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Entdeckerschleife Baumberger Aue: Auen, Altrhein und Aalschokker bei Monheim am Rhein
Entdeckerschleife Baumberger Aue: Auen, Altrhein und Aalschokker bei Monheim am Rhein
Dirk Rüger went for a hike
September 7, 2026 at 14:28
02:01
8.49km
4.2km/h
20m
30m
komoot app for Apple Watch
8,5 Kilometer, flaches Gelände zwischen 39 und 51 Metern Höhe, kaum Schweiß – aber mehr zu sehen, als du auf den ersten Blick erwartest. Die Entdeckerschleife Baumberger Aue führt durch einen der letzten nicht eingedeichten Auenabschnitte am Niederrhein: die Baumberger Aue, südlicher Teil der Urdenbacher Kämpe, Naturschutzgebiet direkt zwischen Monheim und Düsseldorf. Hier darf der Rhein noch regelmäßig über die Ufer treten – ein echtes Relikt in einer durchregulierten Flusslandschaft.
Du startest im Ortskern von Baumberg, wo ein verwitterter Vereinsmast vor dem Dorfplatz gleich erzählt, was hier so los ist: Frauenchor, Schachclub, Rhein-Rock – das volle Dorfleben auf einem Pfahl. Kurz danach stehst du vor dem Aalschokker „Fiat Voluntas", einem denkmalgeschützten Fischerboot, das am Rheinufer aufgeständert ist und ein Aalfischerei-Museum beherbergt. Baumberg lebte jahrhundertelang von der Rheinfischerei; die Aalschokker mit ihren Schleppnetzen prägten das Bild hier bis in die 1960er-Jahre. Das kostenlose Museum macht aus dieser Geschichte etwas Greifbares – reinschauen lohnt sich, auch wenn du eigentlich nur wandern wolltest.
Dann geht es in die Aue. Breite Schotterwege wechseln sich mit schmalen Trampelpfaden ab, an manchen Stellen schließt sich das Grün zu einem richtigen Baumtunnel über dir. Schilf, Weiden, dichtes Auengebüsch – und mittendrin, wenn du aufmerksam schaust, ein Holzsteg mit kleiner Aussichtsplattform über einem Auengewässer. Kein spektakulärer Ausblick, aber genau der richtige Moment, um kurz stehenzubleiben und auf das Wasser zu schauen. Infotafeln der Reihe „AuenBlicke" erklären unterwegs, wie Feld und Forst hier seit Jahrhunderten genutzt werden – nicht touristisch aufgehübscht, sondern sachlich und informativ.
Auf einer Birke am Wegesrand lohnt ein Blick nach oben: Die Äste sind besetzt mit mehreren kugelförmigen Mistelnestern, die man sonst kaum so deutlich sieht. Wenige Meter weiter öffnet sich die Aue zu weiten Grünflächen, auf denen im Herbst zwei Pferde mit Fliegendecken unter einer alten Weide stehen – das klassische, ruhige Rheinland-Bild. Hagebutten in leuchtendem Orange-Gelb an den Hecken zeigen, dass die Saison kippt.
Zurück im Ort wartet noch eine kleine Kuriosität: eine historische Persil-Uhr mit Retro-Werbefigur an einer Hauswand – nicht ausgeschildert, einfach da. Der romanische Kirchturm der St.-Dionysius-Kirche, der auf eine Kapelle des 12. Jahrhunderts zurückgeht, schließt den Bogen in die Ortsgeschichte.
Geheimtipp: Die alten Kopfweiden entlang des Weges sind Höhlen-Biotope – wer früh morgens läuft, hat eine realistische Chance, den Steinkauz zu hören, der hier Unterschlupf findet. Und wer Richtung Haus Bürgel schaut: Das ehemalige römische Kastell aus dem 4. Jahrhundert beherbergt heute eine Biologische Station und eine Kaltblutpferdezucht – einen kurzen Abstecher ist es wert, auch wenn er nicht direkt auf der Schleife liegt.
Diese Tour ist nichts für Gipfelsucher. Aber für alle, die in zwei Stunden verstehen wollen, warum ein unspektakuläres Fleckchen Niederrhein zwischen zwei Ballungsräumen seit Jahrhunderten Menschen ernährt, beeindruckt und schützenswert geblieben ist.
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