Recent Activity
Pedalen-Paul and Carmense went for a bike ride.
5 days ago
Die Nacht war extrem windig; mein Zelt in Strandnähe auf dem weichen Sand aufzubauen, war dementsprechend keine so gute Idee gewesen, denn in der Nacht hebelte der Wind mein Zelt aus und rupfte die Heringe aus der Erde, die unwiederbringlich verschwunden waren und die ich gegen neue ersetzen musste. Außerdem war eine Horde Mücken in mein Zelt gelangt, welche mich dann lange piesackte und in Kombination mit dem Wind, der immer wieder gruselig in starken Böen in den Palmenwedeln rauschte und am Zelt rüttelte, konnte ich nicht gut schlafen, Carmen erging es ähnlich. 6:15 krochen wir aus den Zelten, der radelnde Engländer war schon weg, der Italiener Sam schlief noch, kam aber auch bald aus den Federn gekrochen und macht sich ein italienisches Frühstück, Kaffee und ein paar Kekse, während wir schon unsere Haferflocken weggeputzt hatten. Unsere Wege trennten sich erstmal, wir wollten los und er würde noch eine Weile brauchen. Auf dem abgeranzten Campingplatz wollten wir keinen Pausentag machen und hofften, dass uns der nächste Campingplatz in etwa 30km Entfernung besser gefallen würde. Schade, denn eigentlich wäre es hier ein Paradies, wenn nicht überall Bauschutt herumliegen würde und das Grundstück nicht überall mit Müll zugestellt wäre, das Bad sauberer wäre und wenn nicht gleich am Eingang dieser seltsame, alte Chinese zur Begrüßung sitzen würde, rotzend und rauchend unter der offenen Heckklappe eines alten, rostigen Minivans, in dem er zu leben und zu warten scheint, dass sein Leben vorübergeht. Eine zwar harmlose, aber sehr traurige Figur. Unsere Fahrt heute wurde etwas weniger anstrengend, es blieb zwar hügelig, aber die richtig ekligen, steilen Abschnitte fehlten zum Glück; das wäre bei dem starken, böigen Wind auch echt kein Spaß geworden, denn der wehte unerbittlich weiter. Der Verkehr war ebenfalls viel ruhiger, und so kamen wir dazu, mal bisschen mehr als nur staubige Piste wahrzunehmen und Nicoya zeigte sich von einer sehr schönen, aber auch sehr trockenen Seite. Viel mehr kahle Bäume lassen weiterhin eine seltsam herbstliche Stimmung aufkommen, allerdings wird hier diese Jahreszeit der Trockenheit als "Verano", also als Sommer bezeichnet. Gelb-trockene, sanfte Wiesen mit einzelnen, etwas verlorenen Bäumen aber trugen auch ein bisschen zur Melancholie der Landschaft bei, die mir heute ausgesprochen gut gefiel und mich an irgendetwas erinnerte und doch gleichzeitig eine ist, die ich so noch nie gesehen habe. Ein Weilchen saßen wir auf der Hälfte der Strecke auf einer großen Bank an einem Strand, futterten den Rest des Sauerteigbrotes von gesternd und schauten auf die felsige Bucht, an der viele Pelikane und Möwen eine große Fischjagd zu unserer Unterhaltung veranstalteten und sich immer wieder waghalsig kopfüber ins Wasser stürzten. Wir trafen auf einen weiteren Radreisenden, Adalbert aus der Nähe von Freiburg, ein badischer Rentner, der immer wieder allein kürzere Radreisen unternimmt und mit dem wir eine Weile schnackten. Eine sehr tiefe Flussdurchfahrt, relativ am Ende des heutigen Abschnitts, gab es auch, damit es nicht zu langweilig wird. Heute legte ich meine vorderen Radtaschen mal höher, indem ich sie auf der oberen Etage meines vorderen Gepäckträgers anbrachte; dass ich nicht schon mal eher auf die Idee gekommen bin?! Über die Oberschenkeln ging das Wasser auch hier, ähnlich wie gestern schon. Wir sind beide einigermaßen überrascht darüber, dass es in diesem Teil Costa Ricas so gut wie keine Brücken gibt und die Straßen oft in so einem schlechten Zustand sind, ist es doch eines der wohlhabensten Länder Lateinamerikas. Allerdings hat dieser Wohlstand mehrere Seiten und Aspekte. Uns sind massenweise Schilder am Straßenrand aufgefallen, die uns hier täglich begleiten, nämlich Werbeplakate von Immobilienmaklern und Real Estate Agencies, die sich schon gar nicht mehr die Mühe geben, auf Spanisch zu schreiben, denn das Angebot richtet sich ohnehin nicht an Einheimische, sondern an wohlhabende US-Amerikaner und Europäer, man könnte meinen, hier findet ein ziemlicher Ausverkauf statt und ganz offensichtlich wird großflächig mit Immobilien spekuliert. Das Durchschnittseinkommen in Costa Rica liegt trotzdem nur bei 750$/Monat und bei den Preisen in den Supermärkten fragt man sich wirklich, wie die meisten der Einheimischen hier über die Runden kommen, da herrscht eine große Verzerrung und es dürfte für viele der hier lebenden Menschen ziemlich frustrierend sein, all die reichen Ausländer zu sehen, die das Land immer mehr übernehmen, in hübschen Villen mit Strandblick leben, in teuren Restaurants zu speisen pflegen und in schicken Bio-Bäckereien mit Mondpreisen einkaufen. Die Schere zwischen Arm und Reich dürfte auch hier eine ziemlich große sein, auch wenn der Tourismus andererseits für viele Ticaner zu Wohlstand geführt haben dürfte; die meisten aber, die nicht in der Branche arbeiten, bleiben dann irgendwie auf der Strecke, eine Sache, die mir nicht so gut gefällt in diesem definitiv touristischsten aller Länder, die ich auf meiner Reise besucht habe. Das Gekünstelte und Unechte in all diesen Touristenorten hier an der Küste, all die Gringos, die mit ihren Miet-Quads und Miet-Geländewagen über die Staubstraßen ballern, die Strände, Supermärkte und Restaurants bevölkern und die Preise extrem nach oben treiben, sodass Costa Rica sogar teurer als die USA selbst ist, wie uns einige Amis bestätigten, das ist ein Aspekt, der mir hier nicht so richtig gefällt. Aber es gibt natürlich auch viele Aspekte, die ich in Costa Rica sehr mag, ganz klar, zum Beispiel, dass man das Leitungswasser überall trinken kann, ist einer davon, und die vielen Campingplätze ein weiterer (wobei wir hier für einen Stellplatz auf einem Campingplatz genausoviel bezahlen wie für ein Hotelzimmer in Kolumbien, dass muss man auch mal festhalten). Die kleine Ortschaft Junquillal erreichten wir schon um die Mittagszeit, in der größtem Hitze. In einem kleinen Supermarkt, dem einzigen des Dorfes, schauten wir uns das Sortiment an und waren auf ein Neues völlig erschlagen von den Preisen und gingen rückwärts wieder hinaus. Auf dem Campingplatz am Meer erfuhren wir kurz darauf, dass es im Nachbarort einen günstigeren, chinesischen Supermarkt geben soll, da würde ich abends nochmal hingurken. Der Campingplatz war leider sehr voll, aber wir hatten die Hoffnung, da heute Sonntag ist, dass zum Nachmittag noch ein paar Leute abreisen würden und so stellten wir unsere Räder erstmal in eine Ecke und gingen runter zum Strand, wo wir uns eine etwas schattige Ecke suchten und den Nachmittag mit Nichtstun verbrachten. Obwohl uns der Campingplatz auch nur so mittelgut gefällt, werden wir hier einen Pausentag verbringen, den wir bitter nötig haben, Carmen klagt seit Tagen über schmerzende Beine und wir müssen beide mal bisschen regenerieren. Zum Abend wurde der ohnehin schon starke Wind zum Sturm und wir quetschten unsere Zelte in die unansehnlichste, aber windgeschützteste Ecke des Platzes. Schlafen konnte man hier nur mit Ohrstöpseln, denn das wirklich beängstigend laute Rauschen des Windes in den Palmen löst ansonsten eine Alarmbereitschaft aus, die einen nicht zur Ruhe kommen lassen würde. Schon das Abendessen war abenteuerlich, alles musste irgendwie so beschwert werden, dass es nicht wegfliegt, während wir versuchten, ein paar Nudeln zu kochen. Ich hoffe, dass uns dieser starke Wind jetzt nicht die ganze Zeit an der Pazifikküste begleiten wird.
03:02
38.4km
12.7km/h
630m
630m
Pedalen-Paul and Carmense went for a bike ride.
