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Rudi πΊπ¦ went cycling
July 3, 2026
10:26
215km
20.6km/h
72.4km/h
2,350m
2,290m
Es gibt so jΓ€hrliche Einladungen, da muss man jedesmal die Namen der anderen GΓ€ste neu erfragen, auch wenn man schon ewig hinfΓ€hrt.
So ist es auch beim Geburtstagsbrunch der Freundin, mit der Doris vor 37 Jahren in Australien und Neuseeland unterwegs war, zu der Zeit, als ich beide ebendort kennenlernte (das ist eine andere Geschichte).
Ich habe die An- und/oder Abreise bisher schon ΓΆfter mit dem Rad gemacht, auch mit Doris zusammen, aber heuer mΓΆchte ich noch ein paar mehr Kilometer zum Stadtradeln beitragen.
Also wilde Planung, wie holt man fΓΌr die Anreise die maximalen Kilometer raus? Am Ende, auch durch BernyM inspiriert, steht auch das Sudelfeld auf dem Plan, zusammen mit dem Spitzingsattel. 2.350 HΓΆhenmeter auf 215 km, das werde ich natΓΌrlich bΓΌΓen, ich bin ja keine Bergziege.
Freitag Abend geht es los, direkt nach der Arbeit. Gepackt habe ich tagsΓΌber, ein bisschen chaotisch, aber viel habe ich eh nicht mit. Hoffentlich alles?
Die vertrauten Heimstrecken bin ich auch schon lange nicht gefahren, bei schΓΆnstem Wetter mache ich Revierkontrolle. Bis Brannenburg lΓ€uft es super, trotz GepΓ€ck und TrainingsrΓΌckstand. In Kolbermoor lasse ich in meinen Sandalen noch ein Gruppe schicker Rennradler an der Ampel stehen, das beflΓΌgelt.
Aber der Anstieg zum Sudelfeld rauf ist dann wie immer eine echte Herausforderung, vor allem das StΓΌck vor dem Tunnel. Im Tunnel bin ich zum GlΓΌck alleine; es ist schon halb 9, immer noch rasen Cabrios rauf und runter, und vereinzelt auch MotorrΓ€der. Die Luft stinkt nach verbranntem Benzin.
War da nicht was mit Fahrverbot bis 21 Uhr in einer Richtung? Scheint man auch ignorieren zu kΓΆnnen.
Die gesperrte Rosengasse mit der Kletteraktion ΓΌber die Absperrung lasse ich aus ZeitgrΓΌnden dann doch, trotzdem bin ich nach den letzten Sonnenstrahlen oben am Sudelfeld. Die Wasserflaschen saufe ich schnell leer, dann mache ich mich an die schΓΆne Abfahrt. Bayrischzell lasse ich links liegen, weil ich die Geschwindigkeit fΓΌr die Ortsquerung nicht verringern will, und erst danach fΓ€llt mir ein, dass was zu Essen noch schΓΆn wΓ€re. Es ist nach halb 10, und ich habe nur Erdnussriegel und Traubenzucker mit.
Beim Anfang der SpitzingstraΓe lockt das Schild zur Taverna Buon Gusto am Tennisplatz von Neuhaus, aber die sind gerade dabei, zusammenzurΓ€umen. Ein alkoholfreies WeiΓbier muss reichen, dann gehts weiter.
Die SpitzingstraΓe bin ich schon lange nicht mehr hochgefahren, jetzt verstehe ich, warum man runter zu so sauschnell wird: Die ist sehr gerade, und sehr steil. So langsam ist das Bier verbrannt, aber einen Riegel gΓΆnne ich mir erst oben. Dumm: Ich habe beim Italiener das Wasser nicht aufgefΓΌllt, zum GlΓΌck ist die Rezeptionistin im Arabella Alpenhotel am Spitzingsee so nett, mich die Flaschen auffΓΌllen zu lassen. Ich bin eine merkwΓΌrdige Erscheinung, wie ich in Sandalen mit den Flaschen in der Hand durch die gut gefΓΌllte Lobby in Richtung Herrentoilette stakse.
