About Pedalen-Paul
40,987 km
2729:34 h
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Pedalen-Paul went on an adventure.
2 days ago
Unser Wecker klingelte 7:00, aber es wiederholte sich, was die letzten 2 Tage auch schon der Fall war: es regnete in Strömen, schon die ganze Nacht. Zum Glück befanden sich untere Zelte unter dem dichten Palmendach und waren ziemlich trocken. Es ist schon verrückt, dass es seit Tagen regnet, denn eigentlich ist jetzt hier Trockenzeit und normalerweise regnet es in dieser Zeit so gut wie gar nicht; unser Herbergswirt aber sagte, dass es hier schon in den Tagen vorher fast pausenlos geschifft hatte, was völlig abnormal wäre, seit einigen Jahren schon kommt hier in Kolumbien, das hatte ich schon öfters gehört, mit den Regen- und Trockenzeiten alles durcheinander, eine weitere Auswirkung des Klimawandels. Wir waren uns zum Glück einig, dass wir bei dem Regen nicht auf das nächste Boot steigen nach Panama, sondern erstmal warten, ob das Wetter besser wird. Unser Schiffsmann, der uns gestern seine Nummer gegeben hatte und uns heute eigentlich über die Grenze nach Puerto Obaldía bringen wollte, antwortete sowieso weder auf Anrufe, noch auf Nachrichten. Und unser Zeltplatz und dessen Besitzer waren beide ziemlich sympathisch und gemütlich; schon der Fakt, dass es in Capurganá keine Autos gibt und damit eine wunderbare Ruhe herrscht in dem Ort, lässt uns auch ruhiger und entspannter sein. Gegen 12:30, ich lag im Zelt und schlief, weckte mich Carmen, denn es hatte mehr oder weniger aufgehört zu regnen. Wir bauten die Zelte ab, packten zusammen und fuhren durch das halbüberschwemmte Dorf, in denen Bäche durch die Gassen flossen. So langsam erwachte der Ort zum Leben, auch die anderen Leute hatten bemerkt, dass es nicht mehr regnet, die Straßen, Geschäfte, Bars und Restaurants füllten sich langsam. Wir fuhren zuallererst zum Hafen, um einen Schiffsmann zu finden, der uns nach Puerto Obaldía bringen kann, über die Grenze nach Panama. Der Typ von gestern war nicht da, aber wir wurden von einem anderen Herren angesprochen, der, wie sich später herausstellte, ein Vermittler auf Provisionsbasis war und selber gar kein Schiffsmann. Wir einigten uns auf einen Preis, der leider höher war als das Angebot von gestern, aber immer noch halbwegs akzeptabel. Nachdem das geklärt war, mussten wir noch bis zum Ende der Mittagspause der Zollbeamten in der Migrationsbehörde warten, bis wir unseren kolumbianischen Ausreisestempel bekommen konnten. Als das erledigt war, war es bereits 14:30, da wussten wir noch nicht, dass wir noch ewig warten würden, denn erst da erfuhren wir, dass unser Bootsmann gar keiner war und sehr intransparent mit uns kommunizierte, uns hinhielt und nicht so richtig rausrückte mit der Sprache. Lange hingen wir am zentralen Platz des kleinen Hafens ab, wo wir von 1000 Leute angelabert wurden, die alle immer das Gleiche von uns wissen wollten: woher und wohin, vielleicht noch warum und wie. Bereitwillig beantworteten wir sämtliche Fragen, zeitweise hatte ich eine Gruppe und Carmen eine Gruppe von Leuten um sich herumstehen und wir sahen uns lachend an, weil wir feststellten, dass wir haargenau den gleichen Vortrag hielten. Gegen 16:30 wurden wir dann von unserem Kontaktmann zur Hafenmole geleitet, auch da warteten wir noch eine Ewigkeit, als dann aber unser Boot endlich da dastand, musste natürlich alles ganz ganz schnell gehen und in Windeseile eingeladen werden, die Räder wurden an Bord geschmissen und wieder kamen wir gar nicht dazu, die extra gekaufte Schutzverpackung drumzuwickeln, um die Räder vor dem Salzwasser zu schützen; wir hofften, dass es so schlimm schon nicht werden würde. Das Boot erwies sich als äußerst potent und ballerte richtig los, wir sprangen von Welle zu Welle, es gab wieder viel "Airtime", immer wieder hob der Kahn richtig ab und landete alle paar Sekunden mit einem Knall im nächsten Wellental. Was für eine Fahrt! Einmal mehr bangte ich um die Räder, aber auch, dass keine der Taschen bei dem Geballer und Gehüpfe von Bord gehen würde. Fotos gibt es von mir keine, auch Carmen traute sich nur einmal ganz kurz, das Handy rauszuholen, um ein Foto zu machen, viel zu sehr waren wir mit Festhalten und Nicht-über-Bord-Gehen beschäftigt. Schade, denn die neblig-bergig-dschungelige und sehr felsige Küste des Daríen war wirklich magisch und wunderschön anzusehen, aber es lässt einen auch erahnen, wie hart es sein muss, sich als Flüchtling 10-14 Tage lang durch diesen Dschungel schlagen zu müssen. Wir waren ziemlich erstaunt, als wir nur nach etwas mehr als einer halben Stunde schon in Puerto Obaldía anlegten und somit panamaischen Boden betraten. Das Kapitel Kolumbien ist somit nun wirklich abgeschlossen, und das Kapitel Südamerika nun auch endgültig. Nun beginnt Zentralamerika, ein neues Abenteuer! Wir luden unser Zeug vom Boot und wurden auch gleich sofort von 2 Soldaten um die Ecke geführt mit all unserem Gepäck. Meines wurde einer gründlichen Durchsuchung unterzogen, ich musste fast alle Taschen ausräumen; routiniert und in aller Ruhe erklärte ich den Inhalt auf Spanisch, sodass mir die letzten 2 Taschen dann erspart blieben, Carmen blieb komplett unbehelligt; wahrscheinlich hatte meine selbstsichere und ruhige Darbietung soviel Vertrauen und Sicherheit aufgebaut, dass das dann nicht mehr nötig war. Die zwei Soldaten waren allerdings auch sehr nett und völlig entspannt. Am Hafen machten wir dann auch gleich noch ein Boot für morgen früh klar, für die nächste Etappe, und das für einen erstaunlich günstigen Preis, der weit unter dem liegt, was andere dafür bezahlt hatten; desweiteren wird uns das Boot nicht nur bis nach Puerto de Carti bringen, sondern sogar bis in die zweitgrößte panamaische Stadt Colon, viel weiter, als wir dachten - sehr gut! Und zuguterletzt sollte die Fahrt nur 5h statt 8-10h dauern, ebenfalls großartig. Aber mal sehen, ob das alles so klappt wie abgesprochen, das werden wir morgen früh sehen. Puerto Obaldía ist nun eine ganz andere Welt als noch wenige Kilometer nebenan in Capurganá: ein sehr ruhiges, etwas vergessenes und absolut tiefenentspanntes Dörfchen, in dem die Uhren ganz anders ticken, nämlich viel langsamer. Wir suchten die kleine Migrationsbehörde auf, auch da herrschte eine sehr entspannte Stimmung. Schnell hatten wir unsere Stempel, gar kein Problem. Auf der Straße wurden wir sofort von einer Hotelwirtin abgefangen, die uns um die Ecke in ihr kleines Gasthaus führte, aber 30$ ist uns zu teuer, und wir suchten uns was anderes. Wir hatten von einer Bäckerei gehört, in der andere Radreisende schon gecampt hatten und suchten diese als nächstes auf. Allerdings war der Besitzer nicht vor Ort und der junge, kolumbianische Angestellte konnte uns nicht helfen. Ich trank aber einen Kaffee und aß einen Happen. Wir schauten uns noch ein bisschen um, kauften ein bisschen was ein im Dorfladen (in Panama ist übrigens US-Dollar das Zahlungsmittel der Wahl). Gleich neben dem Dorfladen wurden wir von ein paar Leuten angesprochen, die auf der Straße rumsaßen: Venezolaner, wie sich herausstellte, von der US-Regierung deportiert, herausgeworfen und auf dem Weg zurück nach Venezuela. Wir hatten sofort Freunde, als wir von unserer 3-monatigen Reise durch Venezuela erzählten. Wir laberten ein ganzes Weilchen mit den Jungs, die einige heftige Sachen in ihrem Leben erlebt haben, und die den Wald in unserem Rücken vor Jahren schon einmal nach Norden durchwandert sind, um ins gelobte Land zu kommen. Ich hoffe sehr für sie, dass sich nach Maduros Verhaftung durch das US-Militär, so unfassbar diese Aktion der Amis auch gewesen ist, sich in ihrem Land nun langsam mal alles zum Besseren wendet und sie sich dort eine lebenswerte Zukunft aufbauen können. Immerhin hatten die Landsmänner sich in den Jahren ein bisschen Geld zusammensparen können und müssen nun nicht mehr durch den Dschungel wandern, sondern können mit den "Lanchas", den Booten, wie wir am Daríen vorbeifahren (nur Fliegen geht halt nicht, ohne die nötigen Papiere und ohne Aufenthaltsrecht). Wir quartierten uns schließlich im selben Hotel wie die ganze venezolanische Truppe ein, ein günstiges Zimmer war noch frei. Nach der dringend nötigen Dusche schnappten wir uns unsere Essenstaschen und gingen in den Dorfpark am Fußballplatz, um uns in einer der Pagoden da unser Essen zu kochen: Polenta mit Schmorrgemüse, Kochbanane und Käsecreme (immer noch die aus Venezuela); während wir da unser Gemüse schnipselten, traf sich um uns herum die Dorfjugend, deren Wurzeln allesamt schwarzafrikanisch sind. Zum späten Abend wurde das Dorf lebhafter als sein erster Anschein, aber was sehr schön ist: auch hier gibt es so gut wie keine Fahrzeuge; Autos überhaupt nicht, und auch Motorräder nur ganz wenige, vor allem läuft nicht ständig überall Musik auf voller Lautstärke und so ist es ziemlich ruhig. Dafür wurden auch die Venezolaner im Hotel langsam wach und immer lauter. Mal sehen, ob und wann wir hier zur Ruhe kommen.
00:41
14.6km
21.3km/h
20m
30m
Pedalen-Paul went on an adventure.