6 days ago
Die Nacht am Rio Ora war unruhig. Es wurde ziemlich windig und die Zelte wackelten, die Zeltplanen flapperten herum und der Mond schien sehr hell, sodass ich mitten in der Nacht genötigt war, doch noch die Außenhaut aufzuziehen; wir schliefen beide recht unruhig und eher schlecht. Der Morgen begann 6:15, das Frühstück war schon vorbereitet, der starke Wind ärgerte uns ziemlich beim Einpacken, er wollte unser Zeug wegpusten; da wir sehr sonnendisponiert saßen, waren wir trotzdem bzw. genau deswegen schnell mit Abbauen und Essen fertig, sodass wir früh auf den Rädern saßen. Carmen hatte die Tour so geplant, dass wir den Fluss überqueren würden, denn auf der anderen Seite des Flusses war eine Straße auf der Karte eingezeichnet. In der Realität konnten wir am anderen Ufer aber nichts sehen, und so stapfte Carmen durch den Fluss auf die andere Seite auf Erkundungstour und kehrte deprimiert wieder zurück: keine Straße. Wir mussten also den ganzen, steilen Berg gleich zum Anfang wieder hoch fahren, um zurück zur 160 zu gelagen; das war dann aber heute auch so ziemlich der steilste Anstieg, zum Glück. Nach der Abfahrt, im kleinen Dorf auf der anderen Seite des Flusses füllten wir unsere Flaschen an einem Wasserhahn vor einem kleinen Supermarkt auf, tranken ein Erfrischungsgetränk und weiter ging's. Die Strecke war heute weniger anstrengend, die brutalen Steigungen hatten wir zum Glück hinter uns, aber die hoppelige Schotterpiste begleitete uns weiter, auch wenn zwischendurch immer mal wieder paar Kilometer Asphalt kamen. Eine Besonderheit hier ist, dass manche Teilstücke des Schotters mit einer Art nach Karamell riechenden Säure überschüttet werden und dieses Zeug dann eine harte, staubbindende Oberfläche bildet, ein wirklich seltsames Zeug, aber mindestens genauso hoppelig und bescheiden zu fahren wie normaler Schotter. Heute war, glaube ich, der staubigste Tag bisher, vor allem auf der zweiten Tageshälfte war die 160 ziemlich dicht befahren und die vielen Pickups, Quads, Kleinlastwagen und Geländewagen hüllten uns in eine permanent stehende Staubwolke ein, gegen die auch der starke Wind nicht ankam - füchterlich, die arme Lunge! In der Kleinstadt Samara gingen wir bisschen einkaufen, außerdem saß ich lange bei einem Bäcker rum, mampfte bisschen Gebäck, trank Kaffee und wartete auf Carmen, die versuchte, das Problem mit ihrer SIM-Karte zu lösen, das sie seit gestern hat, was ihr dann auch gelang. Auf der Straße trafen wir Sam aus Italien wieder und quatschten kurz, er hatte die Nacht auf einer Pferdeweide verbracht; wir gaben ihm die Koordinaten unseres heutigen Ziels, einem Campingplatz, mal sehen, ob wir uns da wiedertreffen würden. Hinter Samara gabelte sich die Straße, die 160 führte in einem Viereck um einen kleinen Flughafen herum, ein kleiner Weg führte direkt daran vorbei, allerdings nicht auf der Karte eingetragen und teils durch einen Fluss führend. Mir gefiel das überhaupt nicht, Carmen aber wollte unbedingt da lang, also trennten sich kurzzeitig unsere Wege, denn ich hatte da keinen Bock drauf - eine falsche Entscheidung, denn wie sich später herausstellte, beinhaltete mein kleiner Umweg um den Flughafen herum nicht nur ein einen hübschen, steilen Anstieg, sondern auch die höchste Flussdurchquerung meiner gesamten Reise, bei dem mir das Wasser bis zum Arsch stieg und ich mein Vorderrad ordentlich hochstemmen musste beim Durchqueren, damit meine vorderen Taschen nicht komplett im Wasser versinken. Carmen dagegen kam trockenen Fußes durch den 10cm hohen Fluss auf ihrem Weg, und ich war insgeheim übelst beleidigt, weil ich so blöde war und sie die richtige Entscheidung getroffen hatte. Carmen war total fertig heute und auch ich stand bisschen neben mir, wir brauchen dringend mal einen Pausentag, vor allem der gestrige Tag hatte extrem geschlaucht und so nahmen wir beide wenig war von der eigentlich schönen Landschaft des westlichen Teils von Nicoya. Unsere Hoffnung ruhte auf dem Campingplatz, der unser heutiges Ziel war und von dem wir ziemlich enttäuscht wurden. Er war ok für eine Nacht, aber einen Pausentag möchten wir an diesem runtergekommenen Ort nicht unbedingt verbringen. Immerhin kamen wir schon 15:30 da an und hatten genug Zeit, unsere siffige Wäsche mal ordentlich durchzuspülen, ich ging schwimmen im Pazifik und beobachtete am Strand all die lustigen Pseudosurfer, die ihre Surfbretter spazierentragen, aber es wirklich nie schaffen, mal nur eine Welle zu bereiten. Die Surfkultur an sich ist mir eigentlich nicht unsympathisch, allerdings habe ich hier noch an keinem einzigen Strand wirklich mal jemand surfen gesehen, die meisten Leute scheinen Trittbrettfahrer dieser Kultur zu sein. Das wichtigste ist, sich erstmal ein Quad mit Surfbretthalter zu mieten, mit dem man überall sein Surfbrett auch im Dorf präsentieren kann; mit dem Surfbrett kann man auch wunderbare Fotos für Instagram machen im Sonnenuntergang am Strand. Bisschen rumplanschen mit dem Brett und sich von einer nach der anderen Welle überrollen lassen, ja, da kommt man nicht drumherum, wenn man ernstgenommen werden will. Ich bin mal gespannt, ob ich hier in der Zeit, die wir hier sind, auch mal wirklich jemanden auf einer Welle reiten sehen werde. Auf dem Campingplatz trafen wir auf einen etwas verschlossenen Engländer, der auch mit dem Rad unterwegs ist. Später kam dann auch tatsächlich noch Sam angeradelt und wir quatschten ein ganzes Weilchen mit dem sympathischen, jungen Italiener, während wir unsere frische Guacamole mit Sauerteigbrot mampften, dass wir uns heute bei einem Gringo-Biobäcker für viel zu viel Geld gekauft hatten, weil wir nicht anders konnten. Heute sind wir also mal 4 Radreisende auf dem Campingplatz, das ist auch mal was neues.
03:23
51.3km
15.1km/h
350m
350m
Pedalen-Paul and Carmense went for a bike ride.
7 days ago
Es war eine der schönsten Nächte seit langem: das Froschkonzert, die Nachtvögel, das Rauschen des Windes in den Bäumen, das leise Plätschern des kleinen Flusses, das Rascheln der nachtaktiven Tiere durch die heruntergefallenen Blätter, ein schönes, sanftes Konzert, bei dem ich wunderbar einschlafen konnte. Ich hatte mein Zelt wieder ohne Plane aufgebaut und konnte morgens den Fluss und den Wald beim Aufwachen sehen und war trotzdem in meinem Zelt - wunderbar! Zum Frühstücken gingen wir wieder um die Flussbiegung zur "Straße" zurück, denn ich musste noch etwas Wasser aus dem Fluss filtern zum Kochen. Wir saßen relativ lange und ließen den schönen Ort noch ein Weilchen auf uns wirken und starteten, trotz zeitigem Weckerklingelns, ziemlich spät. Nun hatten wir gleich diesen fiesen Hang hochzukurbeln, der gestern der Grund war, dass wir kapituliert hatten. Nun kamen wir nicht mehr drumherum und quälten uns hoch, wieder auf diesem fiesen Schotter, bestehend aus dem feinen Staub und vielen losen und festen Steinchen und Steinen jeder Größe. Bei bis zu 20% Steigung ein absoluter Irrsinn. Danach wurde es aber für längere Zeit besser, die Straße glatter und besser fahrbar und die Anstiege verschwanden erstmal für ein paar Kilometer und wurden durch sanftere Wellen ersetzt. Es wehte heute auch wieder eine schöne Brise, die immer wechselnd von allen Seiten kam, aber die Hitze viel erträglicher machte, und so blieb uns auch mal Zeit und Energie, die schöne Landschaft anzuschauen und zu genießen, die Trockenwälder, die Weiden, die Mischung aus kahlen Bäumen, die seltsam herbstlich wirkten, wozu das heiße Klima und die Lichtstimmung überhaupt nicht passen wollten. Wir trafen nach einigen Kilometern auf den jungen Italiener Sam, der seit ein paar Wochen mit leichtem Gepäck in Costa Rica unterwegs ist und wie wir durch Mittelamerika nach Norden fährt. Wir verstanden uns gut, fuhren ein paar Kilometer zusammen und gingen in einer kleinen Ortschaft zusammen in ein Restaurant, wo Carmen und ich uns ein Fajita teilten und er ein ganzes Menü futterte. Wir quatschten ein ganzes Weilchen und tauschten Erfahrungen aus und fuhren dann noch einige weitere Kilometer zusammen, bis sich unsere Wege wieder trennten, denn er wollte Siesta am Strand machen, während wir weiterkommen wollten. Der junge Mann ist sowieso viel leichter und schneller unterwegs und wird uns bestimmt wieder einholen. Wir tauschten Nummern und wollen in Kontakt bleiben, ich bin sicher, wir werden uns wiedersehen. Ein bisschen hatten wir noch etwas leichtere Strecke, aber zum Nachmittag folgten nochmal 3 wirklich garstige, hässliche Anstiege, bei denen wir völlig am Limit waren. Die ständig durchdrehenden Hinterräder und die wieder schlechtere Piste raubten uns echt den Verstand, es machte keinen Spaß, bei dieser Affenhitze diese unmenschlich steilen Hänge hochzukrauchen. Beim letzten der 3 Hügel hatten wir keine Kraft mehr und hielten alle 10-20m zum Verschnaufen an, sowas hatten wir wirklich selten. Ich hatte ja eigentlich gehofft, dass wir solche Tage hinter uns haben, seit wir die Anden verlassen haben, aber schon in Panama zeigte sich, dass wir da falsch lagen, und hier war das erneut der Fall. Nach 17:00, nur etwa eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang, erreichten wir den Ort, an dem wir uns erhofft hatten, etwas zum Wildcampen zu finden an einem Flussufer. Die Stelle war nicht vergleichbar mit gestern, aber trotzdem gut geeignet zum Zelten, Gottseidank. An Weiterfahren war kaum noch zu denken. Das Wasser im Fluss ist salzig, wohl drückt es hier schon Wasser aus dem Meer hinein und bisschen brackig war es auch, aber die dicke Staubpatina, die uns all die Autos, Quads und Motorräder, die uns als Sahnehäubchen ständig in dichte Staubwolken gehüllt hatten und dafür gesorgt hatten, dass wir aussahen wie Wüstengeister, die konnten wir uns allemal abwaschen. Ich war richtig fertig heute, nach dem schnellen Bad und dem Zeltaufbau legte ich mich nur mal kurz ins Zelt und grunzte sofort für paar Minuten weg. Aber es half nix, Abendessen muss noch gemacht werden, das übliche Geschnipsel, Geköchel und Gerödel; Gemüse, Würstchen, Polenta; Abwasch, alles auseinanderbauen und einpacken, endlich fertig. Bericht schreiben, zisch: Bierchen auf, fertig. Richtig fertig.
04:36
51.0km
11.1km/h
930m
960m
Pedalen-Paul and Carmense went for a bike ride.