Nach kurzer Zeit taucht die tolle Albert-Link-HΓΌtte rechts vom Weg auf, da ist sogar noch Licht, aber da noch Essen zu bekommen kann ich vergessen. Ich mache inzwischen den dritten Riegel auf, acht habe ich mit.
Mir kommt kurz vor der Valepp ein Motorrad entgegen, das ist alles an Verkehr. Auf der StraΓe vereinzelt KrΓΆten, leider die meisten ΓΌberfahren. Slalom fahre ich trotzdem.
Es wird kalt, viel kΓ€lter als erwartet. Die besockten Zehen in den Sandalen beiΓen, und auch Beinlinge wΓ€ren gut gewesen. Nichts dabei!
Zum GlΓΌck wΓ€rmt der Anstieg, aber je hΓΆher desto kΓ€lter.
Nach der Abfahrt geht's aber wieder, und das war der letzte hohe Anstieg. Sollte passen.
Vor Rottach-Egern flΓΌchtet etwas vor mir aus einer Stallung ΓΌber die StraΓe: Dachs? WaschbΓ€r? Ich kanns nicht erkennen, aber gleich danach tummeln sich bernsteinfarbene Augenpaare im Licht der Fenix auf der Weide vor mir. Hier ist ganz schΓΆn was los um die Zeit.
Nach Rottach-Egern scheitere ich an einem Automaten bei einem Kiosk beim Versuch, mir eine TΓΌte GummibΓ€rchen zu ziehen. MΓΌnzen habe ich keine, und die angebliche Kartenfunktion ist auch mit Stirnlampe nicht zu finden. Dann eben nicht.
Ich werde langsamer wegen des Hungers. Ich futtere im Fahren noch mehr Riegel und nun auch Traubenzucker, und sobald das im Blut ist, geht es wieder.
Das Wasser des Sylvensteinspeichers funkelt im Licht des inzwischen aufgegangenen Mondes. Auf dem Haltestreifen der Staumauer steht ein dunkler VW-Bus, offenbar schlΓ€ft hier jemand. Auch keine schlechte Idee, aber gleich als ich anhalte, um ein Foto zu machen, halten innert weniger Minuten 4 Autos einer lauten Partygesellschaft, und dann gleich noch ein PΓ€rchen, das sich den Mond ansehen will. Ob der Schlaf im Bus so stressfrei ist wie gedacht?
Mich nerven die lauten, alkoholisierten Leute und ich fahre weiter; mein Passieren wird grΓΆlend kommentiert. Ein StΓΌck weiter, am gegenΓΌberliegenden Ufer, halte ich nochmal an und bestaune Mond und Wasser.
An der mondglΓ€nzenden Isar entlang geht es jetzt nach Wallgau und dann weiter zum Walchensee. Es ist halb zwei, und mir kommt ein Trupp aus drei Radlern mit Leuchtwesten entgegen, ich grΓΌΓe im Erstaunen eventuell ein bisschen zu euphorisch.
Vom Zeitplan liege ich zurΓΌck, ich wollte die Abfahrt nach Kochel und die AlpenstraΓe eigentlich vor dem Ausflugsverkehr hinter mich gebracht haben. Andererseits habe ich schon lange das Γbernachten am Ufer des Walchensees auf meiner Bucket List, also hake ich das jetzt ab.
Auf der Suche nach einer geeigneten Stelle komme ich an einigen Wohnmobilen vorbei, offenbar bin ich nicht der einzige. In einem WaldstΓΌck bewegt sich jetzt, kurz vor 4, noch das Licht einer Taschenlampe, ich nehme ein PΓ€rchen wahr, in der NΓ€he eines geparkten Autos. Ich lasse mich nicht abschrecken, 200 Meter weiter schlage ich mich auf einem Pfad zum Ufer des Sees durch und richte mein Nachtlager ein. Die Taschenlampe ist gelegentlich zu sehen, wie man auch meine Stirnlampe sehen wird -- die haben eventuell mehr Bammel als ich, aber das ist mir egal.