3 days ago
Neujahr bis zum 03.01.26 verbrachten wir auf dem schönen Zeltplatz am Strand. Eigentlich wollten wir am 03.01. ja schon mit dem Boot von Necocli nach Carpuganá fahren, allerdings konnten wir keine Tickets dafür erstehen, da man uns aufgrund der aktuellen Ferienzeit in Kolumbien und der damit vollständigen, sehr schwer ausgelasteten Boote zwischen Necocli und Capurganá nicht garantieren konnte, dass man unsere Räder mitnehmen kann. Wir sollten dazu einfach morgens ganz zeitig auftauchen und hoffen, dass uns eines der vielen Boote mitnehmen würde. Gestern begann der 1. Anlauf damit, dass der Wecker 5:30 klingelte, als es - nach wie vor - in Strömen regnete, wie die halbe Nacht schon. Carmen wollte unbedingt aufbrechen, ich aber weigerte mich, mein Zelt im strömenden Regen abzubauen, zudem noch unsere Klamotten, die auf der Leine hingen, genauso klitschnass wie das Zelt einzupacken und dann in aller Herrgottsfrühe aufzubrechen, ohne zu wissen, ob und wann wir das ganze Zeug trocknen können (und dem dazugehörigen Detail, dass ich nach der Fahrradfahrt zum Hafen und der anschließenden Bootsfahrt überhaupt keine trockenen Klamotten mehr haben werde), und noch viel wichtiger: ohne Ticket und ohne zu wissen, ob wir heute überhaupt fahren können. Ja, ich weigerte mich, wollte dann lieber noch einen chilligen Tag auf dem Zeltplatz am Strand verbringen. Carmen fand das nicht gut, aber ich ließ mich nicht überzeugen, stopfte mir meine Ohrstöpsel wieder rein, drehte mich um und schlief durch bis 10:00 - auch nichts alltägliches. Es regnete dann auch weiter bis ca. 11:00, alle anderen Gäste des Zeltplatzes hatten Wassereinbruch in ihren Zelten (Carmen auch) und brachen auf; wir nutzten dagegen das wehende Lüftchen und die kurze Sonnenphase, um unsere Zelte und Klamotten einigermaßen auf der Wäscheleine durchzutrocknen. Damit das morgen nicht genauso ablaufen würde, verließen wir den Zeltplatz und suchten uns ein einigermaßen bezahlbares Hostel in Hafennähe. Wie sich heute morgen herausstellen sollte, war das eine gute Entscheidung, denn es regnete erneut aus Eimern, als 5:30 unser Wecker klingelte. Aber heute konnten wir alles trocken zusammenpacken und fuhren die wenigen 100m zum ersten Ticket-Büro, an dem wir allerdings abgewiesen wurden: ganz freundlich wurde uns erklärt, dass wir hier bis Februar keine Chance haben würden, mit unseren Rädern mitzufahren, alles ausgebucht in der Ferienzeit. Ich sah und schon zurück nach Medellin kutschen, um ein Flugzeug nach Panama zu nehmen. Allerdings gibt es noch ein zweites Schiffsunternehmen in Necocli, nur ca. 200m weiter am Hafen, und auch da quetschen wir uns zwischen die Massen an Touristen und versuchten, ein Ticket für uns und unsere Räder zu ergattern. Dort hatten wir zuerst auch kein Glück, aber man erbarmte sich unser und bat uns an, bis zum letzten, auslaufenden Boot zu warten, evtl. würde sich da ein Plätzchen finden. So vergammelten wir also da, weiterhin bei strömendem Regen, bis 11:00 unsere Zeit, bekamen dann aber tatsächlich "last Minute" ein paar Tickets für uns und unsere Räder, verpackten unser Gepäck in große Folietüten, fuhren runter zur Mole, übergaben unsere Räder ans Personal, die unsere Esel an die Spitze des Schnellbootes wuchteten; bei diesen Aktionen wird mir immer bisschen übel, ich bin im Nachhinein jedesmal wieder überrascht, dass bei soetwas nie was kaputtgeht. Als das Schnellboot mit 4x 4,2L V6-Außenbordern loszog, hatte der Regen zwar mehr oder weniger aufgehört, aber schnell wurde klar, dass ich mit Abstand den beschissensten Sitzplatz von den ca. 50-60 Passagieren ergattert hatte: genau vor mir machte das Dach einen Knick und während der Fahrt peitschte mir nicht nur die Gischt in die Fresse, sondern auch das gesamte Wasser des Bootsdaches landete in meinem Gesicht, sodass ich den größten Teil der 2-stündigen Fahrt eigentlich mit geschlossenen Augen verbrachte und danach völlig durchgeweicht war und nur so mittelgut gelaunt. Die Fahrt war richtig ruppig, das Schnellboot sprang über die Wellen und hob alle paar Meter ab, unter lautem Geschrei des Publikums, was für eine irre Fahrt mit viel "Airtime". Mit leicht wackeligen Beinen taumelte ich später vom Boot und war heilfroh, dass die erste von 3 Bootstouren hinter uns liegt. Als Carmen mir eröffnete, dass sie gerne sofort das nächste Boot Richtung Panama, in den panamaischen Grenzort Puerto Obaldia, besteigen würde, also heute noch, umgehend, so schnell wie möglich, dachte ich erst, sie will mich verarschen, zudem sie diese Diskussion mit mir begann, als wir gerade versuchten, unser Gepäck vom Boot zu fischen und die Räder. Es ergab sich also, dass ich stinkesauer war, als wir die Hafenmole verließen, denn sie hatte nicht mal eine Sekunde erwogen, ob wir nicht vielleicht erstmal ankommen und uns ein Bild von diesem immerhin sehr besonderen Örtchen machen sollten - einem Ort ohne Straßenverbindung, ohne Autos, am Rande des riesigen-Darién-Dschungels, der kurz zuvor sich im Boot langsam angenähert hatte, bergig-neblig-dschungelig und sehr geheimnisvoll. Ich wollte gerne wenigstens meine Klamotten trocknen, einen Nachmittag hierbleiben und morgen weiterfahren und nicht sofort nach Ankunft hier mich damit herumstressen, zur Migrationsbehörde zu rammeln, um uns da unseren Stempel zu holen, ein neues Boot zu suchen und gleich zur nächsten Station zu ballern - ich werde wahrscheinlich nie wieder hierherkommen, warum also dieser absurde Stress? Irgendwie setzte ich mich mit meiner schlechten Laune und meiner Verbissenheit durch; tut mir auch irgendwie leid, aber manchmal ist das mein einziges Mittel. Wir eierten also, nach einem Mittagsmenü an einem kleinen Restaurant, durch das Dschungeldorf und suchten, nun beide nicht so richig gutgelaunt, eine Unterkunft, dererlei es durchaus viele gab, allerdings alle ausgebucht oder höllenteuer. Ein alter Mann begleitete uns von Herberge zu Herberge und machte uns den Führer durch das Dorf, wir schätzten seine ungefragten Dienste sehr, wenn auch klar war, dass er gerne ebenfalls was damit verdienen möchte. Zuallerletzt, ganz am Rande des Dorfes, führte er uns zu einer Art kleinem Campingplatz, wo wir für einen schmalen Taler unsere Zelte unter einem großen Dach aus Palmenwedeln aufbauen können, bei einer netten Familie auf dem Grundstück. Geht doch! Wir richteten uns ein, bauten die Zelte auf und latschten wieder ins Dorf; zuerst mal ein paar Dollar in Pesos tauschen, denn wir hatten all unser Geld heute Morgen für die Bootspassage ausgegeben und hatten keine Pesos mehr übrig; dann einen Kaffee trinken; und zuletzt erkundeten wir noch den nördlichen Teil des Dorfes, mit anderen Worten: den langgezogenen, sehr gut besuchten Dorfstrand, voll mit kolumbianischen Feriengästen und all den Bars, liefen soweit, bis keine Bar mehr kam und hatten einen wunderschönen Sonnenuntergang am steinigen Ufer der Karibik, mit Blick auf Felsen, Palmen, Dschungel, vorgelagerte Inseln und Meer - wunderschön!; liefen wieder zurück und tranken ein Bier am "Playa Verde", einem Strand, der über und über mit kurzem, sehr dichtem und robustem Rasen überzogen war. Carmen hatte mittlerweile Gefallen gefunden an dem Ort und war nun auch froh, dass wir hiergeblieben sind und meine schlechte Laune löste sich so langsam, ganz langsam, in Luft auf. Wir schlenderten noch ein bisschen durch den zwar touristischen und lebendigen Ort - aber es ist wirklich irre, was das völlige Fehlen von Autos ausmacht, dazu auch der Fakt, dass hier nicht ständig 5 Musiken gleichzeitig auf voller Lautstärke übersteuert aus irgendwelchen Boxen plärren, sondern dezent hier und da mal Musik läuft, und auch die permanent blickenden Weihnachtsilluminationen gibt es nicht. Einiges hier ist anders in Cuparganá, es ist durchaus ein Ort, den wir gerne mal außerhalb der Saison besuchen wurden, ohne all die Feriengäste - hier kann man es nämlich ganz wunderbar aushalten in diesem netten Dorf am Rande des Darién-Dschungels! Der riesige Wald im Hintergrund sorgt auch für etwas moderatere Temperaturen, zum Abend wurde es sogar ein klein wenig frisch, als wir wieder auf dem Campingplatz einkehrten und es genau in diesem Moment anfing, erneut in Strömen zu regnen - wie gut, dass unsere Zelte diesmal im Trockenen stehen.
02:00
73.3km
36.7km/h
80m
70m
Pedalen-Paul went for a bike ride.