February 5, 2026
Diesen paradiesischen Zeltplatz zu verlassen, daran tat ich mich wirklich schwer heute morgen. Mit dem Meeresrauschen hatte ich so herrlich tief geschlafen die letzten 2 Tage, es war eine total schöne Atmosphäre da. Carmen war gestern Abend wieder zu faul gewesen, zu mir umzuziehen und blieb mit ihrem Zelt neben der Großfamilie liegen, die bis nach Mitternacht Party machten, um die Zeit habe ich schon tief und fest geschlummert. Heute morgen erwartete sie eine SMS von mir, ob sie aufstehen soll oder nicht; das war abhängig vom Zustand meines Sitzfleischs, das in der Hitze und dem vielen Geschwitze, der hoppeligen Straße und dem vielen Salzwasser der letzten Tage ziemlich gelitten hatte, ich konnte gestern kaum noch laufen vor Wolf. Bisher hatte aber Zinkoxid-Salbe immer Abhilfe geschaffen, und auch diesmal war mein Hintern heute morgen fast wie neu und ich überbrachte Carmi die frohe Kunde, dass wir weiterfahren können. Nach dem Frühstück mussten wir noch bezahlen, der Campingplatz war verhältnismäßig teuer und wir schuldeten dem Besitzer 40$. Der war aber nirgendwo aufzufinden, wir klopften an seinem Haus, riefen, suchten auf dem ganzen Grundstück, es war keiner anzutreffen. Es ist nicht unser Stil, nicht zu bezahlen, aber was soll man machen? Wir hatten die Hoffnung, ihm beim Bäcker im Dorf zu treffen, laut seiner Aussage trifft man ihn da immer am Morgen bis 9:00, aber auch da war der Chef nicht. Wir überlegten noch ein bisschen, aber uns fiel keine andere Lösung ein, als loszufahren. Es tat uns leid, denn wir haben uns da so wohlgefühlt und es war gar nicht unsere Intention, die Zeche zu prellen, und mit einem schlechten Gewissen fuhren wir dann los. Es würde ein sehr sehr anstrengender Tag werden, das hatten wir grob unterschätzt und es war dem Höhenprofil der geplanten Tour in Komoot in keinster Weise zu entnehmen im Vorfeld. Gleich schon aus dem Dorf hinaus hatten wir den längsten und schwierigsten Anstieg des Tages, aber was Steilheit und Untergrund betrifft, gab es eigentlich kaum einen Moment zum Durchatmen den gesamten Tag über. Bergauf wie bergab ging es fast immer zwischen 10-15%, auf dem typischen zementgrauen, feinen Staub, der mit allen Größen von Steinen durchsetzt war, fest wie lose, mit vielen Verwerfungen und Schlaglöchern und Schrägen. Der feine Staub hatte überhaupt keinen Grip, und wir drehten beide ständig durch, ein wahnsinnig kraftraubender Akt. Zwischendurch mussten wir auch immer mal schieben, ich rutschte selbst da mit den Schuhen weg und klatschte volle Kanne mit dem Hals auf den Lenker und bekam keine Luft mehr. Die Hitze kletterte bis 43°C, wir pfiffen beide permanent auf dem letzten Loch, der Tag und die Kilometer zogen sich zäh wie Kaugummi, wir kamen überhaupt nicht voran, selbst bergab mussten wir sehr langsam fahren, weil die Schotterpiste so mies war. Viele Touristen kamen auf Quads und Motorrädern an uns vorbei und staubten uns richtig ein, es gab heute wirklich gar nichts zu lachen. Das also der grobe Umriss der heutigen Bedingungen. Als wir den ersten, langen Anstieg geschafft hatten, ging es das gleiche Stück direkt wieder bergab, wir erreichten somit die Westküste der Nicoya-Halbinsel und den Touristen-Ort Mal Pais, der völlig anders war als Montezuma auf der anderen Seite: stressig, laut, mit viel Verkehr und ausschließlich jungen Backpackern und Surfern aus Europa und den USA, die auf massenweise Quads an uns vorbeiballerten, überall langhaarige, oberkörperfreie sixpackpräsentierende Surferboys und junge Frauen in knappen Bikinis und Röckchen, hier war vom Hippie-Flair Montezumas gar nichts mehr wiederzufinden und in Relation gesehen lernte ich den Ort, den ich vor zwei Tagen in meinem Bericht noch schlechtredete im Nachgang doch noch irgendwie zu schätzen. Wir kauften bisschen was im Supermarkt ein, holten Bargeld von einem Bankautomaten und versuchten, so schnell wie möglich weiterzukommen. Ein Stück gab es hier dann mal Asphalt, allerdings war dieser Asphalt einfach direkt auf die unbearbeitete Schotterpiste drübergekippt worden und dermaßen beschissen zu befahren, das Gehoppel und Gespringe ging also weiter und wir kamen auch hier, auf dem etwas ebenerem Stück, was uns für ein paar Kilometer an der Küste entlangführte, ebenfalls nicht schneller voran. Was für ein Tag! Unsere Mittagspause verbrachten wir am Strand, Baguette mit Frischkäse und eine Gurke dazu war unser bescheidenes Mittagsmahl heute. Wir stürzten uns direkt wieder auf die staubige Achterbahn, fuhren noch ein bisschen an der Küste entlang, es war Ebbe und das Meer hatte sich weit zurückgezogen, stattdessen sah man die grauen, sich überlagernden Felsplatten, die für diese Küste hier typisch sind. Wir mussten dann wieder ins Innere der Halbinsel abbiegen, da die Küstenstraße nicht mehr weiterging und dementsprechend wurde es wieder extrem hügelig, kaum mehr fahrbare, steile Anstiege, wieder mit diesem verdammten zementgrauen Staubpulver und losem Geröll bremsten uns aus und es wurde langsam klar, dass wir in keinster Weise unser Tagesziel erreichen könnten. Gegen 14:30 hatten wir erst die Hälfte weg, etwa 28km, das Durchschnittstempo war frustrierenderweise an der Stelle auf unter 10km/h gesunken, aber unsere beiden GPS' haben wegen des langsamen Tempos viele Höhenmeter und auch die Geschwindigkeit auf diversen Streckenabschnitten sowieso nicht mitgemessen. Wir hatten beide echt richtig die Schnauze voll, als wir eine weitere der vielen Flussdurchfahrten erreichten. Dort sollten wir wieder auf die "Hauptstraße" treffen, die 160, und wir staunten nicht schlecht, dass diese dort für ein Stück durch den Fluss verläuft und ebenfalls nur eine kleine, staubige Piste ist. Wir hatten was anderes erwartet. Der flache Fluss war hier mal recht breit und der Ort sehr schön, es sprangen viele Brüllaffen in den Bäumen herum und es schien hier recht abgeschieden und einsam zu sein, also perfekt zum Wildcampen; leider aber auch noch viel zu früh. Ich wollte gern weiter, wir diskutierten eine Weile unsere Möglichkeiten, wägten ab und einigten uns, an eine weitere Flussdurchfahrt auf dieser Straße zu fahren, ein paar Kilometer später folgen sollte, um da zu campen, damit wir wenigsten noch bisschen was schaffen. Als wir also den Fluss durchfahren hatten und nun der 160 nur ein paar hundert Meter um die Biegung gefolgt waren, wartete der nächste ekelhaft steile Anstieg auf uns, und nun war auch ich soweit, dass ich heute nicht mehr weiter wollte, es reichte! Unsere Essensvorräte waren ausreichend, Wasser könnten wir aus dem Fluss filtern, und die Aussicht, sich da hineinzulegen, statt weiter Staub-Achterbahn zu fahren, erschien um ein Vielfaches verlockender und so beendeten wir den Fahrtag, mittlerweile war es 15:00. Wir fuhren ein Stück am Ufer entlang und begutachteten unsere Zeltmöglichkeiten, die hier wirklich optimal waren - kein Dorf in der Nähe, keine Touris, kein Strand, somit auch sicher vor Gangstern, die hier die campenden Touris am Strand nachts ausrauben könnten. Tatsächlich legten wir uns beide einfach in den Fluss und blieben da drin auch bestimmt zwei Stunden liegen. Richtung Sonnenuntergang schoben wir die Räder noch ein Stück um die Flussbiegung, um nicht von der Straße aus sichtbar zu sein, bauten unsere Zelte am Fluss auf, warfen das Tarp aus und kochten Nudeln mit Tomatensoße, die ich noch aus Venezuela in meiner Vorratstasche für ebensolche spontanen Wildcampingnächte dabei habe, denn heute mussten wir wirklich mal auf frisches Gemüse verzichten, was höchst selten ist. Auf dem Tarp liegend, schauten wir bei dunkler Nacht in die Sterne, lauschten dem Konzert der Frösche und genossen die absolute Dunkelheit und Ruhe unseres Flusses. Der Tag wurde also am Abend doch noch ein schöner, aber der Fahrtag war heute wirklich mühselig, sehr kräftezehrend und wenig genussreich, trotz schöner Landschaft, traumhafter Küste, einsamen Wegen durch den tropischen Trockenwald. Genuss kam heute erst auf, nachdem wir das Rad abgestellt hatten.
03:14
31.2km
9.7km/h
560m
560m
Pedalen-Paul and Carmense went for a hike.
