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Keltischer Skulpturenweg Cerda Celtoi: Moos, Steine und 2000 Jahre Geschichte im Nationalpark Hunsrück-Hochwald
Keltischer Skulpturenweg Cerda Celtoi: Moos, Steine und 2000 Jahre Geschichte im Nationalpark Hunsrück-Hochwald
Dirk Rüger went for a hike
October 17, 2026 at 12:05
01:10
3.75km
3.2km/h
130m
110m
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Kurz vor zehn Uhr morgens, der Herbstwald liegt noch im gedämpften Morgenlicht – und du bist mittendrin. Die 3,8 km des Keltischen Skulpturenwegs Cerda Celtoi in Nonnweiler-Otzenhausen sind keine große Runde, aber sie haben mehr Tiefe als so manche Zwölf-Kilometer-Tour.
Der Weg führt durch alten Buchenmischwald, der im Oktober in satte Gelb- und Brauntöne kippt. Das fällt dir schon in den ersten Metern auf: Moos, überall Moos. Auf Ästen, auf Rinde, auf morschen Stämmen. Die Textur des Waldes hier ist fast schon wuchtig – feuchte Flechten, sternförmige Moosrosetten, leuchtend grüne Polster auf dunklem Holz. Wer ein Makro-Objektiv dabei hat, läuft in Zeitlupe.
Nach einem Weilchen öffnet sich der Blick: Ein mächtiges Felsenmeer aus grauen Schieferblöcken zieht sich durch den Hang, flankiert von herbstlichem Nadelwald. Im Hintergrund zeichnen sich Windräder gegen den bewölkten Morgenhimmel ab – ein leiser Hinweis darauf, dass du in einer Landschaft bist, die sich zwischen Vorgeschichte und Gegenwart bewegt.
Genau darum geht es hier. Der Skulpturenweg Cerda & Celtoi wurde zwischen 2005 und 2007 umgesetzt: 18 zeitgenössische Künstler aus 15 europäischen Staaten haben Plastiken im ehemaligen keltischen Siedlungsgebiet aufgestellt – aus Sandstein, Holz und Eisen, Materialien aus der Region. Auf dieser Teilstrecke begegnen dir diese Objekte am Wegesrand, manche fast versteckt zwischen den Bäumen. Ein keltisches Herz aus Sandstein. Votivtafeln, die wie Christbaumschmuck im Astwerk hängen. Ein moderner Runenstein, der dich in den Wald hineinleitet.
Der Höhepunkt: du erreichst die mächtigen Steinwälle des Ringwalls Otzenhausen, auch Hunnenring genannt. Was dort aus dem Waldboden ragt, sind die Überreste einer der eindrucksvollsten keltischen Befestigungsanlagen Europas, erbaut im ersten Jahrhundert vor Christus – die Wallmauern stehen stellenweise noch zehn Meter hoch. Eine Infotafel erklärt auf Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch, was du gerade siehst. Nimm dir die Zeit, sie zu lesen.
Weiter unten am Hang, nahe einer Schutzhütte im Nationalpark Hunsrück-Hochwald, hängt eine zweite Tafel – die mit den Zersetzungszeiten von Abfallmaterialien im Wald. Klingt trocken, ist es nicht: Wenn du gerade an 2000 Jahre alten Steinen entlanggegangen bist, bekommt der Satz 'Plastik bleibt 450 Jahre' eine ganz andere Wucht.
Geheimtipp: Die meisten kommen hierher wegen des Ringwalls – und gehen schnell wieder. Wer sich Zeit lässt und die erste Stunde nach Sonnenaufgang abwartet, erlebt den feuchten Buchenwald in einem diffusen, fast unwirklichen Licht, das sich kaum fotografieren lässt, aber im Kopf bleibt. Am späteren Nachmittag bricht dann Sonnenlicht als Sterncheneffekt durchs Blätterdach – für Fotografen der zweite Grund, den Tag hier zu verbringen.
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