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Wilde und unbekannte Gipfel im Aferer Geisler 🏔️ 2500m und Furtschellen ⛰️ zum Abschluss
Wilde und unbekannte Gipfel im Aferer Geisler 🏔️ 2500m und Furtschellen ⛰️ zum Abschluss
Tom ⛰️ went mountaineering
April 18, 2026
07:56
14.9km
1.9km/h
1,830m
1,830m
Garmin fēnix 6X
Da die Geisler noch voll Schnee sind, wollte ich heute eine einfache und ruhige Tour hoch zum Furtschellen machen. Auf meinen letzten Erkundungstouren im Tal erschien er mir schneefrei und machbar.
Im Teiser Dorfladen gefrühstück startete ich mit etwas Verspätung von Zanser Parkplatz, der überraschend leer und ohne Parkplatzwächter war. Was ein erfrischender Kontrast zu Zeiten mit Touristenansturm!
Den üblichen Weg am Bach folgend ging es zur Abzweigung zum Herrensteig und dann steil und in wilder Idylle erst links von der Schotterrinne, dann wieder zurück immer stetig bergauf und in die Latschen. Übrigens einer der schönsten Wege in den Geislern. Viel einsamer - selbst im Sommer - als der berühmte Munkel-Weg gegenüber (den ich gerne "Hausfrauenweg" nenne). Weiter oben gabelt sich der Herrensteig in unteren und oberen Herrensteig. Ich wähle den oberen und es geht weiter in Schleifen, auf und ab mit wunderbaren Blicken auf die gegenüberliegenden Geisler und das unter einem liegende Villnöss-Tal.
Irgendwann lichtet sich sich langsam das Gelände und der Blick auf den Rufen wird frei.
An einer Stelle einer großen Rundung um eine riesige Rinne kommt mir plötzlich eine Idee: Warum nicht einfach vom Weg weg und der Rinne hoch folgen ins Unbekannte? Manchmal sind spontane Entscheidungen die besten. Denn was ich dann entdeckte und erlebte, machte die ganze Tour sehr besonders!
Ich wich also rechts vom Weg ab und ging steil die Schrofen hoch. Mehr und mehr Schneefelder taten sich auf, Felsblöcke zeigten sich vereinzelt in der Landschaft und Hügelkuppe um Hügelkuppe lockte einen hoch. Wollte ich doch wissen, was dahinter liegt oder es von dort oben zu sehen gab. Irgendwann erklommt ich etwas mühsam einen rutschigen Felsblock und erspäte plötzlich eine Formation, die meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Doch lag eine Menge Schnee zwischen dem Ziel-Grat und mir. Ich bahnte mir also einen Weg runter vom Klotz und weiter in Richtung der Ziels der Begierde. Irgendwo muss man doch hoch kommen, ohne im Schnee zu versinken.
Ich fand eine Möglichkeit, wo der Altschnee nicht allzu tief war und wagte mich weiter. Den Grat direkt über die Front zu erklimmen war aufgrund der Schneedecke nicht möglich, also entschloss ich mich, rechts an der Kante mit wenig Schnee hochzukraxeln. Das ging soweit ganz gut. Oben angekommen sah es viel harmloser aus, als es eigentlich war: Auf der einen Seite Schnee, auf der anderen grasiger, steiler Hang. Ich kraxelte bis zum Ende des Grates und wurde mit wunderbaren Blicken Richtung Wörndlelochalm, Schlüterhütte & Co belohnt! Einen Gegend, in der sonst nie ein Mensch ist, weil außer den Schafen im Sommer hier nie jemand anzutreffen ist, weit abseits des Günther-Messner-Steiges. Wow!
Zurück auf gleichem Weg, den Grat entlang und dann an der Kante runter. Leider gestaltete sich das komplizierter als der Aufstieg. Es war rutschig, bröckelig und auch mit wenig Schnee sehr unangenehm. Ohne Grödel ging hier nichts, denn es war heikel an der Kante zu klettern, hinter der es 30m runter ging. Aber irgendwie habe ich geschafft und mich anschließend mutig ein wenig durch den Schnee gekämpft. Der nächste, hohe Hügel wartete bereits.