7 days ago
Die Nacht in diesem sehr rustikalen Casa de Ciclista war erstaunlich ruhig, aber für mich, wie so oft, wenig erholsam, denn unsere Zimmernachbarn waren extrem früh wach und machten das Licht an und unterhielten sich laut, und die Hitze hatte mich zudem lange nicht einschlafen lassen. Wir frühstückten im Zimmer auf dem Bett, mangels anderer Möglichkeiten. Beltran, unser Gastgeber, war heute morgen gar nicht mehr da, und so verabschiedeten wir uns mit Fotos und Umarmungen nur von Beltrans herzlicher Mutter und dem verrückten Argentinier Pablo, der hier lebt, was auch immer das für eine seltsame Konstellation ist. Auf dem Weg aus Apartadó heraus begleitete uns die ganze Zeit ein Nachbarshund, auch gestern schon hatte dieser uns bei unserem Spaziergang durch die Stadt eskortiert und uns Gringos bewacht. Nach ein paar Kilometern erst wurde er müde und drehte um. Viel zu berichten gibt es heute nicht von der Strecke. Größtenteil schnurgeradeaus führte uns die 62, brettflach war die gut befahrene Straße, die später vierspurig wurde und uns fast durchgehend durch nicht enden wollende Bananenplantagen führte. LKWs, absurd beladene Motor- und Lastenräder, aber auch Radfahrer prägten den Verkehr durch die Plantagenlandschaft, der Himmel war wolkenverhangen-grau, zum Glück; so in etwa, so stelle ich mir vor, werden viele Straßenkilometer in den nächsten Wochen durch Zentralamerika aussehen. Wir waren zügig unterwegs, Carmi fuhr, wie auch die letzten Tage schon, in meinem Windschatten, damit wir besser vorankommen, denn der Wind kommt aus Norden, von der Küste, heute aber viel schwächer als die letzten drei Tage. Beiden tat uns massivst der Arsch weh, die Hitze ist auch nicht so gut für das Sitzfleisch, unsere wundgeriebenen Pobacken schreien nach einem Tag Pause. Nach etwa 2/3 der Strecke, nachdem wir die Stadt Turbo links liegen lassen hatten, bogen wir auf die 90 Richtung Necocli ab. Irgendwie haben wir es geschafft, am 31.12. an unserer allerletzen, mit dem Rad erreichbaren Station in Kolumbien anzukommen - wie geil! Das erinnerte mich ein bisschen an meine zufällige Ankunft in Ushuaia am 24.12.23; Silvester 2023 verbrachte ich in Feuerland, in Tolhuin auf dem Campingplatz, krank, mit Corona, 22:00 kroch ich hustend und fiebrig ins Zelt; Silvester 2024 war ich so ziemlich in der Mitte des Kontinents, in Carhuaz/Peru, wo ich Carmen kennenlernte; und nun, ein Jahr später, bin ich wirklich noch an der Karibik angekommen - zum zweiten Mal, wenn man es genau nimmt. Aber irgendwie stimmt mich sowas feierlich. Um die Mittagszeit schon hatten wir die reichlich 70km bis Necocli abgearbeitet und teilten uns da im erstbesten Restaurant ein Mittagessen. Necocli ist chaotisch, laut, stressig, bisschen dreckig und nicht gerade ein Traumort. Die Kleinstadt gilt einerseits als recht gefährlich, denn es ist eine Zwischenstation vieler sich nach Norden, Richtung USA, bewegender Flüchtlinge. Von hier fahren die Boote zum Daríen, dem Dschungel zwischen Panama und Kolumbien, der die Panamericana unterbricht und wo auf viele arme Menschen eine 10-tägige, extrem gefährliche und beschwerliche Dschungelwanderung durch das von Paramilitärs und Drogenbanden kontrollierte Gebiet des Daríen auf sich nehmen; es ist eine der berüchtigsten und gefährlichsten Migrationsrouten der Welt. Andererseits hat Necocli auch einen einigermaßen touristischen Wert, denn von hier starten Touren zu Inseln und den nur per Boot erreichbaren, touristischen Karibik-Orten an der Küste des Daríen. Auch für uns beginnt hier ein kleines Abenteuer, denn wir müssen ebenfalls an der Darien Gap vorbei, das funktioniert entweder mit gecharterten Booten von Cartagena aus über die San-Blas-Inseln (für viel Geld, und mit gut betuchten Party-Touristen aus Europa und der USA, darauf verzichten wir) oder eben mit "Lanchas" von Necocli aus, mit privaten, kleinen Booten, die die Dörfer und Orte entlang der Küste des Daríen anfahren. Dazu müssen wir irgendwie ein Boot finden zur ersten Station, Capargana; dort befindet sich die kolumbianische Zollstation, wo wir uns unseren Stempel holen müssen. Danach geht es mit einem weiteren Boot auf die panamaische Seite des Daríen, nach Puero Obaldia, wo wir unseren panamaischen Einreisestempel bekommen werden. Von dort startet die längste Bootstour bis Puerto de Carti, denn erst ab da gibt es wieder Straßen in Panama, die mit dem Straßennetzwerk des Landes verbunden sind. Vorher aber werden wir noch Silvester und Neujahr in Necocli verbringen, dazu hatten wir uns einen kleinen Campingplatz nördlich von Necocli auserkoren, den wir nach dem Mittagessen und einem Einkauf bei Obst- und Gemüsehändlern und im Supermarkt ansteuerten. Ziemlich exklusiv gelegen war der Platz, wir mussten eine ganze Weile suchen, bis wir den kleinen, versteckten, direkt am Meer liegenden, recht gemütlichen und nicht unsympathischen Campingplatz fanden. Ein paar andere Leute sind auch da, die uns freundlich grüßten und willkommen hießen, sehr familiäre Atmosphäre. Der junge Familienvater und Chef des Platzes begrüßte uns mit Joint im Mund, und alles erschien erstmal recht ruhig und angenehm (abgesehen von der Affenhitze). Die begehrten Zeltplätze direkt am Meer waren schon relativ besetzt, wir zogen die Wiese hinter dem Haus vor und richteten uns ein. Nach der Dusche staunten wir nicht schlecht, als sich, obwohl es massenweise Platz gab auf der Wiese, ein Pärchen aus Bogota direkt zwischen unsere Zelte gequetscht hatte. Ich war etwas zerknirscht, Carmen nahm es locker, ich hatte Angst, dass das zwei richtige Partyboys waren (was sich aber später als das genaue Gegenteil entpuppte). Abends dann aber startete überall um uns herum Musik, die Nachbarn spielten 2-3 Musiken gleichzeitig, die anderen Gäste hatten ebenfalls Musik an, und ich wurde immer zerknirschter, die Hitze und der Lärm in Kombination stressen mich wirklich heftig; ich wusste nicht so richtig, wohin mit mir und was tun, es löst ein Gefühl der Hilflosigkeit in mir aus, wenn ich keine Chance sehe, dem auf mich einprasselnden Lärm irgendwie entfliehen zu können - da bekomme ich echt Beklemmungen. Ich mag Kolumbien wirklich gern, es ist ein tolles, schönes Land mit herzlichen Menschen; aber der Lärm, die überall und immer auf voller Lautstärke laufende Musik, das zermürbt mich auf Dauer und ich hoffe, das wir bald mal wieder in ruhigere Gefilde kommen werden. Carmen überredete mich gegen 22:00, doch nochmal mit dem Rad in die Stadt zu fahren, ein Fehler: Massen an Menschen quetschten sich mit Motorrädern, Mototaxis und Autos durch die engen, mit Menschen gefüllten, lauten Straßen, das heillose Chaos gab mir den Rest. Vieles kam heute Abend, heute Nacht, zusammen: ich hatte eigentlich ein ganz starkes Bedürfnis, an einem bekannten und vertrauten Ort zu sein, mit Menschen, die ich gut kenne und die vor allem mich gut kennen und mir ebenfalls vertraut sind, ohne Lärm. Und außerdem dachte ich sehr darüber nach, wie es wohl sein wird, wieder zuhause zu sein; ich hab echt langsam immer mehr Angst davor, dass ich nach meiner Ankunft in ein schwarzes Loch fallen werde und es sehr schwer sein wird, anzukommen, mental zurückzukommen. Andererseits hätte ich mich gern sofort gern nach Hause gebeamt und fühlte mich hier völlig deplaziert, und das Gefühl, meine Reise und den Moment nicht mehr richtig genießen zu können, abgestumpft zu sein, machte mich traurig, so sollte man eigentlich nicht ins neue Jahr starten. Es tut mir auch leid für Carmen, die mit meiner schlechten Laune umgehen musste und auch viel Verständnis dafür aufbrachte, der aber zum Glück Silvester/Neujahr nicht so wichtig ist; ich bin ja da schon irgendwie bisschen spiritueller drauf, paradoxerweise, und verbinde mit so einem Datum irgendwie irgendwas wichtiges. Vielleicht sollte ich mich davon mal lösen, dass dieser Tag etwas besonderes sei. Wir verließen die Stadt wieder schnell, nachdem sich Carmen einen aus meiner Sicht perversen Eisbecher gegönnt hatte; ich hielt den Lärm einfach nicht mehr aus. An einem Kiosk nahmen wir noch schnell paar Bier mit und fuhren die dunkle Küstenstraße zurück. Unterwegs hielten wir an einem verlassenen Grundstück und setzten uns da noch ein Weilchen ans Ufer, genossen die Ruhe da für ein paar Minuten, in der Voraussicht, dass wir diese auf dem Campingplatz nicht mehr haben würden. Dort hatten wir das Glück, eine Faultier-Mutter mit Kind, welches an ihrem Bauch klemmte, behäbig an einem Zaun am Straßenrand herumklettern zu sehen, für uns beide das erste Mal, dass wir so einem Tier in freier Wildbahn begegneten. Mitternacht kam dann ziemlich fix, wir setzten uns nochmal für ein Weilchen an den Strand und waren recht überrascht, dass es gar keine große Knallerei gab, den die ganze Weihnachtszeit über hatte es ja schon jeden Tag und jede Nacht Böller und Raketen gegeben; heute aber hielten sich die Feuerwerke sehr in Grenzen, anscheinend hat das hier keine allzu große Bedeutung. Man umarmte sich am Strand mit den paar anderen Gästen, wünschte sich gegenseitig "feliz ano nuevo" und wir bekamen sogar einen Schluck Sekt. Gar nicht lange nach Mitternacht wurde es dunkler und ruhiger auf dem Platz, die meisten gingen schnell schlafen, nur die Nachbarn machten Party bis zum Morgengrauen mit lauter Musik. Ich war so hundemüde und geplättet von Hitze und Lärm, dass ich mit Ohrstöpseln trotzdem langsam zur Ruhe fand und wenigstens ein bisschen pennen konnte.
04:22
78.4km
17.9km/h
230m
230m
I wish you and Carmen a healthy and happy new year, filled with wonderful experiences.
Congratulations also on the incredible achievement of cycling across the entire South American continent and almost all of its countries.
I still read your travelogues with great enthusiasm. Even if I sometimes struggle
Translated by Google •
Pedalen-Paul went for a bike ride.
