren Bulli gezeigt und so hatte sie sich spontan entschlossen, hier hoch zu kommen, was für mich und Carmen noch um einiges komfortabler war, und auch in mancherlei Hinsicht eine kleine Rettung. Carmen hatte nämlich ihre Kocher-Benzinflasche eingepackt, nicht aber den dazugehörigen Kocher, so dass unser Abendessen ins Wasser gefallen wäre, wäre Kate nicht aufgetaucht. Zusammen kochten wir uns ein schönes Pastagericht mit viel Gemüse in ihrem Camper. Desweiteren musste ich feststellen, dass ich klamottentechnisch womöglich doch etwas unterausgestattet bin, denn mir war heute und hier auf 2600m schon empfindlich kalt. Sie lieh mir lange Merino-Unterwäsche, die zwar recht eng sitzt, aber ihren Zweck erfüllen und mich zumindest in der Nacht echt retten wird. Mal sehen, wie die Nacht wird, denn wie wir später erfuhren, wird es auch hier nochmal bisschen trubelig zwischen 22:00 und 1:00, denn auch hier starten einige Nachttouren hinauf zum Acatenango. So schön ruhig ist es hier gerade, dass ich mir das gar nicht vorstellen kann, und es gibt sogar gutes Mobilnetz, sodass ich diesen Bericht hier abschicken kann.
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4 days ago
Happy Easter hike! Good thing the first "campsite" was closed. I would have loved to share the red wine with you, but it's no longer time to climb mountains. I hope to see photos of my first volcano, the one I wanted to climb as a child.
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Pedalen-Paul went for a hike.
7 days ago
Día 1024: Antigua #4 - Procesiónes del Viernes Santo
Aus Tikal brachte ich mir eine seltsame 1-Tages-Seuche mit, die mich ordentlich umwarf, mit Fieber, Glieder- und Muskelschmerzen, Schüttelfrost und weiterem, unerwünschten Begleiterscheinung. Die erste Vermutung war Dengue; sollte ich es mir wirklich, nachdem wir so viele tausend Kilometer durch den Amazonas gefahren sind und ich es mir auch in Argentina nicht geholt habe, nun hier eingefangen haben? Zum Glück bewahrheitete sich das nicht, denn am nächsten Tag ging es mir schon wieder viel besser und wir verwarfen den Plan, ins Krankenhaus zu gehen. Die letzten Tage passierte hier nicht viel; wir gammelten auf dem Campingplatz herum, latschten hier und da bisschen durch die Stadt, quatschten mit Leuten aus aller Welt auf dem Campingplatz, sahen ein paar der kleineren Prozessionen, die jeden Tag in der Stadt stattfanden und natürlich schrieb ich mir fleißig Mails mit DHL hin und her, ein großer Spaß. Meine Nabe ist seit einigen Tagen schon in Guatemala City, aber langsam zerschlugen sich die Hoffnungen, dass die Zustellung doch noch vor Ostern stattfindet. Heute nun war Gründonnerstag, der Höhepunkt der "Semana Santa", der heiligen Osterwoche, und es fanden die großen Hauptprozessionen statt; schon früh morgens zogen die ersten Prozessionszüge statt, mit riesigen Wägen, von büßigen Sündern in lila Gewändern getragen, mit Szenen aus Jesus' Leidensweg. Leider hatten Carmen und ich gegen Mittag eine Auseinandersetzung, und eher schlechtgelaunt gingen wir später getrennter Wege und schauten uns die Stadt allein an. Ich stiefelte recht ziellos durch die historischen Kopfsteinpflastergassen, immer in die Richtung, wo viel los war, lange muss man in der recht übersichtlichen Stadt, die ich mittlerweile in- und auswendig kenne, nicht suchen, um einen der vielen Prozessionszüge zu finden, die im Schneckentempo durch die Stadt mäandern. Auch heute herrschte wieder eine sehr bedächtige Stimmung. Die Musik wechselt immer wieder zwischen langsamen Paukenschlägen und Orchesterparts; trotzdem blieb die Musik immer etwas düster, majestätisch, getragen und bedächtig, auch wenn das Orchester laut und theatralisch losschmetterte. Die vielen Menschen am Rand waren ebenfalls erstaunlich ruhig in diesem doch sonst so lauten Land, schauen sich bedächtig die Prozession an, die einer mir nicht ersichtlichen und verständlichen Choreografie folgen. Die riesigen Sänften, die länger als Zugwaggons sind und von vielen Personen in immer hin- und herwankenden Schritt mal von ausschließlich Frauen in schwarz-weißer Trauerkleidung, mal von ausschließlich Männern in violetten Kutten getragen werden, waren wirklich pompös. Abbiegemanöver um Kurven herum sind kompliziert, ich sah, wie Zäune dafür ausgehoben werden müssen und das Publikum zurückweichen musste, damit die Wägen um die Ecke kommen. Männer mit langen Holzgabeln laufen immer vor den Wägen und stemmen die wild über die Straßen hängenden Stromkabel nach oben, damit die Wägen mit den Figuren darauf nicht daran hängenbleiben. Junge Kuttenträger wedeln alles mit räucherndem Weihrauch zu, alte Männer schieben manchmal in Schubkarren kleine, mobile Stromgeneratoren für die Beleuchtung hinter den großen Wagen her. Immer wieder neue Szenen aus dem Leben Jesus' sieht man, große Gruppen von Männern in den Gewändern römischer Soldaten oder in roten Ku-Klux-artiger Kutten, viele Impressionen prasseln auf einen ein. Trotzdem konnte man sich meist am Rande der Prozessionen bewegen und ein Stück mitlaufen oder im Zweifel mal einen Block außen herumgehen, um an eine andere Stelle des Prozessionszuges zu kommen. Ebenfalls interessant sind die vielen kunstvollen, ornamentierten Blumenteppiche, an