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Hikers gonna Hike and Karina went for a hike
May 26, 2026 at 07:58
02:37
12.2km
4.7km/h
180m
190m
Der Start an der Sägmühle Arnold fühlte sich direkt angenehm entschleunigt an. Noch bevor die eigentliche Strecke richtig Fahrt aufnahm, ging es schon über den Naturweg und das Wehr an der Glems bei Schwieberdingen. Die Glems begleitet einen auf dieser Tour immer wieder wie ein stiller Nebencharakter, der nie Aufmerksamkeit verlangt, aber ständig Atmosphäre liefert.
Schon früh wurde klar, dass diese Runde deutlich mehr Geschichte versteckt hält, als man einem eher ruhigen Abschnitt im Landkreis Ludwigsburg zunächst zutrauen würde. Die Burgruine Nippenburg erhebt sich plötzlich fast dramatisch über dem Tal und wirkt wie ein Relikt aus einer Zeit, in der Menschen noch ernsthaft dachten, dicke Mauern würden alle Probleme lösen. Die Anlage wurde bereits 1160 urkundlich erwähnt und gilt tatsächlich als die älteste Burganlage der Region Stuttgart. Allein das macht den Ort schon bemerkenswert. Besonders eindrucksvoll sind die erhaltenen Teile der Schildmauer und die massiven Reste der Vorburg. Man spürt dort oben noch erstaunlich gut, warum der Platz strategisch so wichtig war. Der Bergsporn bietet einen hervorragenden Blick über das Glemstal, und wer hier stand, konnte früh erkennen, wer Freund, Händler oder schlecht gelaunter Angreifer war.
Interessant ist auch, dass die Burg später schlicht aufgegeben wurde. Statt die alte Anlage weiter auszubauen, errichtete man oberhalb ein Herrenhaus, das heutige Schloss Nippenburg. Typisch Mensch: erst jahrhundertelang Steine aufeinanderschichten, dann feststellen, dass ein bequemeres Herrenhaus mit weniger Zugluft vielleicht doch angenehmer ist. Das Schloss befindet sich bis heute im Besitz der gräflichen Familie von Leutrum und bildet zusammen mit dem Hofgut Nippenburg einen spannenden Kontrast zwischen Geschichte und moderner Nutzung. Heute hat dort unter anderem die MP Group mit Bezug zu KölleZoo und Fressnapf ihren Firmensitz, nette Arebitsatmosphäre. Wo früher Ritter über Versorgung und Verteidigung diskutierten, geht es heute vermutlich um Tiernahrung und Unternehmensstrategien.
Direkt daneben liegt die Golfanlage Schloss Nippenburg. Gepflegte Fairways mitten in historischer Umgebung haben immer etwas leicht Surreales. Die Landschaft dort wirkt fast englisch und gleichzeitig typisch schwäbisch.
Weiter ging es vorbei an der Skulptur „Turm“ von Thomas Weber in Schwieberdingen. Moderne Kunst mitten in dieser historischen Umgebung funktioniert überraschend gut. Die Skulptur setzt einen klaren Kontrapunkt zur alten Steinarchitektur der Nippenburg. Zwischen Burgruine, Natur und zeitgenössischer Kunst entsteht auf wenigen Kilometern ein ziemlich abwechslungsreiches Bild der Region.
Am Bogenschießplatz an der Glems wurde es fast schon mittelalterlich passend zur Burgruine davor. Pfeil und Bogen wirken dort tatsächlich nicht wie ein Freizeitgag, sondern irgendwie logisch in dieser Landschaft. Fun Fact: Der Langbogen war im Mittelalter so gefürchtet, dass englische Könige ihre Bevölkerung teilweise verpflichteten, regelmäßig Bogenschießen zu üben. Heute stehen Menschen dafür freiwillig auf einer Wiese und zahlen Mitgliedsbeiträge. Die Evolution menschlicher Freizeitgestaltung bleibt faszinierend.
Der weitere Weg entlang des Glemstalwegs wurde zunehmend ruhiger und naturnaher. Immer wieder öffneten sich schöne Abschnitte entlang des Wassers, dazu kleine Brücken, dichter Bewuchs und diese typischen Geräusche eines Flusstals im Frühling. Besonders angenehm war, dass die Strecke trotz ihrer Nähe zu Siedlungen oft erstaunlich abgeschieden wirkte.
Am Mühlenladen der Nonnenmacher Mühle bekam die Tour erneut einen historischen Einschlag. Die Region rund um die Glems war über Jahrhunderte stark von Mühlen geprägt. Das Wasser war Energiequelle, Lebensgrundlage und Wirtschaftsmotor zugleich. Viele dieser alten Mühlenstandorte existieren bis heute, zumindest teilweise. Gerade deshalb wirken Orte wie die Hagmühle oder der Mühlhof entlang der Strecke fast wie kleine Zeitfenster in eine vergangene Arbeitswelt. Das Kellerhaus der Hagmühle ist dabei ein besonders spannendes Detail, das man leicht übersehen könnte. Solche Gebäude erzählen oft mehr über das damalige Leben als große Schlösser, weil hier tatsächlich gearbeitet, gelagert und überlebt wurde.
Zwischendurch sorgte der Kleintierzüchterverein mit seinen Hühnern für einen angenehm bodenständigen Moment. Nach Burgruinen, Herrenhäusern und Kunstinstallationen einfach ein paar Hühner zu sehen, hat etwas Ehrliches.
Der größte emotionale Tiefpunkt der Wanderung folgte schließlich am Biergarten S’Heinzel. Dort sollte eigentlich die verdiente Einkehr stattfinden. Leider hatten die Öffnungszeiten im Internet offenbar denselben Realitätsbezug wie manche Wetter-Apps im April. Geschlossen. Durstig. Enttäuschung im Glemstal. Kurz entstand vermutlich diese stille Wandergruppen-Stimmung, bei der niemand etwas sagt, aber alle kollektiv beleidigt sind. Immerhin machte genau das die spätere Rettung umso besser: Das Dulkhäusle bei Esslingen lieferte nach der Tour schließlich den dringend benötigten Ausgleich und bewies, dass funktionierende Gastronomie manchmal mehr Glücksgefühle auslösen kann als jede Gipfelbesteigung.
Waypoints
Route Details
Elevation
Highest point (340 m)
Lowest point (260 m)
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