December 30, 2025
Mit Motels an Tankstellen haben wir ja schon einschlägige Erfahrungen gesammelt, und zwar keine guten. Billig sind die immer, aber man schläft da halt auch kaum. Das war hier anders, überraschend ruhig war unser Zimmer und ich schlief zur Abwechslung mal vergleichsweise gut, ein gutes Motel war das. Das Frühstück nahmen wir vor der Tür mit Blick auf die Kuhweide zu uns, da war es schon gegen 7:00 ordentlich heiß. So ein Motel hat natürlich den Vorteil, dass man sein Gepäck direkt ans Vehikel werfen, directement von der Tür aus losfahren kann und auch gleich wieder auf der Piste ist, in unserem Fall der 62, der wir weiter nach Norden folgten. Brettflach war unsere Strecke, und es ging immer geradeaus; auch mal wieder schön. Auf der rechten Seite begleitete uns den gesamten Tag über die westliche Flanke der Zentralkordillere, also hatten wir auch heute noch was von den Anden. Ansonsten säumten großräumig Viehweiden mit einzelnen Bäumen, feuchte Wiesen oder Ölpalmenplantagen unseren Weg, und wir fuhren alle paar Kilometer über einen der vielen Flüsse, die aus den Bergen ins Flachland fließen und die Gegend fruchtbar machen. Ansonsten passierte da nicht viel Interessantes. Der Verkehr nahm immer mehr zu, der Standstreifen, auf dem wir zumeist fuhren, verschwand irgendwann und wurde durch 2 weitere Spuren ersetzt, viele LKWs zogen zum Ende an uns vorbei uns töteten jeglichen Genuss. Gegen 11:00 machten wir ein kleines Päuschen an einem Imbiss, das sich aber zu einer Pause ausartete, weil wir mir der Familie, die den Imbiss betrieb, ins Gespräch kamen; besonders die Teenager-Tochter war sehr an Carmen interessiert und fragte ihr Löcher in den Bauch. Außerdem wurde den nebensitzenden Gästen ein Essen serviert, was undere Aufmerksamkeit erregte: geräucherte Rippchen. Alle da machten uns das als lokale Spezialität schmackhaft, und spontan bestellten wir uns das auch, obwohl es noch viel zu früh für ein Mittagessen war (deswegen verzichteten wir auch auf sämtliche Beilagen) - superlecker. Außerdem entschied ich mich, der etwa 8-jährigen Tochter der Familie, die unser Geschirr wegräumte und uns bedient hatte, die gelbe Sonnenbrille zu schenken, die ich vorgestern auf der Straße gefunden hatte. Die Kleine war erst ziemlich perplex, umarmte mich aber plötzlich ganz heftig, was mich wiederum sehr überraschte. Ich freute mich riesig, dass sie sich so freute, ein kleines Tageshighlight. Eine weitere Pause machten wir gegen 13:00 an einem weiteren Imbiss, wo wir uns ein Essen teilten und jeder jeweils 2L Ananas-Saft in uns hineinschütteten - das tat gut! Der Himmel war zwar meist bedeckt, die Hitze aber trotzdem infernalisch und wir ziemlich ausgetrocknet und platt. Gegen 15:00 erreichten wir unser heutiges Ziel Apartadó, einer sehr lebendigen Kleinstadt kurz vor der Karibik, die aber durchaus schon karibisches Flair hat, zumindest was die Zusammensetzung der Bewohner trifft, die zu einem bedeutenden Anteil schwarzafrikanische Vorfahren haben. Hier herrscht noch viel mehr Chaos, die Straßen sind übervoll, die Gegend ist deutlich ärmer als andere Landesteile. Das sahen wir auch schon auf dem Land sehr stark, gestern schon, die Menschen leben da sehr häufig in einfachen, offenen Holzhütten mit schwarzer Folie als Dach. In Apartadó mussten wir leider doch nochmal einen Bankautomaten suchen, da unser Bargeld nicht mehr für die letzten 2-3 Tage in Kolumbien reichen wird. Dazu eierten wir durch die halbe Stadt, um unter den vielen auf Google Maps eingetragenen, aber in Realität nicht existierenden einen zu finden, der doch existiert und auch noch funktioniert. Daneben spazierte ich dann noch durch einen Supermarkt, um Vorräte für die Bootsfahrten nach Panama zu kaufen. Auf unserem Weg durch das trubelige Örtchen wurden wir von einem Motorradfahrer angehalten: von Beltran. Er ist der Besitzer des Casa de Ciclista hier in Apartadó und hatte uns erkannt, als er an uns vorbeifuhr. Naja, kein Kunststück, sag ich mal. Nachdem wir alles erledigt hatten, fanden wir uns am Rande der Stadt vor seinem Haus ein, in dessen Erdgeschoss sich seine Motorradwerkstatt befindet. Im Obergeschoss wohnt er mit seiner Mutter und hat dort außerdem 2 sehr einfache, rustikale Zimmer für Reisende wie uns. Neben uns wohnt ein alter, ziemlich durchgeknallter Argentinier namens Pablo, der ohne Punkt und Komma spricht. Das Haus bietet uns einen Einblick, wie die Leute hier leben. Mein erster Impuls war ein abweisender, andererseits ist es auch eine Erfahrung, die wichtig ist, um zu verstehen, wie die Lebensrealität der Menschen hier aussieht, und Beltran als Werkstattbesitzer, der Platz hat, Reisenden einen Unterschlupf zu gewähren, ist sicherlich weit davon entfernt, zur ärmsten Unterschicht zu gehören. Trotzdem dauerte es ein ganzes Weilchen, bis ich mich mit den Gegebenheiten angefreundet hatte: offene Bretterwände, Bad mit Eimerdusche, Mücken ohne Ende vom etwas müffelnden Fluss hinter dem Haus, beengte Verhältnisse. Aber gut, auch diese Nacht werden wir überstehen, und Beltran, ein überaus sympathischer und entspannter Zeitgenosse, ist ein Mensch mehr, der uns ohne Gegenleistung, ohne etwas von uns zu erwarten, in seinem Haus übernachten lässt, uns vertraut, uns hilft und uns an seiner Gastfreundschaft teilhaben lässt, Gringos wie uns, die aus einer ganz anderen, viel wohlhabenderen Welt kommen, für die es unvorstellbar wäre, für längere Zeit oder das ganze Leben in so einem Haus zu leben. Schon irre, wie gut es uns geht und wie selbstverständlich das ist! Wir latschten noch bisschen durch den Ort, setzten uns in eine Kneipe und beobachteten die Menschen. Hier passiert so viel mehr als in einer deutschen Stadt, es wird nie langweilig. Unser sehr einfaches Abendessen, passend zur Unterkunft, nahmen wir später im Bett unseres Schlafgemachs ein: Vollkorn-Toastbrot mit Frischkäse, Karotte und Paprika. Ich ging, um der stickigen Enge des Zimmers zu entfliehen, nochmal für ein Bierchen in die Stadt, gleich ums Eck, um meinen Bericht zu schreiben. Mal sehen, was das für eine Nacht wird.
04:04
71.5km
17.5km/h
200m
280m
Pedalen-Paul and Carmense went for a bike ride.
December 29, 2025
Schade, dass wir weitermüssen. Das Hotel in Dabeiba war eines der angenehmsten in ganz Kolumbien gewesen, und es war ein seltsamer Kontrast zur wahnsinnig lauten und chaotischen Stadt, denn da drinnen konnte man das ausblenden und ich schlief ausnahmsweise mal ganz gut. Kochen zum Frühstück fiel wieder aus, Carmens Kocher ist nach wie vor verstopft, und bei der Hitze hier macht das auch überhaupt keinen Sinn, wenn man mich fragt. Wir schoben unsere Räder, die wir in der Lobby parken durften, bepackt aus dem Hotel und fuhren los, zuerst noch ein Stück auf der westlichen Seite des Rio Sucio, aber nach wenigen Kilometern wechselte die Straße zum Ostufer. Wir waren sehr überrascht, wie schön die Strecke heute wurde, unsere Erwartungen waren nicht besonders hoch gewesen bzw. gab es eigentlich keine Erwartungen. Wir fuhren durch wunderschönen Nebelbergwald auf etwa 300-400m Höhe, herrlicher, dichter Dschungel links und rechts an steilen Hängen und nebelverhangenen Hügeln. Dementsprechend aber ging die Luftfeuchtigkeit rapide nach oben. Wir hatten aber das große Glück, das der Himmel heute meist bedeckt war und die Temperaturen dadurch noch halbwegs moderat blieben. Trotzdem sorgt die Luftfeuchtigkeit dafür, dass sich selbst 29°C unglaublich heiß anfühlen und so klebten unsere Klamotten trotzdem schweißnass am Leib. Gestern begleiteten uns als Thema des Tages ja irgendwie die Tunnel, heute dagegen waren es die Erdrutsche. Bis vor drei Tagen soll es hier in der Gegend sintflutartige Regengüsse gegeben haben, und auf vielen Kilometern fuhren wir heute an Erdrutschen vorbei, immer wieder waren Teile der steilen Hänge am Rande auf die Straßen gerutscht, Radlader und Bagger waren dabei, die Hindernisse zu beseitigen; Flüsse hatten sich neue Wege gesucht und waren über die Straße hineingebrochen, Pflanzen und ganze Bäume hatte es heruntergespült, und besonders an einer Stelle stauten sich die Autos und Motorräder einige Kilometer. Wir konnten bis ganz vor zur Sperrung an der ewig langen Schlange vorbeifahren, mussten dann aber auch ein Weilchen warten, während Radlader an der überfluteten Stelle arbeiteten. Die Kolumbianer nehmen das entspannt und geduldig, was soll man auch machen, für die Launen der Natur kann hier keiner was. Als nach einer halben Stunde die Baustelle freigegeben wurde, um den angestauten Verkehr erst in die eine Richtung, dann in die andere Richtung durchzulassen, hieß es für uns, durch das tiefe Wasser