February 4, 2026
Wir entschieden uns heute, dass wir auf dem Campingplatz bleiben. Ich musste zwar gestern noch umziehen, da wir uns naiverweise neben einer ticanischen Großfamilie eingenistet hatten, die abends/nachts erst richtig aktiv wurde. An meinem neuen Plätzchen aber war es herrlich ruhig und ich schlief beim Rauschen der Wellen so tief und fest wie lange nicht mehr. Carmen verblieb bei der Großfamilie, sie war zu müde zum Umziehen. Wir trafen uns an ihrer Ecke des wirklich schönen Campingplatzes zum Frühstück wieder. Wir hatten uns gestern Abend entschieden, dass wir heute das Naturreservat Cabo Blanco besuchen, den ältesten Nationalpark Costa Ricas. Entstanden war dieser Park durch das schwedische Paar Nils Olof Wessberg und Karen Mogensen, die 1955 nach Costa Rica gezogen waren, um hier in Harmonie mit der Natur zu leben. Sie hatten eine alte Farm ganz in der Nähe des damals noch kleinen Fischerdorfes Montezuma gekauft und wollten dieses aufforsten. Auf der Suche nach Samen von einheimischen Bäumen kam Nicolas nach Cabo Blanco und war begeistert von diesem Ort und setzte sich ab da mit seiner Frau für den Erhalt und Schutz dieses Ortes ein, nahm Kontakt mit der Regierung von Costa Rica und Naturschutzorganisationen und konnte somit tatsächlich erwirken, dass hier nun der erste Nationalpark des Landes gegründet wurde und damit aber auch eine Bewegung und Entwicklung in Costa Rica begann. Wir also besuchten nun heute diesen Park, um die etwa 12km Wanderwege, die öffentlich zugänglich sind, zu erwandern. Vom Campingplatz hatten wir 4km mit dem Rad zu fahren, hielten kurz vorher noch im Dorf Caboya und schnabbulierten ein Eis, Muffins und eine Cola, denn wir wurden von einer KI belogen, die behauptete, man dürfe nichts zu Essen mit in den Park nehmen - das stellte sich vor Ort als Irrtum heraus, leider. Dieser Nationalpark war völlig anders als Manuel Antonio vor ein paar Tagen, denn hier kommen nur relativ wenige Touristen her und der Park ist dementsprechend auch viel weniger erschlossen, aber viel naturbelassener, und die Wanderung durch den Park kann man tatsächlich auch als solche bezeichen. Als erstes liefen wir aber einen etwa 1km langen Rundweg am Anfang des Parks, und hier sahen wir schon das wichtigste, nämlich das, was wir bisher immer nur gehört hatten: Brüllaffen, genauer gesagt, Mantelbrüllaffen, der Hauptgrund, warum wir hier waren. Wir sind beide fasziniert von Affen, ich könnte denen wirklich stundenlang zuschauen, und wir blieben auch lange auf dem kurzen Stück hängen, denn eine Vielzahl von Brüllaffen war über uns in den Baumkronen unterwegs, auch mit ihrem markanten Gebrüll. Toll - es hatte sich in den ersten 10min schon gelohnt, hierherzukommen, wir waren beseelt. Am Ende des Rundweges stand dann plötzlich noch ein Reh ziemlich nah vor uns, die hier auch recht häufig sind. Wir begaben uns dann auf den langen, etwas beschwerlichen, 5km langen Wanderweg durch den Park, der am einem Strand endet. Bis dahin aber geht es zünftig auf und ab, über viele Stufen und Wurzeln, Steine und durch ausgewaschene Pfade. Affen sahen wir auf diesen 5km keine mehr, dafür aber eine große Gruppe Weißrüssel-Nasenbären, die hier ebenfalls ziemlich häufig sind. Eine große Gruppe Weibchen (Männchen leben solitär) wuselte laut raschelnd vor uns durch das Unterholz, querte den Weg direkt vor uns und die wirklich hübschen Tiere, die ein bisschen an Waschbären erinnern, kamen uns erstaunlich nahe. Mit nach oben gerichteten, langen Schwänzen, die wie Antennen herausragen aus dem Unterholz, suchen diese Kleinbären den Waldboden nach Insekten und anderen Kleintieren ab. Auch das war wirklich sehr schön, diese Tiere in freier Wildbahn zu erleben. Vögel sahen wir natürlich auch viele, vor allem einen sehr exotischen, schwarzen Laufvogel, der deutlich größer als eine Gans war, mit einem gelben, sehr seltsam geformten Schnabel. Ansonsten sahen wir viele Eidechsen, auch eindrucksvolle Spinnen und ein paar Eichhörnchen. Das besondere an diesem Nationalpark ist die Mischung der etwa 140 vorkommenden Baumarten: es sind einerseits immergrüne Regenwaldbaumarten, andererseits Trockenwaldbaumarten, die zur Trockenzeit die Blätter abwerfen, eine sehr seltene und einzigartige Mischung. Riesige Wurzeln, die über Bäche hinüberragten, bewunderten wir, verschlungene, verknotete Lianen, uralte Baumriesen, Bäume mit dorniger Rinde und vieles mehr. Wir erreichten den schönen Strand, natürlich waren da die meisten Menschen. Ich ließ es mir nicht nehmen, in die Badehose zu springen und eine Runde in das Wasser zu hüpfen. So richtig das Badevergnügen kam aber nicht auf, denn der sandige Boden war mit fiesen Steinen und Felsen übersät, an denen man sich beim Wellengang immer wieder fies die Füße stieß und ständig schmerzhaft aneckte. Als ich das Wasser recht schnell wieder verließ, sah ich erneut eine große Gruppe Brüllaffen, die sich recht langsam in den Baumkronen direkt am Strand von links nach rechts bewegte. Ich pfiff Carmen ran, und auch andere Leute kamen und beobachteten mit uns die zahlreichen Tiere, darunter auch ganz junge Babys, die ebenfalls schon geschickt und doch gleichzeitig bisschen unbeholfen den adulten Affen hinterherkletterten. Schön, wirklich sehr schön! Den 5km langen Rückweg erledigten wir deutlich schneller als den Hinweg, wir hatten das Gefühl, alles wichtige gesehen zu haben (obwohl wir leider keine Ameisenbären getroffen haben), vor allem aber, weil wir langsam wirklich Hunger hatten; Carmen wird ungenießbar, wenn sie nichts zu futtern bekommt. Trotzdem hatten wir auf dem Rückweg das Glück, noch ein paar Affen im Geäst zu sehen, und ein weiteres Mal kreuzte eine große Gruppe Weißrüsselnasenbären unseren Weg - was für superschnuckelige, niedliche Tierchen, wirklich zu herrlich! Nachdem wir unsere Räder eingesammelt hatten und wieder Richtung Caboya fuhren, stand dann auch nochmal ein Reh am Straßenrand. Im Dorf-Supermarkt kippte ich mir erstmal einen Liter Fruchtsaft in den Rachen, danach fuhren wir zu einem Bäcker, der eigentlich schon geschlossen hatte, aber auf Carmens bitten bekam sie dort ein Pita-Brot, und die wahnsinnig nette Angestellte wurde weich und kam dann nicht nur mit einem sehr leckeren Pita-Brot, sondern dazu gab es noch Salat und Reis mit Bohnen, für mich war auch noch eine Portion übrig; trotzdem mussten wir nur die Pita-Brote bezahlen, und der Kaffee, den ich mir noch dazubestellt hatte, kostete das Dreifache wie eines der Essen, welches das mit Abstand günstigste in Costa Rica war, ganz entgegen aller Annahmen - seltsam. Wir fuhren wieder auf unseren schönen Campingplatz, wuschen Wäsche, auch ein tägliches Vergnügen, und nachdem nochmal ins Dorf gefahren war und mir im Kiosk mein Bierchen geholt hatte, brutzelten wir uns abends Yucca- und Süßkartoffel-Pommes in der Pfanne und dazu Rührei, eine etwas seltsame Mischung und genossen die ruhige Atmosphäre des wirklich einmalig schönen Campingplatzes, mitten im Paradies; diesen Ort "könne selbscht mir uns leischte".
02:05
12.8km
6.2km/h
190m
240m
Pedalen-Paul and Carmense went for a bike ride.
February 3, 2026
Es gibt so Dinge, die sind in der Fantasie oft schöner als in der Realität, zum Beispiel Sex in der Badewanne. Zelten auf einer Ponton-Plattform gehört definitiv auch dazu. Als morgens nach 4:00 die Flut in die Bucht kam und die Fischerboote rausfuhren zum Fischen, war an Schlafen nicht mehr zu denken, denn das Ding schaukelte zu doll und zu unstet, um es als leichtes In-den-Schlaf-Schunkeln zu interpretieren; wir hatten beide da auch prinzipiell irgendwie nicht gut geschlafen, die Straßenlaternen hatten ins Zelt geleuchtet und von der nicht allzu fernen Route 23 brüllten auch in der Nacht die LKWs herüber. 6:00 klingelte der Wecker, wir frühstückten fix und und packten schnell zusammen, schauten den Brasilianern noch dabei zu, wie sie das komplette Klo beim Ausleeren ihrer Kackecontainer verwüsteten und fuhren ab. Wir mussten uns zurück zur 23 kämpfen und suchten dabei in dem etwas seltsamen, für ticanische Verhältnisse sehr armen und ziemlich prekären Ort die erstbeste Möglichkeit, um über den Fluss zu kommen, der uns von der Hauptstraße trennte. Eine wirklich verrückte Brücke fand sich, eine schmale und absurd steile Brücke war das, die wir da zu überqueren hatten, ein wirklich seltsames Konstrukt. Neben der 23 fanden wir einen Radweg, der uns bis nach Puntarenas brachte, eine Stadt, die auf einer langgezogenen Halbinsel liegt, ein auch irgendwie seltsamer Ort. Überpünktlich, wie sich das gehört, genauer gesagt, eine geschlagene Stunde zu früh erreichten wir den Fährhafen und verpassten genau die 8:00-Fähre. Wir hatten also genug Zeit für die 9:00-Fähre, für die wir gestern auch schon online Tickets gebucht hatten, und so trank ich an einem kleinen Imbiss gemütlich einen Kaffee und futterte einen etwas fischig schmeckenden Empanada. Unsere Fähre legte 8:30 im Hafen an, wir drängelten uns an den wartenden Autos vorbei und enterten das Schiff. Die Überfahrt, die pünktlich 9:00 begann, dauerte knapp 1,5h für die recht übersichtlichen knapp 20km über den Golf von Nicoya zur Halbinsel Nicoya. Dort angekommen, rollten wir etwa gegen 10:30 auf die Halbinsel, die klimatisch der trockenste Teil Costa Ricas und eigentlich, so las ich gestern im Internet, nicht so das touristische Hauptziel der meisten Reisenden in diesem Lande ist, was mich einigermaßen hoffnungsvoll stimmte, dass das für uns umso schöner wird. Zuerst aber mussten wir uns den steilen Berg in Richtung des kleinen Ortes Paquera hochkämpfen. Während des Anstieges überholten uns etwa 50% aller Autos, die sich ebenfalls mit uns auf der Fähre befunden hatten, ein großes Vergnügen! In Paquera versuchten wir, an 2 Geldautomaten Geld zu bekommen, ließen das aber aufgrund der hohen Gebühren sein, paar Tage kommen wir noch hin, und hier kann man sowieso fast überall mit Karte zahlen. In einem Bäcker futterten wir ein frühes Mittagessen in Form von gefüllten Teigtaschen und machten uns auf, die Halbinsel zu erkunden und folgten dazu zuerst mal einige Kilometer der Hauptachse, also der Route 160 gen Südwesten und fanden uns hier auf einer schönen Achterbahn wieder, die sich komischerweise auf dem heutigen Höhenprofil kaum widerspiegelt. Die Hitze war dabei wieder enorm und vor allem an den zumeist kurzen, aber umso knackigeren Anstiegen am meisten wahrzunehmen und absolut grenzwertig. Wir bogen dann im Verlauf von der 160 auf eine Schotterstraße ab, es sollte eine Abkürzung sein, was rein kilometertechnisch durchaus auch der Fall gewesen sein dürfte, allerdings ging es auf