denen immer sehr kurzfristig gearbeitet wird. Über diese aufwendig gestalteten Teppiche aus Blumen, gefärbten Sägespänen, Sand, Piniennadeln und anderen Pflanzenteilen ziehen die Züge hinweg und dahinter fährt sofort ein Mülltrupp und sammelt die zertrampelten Reste wieder ein - ein kleines Organisationswunder in diesem sonst doch sehr chaotischen Land. Die Stadt brodelt vor Leben, die Touristen gingen nun unter zwischen zahlreich angereisten Guatemalteken. Alles ist ausgebucht, auch unser Campingplatz ist brechend voll. Durch Menschenmassen muss man sich aber selten zwängen, irgendwie verteilt es sich trotzdem ganz gut in der Stadt. Es ist schon ein besonderes, kulturelles Erlebnis, Ostern hier in Antigua zu verbringen, das muss man schon sagen, es hätte uns an schlimmere Orte verschlagen können, um auf meine Rohloff-Nabe zu warten, wahrlich. Bis in den Abend lief ich durch die Stadt, blieb hier und da hängen und schaute den Zügen zu, futterte an Straßenständen Verschiedenes, trank ein Bier in meiner Stammkneipe und kämpfte mich auf dem Heimweg durch weitere Prozessionszüge. Zum Abend erreichte die Stadt tatsächlich so langsam den Höhepunkt, mein Heimweg zum Campingplatz dauerte lang, wurde immer wieder von Zügen blockiert, an denen ich auch noch ein Weilchen hängenblieb. Ich hatte genug für heute, mir drehte der Kopf vor so vielen Menschen und Eindrücken, ich zog mich in meine Yacht zurück, in der ich auf dem Campingplatz hause.
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Pedalen-Paul and Carmense went for a hike.
March 27, 2026
Día 1017: Tikal
Nachdem wir uns "ein letztes Mal" von Sam verabschiedet hatten, dem italienischen Radreisenden, der uns meist zufällig immer wieder über den Weg lief, stapften wir also vorgestern Abend zur Agentur, wo unser Kleinbus abfuhr nach Guatemala-Stadt. Dort stiegen wir in einen Nachtbus um, um in den Norden Guatemalas zu fahren, nach Flores, der Hauptstadt der Provinz Petén, die etwa 50km entfernt liegt von Tikal, der alten Maya-Ruinenstadt, die wir in der Zwischenzeit besuchen wollen, während meine Rohloff-Nabe auf sich warten lässt. Die Busfahrt war viel länger als geplant, es gab eine Sperrung auf der Schnellstraße und so erreichten wir völlig zerrödelt erst gegen 12:00 (statt 6:00) Flores. Wir hatten beide kaum geschlafen, denn der Bus ackerte stundenlang immer wieder durch Dörfer und die damit verbundenen, obligatorischen Bremshügel, die uns ständig unsanft aus dem sowieso schon sehr leichten Schlaf hinausrüttelten. In Flores angekommen, wurden wir uns, die Busfahrt noch in den Knochen steckend, schnell einig, dass wir beide dieses Busgefahre absolut schrecklich finden. Was für viele Rucksackreisende völlig normal ist, ist für uns eine richtige Tortur, in solchen Momenten wird einem bewusst, wie frei und unabhängig man mit dem Fahrrad ist und wie sehr wir uns in den letzten 2-3 Jahren wir uns an diese Freiheit gewöhnt haben und nicht mehr darauf verzichten können und wollen. Nicht nur, dass wir nun permanent auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, sondern auch immer nur von Stadt zu Stadt und von Touristenort zu Touristenort reisen können, das frustriert uns schon jetzt. Mittlerweile wissen wir ja, dass meine Nabe leider erst nach Ostern ankommen wird, und mein Plan war ja eigentlich, noch weiter mit dem Bus nach Belize zu reisen. Carmen hatte sich das bis zum Schluss offengehalten, einige Faktoren spielten für ihre Entscheidung eine Rolle: ob sie alleine weiterfährt oder mich begleitet, und wenn ja, wie lang und bis wohin, in Abhängigkeit der Dauer der Abwesenheit meiner Rohloff-Nabe. Im Busbahnhof gab es dann eine längere Krisensitzung, denn hier musste sie sich entscheiden. Der Faktor Ostern bzw. "Semana Santa", die heilige Osterwoche, die hier eine ganz andere Bedeutung hat, ändert zudem alles, wir mussten hier und jetzt Busse und Unterkünfte buchen, bevor wir gar nichts haben. Nach einer fast schlaflosen Nacht im Bus, mit leerem Magen, ziemlich blöde Situation, vor allem, wenn man dabei noch von windigen, schlitzäugigen Ticketverkäufern, Busfahrern und anderen obskuren Gestalten, die einem "helfen" wollen, indem sie versuchen, so viel Geld wie möglich aus einem herauszuholen für überteuerte Bus- oder Taxifahrten, war das keine einfache Situation. Das ist die Realität von Busreisenden Gringos in Lateinamerika. Carmen war ziemlich angespannt und machte deutlich, dass die absolut keine Lust darauf hat, tagelang mit dem Bus weiter nach und durch Belize zu fahren und dort viel Geld für teure Hotels auszugeben (Belize ist sehr teuer), und auch meine Motivation dafür war stark gesunken. Sie machte mir aber auch deutlich, dass sie die Reise doch gern bis zum Ende mit mir fortsetzen würde, was mich wiederum bewegte, einzulenken und ich mich endgültig von dem Gedanken verabschiedete, nach Belize zu fahren. Wir kauften also Bustickets für Sonntag, zurück nach Antigua, und fanden auch doch noch einen günstigen Bus, um heute doch noch nach Tikal fahren zu können. Nach dem Mittagessen und einem Einkauf saßen wir auch schon wieder im Bus nach Tikal, wo wir etwa 1,5h später ankamen, ziemlich fertig und echt bedient von über 20h Busfahrt. In Tikal bzw. am Rande der alten Ruinenstadt