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Bikepacking Kyrgyzstan - Tian Shan Crossing - Day 2

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Bikepacking Kyrgyzstan - Tian Shan Crossing - Day 2

went gravel riding

August 27, 2026 at 02:37

Bikepacking Kyrgyzstan - Tian Shan Crossing - Day 2

06:31

39.6km

6.1km/h

55.2km/h

2,220m

1,050m

Wir haben morgens gut gefrühstückt, Porridge mit Nüssen usw, unsere Sachen gepackt und los ging es zum ersten Pass!
Ich hab mein Fahrrad aus der kleinen Senke geschoben, wo wir gecampt haben und mein Puls war wieder bei 170+, es ging genauso weiter wie es am Vortag aufgehört hatte. Geknickt und mit der Angst im Nacken 3 Jahre später wieder zu versagen, radelte ich langsam los. Ryan hat zu mir gesagt ich solle weniger auf die Zahlen achten, dafür eher auf mein Gefühl, das hab ich dann auch tatsächlich versucht. Der Kegety Pass ist ein 42km langer Aufstieg, der gerade am unteren Teil eher gleichmäßig verläuft, das kommt mir zu gute. Ich hatte abends angefangen das Medikament gegen die Höhenkrankheit einzunehmen, ich wollte nichts dem Zufall überlassen, da es mir eh schon schlecht ging! Ryan war schon etwas vorgefahren und hat dann irgendwo im Schatten auf mich gewartet. Je höher wir stiegen desto karger wurde die Landschaft, die Bäume verschwanden und die Hänge bestanden nur noch aus grünem Gras, diese werden gerne von Nomaden für ihre Pferde und Kühe genutzt. Ab ca 2800m spürte ich langsam das der Sauerstoffgehalt in der Luft Abnahm, komischerweise war auch mein Puls ruhiger geworden, das war ja schon mal was! Wir schraubten uns immer weiter hoch, ab 3000m wurde es dann richtig hart für mich. Ich konnte alles fahren oder schieben solange mein Puls unter 160 blieb, darüber war die Energie in den Beinen schnell weg und ich musste anhalten zum Durchatmen. Die wenigen steilen Rampen ab 3200m musste ich schieben mit 3-4 Pausen zum Durchatmen. Immer wieder kamen uns Fahrerinnen und Fahrer des berühmten und berüchtigten Silkroad Mountain Race entgegen, ein wildes unsupported Bikepacking Rennen quer durch Kirgisistan, es ist über 2000km lang und die Fahrer müssen es in 14 Tage meistern. Der Gewinner war nach einer Woche fertig 😅.
Je höher wir kamen desto langsamer wurde ich, Ryan musste inzwischen auch anfangen zu schieben. Wir sind selbst schuld, so funktioniert Akklimatisierung nunmal nicht 😅. Ich nahm eine weitere Tablette gegen die Höhenkrankheit ein, schließlich mussten wir ja voran kommen, mittlerweile war es schon Nachmittag geworden. Wir machten nochmal eine Pause zum Wasser Filtern und ausruhen ehe wir uns an das letzte Stück machten. Nach etwa einer weiteren Stunde und zig Serpentinen standen wir vor dem letzten Stück, steile Rampen aus dunklem Gestein. Wir schoben langsam unsere Räder Stück für Stück nach oben. Und dann endlich, das woran ich morgens nicht mehr geglaubt hatte, wir standen am Kegety Pass! 3780 Meter über dem Meeresspiegel, so hoch war ich aus eigener Kraft nie gewesen! Ryan und ich freuten uns sehr aber wir hatten nicht viel Zeit zum Feiern, schnell ein paar Bilder, was warmes drüber ziehen, hier bläst der kalte Wind erbarmungslos und dann ab nach unten! Auf der anderen Seite sah es ganz anders aus, wie so oft in Kirgisistan verändert sich die Landschaft von Bergkette zu Bergkette und von Tal zu Tal. Ryan ging voran als erfahrener Downhiller, ich stand weiter oben und filmte ihn. Es war spektakulär anzusehen wie er die steilen Rampen runter raste als gäbe es kein morgen😂. Ich fuhr ihm nach aber wesentlich vorsichtiger, der obere Teil nach dem Pass bestand zum größten Teil aus großen loosen Steinen und weichem Boden. Teilweise hab ich mich fast hingelegt, ich musste sehr vorsichtig die Bremsen dosieren und zweimal bin ich abgestiegen, das war einfach krass steil! Als ich ein Stück weiter unten ankam war Ryan gerade am Wasser Filtern und sagte so nebenbei das seine Bremse hinten so heiß wurde das die Dichtung der Leitung kaputt gegangen ist, er Öl Bremsflüssigkeit verliere durch die Hitze und er nur mit vorder Bremse einfach hinuntergebügelt ist und es Spaß gemacht hat 🤣.
Wir fuhren gerade um die nächste Kurve da stand plötzlich eine Yak Herde vor uns, das war sehr aufregend, wir hatten beide nie zuvor Yaks gesehen! Noch ein Stück weiter kamen wir an zwei Nomaden vorbei die gerade ihr Vieh zusammentrieben, ich fuhr einfach durch die Herde, das fand der Nomade nicht witzig und schrie mich an. Ich bin Vollgas weiter runter gefahren und hab es nicht mal mitbekommen, Ryan schon. Er war eigentlich direkt hinter mir aber als ich mich irgendwann umdrehte war er nicht da, ich hielt and wartete ein paar Minuten. Als er immer noch nicht kam drehte ich um und schob mein Fahrrad wieder hoch und nach ein paar Minuten sah ich wie Ryans Fahrrad am Boden lag und er gerade am Reifen was machte. Als ich näher kam sah ich was passiert war, er hat sich gleich zwei Schäden am Mantel eingeholt. Ein Loch war direkt unmittelbar an der Kante zur Felge und ein größeres in der Lauffläche, mit dem tubeless Flickset stopfte er jeweils eine Gummi Salami in jedes Loch. Ein Glück hat es geklappt und wir konnten weiter fahren, jedoch ist es sehr ärgerlich das sein Mantel direkt am Anfang des Trips schon geschädigt ist. Als wir weiter unten auf eine kleine Ebene kamen, beschließen wir auf einer Wiese unsere Zelte aufzuschlagen. Während die Sonne langsam am Horizont verschwand bauten wir schnell alles auf und machten uns was zu Essen. Währenddessen kam ein Hirte auf seinem Pferd vorbei um uns die Hand zu schütteln, so wird es hier gemacht damit sie sehen wer auf ihrem Land sein Lager aufschlägt. Etwa hundert Meter entfernt hatten sie ihre Hütte für die Sommerweide, die sogenannten Jailoos. Als wir schon in unseren Zelten lagen kam ein junger Hirte auf seinem Pferd vorbei und rief "Hey Bro", Ryan fragte was los sei und er sagte er habe Hunger. Wir kletterten aus unseren Zelten und gaben ihm Snacks wie Snickers usw. mehr haben wir leider auch nicht, unsere Vorräte sind relativ genau kalkuliert. Wir krochen wieder in unsere Zelte und ich war zuversichtlich das ich von nun an jede Herausforderung im Tian Shan meistern kann...

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