durchzufahren. Wir hatten uns ja vorgedrängelt, aber die Autoschlange hinter uns war diszipliniert, keiner regte sich auf, ganz im Gegenteil, die Leute grüßten uns und hupten freundlich und fuhren recht vorsichtig und ohne zu stressen an uns vorbei, wenn möglich. Es kamen dann immer wieder mal noch einzelne Erdrutsche, riesige Steine, Erdhügel, Schlamm oder umgekippte Bäume lagen auf der Straße, aber zum Glück gab es keine Sperrungen mehr. Dadurch, dass die hinter uns liegende Baustelle immer wieder mal geöffnet wurde, kam der uns überholende Verkehr in Schwüngen, zwischendurch aber hatten wir die Straße für uns allein, das war ganz angenehm. Es wurde ein viel schönerer Fahrtag, als wir gedacht hatten, die Landschaft, der Dschungel, die vielen Vögel, das war wirklich schön, und die Anden verabschiedeten sich ganz allmählich mit den letzten, hügeligen Ausläufern von uns. Erst nach der Mittagspause mit dem üblichen Standard-Mittagsmenü wurde es langsam flacher. Die Hitze setzte uns zu, hundemüde war vor allem ich und wollte mit dem Kopf auf dem Tisch einschlafen, aber Carmen nötigte mich zur Weiterfahrt. Ein paar schöne, hohe Brücken mit wilden, klaren Flüssen überfuhren wir dabei noch, dann kamen wir ins Flachland und erreichten zum frühen Nachmittag den Ort Mutatá nach etwa 50km. Eigentlich wollten wir uns da eine Unterkunft suchen, wir statteten 3 Hotels einen Besuch ab, die Zimmer waren völlig überteuert, ungemütlich und rochen nach Schimmel und Muff; der Ort an sich war ebenfalls nicht so richtig einladend. Also entschieden wir uns, doch noch weiterzufahren, kauften bisschen Obst ein und verließen die Ortschaft schnell. Danach änderte sich die Landschaft sehr stark, wir fuhren durch völlig flache Ebene mit großen Viehweiden, vielen breiten Flüssen und Flussauen, nur weit am Horizont sahen wir noch Berge, vor allem im Osten - dieser Blick wird uns noch 2-3 Tage begleiten, denn diese Kordillere zieht sich ostwärts unserer Route bis zur Karibik und die 62 führt an der Flanke entlang. Die flache Landschaft war sehr schön, mit vielen Wiesen und den schönen, breiten und klaren Flüssen, deren Ufer eigentlich zum Campen eingeladen hätten, aber es ist natürlich alles eingezäunt, alles privat - so ein Mist! Nach einigen weiteren Kilometern kamen wir an einem großen Rasthof vorbei, hinter dem es eine dieser typischen Motelanlagen gibt, Flachbauten mit Parkbuchten davor. Wir fragten spaßeshalber mal den Preis an, dieser war angenehm günstig, ich ließ mir mal ganz am Ende des langgezogenen Baus ein Zimmer zeigen, welches auf der abgewandten Seite zu einer Kuhweide hin zeigte. Es ist sowieso zwischen Weihnachten und Neujahr, und der LKW-Verkehr hält sich gerade sehr in Grenzen. Das Zimmer roch zwar auch nach Muff und Schimmel, aber so ist das in so einer immens feuchten Gegend wahrscheinlich ziemlich normal, also beschlossen wir, zu bleiben. Das weitere Programm kennt ihr ja schon, Dusche, Wäschewaschen, Bierchen, Abendessen, Berichtschreiben. Carmens Rumgestromer fiel aus, hier gibt es nichts zu erkunden. Wir sind beide sowieso geplättet und hundemüde, die Hitze macht einen fertig, wir brauchen wohl noch paar Tage, bis wir uns - hoffentlich - wieder dran gewöhnt haben werden.
04:18
62.7km
14.6km/h
790m
1,100m
Pedalen-Paul and Carmense went for a bike ride.
December 28, 2025
Ich hab mal wieder schlecht geschlafen, naja, nix Neues. Bisschen grummelig - wie hält Carmen das aus? - sattelten wir früh die Hühner, kochen fiel (zum Glück) aus, denn Carmens Kocher ist vom schlechten Benzin verstopft gewesen; klammheimlich frohlockte ich bisschen darüber, ich Schwein. Der letzte Tag in den Anden stand heute bevor, dem längsten Hochgebirge der Welt. Unfassbar ist das, dass ich die gesamte Länge von Feuerland bis hierher - bis auf ein paar kliztzekleine Lücken, wirklich selbst mit dem Rad befahren habe. Total surreal. Niemals hätte ich gedacht, dass ich das kann und durchhalte, und heute fahren wir die letzten Meter, die letzten Anstiege hinauf - und danach hinab in die Tiefebene zur Karibik. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf fiel die letzte Kletterpartie gleich viel leichter, noch ein letztes Mal die frische Bergluft genießen, die letzten Serpentinen und Kurven, die letzten Ausblicke in die wilden, zerfurchten Berge, die Wolken, die grünen Hänge, die kleinen Dörfer unterwegs. Ich bin so traurig, das wird mich - hoffentlich - den Rest meines Lebens begleiten, die Erinnerungen an meine Zeit in diesem Teil der Welt. Aber ich freue mich auch, endlich nicht mehr jeden Tag klettern und kraxeln zu müssen. Die Anden haben mich jetzt fast 2 Jahre begleitet. Bis auf meinen Start von Buenos Aires bis Ushuaia, die Zeit in den Guyanas und dem Norden Brasiliens, im Amazonas, waren sie immer präsent. Vom Süden Chiles und Argentiniens, später den Wüsten dieser beiden Länder bis in den Norden des Kontinents, über das Hochplateau Boliviens, über Peru mit seinen gigantischen, teilweise schneebedeckten, atemberaubenden - und atemraubenden - Bergen und nicht enden wollenden Anstiegen, über Ecuador mit seinen Vulkanen und sehr steilen Straßen bis Venezuela mit seinen abgelegenen Bergdörfern und jetzt in Kolumbien mit seinen Páramos und den tropisch grünen Steilhängen. Was habe ich geschwitzt und geflucht! Was habe ich mich gefreut, wenn ich oben war, wieviele Abfahrten habe ich genossen. Ich bin tagelang einen einzigen Anstieg hochgefahren und auf der anderen Seite in wenigen Stunden wieder runtergebrettert. Was habe ich in den Anden nach Luft gehechelt. Boliviens Hochplateau, das sich auf 4000 m Höhe befindet, liegt nochmal 1000 m höher als der Gipfel der Zugspitze. In Peru bin ich am Pastouri-Gletscher bis auf fast 4900müNN, bei dünner Luft, bei Schnee und Hagel, hochgefahren und habe auf 4800m gezeltet, in Argentinien den Abra del Acay erklommen, bin da sogar bis 4950m hochgeochst, das was das Anstrengenste, was ich jemals gemacht habe. Es war eisig und einsam, ich habe bei -16°C auf dem Salar de Uyuni gezeltet, aber all das sind unglaublich schöne Erinnerungen, die mir keiner mehr nehmen kann. Wieviele Höhenmeter ich mich hochgekämpft habe und wieviele ich wieder runtergefahren bin. Ich bin durch viele kleine, schöne Andendörfer mit ihren meist zurückhaltenden, aber freundlichen Menschen und ihren unzähligen, unterschiedlichen Kulturen durchgefahren. Auch große Andenstädte wie Salta, Sucre, Potosí, La Paz, Cusco, Cuenca, Quito, Merida, Bogota, und Medellin hinterließen einen bleibenden Eindruck. Und heute ist der letzte Tag in den Anden vorübergegangen. Ich bin wehmütig, aber ich freue mich auch, verlasse dieses Gebirge mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Die Anden haben sich heute nochmal von ihrer schönsten Seite präsentiert. Tolle Ausblicke in die wie gemalt erscheinenden, stark gefurchten Berghänge passierten wir während des recht übersichtlichen, letzten Anstiegs. Danach ging es sehr lange bergab, eine wunderschöne Abfahrt war das, in der ich in Gedanken versank und die letzen 2 Jahre Revue passieren ließ und etwas melancholisch meinen Erinnerungen nachhing, während wir die Kurven und Serpentinen runterbretterten und sich die Landschaft langsam veränderte. Fast den ganzen Rest des Tages ging es nur noch bergab, und auch am Ziel befinden wir uns noch in den letzten Ausläufern der Berge. Morgen aber sind wir in einer anderen Welt. Heute hatten wir einige Tunnel zu durchfahren, der erste kam schon nach 35km. In Kolumbien ist das mit dem Rad Gottseidank nicht ganz so wild, denn die Tunnel sind sehr hell beleuchtet und überraschend modern und gut ausgebaut; trotzdem ist es natürlich auch ein bisschen irre und nicht gerade der Traum eines Radfahrers, auf einer Schnellstraße durch einen Tunnel zu fahren, aber da kamen wir heute nicht drumherum. Der erste Tunnel war aber noch recht kurz und somit kein Problem. Danach fuhren wir auf dem Standstreifen an einem langen, langen Stau vorbei, denn vor dem 2. Tunnel hatte es einen Erdrutsch an einem steilen Hang gegeben. Oben am Hang stand ein Bagger, der Erde und Steine in kleinen Schüben den langen Hang herunterschob; ein Radlader schob dann auf der Straße die herunterrutschenden Steine und die Erde beiseite. Wie in Südamerika üblich, werden solche Baustellen von Einweisern bewacht, die den Verkehr über Funk nach einiger Zeit in Intervallen in die eine oder andere Richtung freigeben, mit einem großen Stopschild in der Hand. Wir hatten da schon sehr emsige, beflissene Einweiser erlebt, die ihren Job echt ernst nehmen. Hier aber herrschte ziemliche Anarchie: immer wieder fuhren einzelne Motorradfahrer einfach durch