
Have your own adventure with the #1 outdoor app today.
Pelle Nörmann went mountain biking
July 21, 2026 at 05:24
11:17
136km
12.1km/h
56.8km/h
3,690m
3,690m
Der Wecker stand auf 5.00 Uhr. Losgefahren bin ich um zwanzig nach Sieben. Nicht zu sehr gehetzt, könnte man im ersten Moment denken, wohl ein bissl verschlafen im Zweiten. Verschlafen finde ich etwas hart in der Formulierung, aber ja, es trifft die Sache exakt im Kern.
Alles nicht so schlimm, die Zeit fahre ich locker wieder rein, ich mit meiner jugendhaften Kondition und den Baumstamm dicken Beinen. Wunsch und Wirklichkeit standen sich dann doch eher diametral gegenüber.
Bin ich jemals so sehr eingebrochen wie heute? Lass mich 5 bis 8 Sekunden überlegen? Nein, einfach klar und deutlich, nein.
Dabei fing es doch so gut an. Langsam, ja beinahe bedächtig habe ich die ersten Rampen weg genascht. Nichts hat auf das Drama hingedeutet, das heute zu einem nachhaltigen Teil meiner Lebensgeschichte werden sollte.
Es gab ausreichend zu essen, das war jedenfalls meine Wahrnehmung, und es gab zu trinken, genauso viel oder wenig, wie immer. Also alles gut und der Bezwingung des Mittelgebirgswächters stand nichts im Wege.
Doch dann, nach der fünften Spitze des Höhendiagramms, sprach das Schicksal zu mir und teilte mir mit, das es nun an der Zeit wäre, mir ein Drama zu präsentieren. Ohne Begründung übrigens, nein einfach nur mal so.
Ich habe bemerkt wie mir die Kraft förmlich aus dem Körper geflossen ist, so als wenn man den Stöpsel aus der Badewanne zieht. Da hilft nur, schnell Wasser nachfüllen, könnte man meinen. Aber das nützt natürlich nichts, wenn der Stöpsel nicht mehr da ist. Alles Wasser nachlaufen lassen kann nur zum Scheitern verurteilt sein. Es nützt auch nichts, den Abfluss mit den Händen zuhalten zu wollen. Wenn das Wasser raus ist, ist es raus.
Dabei war mir klar, das ich erst an der kleinen Vorrampe, zur eigentlichen Brockenrampe war.
Mein unumgänglicher Pausenstopp war unweit der Plessenburg wo zu meinem Erstaunen auch eine Bushaltestell war. Es war jedoch nicht nur so, das ich eine tiefe Kraftlosigkeit in mir spürte und auch real fühlte, sondern beides war verbunden mit einer heftigen Müdigkeit. Eine solche Müdigkeit habe ich bei einer sportlichen Aktivität noch nie erlebt. Mich wach zu halten hat mich so viel Mühe gekostet, das mir meine Schwäche nur als Randerscheinung in das Bewusstsein kam. Ich habe gemerkt, das meine Wahrnehmung verlangsamt war, und das ich dem Treiben um mich herum aktiv konzentriert folgen musste um es ansatzweise zu verstehen. Und all das begleitet von diesem überwältigenden Gefühl der Müdigkeit und dem unbändigen Bedürfniss einfach nur schlafen zu wollen.
Mir war unwohl, ohne das ich jedoch das Gefühl hatte, brechen zu müssen. Ein seltsamer Zustand von Benommenheit. Und doch war es ein Gefühl, das im nach hinein betrachtet, ein klares Warnsignal von mir, an mich selber war. In dem Moment jedoch war ich nicht im Stande, es so zu interpretieren, wie ich es hätte müssen.
Ich weiß nicht, wieviel Zeit vergangen war, als ich mich entschieden hatte, weiter zu fahren. Langsam und konzentriert, hatte ich zu mir gesagt, dazu hatte es noch gereicht. Aber ich werde niemals da oben ankommen, auch das hatte ich mir gesagt, und trotzdem habe ich auf die Pedale getreten, Kurbelumdrehung für Kurbelumdrehung.
Warum tut man Dinge, die abseits von Logik und Rationaliät sind? Warum macht man Sachen, über die man im Nachhinein selber nur den Kopf schütten kann?
Jeder kennt solche Situationen, jeder weiß genau, was ich meine, und doch kennt niemand die Antwort.
Der Weg bis zur Brockenstraße hoch, war eine der größten Quälereien und Qualen, die ich bisher erlebt habe. Minimales Tempo erschwert an steilen Rampen das Fahren ungemein, da man ständig nur am Aussteuern ist. Der Lenker schleudert permanent vor einem umher. Bloß nicht stehen bleiben, der Start auf steilen Forstwegen mit losen Schotter ist immer heikel und kraftraubend. Irgendwie den Tritt halten, irgendwie.
Natürlich muss genau heute auf dieser Rampe ein Transporter neben mich gefahren kommen, um mich zu bitten, kurz abzusteigen, da gleich ein LKW mit Baumaschinen angefahren kommen wird. Es dauert eine Vielzahl an Sekunden, bis ich alle Informationen und notwendigen Handlungsschritte verstanden und sortiert habe.
Ich nutze die Zwangspause um zu schauen, wie weit die geteerte Brockenstraße noch entfernt ist. 2,3 Kilometer. Ich stelle fest, das ich nicht so recht einsortieren kann, ob das nun noch weit ist, oder aber ob ich fast schon da bin. Ich nasche noch ein paar Himbeeren, wahrscheinlich nur, um mich einige Sekunden von der Wirklichkeit abzulenken. Irgendwie habe ich es geschafft, meine Fahrt wieder fort zu setzten um Schlussendlich an der so sehr ersehnten Brockenstraße anzukommen.
