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Unna - Kassel | Day 2

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Unna - Kassel | Day 2

went cycling

May 2, 2026 at 09:17

Unna - Kassel | Day 2

07:28

112km

14.9km/h

47.5km/h

990m

990m

Der zweite Tag war richtig, richtig hart. Ich bin nachts mehrmals aufgewacht, weil meine Füße gefroren haben. Die Temperaturen sind überraschend stark gefallen – tagsüber waren es noch über 20 Grad, und nachts plötzlich nur noch 7 oder 8. Entsprechend fertig war ich am Morgen. Ich bin immer wieder aufgewacht, wieder eingeschlafen und habe mir irgendwann gesagt: „Schlaf dich einfach aus.“ Ich musste mir keinen Stress machen – entweder ich schaffe es bis Kassel oder ich nehme halt irgendwann die Bahn.

Am Ende bin ich relativ spät aufgestanden, aber immerhin: Ich habe das Problem mit meinem Hinterrad so gut wie möglich in den Griff bekommen und war damit zufrieden. Keine Geräusche mehr, kein Knirschen – der Tag konnte starten.

Allerdings ging es dann wieder gefühlt nur bergauf. Ständig. Zwischendurch kamen auch richtig steile Abschnitte mit sechs, sieben oder sogar neun Prozent Steigung. Da bin ich teilweise einfach abgestiegen, weil ich mir dachte: „Ich mache mich jetzt nicht komplett kaputt für ein paar Meter.“ Ansonsten war es dieses konstante, zermürbende Ansteigen – so drei Prozent, aber dafür gefühlt ohne Pause.

Durch die schlechte Nacht bin ich direkt in einer Tiefphase gestartet. Das war mental echt anstrengend. Diese typischen Gedanken kamen hoch: „Was machst du hier eigentlich?“ und „Warum tust du dir das an?“ Dazu kam noch, dass ich die ganze Zeit durch ländliche Gegenden gefahren bin. Mein Navi hat mich nur über kleine Wege geführt, und es gab einfach keinen Supermarkt. Ich hatte nichts mehr an Verpflegung vom Vortag übrig und wusste: Ich brauche dringend Energie.

Irgendwann bin ich dann von meiner Route abgefahren und nach Brilon reingefahren – nochmal vier Kilometer extra hin und vier zurück. Dort habe ich mir dann schnell was geholt: billiges Sushi für drei Euro, eine Cola, einen Kaffee, Wasser und Orangensaft. Ich habe einfach alles in mich reingeschüttet, weil ich so durstig und hungrig war.

Ich saß dann vor einem Netto auf dem Boden, an die Wand gelehnt, und habe mein Essen aus einem improvisierten Pappkarton gegessen. Die Leute sind einfach an mir vorbeigelaufen – ich glaube, die haben schon verstanden, was Sache ist. Klassischer Bikepacking-Moment.

Danach musste es irgendwie weitergehen. Das Essen lag noch schwer im Magen, ich schaute auf die Uhr: drei Uhr. Und ich hatte bis dahin vielleicht 30 Kilometer geschafft – von 11 bis 15 Uhr. Gleichzeitig lagen noch etwa 80 Kilometer vor mir. Da dachte ich mir schon: „Wenn das so weitergeht, wird das nichts mit Kassel.“

Aber ich kenne das ja vom Bikepacking: Es gibt immer diese Phasen. Mal läuft es gar nicht, dann wieder richtig gut. Also bin ich weitergefahren – und irgendwann kam der Wendepunkt, von dem ich schon wusste: Es geht bergab. Und zwar über mehrere Kilometer.

Das war meine Hochphase. Ich habe mir eine Drum-and-Bass-Playlist angemacht, hatte durch das Essen wieder Energie und bin einfach geflogen. In den letzten vier bis fünf Stunden habe ich dann noch 60 Kilometer runtergerissen – bis etwa sieben Uhr abends.

Am Ende des Tages wurde es dann nochmal schwierig, einen Schlafplatz zu finden. Es waren erstaunlich viele Leute unterwegs, überall Bauern auf den Feldern mit ihren Traktoren – wahrscheinlich wegen des guten Wetters. Ich bin schließlich in ein Waldstück gefahren, das auf Komoot schon leicht ausgegraut war, also vermutlich Privatgelände. Trotzdem bin ich rein, weil es perfekt aussah zum Schlafen.

Und dann sehe ich plötzlich zwei Hunde, die mich aus der Ferne mit gespitzten Ohren fixieren. Ich habe keine Sekunde gezögert, bin umgedreht und einfach Vollgas raus da. Später habe ich nochmal nachgelesen: Solche Hunde gehören oft Bauern und sollen eher abschrecken als angreifen. Und angeblich sind bellende Hunde oft harmloser als die, die still bleiben und beobachten. Ob das wirklich immer stimmt, weiß ich nicht – ich habe zum Glück noch keine schlechten Erfahrungen gemacht und das soll auch so bleiben.

Jedenfalls bin ich da einfach nur weg und habe weitergesucht. Es hat noch eine ganze Weile gedauert, bis ich endlich einen guten Schlafplatz gefunden habe. Ich musste dafür auch nochmal ein paar Kilometer extra fahren. Das war schon ziemlich stressig, aber am Ende hat es dann gepasst.

So lief mein zweiter Tag.

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