Auch dort oben angekommen, konnte ich endlich einen Blick auf den Günther-Messner-Steig und den Aufstieg zum Tullen werfen. Zwischen mir und dem Weg allerdings riesige Schneefelder. Wie soll man dort nur rüber kommen? Und auch der Tullen sah oben nicht vielversprechend aus, weil eine große Wechte auf dem Sattel bedrohlich wirkte. An dieser Stelle verwarf ich die Idee, den Tullen auch noch zu besteigen. Man soll das Glück nicht zu sehr herausfordern.
Den Hügel vor und zurück gehen fasste ich den Plan, mich Richtung Weißlahn durchzuschlagen und dort neue Entdeckungen zu machen. Ich fand einen halbwegs passablen Übergang zum Wanderweg (nur einmal bin ich bis zur Hüfte eingesunken) und musste dann feststellen, dass der Weg größtenteils unter Schnee begraben liegt. Es blieb also bei der groben Richtung Furtschellen nur der Weg direkt unterhalb der Weißlahn und den Trittspuren unter den Felsblöcken entlang, weit oberhalb des üblichen Weges. Ich erinnerte mich daran, dass schon schon oft auf dem Weg zum Tullen die Steinmännchen und kaum sichtbaren Spuren unterhalb der Felsen gesehen hatte und mir immer einmal vornehmen wollte, genau dort zu streunen. Also tat sich es jetzt!
Das Vorhaben erwieß sich als Glücksfall, denn so erklomm ich jede Kuppe und Felsen weit oberhalb der normalen Route. Etwas Nervenkitzel und Abenteuer, aber nie wirklich schwer oder gefährlich. Man muss halt trittsicher sein und aufhören, wenn es zuviel wird. Atemberaubende Tiefblicke Richtung Würzjoch, Weißlahn-Halde und der anderen Seite. Übrigens bröckelt die Weißlahn ständig vor sich hin. Ich stand bestimmt 10 Minuten da und lauschte aus sicherer Entfernung den herabfallenden Steinen.
Auf meiner kleinen Expedition sah ich ziemlich zum Ende noch einen exponierten Hügel, auf dessen Kuppe mir ein Steinmännchen verriet, dass es möglich war, dort hochzukommen. Ich suchte eine geeignete Stelle und erklomm auch diese letzte Bastion des Tages. Was ein Ausblick! Später stellte ich fest, dass dieser schroffe Grasbuckel ein ziemlicher Klotz von der anderen Seite aus ist und ich mir nie hätte vorstellen können, einmal dort oben zu stehen. Jetzt ließ ich es aber auch gut sein. Querfeldein einen steilen Abstieg Richtung 150hm unter mir liegenden Wanderweg suchend, stieg ich vorsichtig ab. Auf dem Normalweg Richtung Furtschellen begegneten mir abseits des Weges eine Gruppe Wanderer, die Rast machten und sich wunderten, wo ich wohl herkomme. Wenn die wüssten ...
Der Furtschellen ist ein beschaulicher Aussichtsgipfel mit Bank, genau der richtige Moment für eine große Rast. Meinen Proviant kauend beobachtete ich die unter mir liegende Schäferhütte, die gerade neu gebaut wird. Und den Hügel über ihr. Da steht doch eine riesige Bank! Potzblitz, ich war da noch nie, also musste dieser mir unbekannte Fleck auch noch dran glauben. Die Bank ist groß, der Ausblick noch schöner als vom Furtschellen. Auf dem Rückweg inspizierte ich endlich einmal aus der Nähe die Schäferhütte und den Neubau und ging auf dem Schäferpfad wieder zurück Richtung Normalweg.
Abstieg dann über Herrensteig. An der Gabelung oberer und unterer wählte ich diesmal den unteren Herrensteig und somit einen Umweg und mir einen der wenigen mir bis dato unbekannten Abschnitte des Wanderwegenetztes im Tal. Und was soll ich sagen? Der Weg war äußerst idyllsich, so dass ich noch einen Umweg Richtung Zans nahm und nach knapp 8h wieder am Auto ankam.
Was ein Tag, was ein Rumstreunen in völliger Einsamkeit! Es muss nicht immer ein großer Gipfel sein. Manchmal liegt das Spannende in der Entdeckung des Großartigen dazwischen.
Der Vollständig halber möchte ich erwähnen, dass in der Weidezeit dortoben Schafe weiden und Zäune aufgestellt sind. Geht also pfleglich mit ihnen und der Umwelt um, dann kann man dort auch ein wenig rumstreunen!
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