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Gutermann went for a hike
September 22, 2026 at 10:41
03:54
20.2km
5.2km/h
170m
280m
Achtung, Achtung, eine wichtige Durchsage:
Ich werde gleich zu Anfang das Bahn-Drama von der Seele reden. Was weg ist, ist weg.
Die S5 am Dienstag vom Leipziger Flughafen, Abfahrtszeit 9:32 Uhr, habe ich noch nie pünktlich erlebt. Das betrifft alle Fahrten, die nach Dresden und weiter gingen.
Heute wurde die Abfahrtszeit in kurzen Abständen immer weiter nach oben korrigiert. Ab 27 Minuten Verspätung – ich saß glücklicherweise in einem anderen Bus – habe ich nicht mehr auf mein Handy gestarrt.
Ich war clever und bin gleich mit dem Bus über die Slevogtstraße gefahren und dann in die S3 zum Leipziger Hauptbahnhof umgestiegen. Das klappte prima.
Ende der Durchsage.
Start war heute in dem Ort, bei dem ich erst einmal googeln musste, wie er überhaupt heißt: Dürrröhrsdorf.
In Erinnerung ist mir vor allem geblieben: fünfmal der Buchstabe R im Namen.
Gleich zu Anfang spürte ich: Heute wird das der schönste Abschnitt werden. Schließlich sollte ich die Sächsische Schweiz erleben und Teile des Malerwegs sehen. Der Malerweg ist sowieso mein Favorit hier.
Ohne Umwege lief ich direkt an der Wesenitz los. Kein Asphalt, keine Straßen, direkt in der Natur. Wesenitztalweg war der treffende Name – und das war Programm.
So ging es bis Porschendorf. Dann etwas Straße, mit Blick auf Gewerbe, bevor es wieder in die Natur ging und die Wesenitz weiterhin meine Begleiterin war.
Zwischen Porschendorf und Lohmen liegen die Försterbrücke und die Lohmener Klamm.
Ich freute mich, Lohmen erreicht zu haben. Habe ich doch viele schöne Erinnerungen an den Ort, der unmittelbar am Anfang des Malerwegs liegt. Wobei das nicht ganz stimmt: Der Liebetaler Grund ist der offizielle Anfang. Aber unweit davon liegt schon Lohmen.
Dort besuchte ich zuerst das unter Denkmalschutz stehende Wasserkraftwerk Nietzelgrund, das auch ein beliebter Fotopoint ist.
Dort traf ich Stefan aus Kitzbühel. Der war extra mit Stativ und professioneller Kamera angereist – und das bereits zum zweiten Mal. Wir kamen ins Gespräch und auch ich nutzte die Gelegenheit, ein paar Fotos zu machen.
Später lief ich am aktiven Steinbruch vorbei. Ich sah keine Arbeiter auf dem Betriebsgelände, sodass ich einen Schritt hineinwagte, um schnell auf den Auslöser meines Smartphones zu drücken.
Jetzt ging es Schlag auf Schlag.
Das nächste Highlight war das Richard-Wagner-Denkmal mitten in der Prärie. Wer hätte das vermutet?
Sogar ein solarbetriebener Lautsprecher war angebracht. Ein Druck auf den Taster – und mitten in der Natur erklang, während das Plätschern der Wesenitz zu hören war, das Prélude aus Tannhäuser. Stark.
Der Weg führte nun schnurstracks zum Liebetaler Grund. Eine Buswendestelle mit Kletterfelsen markiert dort den Übergang – und damit war das Felsenpanorama vorbei.
Liebethal gehört zu Pirna. Und ich lief, soweit es überhaupt möglich war, so nah wie möglich an der Wesenitz entlang. Immer mal wieder verlor ich sie aus den Augen. Dann musste ich mir mit meinem digitalen Begleiter aushelfen.
Nun war ich wieder im urbanen Raum unterwegs. Viele Menschen gingen ihren Geschäften nach, Mütter waren mit ihren Kindern unterwegs – und ich mittendrin.
Ich dachte: Bis zur Einmündung in die Elbe kann es doch nicht mehr weit sein.
Ich hatte mich maßlos verschätzt.
Den Zug, den ich in Pirna anvisiert hatte, bekam ich nicht. Den danach auch nicht. Obwohl jeweils nur eine Stunde dazwischenlag.
Vor 0 Uhr werde ich wohl heute nicht in Schkeuditz ankommen.
Und genau so war es dann auch. Okay, nicht ganz. 23:58 Uhr.
Ich hatte das Höhenprofil, die Begegnungen und vor allem das Stehenbleiben, weil es einfach so schön war, unterschätzt. Das frisst Zeit.
Trotzdem – und das ist das Wichtigste – hat es mir unwahrscheinlich viel Spaß gemacht, die Sächsische Schweiz wieder live und wahrhaftig zu erleben.
Und natürlich habe ich damit auch das Projekt Wesenitz abgeschlossen.
Auf ein neues Abenteuer kann ich am Ende nur sagen.
Und genau das habe ich schon in der Pipeline.
Seid gespannt, was euch erwartet.
PS: Die Nachhause Fahrt
In Leipzig hatte ich die Möglichkeit, zwischen Straßenbahn oder S-Bahn mit anschließender Busverbindung im Schienenersatzverkehr zu wählen. Beide Varianten hatten ziemlich identische Ankunftszeiten.
Nehme ich die Straßenbahn, muss ich vom Schkeuditzer Markt bis zum S-Bahnhof laufen. 800 Meter vielleicht – und das auch noch steil bergauf.
Also waren die Würfel für die bequeme Bahn-/Busverbindung gefallen.
Nur ging das Konzept nicht auf.
Die S-Bahn hatte bereits elf Minuten Verspätung bis zum Flughafen. Und ob der Schienenersatzverkehr dann wartet, war ungewiss. Eher nein.
Dann müsste ich nach Hause laufen. 11 Kilometer.
Also entschied ich mich für eine andere, ziemlich umständliche Verbindung: Erst nach Halle fahren und anschließend wieder zurück nach Schkeuditz.
Das tat ich.
Am Flughafen blieb die Bahn dann auch noch stehen, weil ein anderer Zug Vorrang hatte.
Wenn ich jetzt zu spät nach Halle komme, ist mein nächster Zug weg und ich müsste wieder nach Leipzig fahren. Dann beginnt das Spiel von vorne.
Schei....e, brüllte ich nur im Kopf. Ich will ins Bett.
Alles war mit heißer Nadel gestrickt.
Am Ende musste ich in Halle wieder die Füße in die Hand nehmen, wie man so schön sagt, und habe es gerade noch geschafft, den Nachhausebringer-Zug zu erreichen.
Meine Fresse, war das knapp.
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