übernachteten wir auf dem Campingplatz, Carmen in ihrem Zelt, ich mietete mir eine Hängematte mit Moskitonetz (das war auch nötig). Ich freute mich sehr auf 2 ruhige Nächte im Regenwald in der Hängematte, das hatte ich lange nicht mehr. Heute morgen klingelte der Wecker 5:30, denn wir wollten zum Sonnenaufgang schon in Tikal sein. Der Himmel aber war grau, es tröpfelte leicht und Carmen hatte ihre Motivation verloren, so früh schon loszulaufen; das hätte tatsächlich auch keinen Sinn ergeben, und so drehten wir uns beide nochmal für ein Stündchen rum, frühstückten gemütlich und liefen erst gegen 7:30 in die alte Maya-Stadt Tikal, die im dichten Nebel lag, von Sonnenaufgang und Morgenstimmung keine Spur. Der Himmel war grau, es war sehr neblig, was den Ruinen Tikals etwas magisches, mystisches einhauchte, auf den Fotos aber kommt die Atmosphäre leider nicht rüber, es sah eher trist aus. Zuallererst liefen wir relativ gerichtet zum großen Hauptplatz Tikals, der um diese Zeit noch sehr ruhig war und den wir fast für uns hatten, man kann zwischen und auf den Ruinen herumwandern. Die Mischung in Tikal gefiel mir sehr gut, es gibt komplett freigelegte und sanft restaurierte Gebäude, unrestaurierte, aber freigelegte, halb freigelegte und noch komplett zugewucherte Ruinen und Tempel, die man aber unter den unnatürlich geformten Hügeln erahnen kann. Das riesige Gelände ist sehr weitläufig, immer wieder ruhige Passagen auf gut gepflegten, aber natürlichen Wegen legt man durch dichten Dschungel zurück zwischen den einzelnen Tempeln und Komplexen. Einige der Tempel kann man besteigen und hat eine atemberaubende Sicht über die Baumkronen des Dschungels hinweg, aus dem die Tempel herausragen, die aussehen wie überdimensionierte Sessel für Götter. Wir hatten uns vorgenommen, das gesamte Gelände abzulaufen, und bis zur Mittagszeit hatten wir auch schon mehr als 80% aller Gebäude besichtigt und uns die meisten Wege erschlossen. Wir verließen das Gelände, um an einem der Imbiss-Buden was zu essen. Beide entschieden wir uns für mit Ei überbackene Palmfrüchte; so richtig vom Hocker warf uns das nicht, ziemlich bitter und ansonsten geschmacklos kam das daher. Wir hatten eigentlich geplant, eine kleine Mittagsruhe auf dem Zeltplatz einzulegen, die für mich aber jäh gestört wurde. Die netten Chilenen aus dem riesigen Wohnmobil nebenan, mit denen wir ein langes Gespräch im Park geführt hatten, hatten uns nämlich das Passwort für ihr Starlink-Wifi gegeben, und so wurde ich der schlechten Nachrichten gewahr, die mir DHL über den Verbleib meines Paketes mit meiner Rohloff-Nabe mitteilte. Es befindet sich erstaunlicherweise schon in Guatemala-Stadt, aber, es war nicht anders zu erwarten, natürlich kommen wieder einige bürokratische Hürden in Form von Zoll-Angelegenheiten und natürlich auch völlig überzogener Forderungen von DHL auf mich zu. Mittlerweile hasse ich DHL so sehr, mein Bart wird immer grauer, wenn ich ihn denn mal wachsen lasse, und ich bin mir absolut sicher, dass nur DHL daran schuld ist. Statt also Mittagsruhe zu machen, schrieb ich Mails an den DHL-Broker, der für die Zollabwicklung meines Paketes verantwortlich ist, an Peter White Cycles in den USA, Andreas von Biketaxi (ich brauche eine Rechnung für meine Rohloff) und an Sergio, dem Warmshowers-Host und Empfänger meines Paketes in Guatemala-Stadt und versuchte so, an die nötigen Dokumente und Daten zu kommen, die für die Zoll-Angelegenheiten nötig sind. Zum Nachmittag gingen wir wieder in die alte Maya-Stadt und schauten uns die verbliebenen Tempel im Komplex Q an, die etwas abseits und tief im Dschungel lagen. Zum Schluss liefen wir nochmal zurück zum Hauptplatz Tikals, kletterten erneut auf den Aussichtspunkt auf einem der beiden, sich gegenüberliegenden Haupttempel, um Fotos im Abendlicht zu schießen. Es hatte sich wirklich gelohnt, zum Abschluss nochmal zum Hauptplatz zu kommen und die Tempel und Ruinen statt im Morgennebel in der Abendsonne zu sehen. Aber auch im Allgemeinen war dieser Ausflug nach Tikal, trotz der langen, nervenzehrenden Busfahrt, absolut lohnenswert und sehr schön, neben den vielen, beeindruckenden Ruinen sahen wir viele Tiere wie z.B die um die 20-25 Exemplare zählende Gruppe von Nasenbären, die zwischen den Ruinen und völlig angstfrei um uns herumwuselte, aber auch Spinnenaffen, die artistisch und wild durch die Bäume sprangen, immer und überall hörbare Brüllaffen, sowie Tukane, Papageien und andere, exotische Vögel. Tikal ist wirklich außergewöhnlich, ganz anders als Machu Picchu bei weitem nicht so überlaufen und touristisch, dafür sehr weitläufig, gut gepflegt, natürlich, mit viel Abwechslung, was die Erschließung des Komplexes betrifft, was es sehr anschaulich macht, wie es hier vor, während und nach den Ausgrabungen und der Restaurierung aussah. Auch unsere Zeit auf dem Campingplatz war sehr entspannt und angenehm, die vielen, exotischen Vögel, die einen morgens wecken, die sehr angenehmen, moderaten, fast schon kühlen Temperaturen mitten im Dschungel, die uns sehr überrascht hatten und nicht zuletzt meine zwei Nächte in der Hängematte an der frischen Luft werden mir lange in Erinnerung bleiben und somit ist Tikal ganz bestimmt der Höhepunkt unserer Zeit in Guatemala.