kleinsteinigem Schotter mit zementartigem, grauem Staub brachialst bergauf, auf dem staubigen, furztrockenen Schotter gab es überhaupt keinen Grip, das Hinterrad drehte ständig durch, der Lenker kippte nach links und rechts. Die Hitze war unmenschlich dabei, wir hatten nun zwar wirklich Ruhe vom Verkehr, aber dafür sank unser Tempo auf unter 4km/h im Durchschnitt und mir drehte es im Kopf vor Hitze. Eine schöne Flussdurchfahrt war auch noch dabei, diesmal mit nassen Füßen, denn die Durchfahrt war überraschend tief. Gefühlt endlos ging es auf diesem feinstaubigen Schotter bergauf, ohne dabei groß von der Landschaft entschädigt zu werden, das kam erst viel später, als wir an der Küste angekommen waren, in dem kleinen Touristendorf Montezuma. Für viele dürfte dieses kleine Hippiedorf das Traumziel überhaupt sein, mit seinen kleinen Bars und Hostels, den vielen Reiseagenturen, die Quadtouren in die Umgebung anbieten, viele ökotouristische Attraktionen gibt es hier wohl zu besehen und Aktivitäten zu erleben, mich schreckte das Unechte und Gekünstelte dieses Ortes irgendwie ab und ich fühlte mich unter all den europäischen und US-amerikanischen Touristen nicht wohl. Das Gemenge aus Pseudo-Rastas und New-Age-Hippies, jungen, hippen Backpackern, langhaarigen Surferboys, die oberkörperfrei ihre Sixpacks zur Schau stellen, junge Öko-Mädels, die auf Quads rumballern und dazwischen ein paar verlorene deutsche Rentner in Jack-Wolfskin-Outdoorkluft, das ist absolut nicht mein Ding, ich gehöre nicht hierher. Spätestens, als der ältere, langhaarige Schwabe, mit dem Carmen an dem kleinen Supermarkt ins Gespräch kam, wo wir bisschen was einkauften und er ihr auf ihre Feststellung, dass die Preise hier jenseits von Gut und Böse sind, antwortete: "ja des isch halt so, des Paradies musscht dir leischte könne, des gibt's net umsonscht", war der Moment gekommen, wo ich mich diesem unechten, unauthentischen Ort komplett entfremdete und Carmen bittete, ob wir nicht mal endlich weiterfahren könnten - was wir dann auch taten. Zugegeben, die Strände, an denen wir dann noch 3-4km entlangfuhren, suchen ihresgleichen, die sind wirklich wunderschön, das kann man nicht anders sagen. Und vielleicht bin ich ja auch irgendwie zu verkopft, sogar zu arrogant, denke wohl auch noch, dass ich etwas besseres bin und am liebsten alle schönen Orte der Welt für mich allein haben wollte (ja, warum eigentlich nicht? schön wär's). Immerhin wurde der Ort bekannt dadurch, dass ein paar Hippies dazu beigetragen haben, dass hier der erste Nationalpark Costa Ricas gegründet wurde in den 60ern, der Cabo Blanco ein Stück weiter südlich, was die Geschichte des Landes, der ganze Ökotourismus und die Besinnung auf Naturschutz sicherlich gefördert hat. Aber ich frage mich, was davon übriggeblieben ist, von dem Geiste der damaligen Hippies. Für mich fühlt es sich nach sehr sehr wenig an, und zumindest ich mochte Montezuma nicht, auch wenn es für andere "des Paradies isch". Wir erreichten dann unser Tagesziel, einen schönen Campingplatz direkt am Strand und abseits von dem ganzen seltsamen Vibe von Montezuma, hier gibt es auch mal fast nur Einheimische. Kochen, Waschen, Duschen, bisschen in den hohen und starken Pazifikwellen planschen, Kochen, Berichtschreiben, das Übliche Abendprogramm folgte.
05:20
70.9km
13.3km/h
650m
650m
Pedalen-Paul and Carmense went for a bike ride.
February 2, 2026
Im Moment scheine ich mal eine etwas bessere Schlafphase zu haben, denn auch diese Nacht schlief ich, trotz der hellen Umgebung und der nahen Straße, ziemlich gut, und von Kokosnüssen wurden wir auch nicht erschlagen. Dafür hatten kleine Affen oder Eichhörnchen oder welche Tierchen da auch immer oben in den Kokospalmen hausen, unsere Zelte von oben angekackt und auch Hunde hatten ihr Gebiet an unseren Zelten markiert; diese kleinen Geschenke entfernten wir morgens erstmal, bevor wir uns unser Frühstück köchelten. Der nette Ami kam aus dem Haus und lud mich auf einen Kaffee ein und bei der Bezahlung erließ er uns etwas später sogar noch mehr als die Hälfte des Preises - echt ein korrekter Typ, wobei man dazu sagen muss, dass dieser Platz, der mit einem Campingplatz nicht wirklich viel zu tun hat und dessen sanitären Anlagen kaum zumutbar waren, auch mehr nicht wert war. Wir fanden uns auf der Route 34 wieder, die zum frühen Morgen noch ein Weilchen nur sehr dünn befahren war, auch, als wir wieder einen längeren, steilen Anstieg mit zwei Spuren auf unserer Seite zu bewältigen hatten, wurden wir heute zum Glück von dem gestrigen Stress verschont und hatten halbwegs Ruhe; dafür pustete aber ein recht starker Gegenwind, der heute morgen schon früh wieder aufgekommen war und uns den ganzen Tag begleitete und aber auch öfters seine Richtung wechselte, zeitweise ziemlich gruselig stark war. Schon zeitig am Morgen kam direkt neben mir ein fetter Ast runter, der mich ganz schön erschreckte. Nach einer Pause an einem kleinen Supermarkt, wo ich völlig freidrehte und mir für fast 4$ eine kleine Tafel Schokolade gönnte - ich hatte so einen brutalen Heißhunger darauf - bogen wir von der 34 ab und sogleich wurde es extrem hügelig für ein Weilchen und außerdem steinig-schotterig. Damit kürzten wir ein Stück ab und verpassten die Zusammenführung der 34 mit der 27, die nun nach Nordwesten Richtung Puntarenas führte, zu unserem heutigen Ziel. Wir sahen hier Schilder, dass auf dieser Schnellstraße Radfahren verboten sei, als wir diese kreuzten, aber wir hatten sowieso eine Parallelstrecke auf Nebenstraßen geplant. Allerdings bog unsere Route nach kurzer Zeit auf einen einspurigen Wald- und Feldweg ab, der parallel zu einer alten Eisenbahnlinie verlief und der nicht besonders verheißungsvoll wirkte, ganz im Gegenteil. Ich war gespannt, was und da erwartete, und das zeigte sich schnell: breite Wurzeln, Stufen, fette Steine, ausgewaschene und verworfene, enge Wege und dann vor allem bald eine Flussquerung. Langeweile würde hier nicht aufkommen, soviel stand fest. Die Flussquerung bearbeiteten wir nacheinander, erst Carmens Rad, dann meins, und beide schafften wir es wider Erwarten trockenen Fußes. Die Strecke blieb aber trotzdem echt anspruchsvoll und kostete einiges an Zeit und Energie, und bei dem immer stärker werdenden Wind hatte ich auch weiterhin Sorgen, irgendwann mal einen fetten Ast auf den Kopp zu bekommen. Nach 27km erreichten wir das kleine Dorf Cascajal und einen alten Bahnhof. Dort herrschte irgendwie ein bisschen Wildweststimmung, der Wind wehte ordentlich Staub durch den etwas verlassenen Ort und der kleine Dorfladen wirkte sehr urig und wie aus einer anderen Welt. Überhaupt waren wir überrascht, dass es in Costa Rica solch trockene Landschaften wir hier gibt, gestern schon. Unsere Wäsche trocknete innerhalb kürzester Zeit, und trotz sehr hoher Temperaturen schwitzen wir nicht und die Klamotten kleben mal nicht pausenlos am Körper - sehr angenehm, obwohl mir der Dschungel schon ein wenig fehlt. Der Bahnhof und die Atmosphäre in dem ausgestorbenen Ort war trotzdem irgendwie interessant, es fehlten nur noch diese typischen, umherwehenden, kugelrunden Büsche, die sogennannten Bodenroller, die als bekanntes Stilmittel durch sämtliche Westernfilme rollen. Weiter ging es auf trockener, staubiger, einsamer Piste bei starkem Wind, der mal von vorn, mal von der Seite, mal von hinten kam, aber immer sehr böig und immer wieder sehr überraschend stark. Zur Mittagszeit kreuzten wir wieder die Route 27 und ankerten in einem kleinen Restaurant. Hier war das Mittagsmenü vergleichsweise günstig für ticanische Verhältnisse, und da wir uns in den letzten Tagen nicht viel gegönnt hatten, nutzten wir die Gelegenheit und bestellten uns beide ein Mittagessen. Die Portion war gigantisch, mit zweierlei Salaten und sehr gutem, zerkochten, gulaschähnlichem Rindfleisch und einem hausgemachten Eistee dazu. Zum Nachtisch bekamen wir sogar ein kleines Eis geschenkt, und nebenbei kam ich mit einem Arbeiter am Nebentisch ins Gespräch, der Bauschweißer und begeistert von unserer Reise war. Er klärte uns auf, warum hier so überdurchschnittlich viele LKWs rumfahren und warum wir soeben an einem riesigen Containerparkplatz mit Burgen von Seecontainern vorbeigefahren waren: nicht weit entfernt befindet sich der zweitgrößte Hafen von Costa Rica, der aber platzmäßig sehr beschränkt ist, und so lagern die Container überall auf Containerparkplätzen verteilt. Nach dem Mittag mussten wir leider wieder der 27 folgen, mit dem schon erwähnten LKW-Verkehr, der wirklich immens war; zum Glück gab es hier einen sehr breiten, gut ausgebauten Standstreifen, sonst wäre das eine Tortur geworden. Nach einem großen Straßenkreuz endete die 27 und wir bogen Richtung Norden auf die 23 ab, die genauso weiterverlief, mit Standstreifen und dichtem Transitverkehr und schon bald erreichten wir tatsächlich den Hafen namens Calderon, den wir aber nur von weitem sahen. Von da war es nicht mehr weit bis zu unserem Ziel Puntarenas, das wirklich gar nichts mit der chilenischen Stadt Punta Arenas unten in Südpatagonien am Rande Feuerlands zu tun hat. Nach einem Einkauf in einem weiteren Pali-Supermarkt, das erledigte heute Carmen, bogen wir sofort ab von der 23, zum Glück. Um genauer zu sein, wir fuhren heute nicht mehr auf die schmale Halbinsel, auf der die eigentliche Kleinstadt Puntarenas liegt, sondern fuhren auf einen kleinen Campingplatz am Rande von Chacarita, einer Kleinstadt vor Puntarenas. Auf diesem Zeltplatz gibt es nur zwei Stellplätze und wie die meisten Campingplätze ist auch dieser eigentlich für Wohnmobile vorgesehen, denn welcher arme Schlucker campt denn heutzutage noch in Zelten, außer so paar heruntergekommene Radreiseheinis wie wir und noch ein paar andere. Als wir da ankamen, stellte sich heraus, dass die zwei Stellplätze natürlich schon besetzt sind, aber die nette Besitzerin erlaubte uns, uns dazwischenzuquetschen zwischen die zwei großen, brasilianischen Wohnmobile. Mit den Brasilianern kamen wir sofort ins Gespräch und verstanden uns prächtig, trotzdem beschlossen wir, unsere Zelte lieber auf dem kleinen Ponton-Fischer-Plateau aufzubauen, mitten auf dem Wasser, mal wieder ein sehr extravaganter Ort zum Zelten. Aber unser Bier konnten wir im Kühlschrank in einem der Wohnmobile zum Kühlen unterstellen. Nach der Wasch- und Duschorgie stellten wir unsere Zelte dann tatsächlich im Sonnenuntergang auf dem Ponton auf, die Wäsche trocknete bei dem Wind und der trockenen Luft in Rekordzeit. Ich bin gespannt, wie man so schläft, in einem Zelt auf einem schaukelnden Ponton. Die Zelte hatten wir vorsorglich ordentlich verschnürt.
