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Ducky went for a bike ride
August 15, 2026 at 06:34
04:22
92.3km
21.2km/h
56.1km/h
860m
990m
92 Kilometer durch das Heilbronner Land – und meine erste Begegnung mit elektrischer Unterstützung
Dieser Radtag begann eigentlich schon in der Nacht zuvor.
Gemeinsam mit meinem Bruder und meiner Schwägerin war ich im **Open-Air-Kino in Heilbronn** gewesen. Wir hatten uns *Odyssee* angesehen, und bis wir schließlich im Bett lagen, war es ungefähr **drei Uhr morgens**.
Viel Zeit zum Schlafen blieb nicht.
Gegen sechs Uhr hieß es bereits wieder aufstehen, denn um etwa **8:30 Uhr** saß ich auf meinem Titan-Bike. Mein Ziel war zunächst Wages, mit dem ich mich für die heutige Tour verabredet hatte.
Nach den Radtouren der vergangenen Tage und gerade einmal drei Stunden Schlaf waren das nicht unbedingt die Voraussetzungen, unter denen man normalerweise eine Tour von mehr als 90 Kilometern beginnen würde.
Aber ich ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass meine Beine heute unerwartete Unterstützung bekommen sollten.
## 21,9 Kilometer zum Warmwerden
Zunächst gab es allerdings keinerlei Unterstützung.
Die ersten **21,9 Kilometer** fuhr ich wie gewohnt auf meinem Titan-Bike und ausschließlich mit eigener Muskelkraft. Rund 180 Höhenmeter kamen dabei bereits zusammen.
Dann erreichte ich Wages.
Und dort änderte sich der Charakter des Tages grundlegend.
Mein Titan-Bike blieb stehen, und Wages stellte mir ein **Riese-&-Müller-Pedelec** zur Verfügung.
Es war das erste Mal, dass ich eine längere Radtour mit einem E-Bike fahren würde.
Ich stieg auf, begann zu treten – und plötzlich fühlte sich Radfahren vollkommen anders an.
Nach den Anstrengungen der vergangenen Tage und der kurzen Nacht bekam meine Muskulatur gewissermaßen Urlaub.
**Von nun an ließ ich die Beine beinahe nur noch fallen.**
Natürlich musste ich weiterhin treten. Aber sobald die Unterstützung einsetzte, schien jemand einen Teil der Schwerkraft abgeschaltet zu haben.
Und ausgerechnet heute hatte Wages etwas Besonderes mit mir vor.
## Wages zeigte mir die Berge
Wir folgten keinem bestimmten Radweg.
Wages kannte die Gegend und fuhr weitgehend **aus seiner Erinnerung**. Vor allem wollte er mir die Berge und die hügelige Landschaft seiner Heimat zeigen.
Und davon gab es reichlich.
Rückblickend war es vielleicht ganz gut, dass er mir dafür ausgerechnet an diesem Tag ein Pedelec gegeben hatte.
Der GPX-Track zeigte später, dass allein auf dem gemeinsamen Abschnitt rund **600 Höhenmeter** zusammenkamen.
Doch diesmal hatten diese Anstiege ihren Schrecken verloren.
Mit meinem Titan-Bike bedeutete ein Berg normalerweise: Gang herunterschalten, Rhythmus finden und jeden Höhenmeter mit den eigenen Beinen bezahlen.
Jetzt fuhr ich hinauf und konnte mich viel stärker auf meine Umgebung konzentrieren.
Das war eine völlig neue Erfahrung.
## Der Scheuerberg und die Weinlandschaft
Bei ungefähr **Kilometer 26** öffnete sich unser Blick zum **Scheuerberg**, dem Hausberg von Neckarsulm.
Der rund 310 Meter hohe Berg ist eng mit dem Weinbau verbunden. Auf seinem Gipfel befand sich einst sogar eine Burg. Die Burg Scheuerberg wurde 1525 im Bauernkrieg zerstört; später verwendete man Teile der Ruine unter anderem für Weinbergmauern.
