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Gutermann went for a hike
September 5, 2026 at 06:03
14:48
69.0km
4.7km/h
470m
470m
Die erste Wanderung seit Langem – ohne Bilder. Was war passiert?
Entwarnung, Freunde – wir waren zwei lauffreudige und im Gespräch vertiefte Extrem Wanderer. Da war keine Zeit (oder kein Bock!) für Fotos.
Das morgentliche Ritual
6 Uhr klingelte der Wecker. Meine erste Reaktion: gähnen und wie ein Zombie an die Kaffeemaschine laufen. Nach dem Frühstück und einem kurzen Abstecher in die gekachelten Räumlichkeiten war ich startbereit. Mein Auto auch. 41 Minuten später war ich an der Freiwilligen Feuerwehr in Engelsdorf angekommen. Mit mir waren noch weitere 1.000 laufbereite Menschen dabei. 16 Grad Außentemperatur und kein Regen – so waren die Parameter.
Der Plan war einfach: nur mitlaufen. Ich hatte vorab keine Startgebühr bezahlt. Damit durfte ich nicht an den Verpflegungspunkten teilnehmen und bekam keine Medaille und keine Urkunde.
Da ich die Strecke bereits solo gelaufen bin, weiß ich, worauf ich mich einlasse. Die Medaille und die Urkunde sind mir nicht wichtig.
Was ist mir denn nun wichtig und warum mache ich überhaupt mit?
Angefixt durch die 7-Seen-Laufveranstaltung, die mir sehr gut gefallen hat, wollte ich wieder mit Gleichgesinnten unterwegs sein, die alle das gleiche Ziel hatten: Finishen! Und das auf Teufel komm raus. Nicht aufgeben, Biss zeigen, auch wenn es mal ein bisschen hier und da zwickt.
Aller Anfang ist schwer. Oder: Wie spontan sein – das Schönste ist.
Ich stand zehn Minuten bevor der Startschuss fiel vor der Feuerwehrausfahrt. Ich schaute mich um und war im ersten Moment enttäuscht über die verhältnismäßig wenigen Läufer, die vor Ort waren. Die Sparkasse als Sponsor hatte ihr Start-und-Ziel-„Lufttor“ aufgeblasen, das rot leuchtete.
Die ersten Läufer machten sich noch vor 8 Uhr auf den Weg. Auf meine Frage, warum – der Startschuss ist doch noch nicht gefallen –, sagte mir eine junge Frau: „Uns ist kalt und wir dürfen schon los.“
Nennt mich alt, aber ich mag so ein Verhalten überhaupt nicht. Wenn es um 8 Uhr losgeht, dann geht es um 8 Uhr los.
Ich schaute mich um, ob ich irgendein bekanntes Gesicht entdeckte. Nein, niemand.
Auf einmal wurde ich angesprochen: „Du bist doch der Thomas und wir sind doch nachts bei der 100-km-Tour – 7-Seen-Lauf – ein Stück zusammen gelaufen. Erinnerst du dich?“
Jaaa, jetzt macht’s Klick im Gehirn.
„Wollen wir auch jetzt zusammen losziehen?“
„Na klar, gerne.“
Mit Annett im Duett
Dann war ein Sidekick da – Annett, mit doppelt n und t. Ich trat erst einmal ins Fettnäpfchen und hängte noch ein e hinten dran. Ich weiß nicht mehr, wie das im Anfangsgewusel zustande kam.
Fakt ist: Die Läuferin, mit der wir durch die Nacht gelaufen waren, war weg (ich habe schon wieder den Namen vergessen!) und Annett war nun mein – oder ich ihr – Laufbuddy.
Annett kommt aus bzw. aus der Nähe von Erlangen und ist eine erfahrene Triathlon-Kämpferin. Das passte mir sehr gut in den Kram. Ich dachte: Die wird Biss haben. Und daran sollte ich mich bis zum Schluss nicht täuschen.
Da ich Heimvorteil hatte und ihr gesagt hatte, dass ich die Strecke bereits dieses Jahr gelaufen bin, wenn auch solo, vertraute sie mir von Anfang an und überließ mir die Führung.
Unser erstes Ziel war Baalsdorf. Ich erinnerte mich, dass davor eine Gärtnerei war und im Frühjahr ein Gärtner junge Zucchinipflanzen ins Freie stellte. Jetzt, wo wir vorbeiliefen, waren sie riesengroß.
Es dauerte nicht allzu lange und wir sahen die Kirche von Kleinpösna. Ich freute mich darauf, über die Kiesgrubenstraße an den fünf Tagebauseen vorbeizulaufen. Das hatte mir beim letzten Mal schon sehr gut gefallen.
Apropos gefallen: Es machte richtig viel Freude, einen Partner an der Seite zu haben, der nicht nur meine Monologe erträgt, sondern auch mit Begeisterung dabei ist. Annett war ein Gewinn.
Albrechtshain – der nächste Ort lag auf der Perlenkette. Dazu fällt mir nichts ein.
Nun waren wir nicht mehr weit vom Moritz- und Grillensee entfernt. Zwei Tagebaulöcher, die heute der Naherholung dienen, und unsere Route führte genau hindurch. Beim letzten Mal hatte ich in den Abendstunden Wildschweine gesehen, die allerdings Reißaus nahmen.