04:10
52.2km
12.5km/h
680m
690m
Pedalen-Paul and Carmense went for a bike ride.
February 1, 2026
Überfallen hat uns schon mal keiner auf dem komplett offenen Campingplatz, vielleicht auch deswegen, weil zum Abend der Platz noch richtig voll wurde. Wir fanden aber trotzdem eine kuschelige Ecke für uns und es war erstaunlich ruhig. Trotz Vollmond schlief ich gut, der Wecker klingelte 6:30 und nachdem wir die Zelte abgebaut hatten und während Carmen das Frühstück vorbereitete, ging ich schnell eine Runde schwimmen im Pazifik, wie werde ich wohl jemals wieder auf so einen Tagesstart verzichten können? Ein kurzes Stück fuhren wir noch durch den kleinen, ruhigen Ort Esterillo Oeste und landeten aber schnell wieder auf der Route 34 und damit der Panamericana. Heute und morgen noch, dann haben wir das hoffentlich erstmal hinter uns. Abgesehen von einer schönen Aussicht auf ein Stück Felsenküste gab es unterwegs auch nichts weiter zu sehen. Wir erreichten zum späten Vormittag die Touristenstadt Jaco, in die wir allerdings nicht hereinfuhren, die 34 führte am Rande vorbei. Einzig allein an einem Supermarkt hielten wir, der zur Kette "Maxi Pali" gehört, einer Billigkette, wo wir uns bisschen eindecken wollten. Das Los, den Einkauf zu erledigen, zog ich, und obwohl wir nur ein paar wenige Sachen brauchten, verbrachte ich geschlagene 1,5h da drinnen; lahmarschige Einheimische und US-amerikanische Touristen schlurften im Zeitlupentempo telefonierend und immer im Weg stehend durch die Gänge, und an der Kasse stand ich eine halbe Stunde, obwohl nur 3 Leute mit wenigen Artikeln vor mir standen. Der Fakt, dass das wahnsinnig viel Zeit gekostet hatte und vor allem aber, dass mittlerweile ein starker Wind eingesetzt hatte, der auch noch Gegenwind für uns bedeutete, hieß für uns, dass die Idee, heute die 100km bis Puntarenas an einem Tag durchzuziehen, gestorben war, das war garantiert nicht mehr schaffbar. Nach Jaco hatten wir einen steilen Berg zu bewältigen und auch das wurde zu einer richtig ekligen Nervenprobe, denn die Route 34 war hier besonders dicht befahren, und während wir bei knapp 40°C den steilen Anstieg hochkeuchten, zogen tausende Autos auf drei Spuren - zwei auf unserer Seite - an uns vorbei und wieder trat der Effekt ein, den wir in Lateinamerika schon so oft erlebt hatten: wenn der Verkehr richtig dicht wird, ist es endgültig vorbei mit der Rücksichtnahme und dem Respekt vor anderen Verkehrsteilnehmern, um jeden Zentimeter wird gekämpft, jeder ist sich selbst der Nächste, es wird gedrängelt und richtig rücksichtslos nah überholt, Trucks wollten uns von der Straße hupen, Prolls überholten uns gefühlt mit Absicht so nah wie nur möglich mit hohem Tempo, unsere Nerven lagen blank und ich hatte schlimme Gewaltfantasien. Ich war so froh, als wir endlich oben angekommen waren und es wieder bergab ging, ab da war der Verkehr dann so dicht, dass wir wiederum die gesamte Blechlawine am Rand überholten; so ging das dann noch paar Kilometer, bis wir nach schon etwa 36km den Abzweig zum Strand Playa Bochinche erreicht hatten. Von dort waren es nochmal 4km bis dahin und wir atmeten durch auf der unbefahrenen Nebenstraße auf Schotter. Ich war aber nicht besonders glücklich darüber, den Tag schon so früh und nach so wenig Strecke zu beenden, aber wir erwarteten hier die wahrscheinlich beste und günstigste Übernachtungsmöglichkeit für die nächsten, heute noch erreichbaren Kilometer. Wir wollten am Strand wildcampen, waren aber einerseits ziemlich überrascht, dass ebendieser Strand sehr gut besucht war mit vielen Autos und Strandgästen, die direkt am Wasser standen und andererseits offenbarte sich dieser Strand nicht gerade als Schönheit, ziemlich viel Müll lag herum und das Wasser war hier recht dreckig. Ein weiterer Aspekt war der immer stärker werdende Wind, der die dicht mit Kokosnüssen behangenen Kokospalmen, unter denen wir uns niederließen, zu einer realen Gefahr machten. Wir fanden uns trotzdem ab mit der Situation, breiteten das Tarp aus und wollten die Zeit bis zum Abend vertrödeln, bis sich die vielen anderen Strandgäste verzogen hatten und wir uns eine befriedigende Ecke für unsere Zelte suchen könnten. Carmen dämmerte langsam weg und wollte pennen, ich dödelte und daddelte bisschen rum und wurde währenddessen gewahr, dass andere Camper von dem Ort im Netz geschrieben hatten, dass Campen hier verboten sei und dass außerdem die Polizei jeden Tag patrouilliert am Abend. Wir berieten uns ein Weilchen, wie wir mit dieser Erkenntnis umgehen wollen und entschlossen uns, weiterzufahren; es gefiel uns hier eh nicht so recht, und am späten Abend von der Polizei verjagt zu werden brauch ich wie 'nen abben Arm. Wir fuhren also die 4km zur 34 zurück, legten auf dieser nochmal paar nervige Kilometer zurück, bis wir den Ortseingang des kleinen Ortes Tarcoles erreichten. Hier sollte es einen kleinen Campingplatz geben und wir sahen auch sofort das Eingangstor dazu. Der Ort entpuppte sich als reichlich seltsam, von Campingplatz war nicht viel zu sehen, es war eher eine Mischung aus privaten Parzellen, Wohnhäusern und Touristenbungalows, alles bisschen lose zusammengewürftelt. Einzig die Wiese zwischen Kokospalmen hinter einem Wohnhaus und kurz vor dem Strand erinnerte entfernt an einen Campingplatz. Carmen quatschte ein paar Leute am Strand an, und schließlich fanden wir doch noch den Besitzer der Wiese und des Wohnhauses, ein US-Amerikaner. Der war wirklich ein netter Geselle, wenn auch ein wenig verschroben, aber doch bemüht, uns hier zu helfen und uns einen Platz zum Zelten zu beschaffen. Er teilte allerdings unsere Sorge, nämlich der für diese Gegend heute ungewöhnlich starke Wind, der vor allem unter den Kokospalmen nicht zum Zelten einlud. Er räumte ein bisschen die mit einem Haufen Geraffel und Krimskrams zugestellte Veranda seines Hauses frei und bot uns an, unsere Zelte da aufzustellen. Dabei kamen wir so ein bisschen mit dem Mann ins Gespräch, er bot uns dann bald zwei Bier an, die wir natürlich dankend annahmen, später stellte er uns zwei große Schüsseln mit Chili Con Carne hin, die wie nur schwer ablehnen konnten, ganz im Gegenteil, wir freuten uns sehr, dass wir heute nicht kochen mussten, waren überrascht von der recht unvermittelten Gastfreundschaft und außerdem schmälerte es den für diese Art von "Campingplatz" doch etwas happigen Preis von 10$ pro Person; vor allem die sogenannten sanitären Anlagen konnte man kaum als solches bezeichnen, der Zustand dieser Örtlichkeiten nimmt einem jegliche Lust am Campen und trotzt jeder Beschreibung. Kurz hatten wir schon mit dem Gedanken gespielt, weiterzuziehen, aber das Bierchen und vor allem das Chili stimmte uns dann doch sehr versöhnlich, das verputzten wir am Strand bei einem wunderschönen Sonnenuntergang über den Bergen der Halbinsel Nicoya, auf die wir hoffentlich übermorgen mit einer Fähre hinüberfahren. Der Zeltaufbau wurde nochmal ein kleines Geduldsspiel, denn der zwischenzeitlich abgeflaute Wind nahm nach Sonnenuntergang erstaunlicherweise wieder an Fahrt auf und so waren wir angehalten, einerseits einen Platz mit möglichst wenig Lichteinfall zu finden, andererseits aber möglichst nicht unter den Kokospalmen zu stehen, um morgen wieder lebend aus den Zelten kriechen zu können. Einen Teil des Problems mit dem Licht erledigte ich, indem ich beim Nachbarn über den 2,5m hohen Zaun kletterte und die flackernde, extrem helle Birne herauszudrehte, die die Wiese in Diskostimmung versetzt hatte. Danach fand sich dann langsam alles, auch wenn dieser Campingplatz nicht im Ansatz mit den Plätzen der letzten Tage mithalten konnte in Sachen Atmosphäre. Meinen Bericht schreibe ich auf einer Bank am Strand, denn auf dem Campingplatz haben sich noch ein paar junge Leute eingefunden, um mit etwads Musik in den Abend hineinzufeiern, und ich hoffe, dass die sich dann zeitnah verziehen, wenn wir uns in unsere Zeltchen verkriechen wollen.