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March 24, 2026
Día 1014: Antigua #3 - por el Mercado Central
Ich habe mein Mietzelt auf dem Campingplatz in Antigua gegen einen alten VW T1 eingetauscht, welcher ganz spartanisch mit einem bequemen Bett ausgestattet ist und nicht ganz so brutal wie das Zelt angeleuchtet wird, sodass ich besser schlafen kann. Carmen zog mit ihrem Zelt zu mir ins Separee, denn hier haben wir ein eigenes Bad und eine Dusche für uns zusammen und sind durch einen Zaun vom Rest des ziemlich gut besuchten Campingplatzes getrennt, was uns ein bisschen Privatsphäre gibt. Gestern Abend hatte ich nun einen weiteren Zahnarzttermin in Antigua, die provisorische Füllung wurde entfernt, eine richtige Füllung eingesetzt und ich habe gerade mal 50$ dafür bezahlt, sodass meine Reisekrankenkasse wieder nicht zum Tragen kommt (50€ Selbstbeteiligung). Irgendwie ärgerlich, so viel Geld für nichts, denn in bald 3 Jahren hab ich die nicht ein einziges Mal nutzen können, aber letztendlich ist das ja eigentlich was Gutes. Meine Rohloff-Nabe ist nun mittlerweile schon in Boston angekommen und bereits repariert worden und macht sich hoffentlich morgen auf den Weg zurück nach Guatemala. Da das aber doch noch ein paar Tage dauern wird, bis ich sie in den Händen halten und wieder einspeichen kann, nahmen heute im Laufe des Tages unsere weiteren Pläne Gestalt an, wie wir die Zeit bis dahin noch nutzen können. Wir machten uns zuerst auf in die Stadt, um eine Möglichkeit zu finden, von Antigua in die alte Maya-Stadt Tikal zu kommen. Dies fand sich schnell, wir hatten zuerst telefonischen Kontakt zu einer Agentur und fragten aber auf dem Weg ins Zentrum von Antigua bei einer weiteren Agentur an, an der wir zufällig vorbeiliefen und fanden dort eine günstigere Möglichkeit, um mit einem Nachtbus über Guatemala-Stadt nach Tikal zu fahren. Außerdem kann Carmen einen Teil ihres Gepäcks und ihr Fahrrad sicher auf unserem Campingplatz abstellen, das war schnell geklärt. Wir mussten aber noch eine Möglichkeit finden, wie Carmen ihr Reisegepäck transportieren kann und gingen dazu auf den großen Zentralmarkt in Antigua, der sich am anderen Ende der Stadt befindet. Nach ein bisschen Sucherei fand sich eine große Reisetasche für gerade mal 10$, und so war auch dieses Thema abgehakt. Wir kauften noch bisschen Gemüse und Käse für den Abend auf dem schönen, großen Markt, auf dem es erstaunlich ruhig und gesittet zugeht, danach trennten wir uns, denn Carmen wollte noch bisschen durch die Stadt bummeln, von der ich mittlerweile so gut wie jede Straße kenne. Ich dagegen ging zuerst noch in den Supermarkt, den einzigen der Stadt, den ich nun schon x-mal besucht hatte und setzte mich danach in das Café, in dem ich auch schon mehrmals war, auf so einer langen Reise freut man sich mittlerweile irgendwie, an Orte zurückzukommen, die man schon kennt. Ich trank einen Kaffee und aß einen Brownie und machte mich schließlich wieder auf den Rückweg zu unserem Campingplatz. Die Zeit hier in Antigua verflog schnell und es wird Zeit, dass wir uns mal weiterbewegen und noch was anderes von Guatemala sehen. Da Tikal weit im Norden liegt und wir uns den Umweg mit dem Rad gern sparen wollen, bietet sich die Fahrt mit dem Bus dahin also auf mehreren Ebenen an. Abhängig von öffentlichen Verkehrsmitteln zu sein aber ist eine Sache, mit der ich mich auf Dauer schwer arrangieren kann, ich freue mich mittlerweile wieder auf mein Rad und die damit verbundene Freiheit.
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March 25, 2026
Am I right in assuming that you are skipping Belize? The Tikal trip suggests so.
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Pedalen-Paul and Carmense went for a hike.
