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Pedalen-Paul
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Jour 1163: de Le Vast au Canal de Carentan à la Mer

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Jour 1163: de Le Vast au Canal de Carentan à la Mer

went for a bike ride

August 18, 2026 at 05:25

Jour 1163: de Le Vast au Canal de Carentan à la Mer

05:14

82.0km

15.7km/h

39.4km/h

410m

440m

Garmin Edge 1040

Es gibt wieder schaurige Nachtgeschichten zu erzählen, und das, obwohl meine erst verschmähte Wildcampingstelle sich als total schön, ruhig und gemütlich herausgestellt hatte. Immer mehr wird mir klar, dass die einfacheren, pragmatischen Orte viel besser sind als die tollen, wild-romantischen Stellen mit toller Sicht und außergewöhnlichem Charme.
Trotzdem schlief ich nicht so gut, denn ich wachte nach einem Alptraum bzw. Ekeltraum, den ich hier nicht weiter im Detail erzählen will, auf und konnte lange nicht mehr einschlafen, weil ich die verstörenden Bilder nicht mehr aus dem Kopf bekam. Außerdem trug es sich zu, dass ich am Abend eine vermeintliche Paprika, die sich beim Zerschneiden als ultrascharfe, große Chili herausstellte, zerschnitten hatte und meine ganzen Finger mit dem scharfen Saft dieses Gemüses benetzt waren, den ich dann auch nicht mehr abgewaschen bekam. Überall, wo ich mich also später anfasste, fing es kurze Zeit später an zu brennen. Im Halbschlaf hatte ich mir irgendwann im Laufe der Nacht in den Augen gerieben, und richtig: die fingen höllisch an zu brennen! Ich musste aus dem Zelt raus und mir die Augen mit Wasser spülen, und es brannte noch lange nach, sodass ich wieder lange keinen Schlaf fand.

Der Wecker klingelte trotzdem 6:30, eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang. Ich döste noch ein bisschen und packte dann aber trotzdem schnell mein Zeug zusammen, ehe doch noch der Bauer mit der Mistgabel vor mir stehen würde. Erstaunlicherweise war das Zelt nicht nass, es hatte die ganze Nacht Wind geweht und so hält sich das in Grenzen mit der Feuchtigkeit.
Ich fuhr erstmal ohne Frühstück los, denn ich wusste ja, dass es nur wenige Kilometer weiter einen großen Picknickplatz gab, mit Tischen und Bänken, dort frühstückte ich dann gemütlich, machte meine Dehnübungen und erst dann ging es weiter Richtung Osten, zur Küste. Das kurze Stück hatte ich noch etwas Rückenwind, doch das änderte sich für den Rest des Tages dann, denn überraschenderweise kam der Wind heute aus Süd/Südwest, sehr ungewöhnlich, vom Land her, und er war den ganzen Tag ziemlich stark, wurde zur zweiten Tageshälfte auch noch stärker. Außer Norden nahm ich heute alle Himmelsrichtungen mit, die Hauptrichtung war allerdings Süden, und so hatte ich den gesamten Tag mit Gegenwind oder starken Seitenwind oder seitlichem Gegenwind zu kämpfen, was mich ordentlich ausbremste und viel Kraft kostete.

Gestern hatte ich ja noch die vorzüglichen, französischen Schotterstraßen gelobt, die sich immer in perfektem Zustand befinden würden. Nun, damit war es heute auch vorbei, denn an der Küste entlang fuhr ich auf furchtbar nervenzehrenden, hoppeligen Schotterstraßen mit sehr grobem Schotter und vielen Schlaglöchern. Bei dem Gehoppel tat mir schon nach wenigen Minuten das Sitzfleisch weh, und jegliche kinetische Energie wurde im Keim erstickt. Andere Radfahrer traf ich, obwohl ich weiterhin dem EV4 folgte, so gut wie gar nicht, vor allem keine "Schotterfahrer" auf diesen neumodischen "Schotterrädern", das ist denen wohl zu "schottrig" hier, da hat man dann doch keine Lust, da "schottern" zu gehen (sorry, diese Spitze in Richtung Gravelbike konnte ich mir nicht verkneifen).

Dafür war es alles sehr flach, immerhin. Außerdem war es kühl, ziemlich kühl, die Temperatur ging heute, bei durchgängig grauem, bedeckten Himmel nicht über die 20°C-Marke. Immer wieder gab es kurzen Sprühregen, meist nur ein paar Minuten, es war so ein Wetter, wo man nicht weiß, was man anziehen soll: zieht man wärmere Klamotten an, ist es zu heiß, ohne zu kalt; mit Regenklamotten wird man durch die Respiration meist noch nässer als durch den Sprühregen selbst, also lässt man es lieber.

Die Landschaft wurde ab der Küste wieder bestimmt von flacher Marschlandschaft, melancholisch, fast schon herbstlich-trüb präsentierte sich die Normandie heute an der Ostküste der Halbinsel Contentin, die ich nun wieder nach Süden herunterfuhr. Mir gefällt dieser Teil Frankreichs tatsächlich mit Abstand am besten bisher auf meiner Reise, und die Normandie zu besuchen war auch mein eigentliches Ziel. Ich mag die Architektur der grauen, massiven Natursteinhäuser, die flache Küste, die Marschlandschaft und Salzwiesen, sogar auch den Wind und irgendwie auch das trübe Wetter, ein bisschen, ohne den Sprühregen vielleicht mehr.

