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"Ein Engel namens Otto" Wanderung vom Schallenbergpass nach Röthenbach i. E.
"Ein Engel namens Otto" Wanderung vom Schallenbergpass nach Röthenbach i. E.
Udo unter freiem Himmel and Susanne B. went for a hike
July 4, 2026 at 08:29
01:39
7.16km
4.4km/h
80m
420m
Die vergangenen drei Wochen Hitze, haben uns zu echten Schattengewächsen mutieren lassen. Heute soll es endlich wieder mal nach draussen gehen. Die Wetterfrösche versprechen nach langer Zeit wieder etwas moderatere Temperaturen. Heisst, das «Lechz»-Thermometer soll heute gerade mal läpische 30° erreichen. Ein Grund mehr, eine kleine Wanderung auf dem Schallenbergpass zu unternehmen, der mit bescheidenen 1168 m ü. M. zwar nicht zu den Giganten der Helvetischen Alpenpässe gehört, aber dennoch ein Quantum Kühle verspricht. Wir also mit dem Auto nichts wie ab nach Röthenbach im schönen Emmental, wo wir das Bronce unseres Wagens, gegen das Gelb eines Postautos austauschen. «Bumsvoll» bringt uns dieses Kurven-reich auf den Schallenberg. Ein kurzer Break im Restaurant Gabelspitz das bei Töff-Fahrern äusserst beliebt ist und los geht's. Komoot zeichnet auf, die eine oder andere Health-App auch, und selbst die unverzichtbare Peakfinder-App wartet nur auf ihren Einsatz. Der kommt schneller als gedacht. Bereits auf Höhe des Dachgiebels, breitet sich vor uns ein herrlicher Flickenteppich aus unterschiedlichsten Grün- und Brauntönen aus. Das Emmental! Ein herrliches Sammelsurium aus Wiesen, Feldern und Wäldern, dem spätestens am Horizont eine alpine Kette aus 2000ern Einhalt gebietet. Anders als sonst, verläuft unser Weg über weite Strecken über üppige Wiesen. Memory-Foam für die Füsse! 😉 Wir geniessen den ungewohnten Untergrund und ergötzen uns an der ländlichen Idylle, die hier offensichtlich daheim ist. Wohin wir den Blick auch "Wandern" lassen, über die ganze Region verteilt, liegen die Bauernhöfe wie Schokostreussel auf der Hochzeitstorte. Zweimal stossen wir entlang unserer Route auf ein Fliegerdenkmal. Ein... ungewohnter und überraschender Anblick. Das erste ist dem Deutschen Militärpiloten Oblt. Nipkow gewidmet, der hier 1942 bei einem Übungsflug in dichtem Nebel abstürzte, das zweite gilt Wachtmeister Michel Tissot, der 1964 mit seiner "Venom" zu Tode kam. Obwohl die beiden Tragödien schon lange zurückliegen, berühren sie uns auf unerwartete Weise. Eine heitere Begegnungen der besonderen Art, ist das Aufeinandertreffen mit Otto Gurtner. Otto ist für die Wanderwege im Schallenberg-Bezirk zuständig und macht das nahezu ehrenamtlich. Einer von vielen stillen Helfern im Hintergrund, die für Ordnung und Sicherheit sorgen. Otto putzt. Otto montiert. Otto erneuert. Otte leitet um, wo Umleiten nötig ist. Otto kennt jeden Zentimeter seiner 120 Kilometer langen Wegstrecke. Uns fällt sein kleiner Begleiter auf. Eine geradezu winzige Leiter mit Lederriemen, mit der er "gäbiger" an die gelben Wegweiser kommt. Das Otto sein Handwerk versteht, zeigt sich spätestens bei Vorzeigen unserer Wanderroute. "Da könnt ihr nicht lang. Der Wanderweg wurde kürzlich neu angelegt und verläuft nun versetzt zur bisherigen Route." Holla die Waldfee! Ob das Komoot weiss? Wir passen unseren Weg den neuen Begebenheiten an und bedanken uns für sein Engagement. Ein Engel namens Otto? Yes!
Den aussichtsreichsten Punkt auf unserer Wanderschaft erreichen wir kurz darauf beim «Triangulationspunkt Naters» (nicht mit Naters VS zu verwechseln), der auf 1'212 m ü. M. liegt. Mit dem Aufkommen von GPS wurden er und seine Zeitgenossen überflüssig. Heute dient er nur noch als Sehenswürdigkeit aus längst vergangenen Tagen. Wir staunen über die geniale Weitsicht, die man hier oben hat. Mönch und Jungfrau grüssen uns genauso wie der Niesen, das Stockhorn, die Stockhorn- und die Gantrischkette. Ein alpines Showlaufen an dem wir als Zuschauer teilnehmen dürfen. Selbst den weit entfernten Fernsehturm auf dem Chasseral meinen wir zu erkennen. "Hey! Ragt da drüben nicht die Aussichtsplattform des Chuderhüsiturms aus den Baumkronen?" Yes! Wir erinnern uns.
https://www.komoot.de/tour/684145130?ref=aso&t_s=referral&t_cid=route_share
Nach einer gefühlten Ewigkeit geht's weiter. Von jetzt an stetig Bergab. Das Gelände wird waldiger und schattiger und wir passieren allenthalben einen dieser schmalen XS Weidedurchgänge, die nicht für XL Wanderer entworfen wurden. 😅 Uns fällt auf, dass wärend wir absteigen, die Temperaturen aufsteigen. Phuuu! Auch die Szenerie ist nun eine andere. Praktisch an jedem Hang, kriechen Traktoren Käfern gleich übers Gelände und wenden das Heu. Nach fast zwei Stunden taucht in der Ferne der Turm der Kirche Röthenbach aus den Häuserfronten auf. Mittlerweile läuft bei uns nur noch eins, nämlich der Schweiss. "Wehe euch ihr Wetterpropheten!" Als wenn das nicht schon Strafe genug wäre, wollen uns auch noch miese fiese «Brämen» an die Wäsche. Und so sind wir nicht ganz unglücklich, als wir nach Überquerung des Rötenbachs, das Dorfzentrum vor Augen, die Plagegeister endlich los werden. «ÄTSCH ihr könnt uns mal!“ 😛 ist unser letzter Gedanke, bevor wir unsere Komoot-Aufzeichnung stoppen. Es war herrlich und es war lehrreich und es war schweisstreibend. In erster Linie war es aber einmal mehr einfach nur schön , wieder draussen unter freiem Himmel zu sein.
Waypoints
Route Details
Elevation
Highest point (1,200 m)
Lowest point (820 m)
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