Heute prägen vor allem Reben und die Aussicht über das Neckartal den Berg.
Für uns ging es weiter.
Bergauf.
Bergab.
Und wieder bergauf.
Wages führte mich mitten durch die **Weinhänge**. Die Reben folgten den Hängen und machten gleichzeitig sichtbar, wie stark diese Landschaft vom Relief geprägt war.
Normalerweise hätte ich spätestens jetzt ziemlich genau gewusst, was meine Oberschenkel von der Sache hielten.
Heute blieben sie erstaunlich ruhig.
Das Riese & Müller und ich verstanden uns zunehmend besser.
## Von Weinbergen in den Kalten Krieg
Bei ungefähr **Kilometer 39,9** erreichten wir einen Ort, dessen heutige Friedlichkeit kaum erahnen ließ, welche Bedeutung er noch vor wenigen Jahrzehnten gehabt hatte:
die **Waldheide bei Heilbronn**.
Heute erstrecken sich hier Wiesen, Wege und Natur.
Doch während des Kalten Krieges befand sich auf diesem Gelände ein amerikanischer Raketenstützpunkt.
Die US-Streitkräfte nannten ihn **„Fort Redleg“**. Seit Ende der 1970er-Jahre waren auf der Waldheide atomar bestückbare Pershing-Raketen stationiert; ab 1984 gehörte auch die **Pershing II** dazu. Die Entscheidung war Teil der damaligen NATO-Nachrüstung.
Wir standen damit an einem Ort, der einst Teil der atomaren Konfrontation zwischen Ost und West gewesen war.
Besonders bedrückend war die Geschichte vom **11. Januar 1985**.
An diesem Tag geriet bei einer Übung die erste Stufe einer Pershing-II-Rakete in Brand. Drei amerikanische Soldaten kamen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt.
Nach dem INF-Abrüstungsvertrag verschwanden die Raketen schließlich. Das Gelände wurde später renaturiert und der Bevölkerung wieder zugänglich gemacht.
Ich betrachtete die Landschaft.
Heute war hier kaum noch etwas von jener militärischen Bedrohung zu spüren.
Gerade dieser Gegensatz machte den Ort so eindrucksvoll:
**Wo früher Atomraketen standen, fuhren wir heute mit unseren Fahrrädern durch eine friedliche Landschaft.**
## Plötzlich lagen Eier im Wald
Nur wenige Kilometer später nahm unsere Tour eine vollkommen andere Wendung.
Nach Atomraketen erwartete ich vieles.
Aber keine **Eier**.
Mitten im Heilbronner Wald tauchte plötzlich ein riesiges Gebilde aus Ästen auf.
Es hatte eindeutig die Form eines Eies.
Wir hielten an.
Kurz darauf entdeckte ich noch ein weiteres – diesmal aus Stein aufgebaut.
Was zunächst wie eine ziemlich skurrile Laune irgendeines Waldbesuchers wirkte, entpuppte sich als **Land-Art**.
Die ungewöhnlichen Kunstwerke stammen von **Klaus Waldbüßer**, der im Heilbronner Wald mit Materialien arbeitet, die er unmittelbar in der Natur findet: Äste, Holz und Steine.
Dabei entstehen Kunstwerke, die sich nicht gegen den Wald stellen, sondern beinahe aus ihm herauszuwachsen scheinen.
Das große Holzei bestand aus unzähligen ineinandergeschichteten Ästen. Das andere Werk war Stein für Stein aufgebaut worden.
Gerade weil kein Museum, kein Sockel und keine Absperrung darum herum standen, wirkten diese Gebilde so ungewöhnlich.
Man fuhr durch einen Wald – und plötzlich lag dort ein riesiges Ei.
**Atomraketen und Waldeier innerhalb weniger Kilometer.**
Langsam begann ich zu verstehen, dass dies keine gewöhnliche Radtour werden würde.