die Absperrung, ohne von den Einweisern irgendwie beachtet oder zurückgehalten zu werden. Nach einer Weile taten wir es ihnen gleich und tasteten uns weiter vor. Neben uns rollten Steine und Erde vom Hang herunter, der Radlader ballerte dazwischen herum und schob das Zeug an die Seite, und wir huschten in einem günstigen Moment vorbei und fühlten uns ziemlich kühn und auch etwas cool dabei, wie souverän wir einfach die Anweisungen der Bauarbeiter missachteten und da durchackerten. Nach weiteren, kurzen Tunneln folgten viele Kilometer entlang des Rio Sucios (übersetzt "schmutziger Fluss"), der sich rechts der Straße tief in einer Schlucht neben uns wandte und uns den Rest des Tages begleitete. Nach 55km hatten wir unser erstes Ziel erreicht, Umita, ein kleines Dorf, wo es auch 1-2 Hotels gibt. Es war Mittagszeit und wir gönnten uns ein Mittagsmenü. Dabei gesellte sich ein polteriger Mann zu uns, hielt laute, politische Reden und schnabulierte dabei sein Mittagessen. Bisschen anstrengend war das und auch erstaunlich, wie selbstverständlich er sich zu uns dazugesellte und uns ohne Punkt und Komma seine politischen Ansichten lauthals darlegte. Da es noch nicht zu spät war, fuhren wir also weiter. Direkt am Ortsausgang kam nun die wirklich lange Tunnelsektion auf uns zu. Etwa 8km Tunnel mit kurzen Unterbrechungen hatten wir zu durchfahren, ein sehr Adrenalin-treibendes Erlebnis. Die Lautstärke darin ist wirklich unglaublich, man weiß nie, ob der Lärm von entgegenkommenden oder überholenden Autos kommt, Motorräder sind laut wie LKWs, man ist permanent in Alarmbereitschaft. Die kurzen Zwischenstücke zwischen den Tunneln waren eine immense Erholung, mit tollen Ausblicken auf den Rio Sucio und die steilen Bergwände dahinter. Ich machte aber wirklich 3 Kreuze, als wir endlich all die Tunnel hinter uns hatten. Immerhin, das war unser großes Glück, ging es dabei immer leicht bergab, sodass wir da schön durchrauschen konnten. Nach 75km erreichten wir unser zweites Tagesziel, den Ort Dabeiba, der etwas abseits der 62 lag. Wir bekamen einen kleinen Schock, als wir das Dorf enterten: da war die absolute Hölle los. Kolumbien ist echt so krass. Die Hauptstraße war gerammelt voll mit Menschen, obwohl Sonntag ist, überall kam uns laute, übersteuerte Musik aus allen Richtungen entgegen, die Bars waren voll mit trinkenden Menschen, junge Burschen ballerten in Massen mit ihren Motorrädern durch den Ort - es prasselte so auf uns ein, dass wir direkt völlig überlastet waren und eigentlich beide sofort einen Fluchtimpuls hatten. Andererseits war ich aber innerlich schon auf Tagesende gepeilt und hatte eigentlich keine Lust mehr, weiterzufahren, also fragten wir am Rande des Dorfes an einem Hotel an, flüchteten aber aufgrund des hohen Preises. Ein weiteres Hotel sollte sich ein paar Straßen weiter oben befinden, und auf dem Weg dahin wurde es ruhiger und etwas entspannter. Das Hotel erwies sich als richtiger Glücksgriff: alles nagelneu und modern, wir bekamen ein wirklich großes Zimmer für einen günstigen Preis und waren überaus froh, dass wir doch nicht gleich weitergefahren sind. Wie so üblich folgte unser normales Abendprogramm: Duschen, Wäschewaschen (jeden Tag ein bisschen was, damit es sich nicht staut), bisschen rumgammeln; Carmen hält es dann traditionsgemäß nicht mehr aus und stromert allein durch den Ort, ich gammle ohne schlechtes Gewissen weiter und verlasse erst nach Einbruch der Dunkelheit das Zimmer; bisschen Straßenessen futtern, Frühstück einkaufen, Bierchen trinken wegen der Mineralstoffe und Vitamine, Bericht schreiben, Zähneputzen, pullern und ab ins Bett.
04:14
74.7km
17.7km/h
590m
2,130m
Cool summary of your extreme Andes experience. Phew, I'm definitely not looking forward to -16°C, and my gear probably isn't designed for that either...
Translated by Google •
Pedalen-Paul and Carmense went for a bike ride.
December 27, 2025
Die Feiertage sind vorbei und ich habe eine neue Isomatte, also konnten wir heute weiterziehen, einen Tag später als geplant. Am Anfang hatte ich etwas gefremdelt mit dem Campingplatz, wie so oft, im Nachhinein war es eigentlich echt ganz nett da und ich wollte gar nicht so richtig wieder weg, hatte mich an den Pool, unsere Zeltecke, die neugierig glotzenden Kühe auf dem Nachbargrundstück gewöhnt, und auch unsere neuen Nachbarn, der alte Belgier Peter und seine Familie, waren sehr nette und entspannte Leute. Naja, aber muss weitergehen, also klingelte 6:00 schon der Wecker, denn heute stand die letzte große Kletterpartie an, bevor wir die Anden endgültig verlassen, vorher müssen wir nochmal über die Kordillere drüber, ehe wir in die brüllend heiße Llano-Ebene, die sich bis zur Karibik zieht, hinunterfahren. Nach dem Frühstück auf dem Campingplatz verließen wir Santa Fe, mussten auch gar nicht noch mal hoch und in den Ort, sondern konnten ziemlich direkt auf die 62 fahren, der wir bis zur Karibik größtenteils folgen werden. Direkt von Anfang an ging es straff bergauf, 1400 Höhenmeter auf etwas mehr als 20km waren heute der Plan. Heiß war es leider trotzdem schon, als wir losfuhren, aber mit zunehmender Höhe relativierte sich das halbwegs. Die Gegend hier ist trocken, es regnet selten und die Vegetation ist eher dornig und buschig, wenige Bäume heißt wenig Schatten, und so schwitzten wir ordentlich beim Anstieg. Anfangs gab es nicht so viel zu sehen, doch umso weiter wir kletterten, umso öfter hatten wir eine wirklich atemberaubende Aussicht in auslandend weite Täler mit zerfurchten, faltigen, olivgrün-braunen Bergen drumherum, die sich gegenseitig überlagerten und viele hintereinander liegende Ebenen bildeten und durch die diesig blau-gelbe Luft sehr weichgezeichnet waren. Absolut spektakulär, die Fotos von heute sehen aus wie gemalt. Würdige Panoramen für die letzten Kilometer durch die Anden - nach so langer Zeit, nach so vielen Höhenmetern und Kilometern, von Feuerland bis hierher. Leider ging es mir aber ab der Hälfte der Strecke immer schlechter: die Hitze und das Gekletter bekamen mir heute nicht, auf den letzten Metern durch die Anden fange ich an zu schwächeln - enttäuschend! Ich bekam heftige Kopfschmerzen und mir wurde bisschen schwindelig, obwohl ich so viel Wasser wie selten trank, auch mit Elektrolyt-Salzen versetzt, aber das half irgendwie gar nicht. Der Höhepunkt der Kopfschmerzen war mittags erreicht, da hatten wir bereits knapp 1300 Höhenmeter weg und unser vorläufiges Ziel erreicht: ein Restaurant, die erste Möglichkeit seit Santa Fe, was zu essen und zu trinken. Gegen 13:30 kehrten wir da ein, es hatte auch die Überlegung gegeben, ob wir da vielleicht zelten könnten, aber der Ort eignete sich nicht wirklich dafür. Dafür war aber die Aussicht auch von hier absolut phänomenal! Leider konnte ich es wenig genießen, ich legte meinen hämmernden Schädel auf die Tischplatte, schloss die Augen und ruhte ein wenig, bis das Essen kam, das alltägliche, typisch kolumbianische Mittagsmenü, was mir so langsam zum Hals raushängt: Vorsuppe, danach Reis, ein Streifen frittierte Kochbanane, einen Löffel Salat und dazu die jeweils individuell auswählbare Sorte Fleisch. Allerdings ging es mir nach dem Essen deutlich besser, schon nach der Vorsuppe, scheinbar fehlten mir echt ein paar Mineralien. Wir beschlossen, noch ein paar Kilometer weiterzufahren, auf der Karte hatten wir doch noch 2-3 Landhotels entdeckt, die in den nächsten Kilometern direkt an der 62 liegen sollten und die wir der Reihe nach anfahren wollten, denn Campen ist in dieser Gegend wieder nicht möglich - alles eingezäunt, steil abfallend oder aufsteigend oder bewohnt. Das erste Hotel nach wenigen Kilometern schien laut und hässlich, wir tranken nur schnell eine Cola am Kiosk davor und fuhren noch ein Stück bis zu einem kleinen Dorf, wo es ein weiteres Hotel gab. Da es nun schon nach 16:00 war, kehrten wir hier ein und nahmen uns ein überaus günstiges Zimmer. Duschen, Wäsche waschen unter der heißen Dusche, alles wie immer. Langweilig. Alltag. Bisschen rumgammeln, Bilder austauschen, Komoot-Tour anlegen, Elektro-Geraffel laden. Nochmal rausgehen, was kleines essen, Bierchen trinken. Bericht schreiben. Sich über die lauten Nachbarn ärgern, nervige helle Fenster abhängen. Der übliche Wahnsinn.
04:12
26.5km
6.3km/h
1,470m
100m
And another unbelievable mountain stage 😮!
Belated Merry Christmas and Happy New Year!
Have you decided to take the ferry from Necocli? Just be careful and listen to the locals' advice. As touring cyclists, we're not exactly easy targets for guerrillas, based on our experience, but cycling under fire
Translated by Google •
Pedalen-Paul went for a hike.