March 22, 2026
1012: Antigua #2 - Procesion Jesús Nazareno de la Caída y Virgen de Dolores
Bisschen aufgeregt war ich heute, denn nach 11 Tagen Trennung würde Carmen hier von ihrer Extratour ankommen. So lange waren wir bisher noch nicht getrennt. Mittagessen ging ich aber noch alleine, denn gleich um die Ecke vom Campingplatz waren unzählige Essenstände aufgebaut, denn heute ist großer Prozessionstag in Antigua. Als ich gestern Nacht von der Kneipe nach Hause lief, sah ich die Vorbereitungen, die Straßen wurden eifrig geschmückt, selbst um 1:00 waren Leute dabei, die Straße mit gefärbten Sand und Schablonen, mit Blumen und Fahnen zu dekorieren, die ganze Stadt ist festlich geschmückt mit violetten Fahnen. Nachdem Mittagessen aber trudelte Carmen nun tatsächlich ein und nun werden wir unsere Tage hier wieder zusammen verbringen. Aber nun musste sich die Gutste erstmal bisschen ausruhen und sortieren. Zum späten Nachmittag erst gingen wir in die Stadt, in der Carmen vor über 20 Jahren schon einmal war, aber sich kaum noch dran erinnern kann. Heute konnte man überall auf der Straße laufen, denn der größte Teil von Antigua ist für den Autoverkehr gesperrt. Die Straßen sind voll mit Menschen, und nun nicht mit Gringos, sondern vor allem mit Einheimischen bzw. gualtemaltekischen Touristen, die die Prozession sehen wollen, die als eine der wichtigsten katholischen Prozessionen in Lateinamerika gilt. Man kann sie live im Fernseher sehen, Ü-Wagen und Kamerateams stehen herum, Kamerakran, Drohnen, Hubschrauber sind unterwegs zwischen all den herausgeputzten Menschen in Sonntagskleidung, traditioneller Tracht oder in violetten Kutten; eine sehr interessante Mischung, als Europäer ging man hier heute angenehm in der Masse unter. Wir schafften es dann auch, wirklich nahe an den Prozessionszug heranzukommen und diesen am Ende bis zum Parque Central zu begleiten, wo es dann eine große Ansprache bzw. Open-Air-Messe gab, die wir aber schnell verließen. Erstaunt waren wir, wie geordnet alles zugeht, direkt hinter dem Prozessionszug fuhren Müllautos und Geschwader von Reinungskräften beseitigten alle Hinterlassenschaften des Zuges, Müll wie auch den überall hingestreuten, farbigen Sand. Wir suchten uns was zu essen und landeten wieder bei den vielen Fressständen hinter dem Zentralpark. Dort gab es Tacos, die hier immer wirklich super schmecken, obwohl wir noch nicht in Mexiko sind, und Pupusas, obwohl wir nicht mehr in El Salvador sind. Im Vorbeigehen erblickten meine müden Augen ein Irish Pub - ich konnte nicht anders, musste da rein, ich hatte so Bock auf ein Guinness und einen guten, irischen Whiskey, und so überredete ich Carmen, die ja eigentlich keinen Alkohol trinkt, mich zu begleiten und gönnte mir ein eigentlich viel zu teures Guinness. Den Abend verbrachten wir mit Sam, dem italienischen Radreisenden, den ich hier gestern tatsächlich wiedergetroffen habe, zum wiederholten Mal, es ist wirklich verrückt, er ist einer von denen, mit dem es scheinbar eine kosmische Verbindung zu geben scheint, weil wir uns einfach irgendwo auf der Straße oder in Orten immer wieder zufällig treffen, obwohl er einen ganz anderen Lebensstil und Rhythmus als wir hat und deutlich jünger ist. Wie auch immer, ich freute mich total, ihn wiederzusehen, und wir spielten mit einem anderen italienischen Reisenden Tischfußball und saßen bis in die Nacht am Lagerfeuer, während die erschöpfte Carmen lange schon in ihrem Zelt schlummerte.
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March 23, 2026
Juhu my dear, after 4 months I am back on par with you time-wise, but I don't promise improvement. Enjoy the time together and reduce your fast-food consumption ;-}. I'm keeping my fingers crossed that the Americans work quickly...
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March 20, 2026
Día 1010: Antigua Guatemala #1
Vorgestern also brachte mich morgens Sergios Sohn zum Busterminal in den Norden der Stadt. Busterminal ist auch ein bisschen hoch gegriffen, es ist eine große, leere Halle, von wo die Busse losfahren, und ich war ganz allein da, denn die Fahrgäste steigen alle in El Trebol zu. Hier geschah es nun, dass ich meine Lenkertasche, die ich als Kleingepäckstück neben meinem vollgepackten Rucksack mitgenommen hatte, vergaß und ohne diese in den Bus stieg. Das bemerkte ich erst, als der Bus schon in El Trebol angekommen war. In dem Moment, wo die anderen Fahrgäste zustiegen, fiel mir auf, dass meine Tasche nicht da war und mein Adrenalin schoss hoch, denn in dieser Tasche war alles wichtige drin: sämtliche Dokumente wie Reisepass, Kreditkarten, Waschtasche, Ladegerät, Zweithandy. Weltuntergang, Herzinfarkt, Hirnschlag, alles gleichzeitig. Ich sprang völlig außer mir aus dem Bus, schaute auf die Karte und rannte los, 30min wären das zu Fuß gewesen. Unterwegs konnte ich mir aber ein Taxi schnappen und war ca. 15 min später (es fühlte sich wie Stunden an) wieder in der Bushalle und betete, dass die Tasche noch da stehen würde - tat sie aber nicht. Ich ging in das kleine Büro des Wächters - und da stand sie, mit sämtlichem Inhalt. Mir fiel echt ein ganzes Gebirge vom Herzen, tausend kleine Tode war ich gestorben. Muss sowas sein? Der nächste Bus kam