## Kaffee und Kuchen
Bei ungefähr **Kilometer 53** erreichten wir das **Hofcafé Fuchs**.
Nach Waldheide, Bergen und den merkwürdigen Eiern kam eine Pause genau richtig.
Wir stellten die Fahrräder ab und widmeten uns einer Disziplin, für die elektrische Unterstützung vollkommen überflüssig war:
**Kaffee und Kuchen.**
Die Beine hatten ohnehin einen ungewöhnlich entspannten Tag.
Und nach der kurzen Nacht fühlte sich eine Pause inzwischen mindestens genauso gut an wie der Motor meines Pedelecs.
Danach ging es weiter.
## Die wichtigsten Mitarbeiter des Bauernhofes
Bei ungefähr **Kilometer 64** wartete die nächste kulinarische Überraschung:
**Eis aus Schafsmilch.**
Schon das allein war für mich ungewöhnlich genug.
Doch mindestens ebenso bemerkenswert waren die eigentlichen Produzenten.
Oder besser gesagt:
die **„wichtigsten Mitarbeiter“** des Hofes.
Denn der Bauer hatte seinen Schafen ausgesprochen originelle Namen gegeben.
Da gab es beispielsweise das **Määähschaf**, das **Lachschaf**, das **Mamaschaf**, das **Schneeschaf**, das **Rennschaf**, das **Chefschaf**, das **Kauschaf**, das **Kuschellamm**, das **Träumerlamm**, das **Verstecklamm** und das **Schreischaf**.
Und dann entdeckte ich einen Namen, der nach unserem Besuch auf der Waldheide kaum besser hätte passen können:
**Raketenlamm.**
Wir hatten heute also erst die Geschichte der Pershing-Raketen kennengelernt und standen wenige Stunden später vor einem Raketenlamm.
Manche Zusammenhänge konnte man nicht planen.
Das Schafmilcheis schmeckte jedenfalls hervorragend – und die Namen der tierischen Belegschaft sorgten zusätzlich für gute Laune.
## Eine Brücke wie aus einer anderen Zeit
Danach wurde die Strecke zunehmend entspannter.
Bei ungefähr **Kilometer 72** stießen wir auf eine **gedeckte Holzbrücke über die Brettach**.
Nach Weinbergen, militärischer Vergangenheit, Waldkunst und Schafmilcheis war sie ein angenehm stiller Kontrast.
Die Holzkonstruktion spannte sich geschützt unter ihrem Dach über das Wasser und erinnerte beinahe an eine Brücke aus einer anderen Zeit.
Hier waren wir im Bereich des **Brettachtal-Radwegs** unterwegs.
Doch auch das war eher Zufall als Planung.
Unsere Tour war keine Kombination vorgegebener Radwege. Wages fuhr aus seiner Ortskenntnis heraus und verband Straßen und Wege so miteinander, wie er sie kannte.
Er wollte mir **seine Berge und seine Landschaft** zeigen.
Und genau das hatte er getan.
## Fast 63 Kilometer mit Rückenwind aus der Steckdose
Schließlich führte uns unsere Runde zurück zu Wages.
Der GPX-Track bestätigte später ziemlich genau, wie groß mein E-Bike-Experiment tatsächlich gewesen war:
**62,8 Kilometer** war ich mit dem Riese & Müller gefahren.
Dabei hatten wir ungefähr **600 Höhenmeter** bewältigt.
Für meine erste längere Fahrt mit einem Pedelec hätte ich mir also durchaus eine einfachere Strecke aussuchen können.
Aber gerade deshalb war die Erfahrung interessant.
Ich hatte erlebt, dass elektrische Unterstützung Berge nicht verschwinden ließ.
Sie veränderte vielmehr, **wie ich sie wahrnahm**.
Ich sah die Landschaft stärker.
Ich konnte mich auf die Weinberge und Aussichten konzentrieren.
Und wenn die Straße wieder nach oben zeigte, dachte ich nicht automatisch daran, wie lange dieser Anstieg wohl dauern würde.