December 26, 2025
Der geneigte Leser wird sich wundern: was macht Pedalen-Paule denn schon wieder in Medellín?! Das hätte ich gestern schon erklären wollen, aber Komoot hat die Aufzeichnung meiner Tour nach wenigen Minuten wieder abgebrochen, und so muss ich das alles heute zusammenfassen und erklären: Als besonderes Weihnachtsgeschenk schreckte ich in der Nacht vom 24. auf den 25. mit einem lauten Schrei aus dem Schlaf, denn es fühlte sich so an, als ob ein großes Tier unter meinem Zelt durchkriechen würde, eine riesige Schlange oder so; nachdem der erste Schreck überwunden war, untersuchte ich den Zeltboden, aber da war nichts. Dafür aber hatten sich 2 und etwas später dann 3 Kompartements meiner aufblasbaren Isomatte zu einer großen, fetten, vertikal von oben nach unten verlaufenden Beule vereinigt. Es passierte das, was mir am Anfang meiner Reise schon 2x passiert war: meine verdammte Isomatte hat sich delaminiert. Aber immerhin hat diese nun mehr als 2 Jahre durchgehalten. Zugegebenermaßen hat sie auch viel ausgehalten: Dreck, literweise Schweiß, Kälte bis -16°C, Hitze bis 40°C, Feuchtigkeit, Moskitospray, Sonnencreme, diverse Wäschen mit Seife und was weiß ich... Zumindest kann ich auf dem Ding nicht mehr pennen, denn durch die große Beule in der Mitte rolle ich immer runter, also muss Ersatz her, und so entschied ich mich gestern Vormittag, mit einem Bus zurück nach Medellín zu fahren. Zwar haben am 25.12. die meisten Geschäfte zu, aber so hatte ich heute einen entspannteren Tag und kann ohne Stress wieder zurück nach Santa Fe fahren. Ich hatte mir auf der Fahrt ein Hostelzimmer in El Poblado reserviert, welches ich direkt nach der nur einstündigen Busfahrt und der 6 Stationen mit der Metro anstreuerte. Dort stellte ich meinen Rucksack ab, nutzte die heiße Dusche, um bisschen Wäsche zu waschen und machte mich wieder auf in die Stadt. Im Osten El Poblados, ganz oben auf den Hügeln des Viertels, gab es eine riesige Mall, in der es eine laut Google geöffnete Decathlon-Filiale geben sollte. Ich lief also bergauf durch all die am Hang liegenden, modernen Hochhäuser und hochpreisigen Wohnanlagen zwischen viel Grün und Vegetation. Medellín war heute, zum 1. Weihnachtsfeiertag, völlig ausgestorben und die kleine Wanderung war ganz angenehm - aber leider umsonst. Die Mall, aufgebaut wie ein Labyrinth, war zwar gut besucht, aber ein Großteil der Geschäfte war geschlossen, so auch Decathlon. Ich lief also den langen Berg wieder herunter und kam dabei am Ende durch eine ziemlich hippe Gringo-Fressmeile, mit teuren Restaurants, Bars, Clubs und Diskotheken - und einem Imbiss namens Istanbul Döner Kebap - richtig geil! Wie oft habe ich in letzter Zeit Carmen erzählt, wie gerne ich einen Döner essen würde, und natürlich schenkte ich mir diesen Döner nebst 8 Falafel selbst zu Weihnachten. Die Falafel waren wirklich super, der Döner - naja, 'nen richtigen Döner gibt's halt nur in Deutschland. Meinen Abend verbrachte ich im Hostel mit einer Flasche portugiesischem Wein (mein Weihnachtsgeschenk von Carmen) und einer langen, wütenden Mail an den Komoot-Support, das hatte ich mir schon lange vorgenommen, denn die neue Version sieht zwar fancy aus, aber ist so voller Fehler und Bugs, dass es nicht mehr zum Aushalten ist. Heute nun, nach dem zeitigen Frühstück im Hostel, machte ich mich wieder auf in die Stadt. Mein erstes Ziel war ein Outdoorshop weiter im Norden, 40min Fußmarsch bis dahin waren umsonst, denn dieser Laden entpuppte sich als schlechte Empfehlung, dort gab es nur ein bisschen Angel- und Jagdzubehör. Also doch Decathlon. Dazu musste ich aber in den Südwesten der Stadt, nahm dazu zuerst die Metro nach Süden und fragte mich dann zur Buslinie C3 durch, die mich Richtung Westen brachte. Dort gab es eine weitere, riesige Mall und der dortige Decathlon hatte auch geöffnet; dort fand ich schließlich auch eine neue Isomatte, eine neue Sonnenbrille und Elektrolyt-Salze für uns. Ich fragte mich wieder zum Bus durch, denn richtige Haltestellen gibt es nicht. Google kennt zwar in etwa die Stellen, wo Busse abfahren, aber als Auswärtiger muss man sich immer durchfragen und hoffen, dass man dann den richtigen Bus erwischt. Mir gelang das zum Glück schnell, dann stieg ich auch wieder direkt in die Metro-Linie A und fuhr zum nördlichen Busterminal, das direkt an der Metro liegt. Hier galt es wieder, mich durchzufragen, denn im Terminal herrschte ein heilloses Durcheinander; es gibt unzählige Büros verschiedenster Busunternehmen zu verschiedensten Zielen, und da muss man erstmal das richtige Büro finden, um wiederum das richtige Ticket zu kaufen. Lange Schlangen warteten vor den Ticketschaltern, die Leute drängeln, rammeln, schieben, schreien, nerven, eine Geduldsprobe war das, bis ich das Ticket in den Händen hielt und mich 20min später im richtigen Bus wiederfand - auch nochmal ein Akt, sich bis dahin durchzufragen. Ohne Spanischkenntnisse wäre man hier echt verloren. Im Bus ging das Chaos noch weiter, ich hatte Sitzplatznummer 19, aber es gab nur 18 offizielle Sitzplätze, die anderen, neu zugesteigenden Fahrgäste verjagten mich immer wieder von ihren Sitzplätzen und alle waren der Meinung, ich sei im falschen Bus. Der Busfahrer, den ich dann draußen ansprach, zeigte schlussendlich gelangweilt auf den großen Beifahrersitz - ein Luxusplatz, mit bester Sicht, viel Platz und ohne nervige Sitznachbarn, fast schon ein kostenloses Upgrade. Nach der einstündigen Fahrt kam ich wieder im höllenheißen Santa Fe an. Auf dem Weg zum Campingplatz durch das Dorf kam ich an einer sehr interessanten Craft-Bier-Bar vorbei, die war die letzten Tage immer geschlossen gewesen; heute aber war sie geöffnet, und ich konnte einfach nicht vorbeilaufen. 10 verschiedene Sorten einer lokalen Brauerei gibt es hier frisch vom Zapfhahn, ich trank zur Erfrischung ein "Lachinca", mit einem leicht mandarinigem Geschmack. Nach meiner Rückkehr auf den Campingplatz lagen Carmen und ich den Rest des Nachmittags am Pool, faulenzten und badeten. Wir kamen mit einem alten Belgier ins Gespräch, der sich zu uns gesellt hatte. Er lebt seit langer Zeit in Kolumbien, in einem Dorf bei Guatapé, scheinbar hat er eine sehr interessante Lebensgeschichte, von der er uns ein paar Einblicke lieferte, denn er spricht erstaunlich gut Deutsch, obwohl er es seit langer Zeit nicht benutzt hat. Nach dem Abendessen, Arepas mit Guacamole, gesellten wir uns erneut zu ihm, denn er hatte uns Weihnachtsstollen angeboten, der aus Österreich importiert wird und in sehr ausgesuchten Supermärkten tatsächlich hier erhältlich ist. Ich mag keine Rosinen und somit auch Stollen auch nicht so besonders, aber probierte trotzdem ein Stück, denn Stollen in Kolumbien von einem deutsch sprechenden Belgier in Santa Fe serviert zu bekommen - da kann man doch nicht ablehnen, oder? Carmen blieb noch mit dem alten Belgier sitzen und hörte sich weiter seine Geschichten an, in denen es vor allem um Narcos, Erpressung, Drogenkartelle, Korruption, Gangster, Scopolamin, sein Restaurant und seine Familie geht und die nie ihm nie auszugehen scheinen. Ich dagegen hatte Durst und lief nochmal in die Kneipe, trank zwei Bierchen und erfreute mich an der äußerst guten Musikauswahl da: Deftones, Tool, Nirvana, Foo Fighters, und dazu Oberklasse-Biere: ich hatte ein Happy Sour und ein Paleomango. Da fühlte ich mich sehr wohl.
01:49
24.9km
13.7km/h
110m
160m
Pedalen-Paul and Carmense went for a bike ride.
