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Pedalen-Paul
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Día 1071: de Nuevo Manzanito a San Juan Bautista Cuicatlán

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Día 1071: de Nuevo Manzanito a San Juan Bautista Cuicatlán

and went for a bike ride

7 days ago

Día 1071: de Nuevo Manzanito a San Juan Bautista Cuicatlán

03:35

64.4km

18.0km/h

49.1km/h

450m

2,000m

Garmin Edge 1040

Beide schliefen wir richtig gut auf dem kleinen Volleyballplatz der Grundschule in Nuevo Manzanito, obwohl wir sehr nahe an der Straße nächtigten, die auch bis spät ganz gut befahren war; mit Ohrstöpseln und großer Müdigkeit in den Gliedern aber fanden wir trotzdem schnell zur Ruhe - es war so schön kühl, ich musste sogar meinen Schlafsack schließen, welch schöne Abwechslung. Am liebsten würde ich auf über 2000m Höhe weiterfahren, aber das ist uns leider nicht vergönnt, denn heute geht es wieder ganz weit runter in die Ebene, und wir fürchteten uns sehr davor.

6:15 klingelte der Wecker, wir tasten uns wieder an frühere Zeiten und damit an meine Schmerzgrenze heran. Schnell war alles zusammengepackt, der Hafer schon eingeweicht und weggefrühstückt und so saßen wir schon 7:40 auf dem Sattel, verließen das Schulgelände und fuhren zurück auf die MEX-131. Zu Beginn der heutigen Etappe ging es zuerst noch knapp 200 Höhenmeter bis auf 2200m Höhe bergauf, was bei den herrlich frischen, morgendlichen Temperaturen viel angenehmer zu bewältigen war. Danach aber erwartete uns eine 40km lange Abfahrt, die uns endlich mal wieder spektakuläre Ausblicke in weite Täler ermöglichte, auf Flussläufe, wilde, blau-diesig verhangende, in Schichten gestaffelte Berggipfel und -ketten, Kakteenwälder mit unfassbar riesigen Kakteen so groß wie Bäume, trocken-halbwüstenhafte, fast klischeehafte Western-Landschaften, tolle Serpentinen und eine in steile Berghänge hineingefräste Straße, deren Verlauf man von oben schon weit einsehen konnte. So eine tolle Abfahrt hatten wir schon sehr lange nicht mehr, vor allem war sie auch nicht so steil, so dass man zumeist ohne Bremsen um die unzähligen Kurven ballern und es schön laufen lassen konnte.
Aber 2000 Höhenmeter herab bedeuteten auch, dass wir die gemäßigten Berglagen verlassen und dann langsam in die Vorhölle einfahren würden, in der man schon einen Vorgeschmack bekommt, was einen ganz unten in der Ebene erwartet. Am Anfang kühlte uns der Gegenwind noch ein wenig, aber mit abnehmender Höhe fühlte es sich irgendwann so an, als ob man einem mit einem großen Heißluftgebläse mitten in die Fresse bläst. Bei etwas mehr als 600m Höhe kamen wir dann also in der Hölle an, das Thermometer kletterte wieder auf bis zu 50°C, aber schon bei 40-42°C fühlte sich die gleich gemessene Temperatur, die wir gestern schon hatten, heute völlig anders an, gefühlte 20°C mehr. Wie sollen wir aus dieser Höllenglut nur wieder herausfahren, wie soll das gehen?
Immerhin, wir hatten zum Glück nicht viel zu klettern, nur kurze Stücken ging es noch mal für ein paar Meter bergauf, aber wie werden wohl die nächsten 2-3 Tage in dieser Affenhitze werden? Normalerweise macht es mir tagsüber ja nicht so viel aus, aber heute war auch meine Kotzgrenze schnell erreicht - das macht einfach keinen Spaß. Angesichts dieser Erkenntnis aber wurde mir klar, dass auch für mich meine Reise hier auf dieser Seite der Welt in Mexico City enden wird. Das Gedankenspiel, von da aus noch bis Cancun auf Yucatan zu fahren, legte ich ad acta (USA hab ich schon lange abgehakt, vorerst), ich sehe nicht, dass ich mich nochmal 1500km lang dazu zwingen kann, in dieser Affenhitze weiterzufahren. Diese Jahreszeit ist keine zum Radfahren in Mexiko, wahrlich nicht, vor allem nicht in den tieferen Lagen. Immerhin, diese Erkenntnis hilft mir insofern, dass ich mal endlich weiter an meinen Plänen schmieden kann und eine Entscheidung getroffen habe.