schnell, 2h später war ich im nur 30km entfernten Antigua, der alten Hauptstadt von Guatemala, die heute ein lebendiges, sehr angesagtes Touristenziel ist mit seiner schönen, alten Kolonialarchitektur, seinen vielen hippen und teuren Bars und Restaurants, Boutigen und Hotels. Ob das hier "mein Ort" werden würde und ob ich mich da wohlfühlen kann, da war ich mir noch nicht so sicher, aber ganz gewiss wohler als in Guatemala-Stadt, keine Frage. Außerdem ist hier alles fußläufig erreichbar und es gibt viele Zahnärzte, denn das ist das nächste, wirklich wichtige, was ich erledigen muss: mein schmerzender Backenzahn muss behandelt werden. Von anderen Radreisenden hatte ich ein Hostel empfohlen bekommen, da lief ich zuerst hin und bekam da auch gleich ein Zimmerchen. Nach einem kleinen Mittagsschlaf lief ich eine größere Klinik an, die war mir von einem deutschen Warmshowers-Host empfohlen worden, der lange in Antigua gelebt hat, aber nun leider wieder in Deutschland beheimatet ist. Dort bekam ich leider keinen Termin, aber ich sollte meine Telefonnummer da lassen, man würde mich noch am selben Tag oder spätestens am nächsten Morgen anrufen - das passierte natürlich nicht, war ja klar. Manchmal frustriert mich diese Mentalität hier wirklich ganz irre. Zum Glück hatte mir die überaus nette Herbergswirtin eine andere Zahnärztin empfohlen, die ich nun gestern aufsuchte und wo ich nachmittags auch einen Termin bekam. Dort wurde mir die Karies rausgebohrt, eine provisorische Füllung eingesetzt und am Montag hab ich nochmal einen Termin. Das verbindet sich allerdings mit einer weiteren, großen Herausforderung: am Wochenende ist hier eine riesige Prozession, alle Hotels, Hostels und sonstigen Unterkünfte sich völlig ausgebucht. Irgendwas zum Pennen zu finden, das wird eine sehr schwer zu lösende Aufgabe sein. Immerhin, bis Samstag hatte ich noch ein günstiges Hotelzimmer gefunden, danach aber sieht's finster aus. Heute nun aber ergab sich, dass man auf dem Campingplatz am Rande des Ortes Zelte mieten kann und dass da noch was frei ist, und so werde ich ab Samstag dahin umziehen (mein Zelt habe ich in Guatemala City gelassen). Mittlerweile hat sich nun auch geklärt, dass die Firma in den USA, wo meine Rohloff überholt wird, mir einen passenden Reifen mitschicken kann, und so hatte ich heute endlich mal einen etwas freieren Kopf, um mir Antigua genauer anzusehen und machte eine recht ausgedehnte Wanderung durch den Ort. Ich hatte dabei zwei Aussichtspunkte in die Tour eingebaut, der erste war ein Stück weiter weg, den nahm ich als erstes in Angriff; das hätte ich lassen sollen, das war mal wieder eine dieser tollen Komoot-Empfehlungen, die überhaupt keinen Sinn ergeben, da sich, wie ich nach langem Gelatsche eine steile Straße hinauf feststellen musste, ebendiese Empfehlung, von einem profilierungssüchtigen Komoot-User erstellt, auf einem Privatgelände befand, zu dem ich keinen Zugang hatte. Ich kullerte also wieder bergab, ging zurück zum Rand der Stadt und zu einem anderen Aussichtspunkt, zum Cerro de la Cruz. Dieser war gut besucht, viele Touristen aus aller Welt tummelten sich da oben und machten fleißig gestenreiche Selfies. Ich hielt das nicht lange aus und machte mich wieder auf den Rückweg hinab in die Stadt, zudem hatte ich einen starken Kaffeedurst, den ich in einem teuren Café mit einem schönen Garten stillen konnte. Auf diesem Spaziergang kam ich an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei, Antigua kann man sich problemlos in einem Tag erarbeiten und erlaufen. Heute Abend blieb ich mal in meinem Zimmer und verzichtete auf den Besuch der Kneipe "El Illegal", wo ich die letzten 2 Abende abgestiegen war, einer punkigen Rockbar mit richtig guter Musik und einer guten Atmosphäre, wie ich sie gern mag, bisschen dreckig, bisschen schummrig, bisschen staubig, nicht zu laut, so muss eine Kneipe sein, und vor allem halten sich da die Preise auch noch in Grenzen. Heute aber nutze ich den letzten Abend im Hostelzimmer und häng da ab, bevor ich dann auf den Campingplatz umziehe, und schreibe mal meine Berichte herunter.
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March 17, 2026
Día 1007: Ciudad de Guatemala #2 - bikeshop tour
Eigentlich wollte ich heute schon nach Antigua fahren, aber ich kam morgens nicht in die Gänge, war antriebslos, müde, bisschen depri und igelte mich ein. Erst gegen Mittag verließ ich meine Blockhütte und hatte mir vorgenommen, ein paar Fahrradläden in der Stadt abzuklappern, um einen passenden, neuen Hinterreifen für mein Rad zu finden, denn das ist ja auch noch wichtig. Die tiefen Schnitte im Reifen kann ich nicht ignorieren und die Tubeless-Salamis, die ich da reingestopft hatte, haben sich tief in den Schlauch eingegraben, das ist also auch keine dauerhafte Lösung. Ich latschte wieder ein Stück die Schnellstraße entlang Richtung Norden zur Bushaltestelle, wenn man das denn so nennen kann. Unterwegs, da es schon Mittagszeit war und ich ein Hüngerchen verspürte, ging ich zum ersten Mal in meinem Leben in ein Taco-Bells-Schnellrestaurant und werde das ganz bestimmt nicht wieder tun, das Essen war fürchterlich, aber ich wollte es mal probieren; Tex-Mex im McDonalds-Style, schrecklich. Einen