03:18
46.9km
14.2km/h
450m
450m
7 days ago
Respect for sticking with this and thanks for the entertaining reports.
I'm also a passionate cyclist, but it would be too dangerous for me here because of the drivers. Half of them don't have a license, the other half are drunk.
My brother and uncle have lived here for 30 years, and you wouldn't believe
Translated by Google •
Pedalen-Paul and Carmense went for a bike ride.
January 31, 2026
Da es gestern nach dem schönen Abend mit Gabriel und Yamir, den wahnsinnig netten und gastfreundlichen Zeltplatzbesitzern sehr spät geworden war und wir nach dem langen, erlebnisreichen Tag auch noch einen langen Bericht zu schreiben hatten, kamen wir sehr spät ins Bett. Zu später Stunde hatte ich noch festgestellt, dass mir in dem Bungalow viel zu warm war und um mich nicht die ganze Nacht neben Carmen schwitzend im Bett rumzuwälzen, hatte ich mich auch noch dazu entschlossen, mein Zelt hinter unserem Häuschen auf der Veranda aufzubauen, eine gute Entscheidung, aber es wurde dadurch noch viel später. Zum zweiten Mal hatte ich mein Zelt ohne Außenplane aufgebaut, nur mit dem dünnen Netz des Innenzeltes, bei den Temperaturen hier viel angenehmer; nur leider hatte ich die Rechnung ohne den Regen gemacht, der mitten in der Nacht noch anfing und mich zwang, rauszuschlüpfen und das Außenzelt drüberzuziehen. Meine Nacht war also mal wieder bisschen kürzer gewesen, und wir begannen den Tag im Allgemeinen etwas später als sonst. Um richtig wach zu werden, schwamm ich noch schnell 'ne Runde im Pool, so könnte ich jeden Morgen beginnen. Nach dem Frühstück auf unserer Veranda verabschiedeten wir uns von Gabriel und Yamir, zwei so herzliche Leute, und die Fotos durften natürlich nicht fehlen, schon seltsam, wie selbstverständlich das mittlerweile für mich ist. Wir hatten mit dem Gedanken gespielt, noch einen weiteren Tag dazubleiben, aber wir müssen mal bisschen vorankommen und zwangen uns auf die Räder, so schade das auch ist. Wir fuhren nicht den gleichen Weg zurück zur Route 34, den wir gekommen waren, sondern folgten einer Schotterstraße, die zu endlos langen Schneisen durch Ölpalmenplantagen führte, schnurgerade gingen die durch diese Monokulturen, aber es machte irgendwie Spaß, da durch zu fahren, immerhin hatten wir so bisschen Schatten und es gab überhaupt keinen Verkehr; außerdem entstanden dort wirklich schöne Fotos mit tollen Kontrasten. Anfangs wunderte ich mich, wann, wie und wo eigentlich die Ernte der Palmenfrüchte stattfindet, im späteren Verlauf wurden wir aber tatsächlich Zeuge, wie das funktioniert, und auch die Straßenschilder, auf denen die Autofahrer aufgefordert werden, Radfahrer mit den langen Stangen zu respektieren und auf diese Acht zu geben, ergaben plötzlich Sinn. Die Erntearbeiter, die übrigens fast alle aus Nicaragua kommen, wie uns Gabriel erzählt hatte, ernten das gesamte Jahr über die Früchte der Palmen, basketballgroße Stauden mit roten Früchten, die oben unter der Krone hängen. Dazu fahren sie mit Fahrrädern oder Mopeds durch die endlosen Plantagenschneisen zu den Einsatzorten und transportieren dabei mit einer Hand die lange Teleskopsichel auf ihren Vehikeln, recht waghalsig auf den schwammigen, steinig-holprigen Schotterstraßen, mit der die Stauden geerntet und dann auf Wägen geladen werden, die von Büffelochsen zu Sammelcontainern gebracht werden. Die Ochsen müssen die schweren Wagen zum Teil durch die unwegsamen Plantagen ziehen, die armen Viehcher, wir konnten auch das beobachten, und die neugierige Carmen kam mit einem der nicaraguanischen Arbeiter, der einen der Ochsenkarren an uns vorbeilenkte, ins Gespräch. Das ist einer der riesigen Vorteile des Reisens mit Carmen: die Neugier meiner lieben Begleiterin, denn ich hätte die Arbeiter niemals angesprochen, aber Carmen kennt da nix, und so erfuhr auch ich einiges über das Leben der Arbeiter, die viele Jahre fern der Heimat hier arbeiten und nur 15 Tage pro Jahr frei bekommen und in kleinen, sehr einfachen Siedlungen wohnen. Das Wohlstandsgefälle zwischen Costa Rica und Nicaragua ist sehr hoch. Trotzdem hielt einer der Arbeiter mit dem Moped neben uns, öffnete seine Transportbox und hielt uns zwei Beutel mit eiskalten Erfrischungsgetränken hin. Immer wieder sind wir platt, dass uns selbst die Ärmsten helfen und uns Gringos ihre Gastfreundschaft erweisen. Das kann man oft gar nicht richtig fassen und glauben. Dieser Teil der heutigen Tour war wirklich sehr interessant, die Arbeiter hier bei der Ölpalmenernte zu beobachten war ein einmaliger Einblick, und alle grüßten uns nett und waren auch nicht sauer, wenn wir sie fotografierten. Die zweite Hälfte der Strecke fand dann leider wieder auf der dicht befahrenen Route 34 statt, auf die dann die Plantagenschneisen irgendwann mündeten, wir kamen nicht umhin, wieder auf die Panamericana zu fahren, wenn wir weiterkommen wollen. Die Kilometer spulten wir dann auch mechanisch und ohne weitere Fotos und Vorkommnisse ab, mit Kopfhörern und in Podcasts vertieft. Einen kurzen Stopp machten wir an einem Restaurant und teilten uns ein Sandwich und eine Cola; das Restaurant war mehr oder weniger die Kantine der Fabrik dahinter, in der die Früchte der Ölpalmen zu Öl verarbeitet werden, aber auch hier sind die Preise jenseits von Gut und Böse, die mit Abstand höchsten in ganz Lateinamerika. Wie die Arbeiter, die hier angestellt sind, das bezahlen sollen bei dem hiesigen Lohnniveau, das im Durchschnitt - laut Gabriel - trotzdem nur bei etwa 150$ pro Monat liegen soll, das ist mir ein großes Rätsel. Schon gegen 14:00 erreichten wir das Dorf Esterillos Oeste. Wir berieten uns am Ortseingang, ob wir weiterfahren sollten oder nicht, ich war mit der Tagesleistung von gerade mal 48km auf flacher Strecke recht unzufrieden, aber mit sicheren Wildcampingstellen und bezahlbaren Unterkünften wird es sehr sehr mau aussehen auf der vor uns liegenden Strecke, denn wir sind etwa 30km vor Jaco, einem Ort, an dem sich vor allem die US-amerikanischen Touristen ballen und der im Allgemeinen als sehr touristisch gilt. Mein alter Kumpel Martin hatte uns gewarnt, da lieber nicht hinzufahren und so entschieden wir uns, den Campingplatz hier im Dorf anzuschauen und nur im Notfall weiterzufahren. Der Campingplatz liegt direkt am Strand und ist recht günstig, also blieben wir. Ich legte meine müffelnde Wäsche mal in Carmens Reisewaschbecken ein und nutzte die Zeit, diese mal richtig durchzuwalken, ging schwimmen im wilden Pazifik und wurde von den Wellen hin- und hergeboxt, am Abend kochten wir uns wieder ein gesundes, leckeres Essen, Polenta mit Gemüse, Pesto, Würstchen und Culantro (ein Kraut, dass sehr aromatisch, ein bisschen wie Koriander, schmeckt). Außerdem setzten wir uns zum Sonnenuntergang natürlich an den Strand und pflegten ein bisschen unser Beisammensein und Wohlbefinden, das tut uns gerade wirklich ganz gut.
03:10
51.0km
16.1km/h
160m
210m
Pedalen-Paul and Carmense went for a hike.
