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Tag 537 🚲🌍🇵🇱 von Rudnik Maly nach Katowice 🪨🤕

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Tag 537 🚲🌍🇵🇱 von Rudnik Maly nach Katowice 🪨🤕

went for a bike ride

September 20, 2026 at 09:02

Tag 537 🚲🌍🇵🇱 von Rudnik Maly nach Katowice 🪨🤕

04:15

52.9km

12.5km/h

35.0km/h

350m

380m

Garmin Edge Explore 2

Die Nächte in Polen werden einfach nie langweilig. Mitten in der Nacht ging die große Sirene im Nachbardorf. Kurz darauf fährt auch schon eine riesige Staffel Löschfahrzeuge und Polizei vor. Zum Glück waren wir gut versteckt und das Feuer (wenn es denn eines gab) nicht in unserer Nähe.
Steffen hatte den Schlaf der Gerechten und von all dem nichts mitbekommen. Wie bitte geht das? 😂

Wir fuhren entspannt los. Die Sonne schien leicht durch die Wolkendecke und der erste Anstieg des Tages ließ nicht lang auf sich warten. Aber der war absolut im Rahmen. Was nicht im Rahmen war, war der blöde Gegenwind schon wieder. Steffen sammelte nebenbei auch fleißig wieder Pfand 🤭

Was hier in der Gegend auch normal zu sein scheint, dass man Rehe als Haus- und Nutztiere hält. Heute kamen wir bereits am zweiten Gehege dieser Art vorbei.

In Wozniki wollte Steffen nur schnell den Müll wegschmeißen und in diesem Moment wurden wir von einem jungen Mann angesprochen. Erst auf Englisch, mit der Frage, welche Land/welche Stadt unsere Fahnen repräsentieren. Als klar wurde, dass wir aus Deutschland kommen, switchte er zu Deutsch, erklärte uns, Wozniki gehört zu Schlesien und er zu einer Minderheit. Der zweite Weltkrieg hat hier Viele vertrieben. Dennoch hieß er uns herzlich willkommen in Schlesien und wünschte uns eine gute Zeit.

Es ließ mich nicht mehr los, was der junge Mann sagte. Das, was im zweiten Weltkrieg mit den Menschen u.a in Polen passierte, ist hier noch sehr präsent und beschäftigt die Menschen nach wie vor (Auschwitz ist nicht weit weg). Diese Präsenz ist an vielen Ecken erkennbar wie z.b an Straßennamen oder vielerlei Denkmäler, an Einschusslöchern an Hausfassaden, die nie erneuert wurden oder an Bomben, die als Mahnung noch in Häusern stecken weil sie nie explodierten. Wir, unsere Generation, trägt die Verantwortung, dass sich das nicht wiederholt! Es tut weh, dass Menschen, die im gleichen Alter wie wir sind, immer noch den Schmerz als auch die Angst ihrer Urgroßeltern und Großeltern in sich tragen und versuchen, uns Deutschen ins Gesicht zu lächeln, während sie die Vergangenheit im Kopf haben. Und gleichzeitig macht es wütend zu sehen, was gerade in Deutschland passiert. Diese Menschen haben den Schmerz und die Angst noch nie in den Augen eines Menschen gesehen, der etwas verloren hat, nämlich Heimat. Heimat ist nicht nur ein Haus oder ein Land, Heimat ist Familie, ist Schutz und Geborgenheit. Und dennoch genießt Deutschland ein Vertrauen der Nachbarländer, was größer nicht sein könnte. Die Frage ist nur, wie lang noch...

Im nächsten Ort, Siewierz, treffen wir auf zwei junge Polen, die ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs sind. Seit letztem Jahr haben sie angefangen, ihr Heimatland per Rad zu erkunden. Jedes Jahr machen sie ein bis zwei Wochen eine Tour.

Nach dieser Stadt kamen dann auch die Gravel Pisten (hatten uns kurz gewundert, warum es heute so viel Asphalt gab). Sogar über einen Bach mussten wir. Der Wald zog sich sehr in die Länge und mit jedem Stein oder Schlagloch wurden die Schmerzen am Hintern mehr und das Mitfühlen für das Fahrrad größer. Das muss ganz schön viel aushalten...

Katowice kam dann endlich näher und wir hatten wieder Asphalt unter den Rädern. Dennoch waren die Straßenzustände nicht die Besten. Mehrfach fuhren wir auf aufgerissener Straße, wo die Drainage komplett heraus schaute.
In Katowice fanden wir unser Appartement und kurz darauf fing es auch schon mit regnen an.
Wir werden bis Mittwoch hier bleiben.
Katowice ist die letzte Stadt Polens, die wir uns anschauen und dann geht es auf direktem Weg (okay, mit einem Schlenker zur polnischen Wüste) in die Slowakei.

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