Bus hatte ich schnell gefunden, und der fuhr nicht nur nach El Trebol, sondern noch weiter zum Plaza de Obelisco, also ein ganzes Stück näher dran am ersten Radladen. Dorthin musste ich dann nur noch 30min laufen, unterwegs setzte ich mich für eine 3/4h in ein Café, denn es war höchste Zeit, meine alten Herrschaften mit einem Telefonanruf zu beglücken, das war wirklich überfällig. Den Radladen CycleWorks fand ich schnell, aber hier gab es nur fette Mountain-Bike-Reifen, 2.4" und breiter, das passt nicht in meinen Rahmen. Ich fragte den netten Mechaniker, ob er mir bis in 1-2 Wochen einen Reifen bestellen kann, und er versprach mir, das mit seinem Chef zu besprechen und sich bis heute Abend bei mir zu melden (das hat er bis heute, 4 Tage später, nicht getan, typische Geschichte eigentlich, schade). Der nächste Radladen, der Trek Store, war am anderen Ende der Stadt, und zu diesem fuhr ich mit einem Uber, das hätte zu Fuß oder mit dem Bus ewig gedauert. Auch da das gleiche, nur breite Mountainbike-Schlappen. Dort wurde ich nochmal zu einem anderen Laden verwiesen, den ich in 30min zu Fuß erreichen konnte, und auch dort, bei BiciMania, genau das gleiche Trauerspiel. Ich unterhielt mich ein wenig mit einem der Verkäufer, und dieser bestätigte mir meine düstere Ahnung: das ist das Angebot in Guatemala, meine Reifengröße werde ich hier nicht bekommen. Bestellungen aus den USA dauern mehrere Wochen, achdumeineNase. Mir schwant Übles mit der Rücklieferung meiner Nabe. Mittlerweile war es spät geworden, mit Bussen in Guatemala nach Einbruch der Dunkelheit zu fahren ist keine gute Idee, zudem war es heute echt kalt geworden und ich hatte nichts zum Drüberziehen dabei, also bestellte ich mir ein weiteres Uber, auf das ich dann über eine Stunde wartete. Im Uber verbrachte ich dann nochmal 1,5h zurück zu meiner Unterkunft, nur langsam tastete sich der Fahrer durch den Stau des Feierabendverkehrs, da war das Motorrad gestern die deutlich schlauere Wahl gewesen. Heute traf ich dann mal die Kinder von Sergio an, mit denen ich etwas ins Gespräch kam, sie würden mich morgen früh zu einem Busterminal fahren, von wo ich ganz einfach einen Bus nach Antigua finden kann.
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March 16, 2026
Día 1006: Ciudad de Guatemala #1
Meine erste Nacht in der Warmshowers-Unterkunft in Guatemala-Stadt war ganz ok, ich hatte keinen allergischen Schock und heute morgen lernte ich noch ein paar weitere Familienmitglieder kennen, die Tochter und den Sohn von Sergio, noch eine andere junge Dame, die im Vorgarten ihr Mountainbike wusch, die Mutter von Sergio, und obwohl ich überhaupt nicht durchsehe, wie die Verhältnisse zwischen den da lebenden Personen sind und vor allem, obwohl ich Sergio noch nicht getroffen habe und ihn auch heute morgen nicht antraf, entschied ich, dass ich trotzdem hier bleibe und alles organisiere, was zu organisieren ist. Allzu lange wird das sowieso nicht sein. Ich machte mich sofort daran, mein Hinterrad auszuspeichen (das machte ich jetzt schon zum 4. Mal; das 1. Mal in Irland, als ich meine Felge getauscht habe; das zweite Mal nach meinem Unfall in La Paz, als ich die Nabe mit nach Deutschland nahm, um sie zum Service zu schicken; das 3. Mal, als ich in Guyana so viele Speichenbrüche hatte und mir neue Speichen aus Deutschland liefern lassen hatte; und nun das 4. Mal). Ich putzte die Rohloff ein wenig, verpackte sie provisorisch und machte mich auf den Weg in die Stadt. Gegen 14:30 hatte ich nämlich einen Termin mit den Besitzern des Campingplatzes La Combi, wo ich vor 3 Tagen genächtigt und mein chinesisches Zweit-Telefon liegenlassen hatte, ich Depp. Glücklicherweise hatten die beiden nämlich heute einen Termin in Guate und sie brachten mir mein Telefon mit in die Hauptstadt. Guatemala City aber ist groß und absolut chaotisch und wie ich dahin kommen würde, wusste ich noch nicht genau. Die junge Dame aus meiner Unterkunft, die ich nicht zuordnen kann, sagte mir, dass ich versuchen soll, Busse Richtung El Trebol zu bekommen. El Trebol befindet sich nämlidh genau in der Mitte der Stadt, just in dem Kreuz von 2 diagonalen Hauptverkehrsstraßen, die man selbst noch sieht, wenn man auf Google Maps weit rauszoomt. Dort kommt alles an und dort fährt alles ab. Ich latschte also an der Hauptstraße entlang und erwischte tatsächlich einen Bus, auf dem vorn "El Trebol" dran stand, in den sprang ich einfach im zähfließenden Verkehr hinein. Bezahlt wird erst beim Aussteigen, und so konnte ich mir schonmal von den anderen Fahrgästen abschauen, wie man bezahlt: man drückt dem Fahrer einen 5er in die Hand. El Trebol ist ein ziemlich runtergekommenes Viertel, wo ich mich im Dunkeln definitiv nicht zu Fuß rumtreiben möchte. Ich fragte mich durch, wo ich Busse nach Miraflores bekommen kann, dem Stadtteil, wo ich mein Telefon in Empfang nehmen wollte und fand mich auf der anderen Diagonale wieder. Dort fuhren aber nur Busse, für die ich eine Prepaid-Karte brauche, die da aber nirgendwo erwerbbar war. Mein Gott, was für eine chaotische Stadt. Alles ist auf Autos ausgelegt, als Fußgänger ist man Freiwild und in der Rangordnung ganz weit unten, irgendwo neben Straßenköter. Guate ist extrem