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Von Петрич nach Istanbul Tag Nummer 41 auf dem Weg nach Indonesien
Von Петрич nach Istanbul Tag Nummer 41 auf dem Weg nach Indonesien
Weltenbummler68 went for a bike ride
4 days ago
05:56
85.5km
14.4km/h
44.0km/h
950m
810m
Tag Nummer 41 auf dem Weg nach Indonesien.
Und den lest ihr frühestens morgen. Ich bin nämlich in der Türkei und habe noch keine SIM Karte bekommen. Meine Route hier verlief nur über kleine Örtchen, die keinen Laden haben, der sowas vertickt. Morgen früh komme ich nach Kirklareli, das ist eine größere Stadt, dort werde ich sicher wieder Netz bekommen.
Die berühmte Gastfreundschaft der Türken konnte ich heute bereits ausgiebig genießen. Die letzten Kilometer in Bulgarien waren unspektakulär. Das einzig Nennenswerte war, dass sich die Migrationsbehörde von Azerbaijan gemeldet hat. Laut ihrer Mail sind sie nicht für mein Anliegen zuständig, haben mir aber einen Link zu einem Formular der Grenzbehörden geschickt. Woraufhin ich dann kurz vor der Grenze mein Schreiben in das Formular gepackt habe. Hoffentlich ist es auch durchgegangen. Ich habe es zweimal geschickt, zur Sicherheit.
An der Grenze lief alles ohne Probleme. Der Typ von der Gepäckkontrolle hat mich gefragt, was ich an Elektronik, Alkohol etc. dabei habe, ich habe alles wahrheitsgemäß beantwortet und musste nix auspacken. An der ersten Raststätte auf Türkischer Seite gab es dann zwar einen Container, wo man SIM Karten aller gängigen Anbieter käuflich erwerben konnte, leider war der aber geschlossen. Also habe ich mir nur Milch und Bananen gekauft, gefrühstückt und bin dann weiter. Für die Navigation brauche ich kein Netz.
Der Weg war wieder in Wellenform angelegt. Bergauf und bergab. Nie zu steil. Und ich hatte einiges an Platz auf dem Seitenstreifen, musste keine LKWS fürchten.
Mittag habe ich (glaube ich) in Lalapasa gemacht. Ich hatte gerade mein Zelt zum trocknen aufgehangen, mein Solarpanel platziert und meine Verpflegungstaschen ins Bushäuserl getan, als eine umfangreiche Schulklasse (ich würde schätzen, 7-8 Klasse) mich umringt und belagert hat. Keiner von denen sprach Englisch, alle waren Neugierig, also die ihre Handys raus und die Übersetzungstools gewetzt.
So geht Völkerverständigung! Ich habe denen erzählt, das ich auf dem Weg nach Indonesien bin und ihnen meine Facebook - Seite gezeigt. Unter viel "Bye-bye" sind sie weitergezogen und ich konnte kochen. Es gab Nudeln mit Bohnen und Gemüse. Wobei heißes Essen bei der Hitze nicht mein Ding ist. Morgen gibt's wieder Salat. Warum haben die hier eigentlich keine Gazpacho?
Jedenfalls war ich gerade beim vertilgen meiner Mahlzeit, als die Bande wieder des Weges kam. Sie wollten noch ein paar Selfies mit Uncle Bob. Sollten sie haben. Ich habe dann auch noch ein paar Bilder gemacht. Das Treffen mit mir sollte ihnen einen Anreiz geben, Englisch zu lernen.
Weiter ging es dann über die Felder, durch kleine Örtchen unter dem strengen Regiment der Sonne, die es bis auf 28 Grad im Schatten heute geschafft hat. Aber find mal Schatten beim radeln 🥵.
In den Orten wurden reichlich Hände geschüttelt, ein paar ältere Herrschaften wollten mir helfen, einen Laden für die SIM Karte zu finden. Alles lief auf Kirklareli hinaus. Auf den heißen Tee habe ich verzichtet, statt dessen eine kalte Limonade bekommen.
Ein Autofahrer hat mir unterwegs noch eine kleine Flasche Wasser gegeben, obwohl ich fünf Liter dabei hatte.
Am besten war ein älterer Mann in Kayali. Kommt auf einem Motorroller direkt auf mich zu, sieht aus wie aus dem Bilderbuch, dichtes graues Haar, ein riesiger Schnäuzer und Augenbrauen zum fürchten. Schreit mir etwas auf Türkisch ins Gesicht und greift meine Hand zum Gruß. Kräftigen Gruß. Ich versuche zu erahnen, was er wissen will, sage ihm, dass ich nach Indonesien unterwegs bin.
Der Meister lacht laut und deutet auf seinen Roller und mein Fahrrad. Vermutlich meinte er, wir sollten tauschen. Diesmal schnappe ich mir seine Hand und verabschiede mich lautstark und kräftig. Er lacht nochmal und wir ziehen weiter, jeder in die entgegegesetze Richtung.
Egal wo ich vorbeifahre, sobald mich jemand sieht, wird gerufen oder gepfiffen, ich soll herkommen. Wenn das so weitergeht, komme ich nicht vorwärts.
Ich hätte es noch nach Kirklareli schaffen können heute. Dafür wäre mir dann aber der wohl beste Zeltplatz bislang entgangen. Die Gegend hier ist voller großer Steine und Felsen. Ich fühle mich an Mwanza am Victoriasee in Tansania erinnert. Zwischen ein paar von den Felsen habe ich auf einer Anhöhe einen flachen Platz für mein Zelt gefunden. Von der Straße aus nicht einsehbar. Ein Träumchen.
Hier genieße ich gerade die Natur. Jede Menge Vögel sind unterwegs und im kurzen, mit Blumen durchsetzten Gras suchen Wildbienen nach Nektar. Ich habe mich ausgiebig getränkt und auch gut gefuttert (hatte die Kakao-Kekse von gestern total vergessen 🙃🤤). Jetzt ziehen gerade dicke Wolken auf. Es soll morgen auch ein wenig Regen geben. Lieber wäre er mir in der Nacht, so dass es abkühlt und alles frisch gewaschen ist, wenn ich morgen weiterziehe. Na, schaun mer mal.
Das ganze lest ihr dann (hoffentlich) morgen. Während ich dann die nächste Etappe in Angriff nehme. Ich bin gespannt, wie es hier weitergeht. Wampi ist jedenfalls noch schwer beeindruckt von dem schreienden älteren Herrn. Er meint, dass er sich nun auch solche Augenbrauen wachsen lassen will. Und einen wilden Schnäuzer möchte er ebenfalls! Na dann.
85 Cent wandern heute in die Spendendose!
Gute Nacht.
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