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Jour 1159: de La Salina à Mont Saint-Michel

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Jour 1159: de La Salina à Mont Saint-Michel

went for a bike ride

August 14, 2026 at 02:33

Jour 1159: de La Salina à Mont Saint-Michel

03:56

50.5km

12.9km/h

25.2km/h

190m

190m

Garmin Edge 1040

Meine wenig prätentiöse Wildcampingstelle erwies sich als gute Wahl, der Wind rauschte herrlich in den Zitterpappeln, und das war es dann auch schon. Es war einfach wunderbar ruhig und ich schlief so gut wie schon lange nicht mehr - bis 4:00 der Wecker klingelte. Wie blöd, da hat man schon mal seine Ruhe und schläft endlich mal gut, und dann muss/will/soll man 4:00 aufstehen. Ich überlegte noch 5min im Halbschlaf, ob ich das wirklich will, aber dann raffte ich mich tatsächlich auf, packte mein Zelt klamm zusammen (und in diesem Moment, wo ich dies schreibe, fällt mir ein, dass ich es noch trocknen muss, bevor es dunkel wird, das habe ich im Laufe des Tages vergessen) und machte mich im Stockdunkeln auf den Weg nach Mont Saint-Michel. Ich hatte mir ja zum Glück letztens in einem "Super-U" eine USB-Frontlampe gekauft, die kam mir heute sehr zupass. Trotzdem fuhr ich langsam auf den staubigen Schotterwegen, die mich weiter durch den Polder führten, zum Grenzfluss zwischen der Bretagne und der Normandie, dem Le Couesnon. Diesen überquerte ich und fuhr nun nördlich, am Fluss entlang genau auf das berühmte Felseninselkloster zu, eine der bedeutensten Sehenswürdigkeiten Frankreich, UNESCO-Weltkulturerbe. Theo, mein Warmshowers-Kontakt in Questembert, hatte mir empfohlen, mir das lieber ganz zeitig am Morgen anzusehen, bevor die Touristenmassen aus den Bussen geschüttet werden und genau dies tat ich nun. Kurz nach 5:00, nachdem ich die lange Brücke überquert hatte, erreichte ich den Fuß des Inselklosters. Einige LKW standen in der Dunkelheit, Lebensmittel wurden abgeladen und von Gabelstaplern in das am Fuße der Abtei liegende Dorf gekarrt. Es leben nur 23 Menschen auf der Insel, der Rest sind Restaurants und Hotels, die sich alle in den historischen Kulissen des Klosters eingenistet haben und durch die sich dann tagsüber die Touristenmassen durchfressen. Bis zu 3 Millionen Menschen besuchen das kleine Dorf jedes Jahr. Heute morgen musste ich mir die enge Hauptstraße nur mit den Gabelstaplern teilen, die emsig hin- und herfuhren und die Restaurants und Kneipen belieferten. Wenig Romantik und mystische Stimmung kam dabei auf, aber immer noch besser als tausende Touristen. Bis zum Sonnenaufgang hatte ich noch viel Zeit, also erkundete ich im Dunkeln das Dorf um die Abtei herum, die majestätisch auf der Spitze der Felseninsel thront. Die Architektur im normannischen Gothik-Stil ist episch und erdrückend, irgendwie finster und schwer, aber auch sehr schön und einzigartig. Im Klostergarten, am Fuße der Abtei, frühstückte ich meine mitgebrachten Brote und begab mich, als es langsam hell wurde, zum Aussichtspunkt Richtung Sonnenaufgang. Kurz vor 7:00 sollte der sein, aber er fiel heute leider aus, graue, dichte Wolken verdeckten den Horizont und verschmolzen mit dem grau-braunen Schlick der riesigen Wattebene um die Insel, die im Laufe der Zeit ihren Inselcharakter verloren hat, weil sich in der Bucht sehr viel Sand angesammelt hat. Das Kloster hat eine sehr wechselvolle Geschichte von über 1000 Jahren hinter sich, welches vom europaweit bekannten Pilgerort, Rückzugsort der Bretonischen Fürsten, später der Normannischen Herzöge, aus Schutz vor den Wikingerhorden, später zu einem gefürchteten Gefängnis wurde und später in Vergessenheit geriet - das kann man sich heute kaum noch vorstellen. Erst in den 60-70er Jahren des 19.Jh. wurde es von den Franzosen wiederentdeckt und gilt heute als eines der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes.
Tatsächlich war es ein kleines Privileg, dieses ohne Touristenhorden in aller Herrgottsführe besichtigen zu können, auch wenn die Gabelstapler die Ruhe und Atmosphäre des Ortes trübten. Das frühe Aufstehen hat sich durchaus gelohnt, fand ich, auch ohne Sonnenaufgang. Leider konnte ich die berühmte Abtei der Insel nicht besichtigen, denn die öffnete erst 9:00, und ab 10:00 ist das Befahren der Brücke mit dem Rad verboten, das war mir zu knapp. Ich erkundete noch ein wenig die alte Stadtmauer und verließ das Kloster wieder, schnappte mir mein Rad und fuhr wieder über die lange Brücke auf's Festland.