Am Rio Grande, nur wenige Kilometer vor unserem Tagesziel, hielten wir in der heftigsten Mittagshitze auf einer Brücke, die ebendiesen Fluss überspannte und beobachteten Einheimische, die darin badeten. Wir schauten uns das ein bisschen an und beschlossen, dass auch wir eine Abkühlung brauchen; tatsächlich war es Carmen, die mich dazu überredete, obwohl sie eigentlich kein großer Fan von Baden in Naturgewässern ist.
Wir fuhren also zum Fluss hinab, stellten die Räder in den Schatten der Brücke, ich zog meine Badehose über, während Carmen direkt mit ihren Radfahrklamotten in den Fluss stieg. Besonders kühl war das Wasser nicht gerade, aber für einen Fluss am Ende der Trockenzeit in Mexiko doch erstaunlich klar und doch auch irgendwie erfrischend. Wir dümpelten eine ganze Weile in dem weniger als hüfthohen Fluss umher, bis wir uns entschließen konnten, die paar restlichen Kilometer bis Cuicatlán noch zurückzulegen. Weiter würden wir in der Gluthitze nicht mehr fahren wollen und können, völlig unmöglich. Am Stadtrand nahmen wir noch ein kleines Mittagessen zu uns, "Pechuga empanizada", panierte Hühnerbrust mit etwas Salat, Bohnenmus und Tortillas.
Dann suchten wir das einzige Hotel weit und breit auf, wo sich bei unserer Ankunft die Hoffnung auf eine Klimaanlage jäh zerschlug. Nur ein Deckenventilator hängt an der Decke, anders als in vielen Ländern des tropischen Lateinamerikas scheinen Klimaanlagen zumindest in diesem Teil des Landes eine große Seltenheit zu sein, nirgendwo sieht man sowas, nicht mal in Hotels.
Das Zimmer aber ist groß, sehr angenehm und recht günstig, und in Abwesenheit von Alternativen blieben wir da, duschten lange kalt, wuschen Wäsche, dämmerten in der Hitze vor uns hin. Erst zum Abend trauten wir uns nochmal raus, aber es war kein bisschen kühler geworden, es kühlt hier einfach überhaupt nicht ab. Spätestens dann fängt es mich persönlich an, richtig zu stressen, wenn man in der Abenddämmerung immer noch schwitzt wie ein Schwein und man keine Aussicht darauf hat, dass man sich irgendwann von der Hitze erholen kann. Wie können die Menschen hier leben? Ich kapiere es nicht. Auf Dauer würde ich hier eingehen, verwelken.
Wir schleppten uns mehr als dass wir liefen und beäugten noch ein wenig das durchaus nette Dörfchen. Den Plan, selber zu kochen, begruben wir schnell, denn einerseits fanden wir ein sehr ansprechendes Restaurant, und außerdem wollten wir so früh wie möglich ins Bett, um morgen so früh wie möglich starten zu können.
So kamen wir zum Tagesende noch dazu, endlich mal wieder eine neue Kulinarik der mexikanischen Küche antesten zu können: "Gringas". Was wortwörtlich eigentlich "weiße Frau" bedeutet (oder nordamerikanische Frau, je nach Auslegung), sind Weizentacos (normalerweise sind Tacos ja aus Maismehl), gefüllt mit verschiedenen Sachen; es gibt diverse Gringa-Unterkategorien, wie Suizos, Arabes und andere. Wir begnügten uns mit Dreierlei Varianten und hatten die bisher besten Tacos überhaupt.
Gut gesättigt schleppten wir uns zurück ins Hotel, die Temperaturen sind nach wie vor weit über der 30°C-Marke und es ist mir ein absolutes Rätsel, wie ich unter diesen Bedingungen pennen soll. Ja, das habe ich schon oft geschrieben, aber ich bin mir sicher, dass es um diese Zeit auf der gesamten Reise noch nie so heiß war und ich erwarte eine Nacht, in der ich mich schwitzend und fluchend in meinem Bett hin und her werfen werde.

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