Nachdem die HΓ€ngematte gespannt ist, nehme ich noch ein Bad im See, was gar nicht so einfach ist: Er hat wenig Wasser, man muss ΓΌber groΓe Steine klettern. Aber das Wasser ist erstaunlich warm, ich wΓΌrde auch lΓ€nger drin bleiben. Nur sollte ich so langsam eine MΓΌtze Schlaf kriegen, denn im Osten sieht man schon den Schimmer der aufgehenden Sonne.
Es wird kein guter Schlaf: Mit 12 Grad hatte ich nicht gerechnet beim Packen. Der dΓΌnne Sommerschlafsack reicht hinten und vorne nicht, ich schlottere dreieinhalb Stunden lang und schlafe vielleicht eine Stunde tief, bis ich vor dem Wecker aufgebe und um 8 aufstehe.
Die ersten Rennradler zischen schon vorbei, und auch Autos. Nach einem halben Kilometer werden KleiderstΓ€nder aus einem Bus geladen, und Models staksen ΓΌber die Wiese zum Shooting. Die ersten Surfer sind auch schon da.
Auf der anderen Seite des Sees weiΓ ich, warum ich hier noch nie mit dem Rennrad war: Das ist eine GravelstraΓe. Aber ganz gut zu fahren, und wenig los.
In einer Bucht liegt einer schlafend neben seinem Surfbrett, daneben ein Fahrrad mit AnhΓ€nger. Bruder im Geiste!
Nachdem der Asphalt wieder begonnen hat, kommt mir bald die erste Polizeistreife entgegen zur frΓΌhen Kontrolle. An den WanderparkplΓ€tzen steht man im Duft der Deos und Lotionen und rΓΌstet sich fΓΌr die Wanderung, heute wird es voll in den Bergen. Die MotorrΓ€der sind natΓΌrlich auch schon da. Die Serpentinen hoch zum Sattel, dann die schΓΆne Abfahrt ΓΌber die KesselbergstraΓe. In der Gegenrichtung viel Verkehr, natΓΌrlich. Schnell durch Kochel, muss man nicht haben. Aber am Edeka am Ortsende eine BΓ€ckerei mit spΓ€rlicher Auswahl an SΓΌΓgebΓ€ck, davor eine Bank. FrΓΌhstΓΌck muss jetzt sein.
Als ich mit Kaffee und Teller aus dem Edeka komme, steht einer vor der Bank und leert die Noagerl seines leeren Bierkastens direkt vor der Bank aus, sodass sich eine PfΓΌtze bildet. Ich bedanke mich sarkastisch fΓΌr den Bierdunst zum FrΓΌhstΓΌck und sehe im Hinsetzen, dass er es geschafft hat, auch die SitzflΓ€che der Bank zu bespritzen. Widerwillig holt er nach meinem Hinweis aus dem daneben stehenden Auto ein Tempo und wischt halbherzig rum; jeden der vielen ΓΌbersehenen Spritzer muss ich ihm einzeln zeigen. Und die ganze Zeit wirkt er nicht einsichtig; als er mir noch einen schΓΆnen Tag wΓΌnscht, ist es nicht ernst gemeint. Leute gibt's!
Vor mir sehe ich jetzt die Deutsche AlpenstraΓe. Verflucht, genau die wollte ich um diese Zeit ja nicht fahren. Zum GlΓΌck ist in meiner Richtung kaum Verkehr, aber schΓΆn ist das nicht. Wegen des Moors um die Loisach gibt es in dieser Richtung leider wenig AusweichmΓΆglichkeiten. (Mit dem Gravelbike schon.)
Ich beiΓe die ZΓ€hne zusammen, irgendwann kommt auch ein Radweg, aber halt eher der beschissenen Sorte. Ich bin froh, als ich Iffeldorf hinter mir habe und in das Gebiet der Osterseen komme, hier ist weitgehend Ruhe, und die StraΓen sind wie aus Heidiland.
Ein StΓΌck noch auf der HauptstraΓe, dann bin ich am Ziel.
Doris, erfahre ich, steckt noch im Stau, wie auch die anderen geladenen GΓ€ste. Ich bin zwar 10 Minuten zu spΓ€t, aber tatsΓ€chlich der erste, der ankommt.
Waypoints
Route Details
Elevation
Highest point (1,130Β m)
Lowest point (500Β m)
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