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Gutermann went for a hike
May 2, 2026
08:56
51.4km
5.8km/h
250m
240m
51,4 KM vor dem großen Finale – und dann passiert DAS … oder: 100 KM stehen an – aber dieses Training hat mich schockiert!
Wenn du magst, kann ich es noch mehr auf YouTube-, TikTok- oder richtig übertriebenes „Drama-Level 100“ zuspitzen.
Ach Mann, es war doch einfach nur – einfach und schön. Mein zweites ICH sagte: „Liest du keine Internetartikel? Du willst bekannter werden, dann musst du mehr auf die Kacke hauen.“
Jaaaaaa, stimmt schon. Ich möchte mehr Leser erreichen. Aber nicht auf diese Art.
Also doch die seriöse Version – ohne Nebenwirkungen. Fragen Sie Ihre Beine, Arme und Ihren Verstand, ob sie wirklich diese Strapazen wollen.
Kurze Antwort: Yes.
Ich dachte mir, für das letzte Training möchte ich von zu Hause aus in eine andere Himmelsrichtung laufen. Hatte ich doch bereits Norden, Westen Osten und Süden erledigt. Nur, meine lieben Komoot-Leser und Community, so einfach ist das nicht. Also tricksen wir ein bisschen. Horburg hatten wir, Dölkau hatten wir, Zöschen hatten wir. Aber nun biege ich ab zur Ruine des Schiffshebewerks und laufe weiter nach Bad Dürrenberg und Lausen, um dann über einen Radweg (ehemalige Bahnstrecke Leipzig-Plagwitz – Lausen) nach Markranstädt und schließlich über Priesteblich nach Hause zu wandern. Aber extrem bitte schön.
Am Anfang lief alles wie am Schnürchen. To-do-Liste abgehakt und los ging es. Bis Dölkau lief alles nach Plan. Dann kam mir meine Redseligkeit in die Quere. Ich traf zwei nette Aussteiger, die mit geöffnetem Kombi am Wegesrand standen, aus dem hinten eine Matratze herauslugte, und gemütlich Kaffee tranken.
Wir kamen sofort ins Gespräch. Dabei stellte sich heraus: Nö, wir stehen fest im Leben und machen mehrmals im Jahr für ein paar Tage Urlaub im Auto, ohne viel mitzunehmen. Genau mein Ding. Und so verging eine Stunde, ohne Kilometer zu machen. Macht aber nichts – ich liebe genau solche Begegnungen. Hänge ich halt eine Überstunde dran.
Ich lief auf altbekannten Wegen weiter. In Zöschen machte ich einen Boxenstopp beim Nahkauf – Mezzomix, 2-Liter-Flasche gekauft. Dehydrierung möchte ich nicht erleben. Lieber trinken, trinken, bis der Arzt kommt. Das Konzept hat sich bei mir bisher bewährt.
Bevor ich in Wüsteneutzsch ankam, dort, wo noch Betonfragmente der Schleusenruine zu sehen sind, bemerkte ich auf der linken Wegseite Vertiefungen, die wie eine langgezogene Kuchenform aussahen. Das waren die Reste des alten Flussbetts, das die Natur noch nicht ausgeglichen hat. Dieses wurde in harter Handarbeit zwischen 1933 und 1943 ausgehoben, damit die Elster ungehindert in die Saale fließen kann.
Heute endet der Elster-Saale-Kanal unweit davon an der B184 in der Nähe von Günthersdorf.
Nachdem ich mir alles angesehen hatte, machte ich mich weiter Richtung Bad Dürrenberg auf. Von dort folgte ich dem Sole-Kohle-Geschichte-Radweg bis nach Lausen. Das war für mich ein kleines Natur-Highlight, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Ich lief am Flüsschen Ellerbach entlang, wo immer wieder alte Weiden mitten im Wasser standen. Ganze Flächen waren überflutet und voller Wasservögel. Ein echtes Kleinod – ähnlich wie die Lachen an der Waldspitze Böhlitz-Ehrenberg oder in Lützschena.
In Lausen brauchte ich für den letzten Abschnitt erneut Flüssigkeit.
Nun wollte ich die alte Bahntrasse laufen, die ursprünglich Leipzig-Plagwitz mit Lützen verband und heute als Radweg ausgebaut ist. Zwar asphaltiert, aber mit meinen Brooks-Schuhen kein Problem. Ich wusste: Bis nach Markranstädt werde ich es noch schaffen – danach brauche ich eine Stirnlampe.
Erste Station war Meuchen. Dort nahm ich auf einer Bank ein kleines Abendbrot zu mir. Die nächsten Stationen waren Räpitz, Schkölen, Seebenisch und Gärnitz.
Jetzt war es nicht mehr allzu weit bis nach Markranstädt. Noch ein kleines Wäldchen, und ich kam an der Kurve der Zwenkauer Straße heraus. Auf der anderen Seite befindet sich ein kleiner Park – eher ein Grünstreifen. Den nutzte ich, um in der Komoot-App nachzuschauen, wie viele Kilometer mir noch bis zur 50-km-Marke fehlen.
Ich war überrascht, dass ich bereits so viele Kilometer gelaufen war, dass ich deutlich über die 50 km kommen würde.
Da fing mein Gehirn an zu grübeln: Wie komme ich auf dem kürzesten Weg nach Hause? Denn egal, was ich jetzt noch mache – die 50 km habe ich im Sack.
Meine Idee war, die Bundesstraße B186 komplett bis zum Ortseingangsschild Kleinliebenau zu laufen. Ja, ich weiß: Ab Priesteblich gibt es keinen Fußweg mehr. Das war mir egal. Ich lief dem Verkehr entgegen, der am Abend nur stoßweise kam.
Stirnlampe auf den Kopf – und immer, wenn ein Schwung Autos kam, machte ich einen Schritt auf den Grünstreifen. Das wiederholte ich zigmal. Mittlerweile wollte ich einfach nur noch nach Hause in die heiße Badewanne.
Die letzten Meter lief ich noch einen „Schleichweg“ am Kieswerk vorbei – und dann war ich nun wirklich zu Hause angekommen. Stolz, mein Training abgeschlossen zu haben.
Fazit: 1× 70 km und 3× 50 km stehen nun zu Buche.
Der langersehnte Freitag kann kommen. Ich bin bereit.
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