Ich sehe etwas abseits ein Baumstumpf mit Gras davor. Kurze Zeit später sehe ich mich mehr liegend als sitzend an dem Baumstamm kauern. Ich schließe meine Augen und merke Augenblicklich, das ich noch immer diese unerträgliche Müdigkeit im Leib habe. Ich texte nach Hause, teile mit, das ich abbrechen muss. Nach kurzer Zeit teilt mir mein Mobilphone mit, das es eine Nachricht gibt. Ich habe das Gefühl, aus dem Tiefschlaf gerissen worden zu sein. Ich konnte noch immer nicht verstehen, was mit mir los war. Tausend und doch kein Gedanke waberten durch meinen Kopf. Es waren mehr Gedankensplitter, als echte Gedankengänge.
Brockenstraße, verboten für private PKW! Wie komme ich hier runter? Wo lasse ich mich abholen? Ich muss doch noch auf den Brocken Gipfel! Ich will nach Hause.
Auf jeden Fall erstmal wieder essen. Schokoriegel, Waffeln und ein halbes Brötchen war auch noch da. Trinken nicht vergessen. Du MUSST trinken hatte ich mich ermahnt.
Die Brockenstraße hoch wurde es angenehmer, da kein Schotter mehr unter den Reifen war. Und doch war es mehr ein hoch eiern als ein hoch fahren. Die absteigenden Wanderer kamen nun noch erschwerend als wandelnde Hürden dazu.
Kurz vor der Knochenbrecherkurve, bei den Bahnschienen der Brockenbahn, hatte ich mich nochmals kurz hin gesetzt, um zu überlegen, von wo ich mich am Besten abholen lasse. Die Bundesstraße nach Bad Harzburg runter? Nein, auf gar keinen Fall, schreit es immer wieder tief aus meinem Hirn heraus. Ok, aber wo dann?
Vielleicht doch die Straße? Ich komme gegen mein selbst erteiltes Veto nicht an. Zum Glück!
Und ob man es glauben mag oder nicht, überlege ich allen ernste, mich doch noch zum Gipfel hoch zu quälen. Schliesslich wollte ich auf den Brocken und der war ja zum Greifen nah. Wieder ruft es aus den Tiefen meines Hirns, diesmal jedoch ist es die Frage, ob ich wohl noch ganz Reisefertig wäre. Ja Ok, es scheint, als sollte ich es lassen.
Es folgt eine, für meine Verhältnisse langsame Abfahrt über den Goetheweg bis nach Torfhaus.
Die Müdigkeit hat nachgelassen, merke ich plötzlich. Das ist gut. Auch mein denken wird zunehmend besser und ich beginne wieder klare Gedanken zu fassen.
Ich habe es nach Altenau geschafft und spendiere mir dort ein Eis. Das scheint Wunderkräfte gehabt zu haben. Es wirkt wie eine Spritze beim Arzt und es geht mir spürbar besser. Es ist keine Freude die mich überkommt, es ist tatsächlich eine Erleichterung. Der ursprünglich geplante Weg wird jetzt natürlich völlig über den Haufen geschmissen. Irgendwie muss ich nun noch, ohne unnötige Höhenmeter, bis nach Wildemann kommen, von da geht es auf der ehemaligen Bahntrasse auf geteertem Weg bis nach Langelsheim. Wenn ich Wildemann schaffe, denke ich mir selber Mut zu redend, dann schaffe ich es auch bis nach Hause. Ich habe es nach Wildemann geschafft! Und von da lief es sogar erstaunlich gut. Ich war erstaunt und begeistert von dem Tempo das ich fahren konnte.
Am nächsten Tag war ich intensiv mit der Analyse der Tour beschäftigt. Ich war doch sehr verunsichert von den Geschehnissen dieser Tour als mir plötzlich etwas einfiel. Eine Kleinigkeit an Vorfall nur, ach was rede ich, es war nicht mal ein wirklicher Vorfall, es war eine Nebensächlichkeit. Bei der Abfahrt, nach der das Drama seinen Lauf nahm, hatte ich einen Fingerhut in mein Gesicht bekommen. Es war an einer flotten Passage und das hochgiftige Gewächs traf mich im Bereich von Wange und Kinn. Möglicher Weise oder besser gesagt eher wahrscheinlich, auch etwas im Mundwinkel. In dem Momente hatte ich noch gedacht, das da ja jetzt nichts passiert sein konnte. So giftig wird das Ding schon nicht sein, war mein Gedanke.
Es folgte umgehend die Recherche über den Fingerhut. Und siehe da, einige der Vergiftungserscheinungen passen ausgesprochen zutreffend.
Unter Anderem Müdigkeit und Herzfrequenzabfall.
Ich hatte mich nämlich auch darüber gewundert, das ich mein Herz nicht wirklich gespürt hatte. Trotz des steilen Anstiegs hatte ich das Gefühl, als ob mein Herz viel zu langsam, ganz ruhig und entspannt schlagen würde. Diese Tatsache hatte mich so sehr verwirrt, das ich nicht mal wirklich beängstig darüber sein konnte.
Im Nachhinein scheint es mir fast eine Unmöglichkeit zu sein, dass die Streicheleinheit dieser Pflanze am Ende solche Auswirkungen haben soll. Kann das wirklich sein?
Der Mann mit dem Hammer hat mir schon ein paar mal welche verpasst, aber das Gefühl ist ein anderes. Das war es definitiv nicht.
Sei es, wie es ist, Pelle Nörmann lebt!
Und streicheln lasse ich mich in Zukunft nur noch von der Familie.
👋
Waypoints
Route Details
Elevation
Highest point (1,030 m)
Lowest point (210 m)
Sign up to see more specific route details
Sign up for free
Comments
Want to know more?
Sign up for a free komoot account to join the conversation.
Sign up for free