December 23, 2025
Gestern hatten wir noch einen ziemlich ruhigen Tag in Medellín. Nach dem Mittag latschte ich erneut ins Zentrum herunter, um mir da ein neues T-Shirt zum Radfahren zu kaufen, denn mein altes zerbröselt langsam. Henry, unser Hauswirt, hatte mir ein Kaufhaus in der Nähe vom Plaza Botero empfohlen, den man im Prinzip als Hauptplatz Medellíns bezeichnen könnte. Außerdem schrieb ich Hannes an, Carmens Kumpel, der mir meine Kreditkarte mitgebracht hat. Mit ihm waren wir so lose verabredet, denn wir wollten ihn unseren "Kiez" zeigen, Villa Hermosa, wo nicht nur Touristen und reiche Säcke leben, sondern normale Menschen, damit er auch ein authentisches Viertel der Stadt erleben kann. Ich verabredete mich mit ihm am Plaza Botero und er begleitete mich dann in das Kaufhaus Centro Comercial Palacio National, wo ich auch ziemlich schnell ein passendes Shirt fand. Danach fuhren wir mit der Metro-Linie A nach Norden und stiegen in den Bus um, der hoch nach Villa Hermosa fährt und latschten zu unserem Casa de Ciclista. Da trafen wir auf Carmen, die von alledem nichts wusste und sich sehr freute über die kleine Überraschung. Wir verbrachten einen schönen Nachmittag in Villa Hermosa, Hannes blieb ziemlich lange hängen, länger als geplant, wir saßen ein Weilchen in Bars, futterten uns durch den Plaza von Villa Hermosa, bis er mit einem Uber wieder verschwand. Heute nun hieß es Abschied nehmen: vom Casa de Ciclista, wo wir uns sehr wohl gefühlt hatten, von Henry, dem sympathischen, kiffenden Lehrer, von Villa Hermosa und von Medellín. Zuerst ging es steil bergab, richtig heftig steil, ins tiefergelegene Zentrum, und von da gleich wieder bergauf, die westlichen Hänge von Medellín galt es zu erklimmen, man kommt nicht anders aus der in einem großen Talkessel gelegenen Stadt hinaus, und natürlich ging es ähnlich brutal steil bergauf, wie es vorher hinab ging, zum Glück aber nur das erste innerstädtische Stück, das dafür aber so richtig. Der Rest des langen Anstiegs, auf dem wir knapp 1100 Höhenmeter wegschrubben mussten, waren sehr moderat, sowohl noch in der Stadt, aber auch später, als wir Medellín schon längst verlassen hatten. Immer wieder konnten wir nochmal zurückblicken auf dieses riesige Moloch, welches sich, unter einer leichten, bläulichen Smogglocke liegend, langsam von uns entfernte. Es wurde immer ländlicher um uns herum, hügeliges und saftig-grünes Weideland umgab uns lange, bis wir den höchsten Punkt auf etwa 2500m Höhe erreichten. In einem Unterstand mit Bänken nahmen wir unser gestern Abend vorbereitetes, mitgebrachtes Mittagessen zu uns: selbstgemachte Guacamole mit Arepas und Krümelkäse - sehr lecker und sehr nahrhaft, das sollten wir uns öfters mal machen. Ab da folgte eine sehr lange Abfahrt mit ebenfalls moderater Steigung, auf der man es wunderbar laufen lassen konnte mit nur wenig Bremseneinsatz - so macht das richtig Spaß, so eine schöne und entspannte Abfahrt hatten wir lange nicht mehr. Über 2000 Höhenmeter ging es bergab auf über 30km verteilt, und auf halber Strecke öffnete sich die Landschaft und gab eine riesige Tiefebene preis, in die wir hineinfahren würden. Es wurde zuerst deutlich dschungeliger, es gab wieder viele Bananenpflanzen, aber auch ein paar Kaffeefelder; später wurde es schnell sehr trocken und eher savannenhaft. Unterwegs trafen wir an einem Aussichtspunkt auf Christian und Sandra, zwei erfahrene, etwas schrullige Radreisende aus der Schweiz, mit denen wir einen längeren Plausch hielten. Die Zeit drängte aber langsam, wir hatten noch einige Kilometer zu fahren bis zum Ziel, und weiter ging's. Die Abfahrt endete in San Vicente, da überlegten wir schon, ob wir uns da eine Unterkunft suchen sollten, aber es erschien alles ziemlich gehobener Standard und zu teuer für uns zu sein, also ging's doch noch weiter. Ab hier mussten wir wieder auf die 4-spurige Schnellstraße 60 abbiegen und hatten für 15km nochmal dichten, lauten Verkehr zu ertragen, ein Kontrastprogramm zu den letzten Stunden, in denen wir auf so gut wie gar keine Fahrzeuge getroffen waren. Diesen Teil spulten wir mechanisch mit Musik in den Ohren ab und bogen zum Glück schnell wieder von der 60 Richtung Santa Fe de Antioquia ab, unserem Ziel, wo wir Weihnachten verbringen wollen. Bis dahin waren es aber trotzdem nochmal 8km, und es ging langsam auf Sonnenuntergang zu. Wir sind nun wieder auf etwa 450m Höhe und schon während der Abfahrt wurde es sehr schnell sehr viel wärmer; noch auf 2500m Höhe war es angenehm frisch gewesen, aber hier fanden wir uns in einer heftig drückenden, tropischen Hitze wieder; der schnelle Temperaturwechsel ist eine große Belastung für den Körper, und es war ein langer Fahrtag. Ziemlich fertig kamen wir auf dem Campingplatz an, der eigentlich kein richtiger Campingplatz ist, aber wo es neben Cabanas und einem großen Schlafsaal mit 16 Betten eben auch eine Wiese zum Zelten gibt. Vor allem ich war erstmal ziemlich unzufrieden mit dem Ort, wie so oft, die Wiese stand, dank der Sprenger, unter Wasser (hier hat es seit 3 Wochen nicht geregnet), es lief laute Musik (Kolumbien halt) und so richtig klar war für mich nicht, wo unsere Zelte stehen sollen. Aber es fand sich langsam alles, irgendwann hatten wir eine Ecke für unsere Zelte gefunden und uns mit der Situation arrangiert. Nach der kalten Dusche liefen wir hoch ins Dorf und huschten durch die festlich geschmückten und lebendigen und gut besuchten Gassen des schönen, alten Dorfes, um etwas zu essen zu finden. Schnell stellten wir fest, dass Santa Fe einerseits wirklich sehr hübsch und gemütlich ist, mit vielen alten Kolonialzeithäusern und Kopfsteinpflastergassen, vielen Kneipen, Bars und Restaurant und einem großen, lebendigen Plaza, so wie es uns einige Leute vorher schon prophezeit hatten (was ja der Grund war, warum wir Weihnachten hier verbringen wollen), andererseits aber ziemlich teuer und auch wieder recht touristisch, was die Suche nach etwas Essbarem, was in unserem Budget liegen könnte, deutlich erschwerte. Wir arrangierten uns auch damit, fanden am Hauptplaza an einem der unzähligen Straßenstände etwas zu futtern, latschten noch ein bisschen rum. Die lange Fahrt heute und die Hitze zehrte ganz schön an uns und wir waren beide sehr müde und und etwas gereizt, aber auch noch nicht in der Stimmung, zurück auf den Campingplatz zu gehen. Wir entschieden, dass wir paar Minuten für uns allein brauchten. Ich suchte mir eine nette Kneipe, bestellte mir ein Bier und es dauerte auch nur wenige Minuten, bis ich von den Tischnachbarn zu Aguardiente eingeladen wurde und mit ihnen ins Gespräch kam - und meine Laune auch schnell besser wurde. Das artete schnell aus, und mir wurde mein Glas ein ums andere Mal neu befüllt, Carmen kam auch noch dazu und half mir ein klein wenig. Ziemlich beschwippst eierte ich mit ihr zurück zum Campingplatz, um ziemlich direkt in unsere Zelte zu kriechen. Leider hämmerten nur unweit entfernt die gesamte Nacht bis zum Morgengrauen Technobeats, das Dröhnen der Bässe sorgten ein weiteres Mal für sehr wenig Schlaf - dieses Land macht mich fertig.
05:44
81.0km
14.1km/h
1,220m
2,290m
Pedalen-Paul and Carmense went for a hike.
December 21, 2025
Heute gab es noch ein paar Missionen zu erledigen, und so latschten wir gegen Mittag vom Casa de Ciclista los, gingen noch in Villa Hermosa was futtern und stolperten den Berg hinunter ins Zentrum Medellíns. Carmen brauchte noch neue Bremsbeläge und ich wollte mich nach einem kleinen USB-Rücklicht umschauen, denn mein altes funktioniert nicht mehr, und ab und an kommt es ja doch mal vor, dass man im Dunkeln fährt. Wir liefen also nochmal in dieses abgefahrene Viertel, in dem sich grob überschlagen 80% aller Fahrradläden Medellíns, aber auch 80% aller Drogensüchtigen und Obdachlosen befinden. Der Ort ist wirklich traurig, wir hatten hier ja letztens schon einen Radladen besucht und schnellstens wieder das Weite gesucht. Heute waren wir aber immerhin moralisch darauf vorbereitet und so fühlte sich das auch ein bisschen weniger dramatisch an. Schockierend war es trotzdem, all die Armut, all die bitterarmen, ausrangierten Menschen, die sich zwischen Müllbergen ihr Heroin aufkochen, Crack rauchen oder mit Nadel im Arm auf der Straße liegen - furchtbar. Da, wo geballt alle Radläden zu finden sind, wurde es ein bisschen besser, und schnell fand ich im ersten Radladen ein Rücklicht für mein Rad, Carmen hatte zwei Läden weiter Glück und fand ihre Bremsbeläge und wir verließen dieses Viertel wieder schnurstracks und tigerten zum Plaza Botero, um da die Metro nach El Poblado zu nehmen. In El Poblado waren wir mit Hannes verabredet, einem alten Freund von Carmen, der über Weihnachten und Neujahr Urlaub in Kolumbien macht und so nett war, mir meine neue Kreditkarte mitzubringen, damit dieses Kapitel nun wirklich endlich mal geschlossen wird. Als wir die Metrostation verließen, stolperten wir sozusagen an der Treppe fast übereinander, die Freude war groß auf beiden Seiten. Wir liefen ein Stück zusammen durch El Poblado, Hannes wollte mit uns auf eine Rooftop-Bar im Herzen des Banken- und Touristenviertels von Medellín, die ihm von seinem Cousin empfohlen wurde, welcher mit seiner kroatischen Frau schon lange in Medellín wohnt und ziemlich erfolgreich in der Tourismusbranche tätig ist. Als wir da ankamen, fing es wie aus Eimern an zu schütten, und das hielt auch längere Zeit an, sodass wir uns damit begnügten, im Erdgeschoss des hippen Ladens ein paar Craft-Biere zu uns zu nehmen. Dort überreichte mir Hannes dann auch recht unspektakulär meinen kleinen Schatz: Kreditkarte und Debitkarte. Gottseidank war dieses Thema abgeschlossen, wobei ich sie noch aktivieren muss und gespannt sein darf, ob das an einem hiesigen Bankautomaten funktionieren wird. Als der Regen dann endlich vorbei war, nahm uns Hannes dann doch noch mit zu seinem Cousin, wo wir noch ein Stündchen hängenblieben. Er wohnt in einer gut situierten, wohlhabenden Gegend Medellíns, in einer Gated Community, mit Pförtner, Haushälterin und allem Pipapo. Trotzdem verstanden wir uns ganz gut und laberten ein Weilchen, bis Hannes und sein Cousin mit einem Taxi in den Süden der Stadt fuhren, während wir uns, wie das gemeine Volk, mit Metro und Bus wieder auf den Weg in den Norden und hoch nach Villa Hermosa machten. Am Plaza des Viertels futterten wir noch schnell was an ein paar Straßenständen und trabten endlich nach Hause, wo es auch heute zum Glück wieder recht ruhig war in der Sackgasse des Casa de Ciclistas. Genau heute vor einem Jahr, am 21.12.2024, haben Carmen und ich uns das erste Mal getroffen, ich kam endlich in Carhuaz in Peru an, wo wir zusammen die Feiertage verbrachten und uns schon nach wenigen Tagen einig waren, dass wir zusammen weiterfahren möchten. Dass das ein Jahr halten würde, dass wir zusammen solche verrückten Abenteuer erleben würden, und dass wir, trotz aller Streitigkeiten und schwierigen Momente, trotz unserer Starrköpfigkeit und unserem sehr stark ausgeprägten Individualismus, noch immer beisammen sind, immer noch miteinander weiterreisen möchten, ist schon fast nicht zu glauben. Carmi ist schon echt 'ne Marke ey…
01:43
19.9km
11.6km/h
250m
240m
Happy anniversary with Carmen! The fact that you've been traveling together for a year already means I've been following your adventures for over a year. Your reports are always a pleasure to read. Thank you for letting me join you on your tour via komoot. Merry Christmas to you both! Take care!
Translated by Google •
Oh, what a shame, no photo. Neither of cheerful Paule in the New Year, nor of the Caribbean sunset.
A photo of the boat trip in the rain would definitely bring a smile to my face after your description 🤪
Translated by Google •
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