Ich war mir sehr unschlüssig, was ich nun tun sollte und überlegte lange hin und her, setzte mich ein Weilchen an einen Aussichtspunkt und schaute mir das Felsenkloster von weitem an. Ich spielte mit dem Gedanken, meine geplante Strecke von morgen einfach noch hinten dran zu hängen, zeitlich wäre das kein Problem gewesen, es war noch nicht mal 9:00. Aber irgendwie hatte ich keine Lust. Morgen wäre ich bestimmt völlig durch gewesen, hätte ich das heute noch durchgezogen. Ich entschied mich also, den Tag irgendwie anders rumzubekommen und es bei dem Plan zu belassen, später zu meiner schon anvisierten Wildcampingstelle nur 10km weiter zu fahren. Als erstes ging ich mal einkaufen und fuhr dazu ein ganzes Stück südlich. Dann erledigte ich endlich mal etwas, was ich schon seit 2-3 Wochen machen wollte: mir neue Kopfhörer und neue USB-Kabel besorgen, allesamt haben Wackelkontakte. Während der Einkäufe nutzte ich die Gelegenheit und schmiss meine stinkenden, schwitzigen Klamotten in einen Waschautomaten am Supermarktparkplatz - mal wieder sehr effizient gehandhabt, das alles. Danach fuhr ich noch ein Stück zu einem McDonald's, um, wie schon gewohnt, die Steckdosen da zu nutzen und mein ganzes Elektronik-Geraffel durchzuladen und im WLAN zu surfen und ganz nebenbei bisschen mieses Fastfood in mich reinzustopfen. Mein Plan, alles zu laden, ging nicht auf, irgendwann war der Laden so gerammelt voll, dass ich dem Andrang weichen und Platz machen musste.
In der Zwischenzeit hatte ich mich entschieden, dass ich die Abtei auf Mont Saint-Michel doch noch besichtigen möchte und fuhr die ganze Strecke wieder nach Norden, zum Tourismusbüro, um mir dort ein Ticket zu kaufen und vor allem, um mein Gepäck in verschlossenen Fächern zu lagern und mein Rad abzustellen.
Mit einem Shuttlebus fuhr ich inmitten der ganzen Touristenhorde zurück zur Klosterinsel, drängte mich durch die Massen, wusste ja schon, wo ich lang muss, und betrat die Abtei am Gipfel des Felsens. Dort war es dann gar nicht mehr so voll, wie ich befürchtet hatte; die Hauptstraße allerdings durch das Dorf war wirklich fürchterlich, ein übelster Massenauflauf und ein irres Gedränge, da waren mir die Gabelstapler am Morgen lieber gewesen. Etwa eine Stunde schlenderte ich durch die alte Abtei, durch die hohen Räume und verschlungenen Gänge, die engen Gassen dazwischen und die Klostergärten. Schon ein wirklich sehenswerter, einzigartiger Ort, das muss man schon sagen, auch der zweite Ausflug hat sich durchaus gelohnt, wenngleich das Vergnügen in der Nebensaison garantiert viel schöner ist. Im Herbst stelle ich es mir hier wirklich absolut magisch vor, irgendwie passt der Herbst zu der schweren, melancholischen Stimmung der düsteren, fast erdrückenden Gemäuer.

Mit dem Shuttlebus ging es wieder zurück zum Tourismusbüro, ich holte mein Gepäck ab, bastelte alles wieder ans Rad und fuhr meine restlichen 10km ab zu einem Picknickplatz am Wasser, welcher nur für Fußgänger und Radfahrer erreichbar war.
Naja, es ist eine Menge los am Wasser, vor allem Abends kamen nochmal massenweise Menschen, einerseits, um den Sonnenuntergang mit Blick auf Mont Saint-Michel anzusehen, andererseits, um die Flut zu beobachten, bei der das Wasser auf ganz unglaubliche Art und Weise, fast wie ein Fluss, in die Bucht geschossen kommt. Es ist schon eine tolle Szenerie, und wenngleich ich gerne lieber meine Ruhe hätte und endlich mal mein Zelt aufbauen möchte, kann ich natürlich die Menschen auch verstehen. Trotzdem hoffe ich, dass die dann endlich mal alle bald abhauen, ich will schlafen! Zwischenzeitlich schaffte ich es aber trotzdem noch, mir eine meiner berühmten Flaschenduschen zu geben, auch das wird immer mehr zur Gewohnheit, als das mir das lieb ist.

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