Naunhof – Großsteinberg – Grimma. Genau in dieser Reihenfolge liefen wir weiter.
Zu jedem Abschnitt bzw. jedem Ort, den wir durchwanderten, eine Story zu erzählen, ist nicht möglich. Mitunter verschwimmen auch meine Erinnerungen.
In Grimma, an der Hängebrücke, die wie immer ein Augenschmaus ist, sah Annett ein Verkaufsschild: „DDR-Softeis“.
Da gab es für sie kein Halten mehr.
Zwei chillige Campingstühle luden uns regelrecht zum kurzzeitigen Verweilen ein. Jeder ein Softeis auf der Faust – gesponsert von ihr. Grazias!
Wir liefen an der Mulde entlang, immer den Blick auf die Stadt gerichtet. Für Annett war Grimma keine Unbekannte, war sie doch hier schon einen Triathlon gelaufen.
Verwundert waren wir am nächsten Verpflegungspunkt. Wir wurden als die Letzten angekündigt – und es war schon wieder Abbau angesagt. Das sollte sich noch mehrmals wiederholen. Als ob eine Brieftaube die Botschaft verkündete.
Die Wahrheit liegt wohl dazwischen. Soweit die Letzten waren wir garantiert nicht. Da war viel Missverständnis im Spiel.
In Trebsen angekommen, wussten wir: Ab jetzt geht es nur noch in eine Richtung. Jeder Schritt ist einer zum Ziel. Das motiviert sehr.
Seelingstädt – Altenhain – Polenz. Und wer ist dieser Robert?
Ab Polenz bis Waldsteinberg – genau das ist mein Favorit. Rau, viel hohes Gras, enge Waldwege, ein geheimnisvoll umzäuntes Munitionslager und ein keuchender Robert mittendrin.
Robert hatten wir am letzten Verpflegungspunkt aufgegabelt. Eigentlich noch nicht. Lustig war, dass wir ihn zunächst übersahen (nicht Robert) und eine Volontärin uns hinterherrief: „Wolltet ihr nicht zu uns?“
Herrlich, so viel Engagement.
Robert saß dort unter seinen alten Kumpels und war eigentlich matt und durch. Jeder zweite Satz von ihm: „Ich schaffe das noch.“
Wir machten weiter und es dauerte nicht lange, da kam er wie ein Torpedo durch den Wald auf uns zu. Ich war überrascht über seine Leistung.
Es dauerte aber nicht lange. Allmählich wurde es recht dunkel und Roberts Motor verließ das Benzin. Immer weiter war er zurückgefallen. Ich drehte mich um und er rief: „Lauft weiter, alles okay.“
An der Polenzer Verpflegungsstelle sahen wir ihn das letzte Mal.
Ich bzw. wir beide hoffen, du hast es geschafft. Die Freude wäre groß.
Schade, dass es nun wirklich dunkel war. Ohne Stirnlampe lief nichts. Ein Singletrail im Polenzer Wald und zwei umgefallene Bäume. Abenteuer pur.
Der Höhepunkt wären der West- und der Ostbruch gewesen. Ohne nennenswertes Licht keine Chance, Annett davon etwas zu zeigen.
Wir kamen nun in den urbanen Raum: Waldsteinberg. Eine noble Siedlung.
Von Weitem sah ich einen Menschen auf dem Bordstein hocken. Frustriert und fertig.
Wolfgang, der Gründer vom Neuseenland-Lauf, 73 Jahre jung – und auch er machte die 68-km-Tour.
Wir motivierten ihn. Das half 200 Meter.
Dann sah er freundliche junge Menschen am Gartentor, die uns fragten, ob wir etwas bräuchten. Die Chance nutzte er und fragte höflich, ob sie ihn bis Engelsdorf fahren könnten. Er würde das selbstverständlich auch bezahlen.
Er bekam eine Zusage.
15 Kilometer hatten wir noch vor uns.
Annett war zwar topmotiviert und durch den Triathlon erprobt. Aber 16 Stunden ohne Pause zu laufen und das in einer Disziplin, war für sie das erste Mal.
Für sie war es ab jetzt hart.
Aber so viel verrate ich: Wir kamen an.
Ich freute mich auf Beucha und die Bergkirche. Auch hier – und das war der letzte VP – gab es noch Reste. Immer freundlich, generell überall, auch wenn wir im Abbau eintrafen.
Die fleißigen Helfer können nichts dafür. Für mein Empfinden war das alles überhastet und damit fehlte mir die nötige Wertschätzung.
Aber wie gesagt: meine Meinung.
Ich will es nicht spannender machen, als es war. Wir zählten die Kilometer und freuten uns, dass sie sukzessive abnahmen. Wollten wir doch endlich ankommen.
Nach 69 Kilometern waren wir wieder am Anfang in Engelsdorf angekommen.
Für Annett gab es die wohlverdiente Urkunde und Medaille, für mich einen feuchten Händedruck.
Nein, das ist böse gesagt. Mir wurde gratuliert.
Fazit.
Ich war froh, das zusammen mit Annett gerockt zu haben. Wir hatten viel Freude und Spaß unterwegs. Und gequatscht sowieso.
Das war ein schönes Lauferlebnis.
Ein Sieg, den uns keiner nehmen kann.
Waypoints
Bagged Peaks
Route Details
Elevation
Highest point (200 m)
Lowest point (120 m)
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