Dann erreichten wir wieder Wages.
Zeit für den Fahrradtausch.
Riese & Müller zurück.
Und mein vertrautes **Titan-Bike** wieder unter den Hintern.
## Warum fühlt sich mein Fahrrad plötzlich wie ein Stein an?
Ich setzte mich auf mein Titan-Bike.
Eigentlich kannte ich diesen Sattel.
Ich war damit Tausende Kilometer gefahren.
Doch die ersten Meter fühlten sich plötzlich an, **als säße ich auf einem Stein**.
Und meine Beine?
Die schienen zunächst überhaupt nicht zu verstehen, was ich von ihnen wollte.
Mehr als 60 Kilometer lang hatte der Elektromotor einen Teil der Arbeit übernommen.
Jetzt trat ich in die Pedale – und nichts half mehr.
Kein Motor.
Keine Unterstützung.
Nur ich.
Meine Muskeln mussten sich offenbar erst wieder daran erinnern, **was es bedeutete, benutzt zu werden**.
Die ersten Meter waren tatsächlich gewöhnungsbedürftig.
Doch allmählich kehrte das vertraute Gefühl zurück.
Zum Glück hatte die Strecke ein wenig Nachsicht mit mir. Auf den letzten gut sieben Kilometern bis Bad Friedrichshall ging es überwiegend bergab. Nur noch rund 25 Höhenmeter warteten auf mich.
Ein vergleichsweise sanfter Wiedereinstieg in die Welt der reinen Muskelkraft.
## 92 Kilometer und eine völlig neue Erfahrung
Schließlich erreichte ich **Bad Friedrichshall**.
Hier war endgültig Schluss mit Fahrradfahren.
Ich stieg in den Zug Richtung Bad Rappenau und konnte auf einen ziemlich ungewöhnlichen Tag zurückblicken.
Am Morgen war ich nach gerade einmal drei Stunden Schlaf mit meinem Titan-Bike gestartet.
Nach **21,9 Kilometern** hatte ich Wages erreicht.
Dann war ich zum ersten Mal auf einer längeren Tour auf ein Pedelec umgestiegen.
Wages hatte mir seine Berge gezeigt.
Wir waren durch Weinberge gefahren und hatten zum Scheuerberg geblickt.
Wir hatten auf der Waldheide an einem Ort gestanden, an dem sich vor wenigen Jahrzehnten ein Teil des Kalten Krieges abgespielt hatte.
Mitten im Wald waren plötzlich riesige Eier aufgetaucht.
Wir hatten Kaffee und Kuchen gegessen.
Schafmilcheis probiert.
Ein Raketenlamm kennengelernt.
Und eine gedeckte Holzbrücke überquert.
Nach fast **63 Kilometern mit elektrischer Unterstützung** hatte ich schließlich mein Titan-Bike zurückbekommen – und feststellen müssen, dass sich mein vertrautes Fahrrad plötzlich vollkommen fremd anfühlte.
Am Ende standen rund **92 Kilometer und etwa 800 Höhenmeter** im GPX-Track.
Doch diesmal waren mir die Zahlen fast nebensächlich.
Denn ich hatte an diesem Tag etwas ausprobiert, was für mich neu gewesen war.
**Meine erste richtige Tour mit einem E-Bike.**
Sie würde mein Titan-Bike nicht ersetzen.
Aber ich verstand jetzt, warum Menschen diese Fahrräder liebten.
Ein Pedelec nahm einem nicht die Landschaft ab.
Es nahm einem nur einen Teil der Arbeit ab, sie zu erreichen.
Und wenn Wages mir irgendwann wieder ankündigen sollte, er wolle mir „ein paar Berge zeigen“, wusste ich jetzt zumindest, welches Fahrrad ich mir vorher von ihm ausleihen würde. 😉
Waypoints
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Elevation
Highest point (390 m)
Lowest point (190 m)
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