Letzterer wurde ab der Mittagszeit immer häufiger und eine der wenigen Pausen, als die Sonne es fast geschafft hätte, mal kurz durchzubrechen, machte ich meine Mittagspause, wie gewohnt mit Brot, Käse, Salami und einer Gurke. Ich dehnte die Pause, bis es wieder anfing mit dem Gesprühe und fuhr weiter.
Ab hier nun wurden die alten, deutschen Bunkeranlagen des Atlantikwalls immer häufiger, ich kam in die "D-Day-Zone", und es dauerte nicht mehr lange, bis ich Utah-Beach erreichte, eine der geschichtsträchtigen Küstenabschnitte, an denen die Alliierten ihre Invasion starteten und damit den Lauf der Geschichte veränderten. Zahlreiche Denkmäler erinnern heute daran, an manchen hielt ich an und schaute mir kurz die alten Bunker an, an denen man die heftigen Einschläge von Schiffsgranaten, Panzerfäusten, Maschinengewehrsalven, Granaten und was weiß ich nicht alles sehen kann.

Danach ging es durch die Salzwiesen, bei heftigstem Gegenwind kurbelte ich die restlichen Kilometer gen Süden. Tagelang kam immer der Wind aus Norden/Nordwesten, heute natürlich, da ich nun nach Süden fahre, kommt der Wind natürlich aus Süden, wie könnte es anders sein. An einem Kanal entlang führte der EV4 ein Weilchen, bis ich die Stadt Carentan-Les-Marais erreichte. Dort kaufte ich in einem Supermarkt bisschen was ein.
Währenddessen wurde der Sprühregen fast zum Dauerphänomen, kurze Pausen nutzte ich zur Weiterfahrt und stellte mich bei nächster Gelegenheit wieder unter. Dabei schaute ich mir mal den Wetterbericht der nächsten Tage an und musste erschrocken feststellen, dass das heute nur der Anfang zur Eingewöhnung ist, denn in den nächsten zwei Wochen soll es jeden Tag regnen, und zwar mehr als heute. Meine Laune ging einem Tiefpunkt zu, wie ich ihn seit Tagen nicht mehr hatte, denn ständiger Regen und Wildcampen verträgt sich gar nicht; irgendwann ist alles nass, Zelt, sämtliche Klamotten, Schlafsack, und keine Möglichkeit, das Zeug irgendwann trocken zu bekommen - wie bekloppt, dass ausgerechnet jetzt auch Warmshowers als Option wegfällt, denn die Server sind bis mindestens 25.08. down. Vorsorglich plante ich schon mal meinen morgigen Tag um und überlegte mir, als ich meinen Weg im Dauerregen fortsetzte, wie ich damit umgehen soll. Vielleicht muss ich mir doch von meinem letzten Geld alle paar Tage mal ein möglichst günstiges Zimmer nehmen, um mal trocknen zu können? Mal sehen, wie sich das entwickelt, aber es zieht mich ganz schön runter, dass der Herbst hier nun schon beginnt, obwohl die Sommerferien noch nicht mal zu Ende sind (und mein Versuch, hier im Ort auf dem Campingplatz zu gehen, scheiterte z.B. schon mal daran, dass dieser voll ausgebucht ist). Keine tollen Aussichten; ich hoffe, dass das meine restliche Motivation nicht im Keim erstickt.

Ich fuhr den gleichen Kanal von Carentan-Les-Marais wieder Richtung Norden, aber eben auf der anderen Seite. Hier wollte ich mir eigentlich was zum Wildcampen suchen, hatte mir einen Picknickplatz vorgemerkt. Der war aber völlig ungeeignet, viel zu einsichtig, viel zu windexponiert, heute durchaus ein Faktor, und schon von diversen Wohnmobilen besetzt.
Von diesem Picknickplatz führten zwei Wanderwege entlang des Kanals ab, einer nach Norden, einer nach Süden. Ich entschied mich für Süden und folgte dem Wanderweg 2-3km. Ich hatte keinen Bock mehr, war hundemüde und fand eine etwas breitere Stelle, wo ich gut mein Zelt hinpflanzen konnte und beendete den Tag.
Immerhin, es hatte aufgehört mit Regnen. Ich bastelte meine Wäscheleine zwischen die Bäume und hing Zeug zum Trocknen auf und wartete auch nicht lang mit meiner Flaschendusche. Die hatte ich beendet, inklusive Abtrocknen und Anziehen, als ein Jogger vorbeikam. Was für ein Glück, dass ich da nicht mehr nackend da stand und mich duschte, das wäre sicherlich eine etwas seltsame Begegnung gewesen. Später kam noch ein weiterer Radfahrer dabei, den Rest des Abends hatte ich Ruhe. Ich kochte mir meine Nudeln mit Pesto und Gemüse und war froh, dass das Wetter sich zumindest heute Abend nochmal besserte und sogar die Sonne noch einen Moment hervorlukte.

Es ist schön ruhig hier, wieder eine pragmatische Wildcampingstelle, die auf den ersten Blick nicht so doll wirkt, aber durchaus ihre Qualitäten hat.

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