autoorientiert. Ich kam von da also irgendwie nicht so einfach weiter und beschloss, ein Taxi zu nehmen, welches leider ziemlich teuer war, obwohl ich den Preis erfolgreich runterhandeln konnte. Ich erreichte Miraflores bzw. das riesige Gewerbegebiet Majada. Shopping-Meilen ohne Ende, Restaurant-Ketten, an jeder Ecke McDonalds, Subway, Fridays, Taco Bells, eingekesselt zwischen mehrspurigen Schnellstraßen. Ich mag Guatemala City nicht so richtig, es ist eine lebensfeindliche Stadt, autozentristisch, dreckig, turbokapitalistisch, gesichtslos, laut, chaotisch, ohne Regeln, ohne Schönheit; ich freue mich drauf, dieses Moloch zu verlassen. Das Restaurant, wo wir uns treffen wollten, war ein mexikanisches Edelrestaurant, und da die beiden weder da waren, noch ans Telefon gingen und ich auch in dem Viertel nicht weiter rumlatschen wollte, beschloss ich, hier was Kleines zu essen. Das "Kleine" war rießengroß und auch um einiges teurer, weil u.a. die Guacamole, die mir noch als "Beilage" dazugeliefert wurde, das gleiche wie das Gericht selbst kostete, und weil Steuern und Bedienung noch draufgehauen wurden. Egal, es war lecker und irgendwann erreichte ich die beiden, die im Nebenraum saßen und bekam mein Chinesen-Handy wieder und verließ das teure Lokal schnurstracks. Das wichtigste heute war, dass meine Rohloff auf den Weg geschickt wird in die USA, um die defekten Kugellager - oder was auch immer da drin los ist, hakt, knirscht, vibriert und blockiert - zu tauschen. Eine DHL-Filiale (ja, leider wieder die verdammte DHL, ich könnte kotzen, im Strahl, aber UPS und FedEx gelten hier als noch viel unzuverlässiger, als muss ich das kleinste Übel wählen) war in erlaufbarer Nähe, also stromerte ich schnell dahin. Diesmal schien die Dame am Schalter recht fit zu sein und wusste was sie tat, alles ging flott und relativ professionell, immerhin. In den USA ankommen wird die Nabe aller Wahrscheinlichkeit nach recht flott. Wie es mit dem Rückversand in dieses Land hier aussieht, das steht in einem ganz anderen Buch. 90 weitere Euro warf ich DHL in den Rachen, aber es gibt keine andere Lösung. Von hier fand ich nun auch keine andere Lösung, als ein Taxi zu nehmen, denn die Busse waren wieder nur mit Prepaid-Karte zu besteigen. Ich wollte aber nicht schon wieder so viel Geld ausgeben, denn die Preise, die die auf Nachfrage aufriefen, taten mir weh und ich tat, was ich eigentlich niemals tun wollte: ich installierte mir die verdammte Uber-App und bestellte mir ein Uber, denn das kostete nicht mal die Hälfte von dem, was die Taxifahrer ansagten. Mit meiner ersten Uber-Fahrt ging es in die historische Altstadt, die allerdings sehr übersichtlich ist. Guatemala-Stadt wurde schon von vielen Erdbeben heimgesucht und so ist von den einstigen historischen Gebäuden nicht mehr viel übrig. Ich ließ mich in der Nähe des Palacio Nacional de la Cultura absetzen und lief von da südwärts, am Parque Centenario vorbei, die Iglesia San Francisco ließ ich rechts liegen, telefonierte nebenbei mit Carmen, die immer noch am Santa-Ana-Vulkan in El Salvador festhängt, weil sie ein Essen nicht vertragen hat und sich ihr Magen-Darm-Trakt erstmal erholen muss. Wir trösteten uns gegenseitig, denn ich werde nicht warm mit Guatemala, der Verkehr und der Lärm machen mich völlig fertig. Ich folgte der Avenida 7 bis zum Torre del Reformador, der dem Eiffelturm mehr schlecht als recht nachempfunden ist und 1935 zu Ehren des Präsidenten Barrios gebaut wurde, das an seine tiefgreifenden Reformen erinnern soll. Es wurde langsam spät und ich hatte auch keine Lust mehr, und außerdem war es viel zu weit, um in meine Unterkunft zu laufen, und so nahm ich mir diesmal ein Mototaxi, in dem Falle wirklich ein Motorrad, auf das man sich einfach hinten draufsetzt, ohne Helm, versteht sich, den trägt nur der Fahrer. So hautnah und so intensiv konnte ich nun mal den abendlichen Stadtverkehr von Guate erleben, der Fahrer drängelte sich kreuz und quer durch den dichten Feierabendverkehr, zog quer über sämtliche Fahrspuren, missachtete zahllose Vorfahrten, quetschte sich in jede verfügbare oder auch nicht verfügbare Lücke, was für ein Irrsinns-Ritt. Nebenbei zeigte er mir auf seinem Handy Bilder von seiner Familie und aus dem Urlaub und wir unterhielten uns trotzdem ganz nett. Letztendlich war ich ihm dankbar, dass er mich lebend und schnell an mein Ziel gebracht hatte und ich gab ihm sogar ein bisschen Trinkgeld für dieses Erlebnis. Im Supermarkt kaufte ich mir schnell noch 2 Bierchen, auf Abendessen verzichtete ich heute. Ich latschte den weiten Weg durch die Gated Community, klingelte bei meiner Warm-Showers-Familie, die Tür öffnete automatisch, aber ich traf und sah niemanden auf dem Weg durch das Haus. Wirklich seltsam, diese Familie. Aber irgendwie war es mir auch recht, mir stand der Sinn eh nicht nach Quatschen, ich zog mich in meine Blockhütte im Hinterhof zurück und machte mein Ding.
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March 18, 2026
Hey, where did your text go? I started reading it yesterday. Best regards, Wolle
Translated by Google •
a day ago
I don't get the deal with the trash. They must also see that this is shit?!
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