January 30, 2026
Erstens kommt alles anders und zweitens als man plant. Und eigentlich war der Plan, heute weiterzufahren; den Plan, den nahegelegenen Nationalpark Manuel Antonio zu besuchen, hatten wir gestern Abend ad acta gelegt, aus verschiedenen Gründen. Heute morgen dann, nachdem wir 6:00 nach einer herrlich ruhigen und angenehm frischen Nacht im Zelt aus selbigem herausgeschlüpft waren, ich eine Runde im Pool geschwommen bin und Carmen parallel unser Frühstück zusammengeköchelt hatte, wir in der überdachten Terrasse beim Frühstück den unglaublich schönen Ausblick auf die nebligen Dschungelberge genossen hatten, noch eine Runde im Campingplatz-WLAN herumgesurft sind und schlussendlich die Sachen gepackt hatten und die Räder bereit zur Abfahrt standen, kamen die Besitzer des Campingplatzes, dir wir gestern Abend nicht getroffen hatten, auf die Veranda und begannen ein Gespräch mit uns. Wir hatten zunächst Angst, dass die sauer auf uns sein könnten, weil wir uns statt auf der großen Wiese eben hier auf dieser schönen, überdachten Terrasse eingenistet hatten und weil wir gestern außerdem ganz offensichtlich beim Kochen von ihnen mit der Überwachsungskamera im Restaurant des Campingplatzes gefilmt wurden und ihnen das eventuell nicht recht gewesen sein könnte. Es kam aber völlig anders: nach der Frage, ob wir Spanisch sprechen, änderte sich die anfänglich kurzzeitig frostige Stimmung sofort und ein langes Gespräch entstand: wir erzählten von unserer Reise und gewannen immer mehr die Zuwendung von Gabriel und Yamir, wie sie sich vorstellten. Die beiden waren auch schon etwas herumgekommen, zwei ihrer 6 Kinder leben und studierten in Estland und Gabriel entpuppte sich als glühender Fan von Argentinien. Wir quatschten wirklich lange, bis irgendwann das Angebot kam, dass wir eine weitere Nacht umsonst hier bleiben können, dass sie uns gern zum Essen einladen würden und vieles mehr. Uns gefiel es hier, es ist ein wunderschöner Ort, und nach einem kurzen Augenkontakt und wenigen Worten zwischen Carmi und mir war klar, dass wir das Angebot keinesfalls ausschlagen können. Schnell kam die Idee auf, dass wir nun vielleicht doch den Nationalpark besuchen könnten, der allerdings 20 relativ beschwerliche Kilometer entfernt am Rande der Kleinstadt Quepos liegt und sogleich folgte das Angebot, dass Yamir uns mit dem Auto mit nach Quepos nehmen könnte und wir ab da das kleine Stück mit dem Bus fahren; rückzu könnten wir ebenfalls den Bus nehmen und sie würden uns in Naranjito von der Bushaltestelle abholen. War nur noch die Hürde zu meistern, Tickets online zu ordern, denn es gibt keine andere Möglichkeit, in den Park hineinzukommen. Wir kämpften uns also durch die wirklich bescheiden programmierte Webseite der ticanischen Parkverwaltung und konnten am Ende nach mehreren Versuchen aber tatsächlich auch Tickets erstehen für heute. Gegen 10:00 stiegen wir in Yamirs Auto, düsten nach Quepos, Yamir warf uns da am Busdepot ab, wir hüpften noch schnell zum Bäcker und mampften etwas, denn man darf nichts Essbares mit in den Park nehmen und dann nahmen wir einen Bus und fuhren ca. 20min zum Parque Nacional Manuel Antonio, dem kleinsten, aber auch meistbesuchten Nationalpark Costa Ricas. Schon der Weg dahin war geprägt von zig Restaurants, Erlebnis- und Outdoor-Agenturen, Reisebüros, Hotels und Hostels, und die Eintrittsmodalitäten sind bisschen wie in Machu Picchu, mit einem Zeitslot für den Eintritt. Ich hatte im Netz gelesen, dass täglich bis zu 2000 Besucher den Park besuchen können, und uns schwante nichts Gutes, aus dem Grund hatten wir auch damit gehadert, den Park zu besuchen. Pünktlich zu Beginn unseres 11:00-Zeitslots enterten wir also den Park. Es war schon einiges los, verteilte sich aber ganz gut. Die meisten Touris sind auf dem Hauptweg mit Guides unterwegs, auf dem parallel verlaufenden Holzwegen war es viel lichter und auf den kleinen Nebenwegen, die vom Hauptweg als Stichstraßen abzweigten, waren wir oft ziemlich allein und überrascht von der Ruhe des Parks und auch von den wenigen Besuchern, die da größtenteils nur im Flüsterton herumschlichen. Schon früh sahen wir die ersten Affen, und es wurden wirklich viele, die wir heute in ihrem realen Lebenshabitat beobachten konnten und nicht in Gefangenschaft; mit Affenkindern auf dem Rücken und sich akrobatisch durch die Bäume schwingend, das war ganz außergewöhnlich und schon dadurch hatte sich der Besuch total gelohnt. Außerdem sahen wir einige Agutis, nagetierartige, bibergroße Waldbodenbewohner, und natürlich viele Vögel und Reptilien wie Iguanas in großer Zahl. Schlangen sahen wir aber leider keine. Ein großer Teil des Nationalparks besteht aus Primärwald, also Urwald, der schon immer dagewesen ist und nie von Menschen verändert wurde. Interessant an diesem Park ist das Spannungsfeld zwischen Pazifikküste und Primärwald, und so findet man auch tolle, traumhafte Strände, wo sich dann natürlich die meisten Touristen aufhalten. Auch wir sammelten uns da ein bisschen, Carmen hing ab, ich ging ins badenwannenwarme Wasser und schwamm eine Runde, mit Blick auf felsige Inseln und den Urwald drumherum. Wir beobachteten unzählige Krebse, die in Muschel- und Schneckengehäusen leben und die es in abertausenden und in verschiedensten Größen da am Strand gab. Zuletzt liefen wir ganz allein den Rundweg auf der schwanzflossenförmigen Halbinsel und konnten dort nochmal eine große Zahl von Weißschulter-Kapuzineraffen sehen; die Brüllaffen zeigten sich leider nicht, die konnten wir nur hören, wie immer. Ziemlich fertig liefen wir die letzten Kilometer zuerst am Strand und dann auf den Holzstegen zurück zum Ausgang, fertig vor allem deswegen, weil man nichts zu Essen und zu Trinken mit in den Park nehmen darf. Es gibt ein Restaurant, wo allerdings völlig absurde Mondpreise für alles aufgerufen werden (wie 10$ für eine Flasche Wasser), das einzige, was das Erlebnis ein bisschen getrübt hat. Wir teilten uns da ein Sandwich und holten uns Leitungswasser am Waschbecken und kamen uns ein bisschen wie Aussätzige vor zwischen all den reichlich speisenden US-amerikanischen und europäischen Touristen. Der Ausflug war trotzdem wunderschön und wir bereuten die Planänderung überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Am Ausgang des Parks warteten wir ein Weilchen auf den Bus, der uns zurück nach Quepos bringen würde; dort angekommen, kauften wir noch ein bisschen ein, um uns ein Notabendessen machen zu können, falls uns die netten Campingplatzbesitzer wider Erwarten doch nicht zum Essen einladen würden, denn auf sowas kann man sich nicht immer verlassen. Danach mussten wir am Busterminal leider noch über eine Stunde auf den Bus warten und noch eine halbe Stunde mit ebendiesem Bus zurück nach Naranjito fahren, wo uns aber dann tatsächlich Yamir mit dem Auto einsammelte und uns zurück zum Campingplatz brachte. Dort hieß es bei unser Ankunft auch gleich: in einer halben Stunde gibt es Abendessen - wie geil! Ich sprang schnell unter die Dusche und wusch dabei paar Klamotten, und dann gab es wirklich ein wahnsinnig leckeres Abendessen für uns: Chili (aber völlig anders als bei uns: Hackfleisch in einer dicken Soße), Patacon (gepresste, frittierte Kochbanane) und ein super Salat mit Kresse und Feldsalat. Dazu auch noch Light-Bier - unsere Gastgeber ließen sich nicht lumpen, ganz und gar nicht. Während des Abendessens eröffneten sie uns auch noch, dass wir in einem der recht komfortablen Bungalows schlafen können. Keine Ahnung, was die an uns gefunden hatten, aber scheinbar wollen sie, dass wir in höchsten Tönen von der Gastfreundschaft in Costa Rica berichten. Und das, obwohl sich das Land kaum retten kann vor Gringo-Touristen, die die Preise hier ohne Ende in die Höhe treiben und für Einheimische alles kaum noch bezahlbar machen. Wir wurden auch dazu eingeladen, gern noch ein paar Tage zu bleiben - Wahnsinn. Es wurde spät, viel zu spät, wir saßen lange und unterhielten uns über Politik, Reisen, Gesellschaft, unser Leben und Gabriels und Yamirs Leben, weitere Biere wurden uns hingestellt und sogar Carmen trank mit, aber irgendwann mussten wir uns zurückziehen; meine nasse Wäsche lag unaufgehangen auf dem Rad, Carmen saß nach wie vor ungeduscht neben mir, unsere Tagebücher warteten darauf, geschrieben zu werden und unsere Unterkunft wartete auch noch darauf, bezogen zu werden. Nachdem wir da eingezogen waren und während ich so meinen Bericht in den Laptop hämmerte, stellte ich fest, dass mir in diesem Raum viel zu heiß ist und ich da nicht schlafen können werde und beschloss, hinter dem Bungalow mein Zelt auf der Veranda aufzuschlagen, das kommt zu später Stunde dann auch noch auf mich zu. Ob wir morgen wirklich weiterfahren? Vielleicht bisschen später....
02:14
8.02km
3.6km/h
230m
260m
January 31, 2026
These are the encounters you never forget! Amazing! Costa Rica is truly special... I think my medical technology industry is partly to blame for the high prices. Costa Rica (San Jose) is the extended production line for many sterile, single-use medical products. That probably drives up wages and prices
Translated by Google •
7 days ago
Hey Paul, I opened Komoot again today after a long time and immediately checked out your trip report. Thanks for the great insights into your experiences! I found the part about Montezuma very refreshing; it's good to know there are other people who can't stand these kinds of artificial places. I hope
Translated by Google •
Sign up or log in to continue
Everything You Need To Get Outside
Ready-Made Inspiration
Browse personalized adventures tailored to your favorite sport
A Better Planning Tool
Build your perfect outdoor experience using the world’s best outdoor tech
More Intuitive Navigation
Turn-by-turn navigation and offline maps keep your adventure on track
A Log of Every Adventure
Save every adventure and share your experiences with your friends
Sign up or log in
Like