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Timon went gravel riding
August 15, 2026 at 06:12
06:30
87.0km
13.4km/h
67.1km/h
2,510m
2,350m
Wahoo ELEMNT ROAM 3
Wie nass kann ein Zelt bitte sein? Ernsthaft. Durch die strategisch ungünstige Lage des Campingplatzes am Osthang konnte ich nicht auf die Sonne warten. Also einfach irgendwie zusammenrollen und rein. Locker 2 Liter Wasser extra im Gepäck. Und das heute! Die Kletteretappe. Mein zweitgrößter Anstieg jemals wartete mit 1748 Höhenmeter am Stück! Auf dem Tamagochi eine rein rote Wand (9+% Steigung). Dafür gleichmäßig 😅
Doch zuvor das Tag bestimmende Thema: Essen. Aldi lag auf dem Weg und ich rollte gerade auf die Pforte des Discount-Superstars zu als ich bemerkte - Fuck der hat zu. "Is ja Feiertag!" informierte mich ein paar Kilometer später ein Imbissbesitzer der mir um halb 9 Morgens ein paar Frankfurter auf den Grill schnalzte. Na super, ein Feiertag vor einem Sonntag. Im Folge des Tages nutzte ich jede Chance an Essen zu kommen. Ich glaube so viele Kalorien habe ich mir an einem Tag noch nie reingedroschen. Frankfurter mit Brötchen, Snickers, Red Bull, Landjäger, zwei belegte Tankstellen Brötchen, ein Brezel, zwei Packungen Fretts, Laugen Chips, Pommes Currywurst, Cliff Riegel, und finally zwei Bierchen. Eigentlich gar nicht soo viel.
Rein in den Anstieg. Erst fühlte ich mich wie auf dem Weg zu einer Tour de France Etappe. Super viele Leute machten sich auf den Weg die Großglockner Hochalpenstraße hochzutingeln. Vorwiegend Rennradfahrende. Und jetzt uffgebasst: Will man eine Alpenüberquerung oder so machen, nehmt ein Gravelbike! Sonst müsst ihr immer zwangsweise so top asphaltierte Straßen nehmen. Diese war zwar episch von der Natur, aber non stop begleitet von möppernden Motorrädern und ungeduldigen Autos. Gerade in der Abfahrt hart nervig - dazu später mehr. Dieses ganze Gefühl sich hoch in die Bergwelt zu schrauben, der Zivilisation zu entfliehen, dem Ursprünglichen auf die Sprünge zu kommen, nur du, deine Gedanken und die Natur, all das geht verloren wenn die nächste Harley and dir vorbeiblubbert. Es gab wenige kurze Augenblicke ohne Verkehr wo eine Ruhe einkehrte und man merkte wie still es eigentlich wäre. Ich verbrachte fast 4 Stunden mit dem ersten Anstieg. Wären diese in solch einer Stille abgelaufen, keine Ahnung was ich dann jetzt hier phantasieren würde.
Uhh ein sonniger Pausenplatz. Mit Quelle. Einladend. Und hey, ich packe mal mein Aquariumszelt aus und trockne es um die 2kg Wasser los zu werden. Gedacht - getan. Geil wenn die Sonne scheint und es nicht durchgehend regnet oder feucht ist - ja ich schaue dich an Schottland🥴!
Och nur noch 14km rot.. aber dafür nehme ich doch Urlaub. Ich habe die Route gesteckt. Wenn du das Sahnehäubchen sehen willst musst du halt nach oben (Sahnehäubchen= Großglockner). Und klettern ist doch auch geil. Also Kopf runter, nur die nächsten 3 Meter im Blick, rechts bleiben und durchziehen. Trance pur! Ihr könnt jetzt Ulysses von James Joyce lesen, weil so lange hat sich der Anstieg angefühlt bis ich endlich am Hochtor (2504m über dem Meer) ankam. Halleluja! Kurze Abfahrt und Schiffschaukel-mäßig erneut in den gnädigeren Anstieg zur Kaiser Franz Jupp Höhe. Hier erinnerten mich die Berge tatsächlich an die Hochalpen in Frankreich. Eher die brutalere Sorte und nicht die "Ohh schau mich an wie hübsch ich doch bin" Sorte, die man sonst aus Österreich kennt. Großglockner? Krasser Typ. Unfassbarer Blick. Unglaublich kommerzialisiert. Die hatten eine scheiß riesige Parkgarage da oben. Und jetzt googelt mal bitte Bilder von wie der Gletscher um 1900 ausgesehen hat. Einfach nur absurd. Ne Klimawandel gibt's nicht. Lass weiter mit Harleys den Berg hochballern, oder wie die 3 Treckerfahrer aus NRW... die mit ihren Oldtimer-Treckern die Luft magisch schwarz gefärbt haben. Naja ich gönne ihnen ja den Spaß, und keiner ist rein (ich auch nicht), aber dieses Gletscherchen sah schon ein wenig traurig aus, und kann maximal als Eiswürfel für eineinhalb Drinks herhalten.
Genug gebashed, rein in die Abfahrt! Glatte Straßen, finanziert durch die abartigen Mautgebühren der Motorisierten, versprachen eine Pac-Man artige Verschlingung der restlichen Kilometer. Denkste! Autos die abrupt in die Eisen gingen um dann ihr Handy aus dem Fenster zu halten machten die Abfahrt unberechenbar. Sie bremsten vor Kehren viel zu stark und tuckerten in SlowMo um die Kurve. Oh wie sehnte ich mich an die Abfahrt vom Col du Telegraph mit den Autos der Tour de France, die einfach immer richtig fuhren! So wurde die Abfahrt zur Bewährungsprobe meiner Bremsbeläge. Sie hielten. Und ich rollte zu meinem Ziel.
Die Gedanken sind bei Morgen. Das Wetter ändert sich, die Geschäfte sind zu, mein Vorrat geht zur Neige, der morgige Campingplatz ungewiss. Aber es geht nach Italien 🤌🏻🤌🏻🤌🏻
PS: An alle die einen Campingplatz haben oder haben werden: Ihr braucht so einen Selbstbedienungskühlschrank oder jede Menge geiler Automaten. Einfach das Geilste! Ein Platz hatte sogar Grillgut Automaten und kostenlose Grills mit Kohle vorbereitet. Wow!
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