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E5 Alpenüberquerung Etappe 2: Von der Kemptner Hütte zur Memminger Hütte
E5 Alpenüberquerung Etappe 2: Von der Kemptner Hütte zur Memminger Hütte
Alex-wandert-halt 🥾 and others went for a hike
September 15, 2025
06:22
27.4km
4.3km/h
1,420m
1,030m
Garmin epix Pro (Gen2)
Mit 27 Kilometern und 1.400 Höhenmetern war dies eine der härtesten Etappen unserer Alpenüberquerung. Wir entschieden uns bewusst gegen das Taxi-Shuttle von Holzgau zur Materialseilbahn Memminger Hütte und für eine wunderschöne Wanderung durch Tirol. Am späten Nachmittag wurden die letzten Meter bis zur Hütte körperlich schmerzhaft, doch diese Mühe wurde durch das erfüllende Gefühl des „Geschafft“-Seins, gepaart mit der traumhaften Umgebung der Memminger Hütte, reichlich kompensiert.
Aber der Reihe nach: Wir gingen früh ins Bett, denn unser Wecker klingelte um 5:30 Uhr, damit wir um 6 Uhr frühstücken konnten. Wir waren alle drei sehr gerädert, weil der Schlaf in den schlechten Matratzen nicht sehr erholsam gewesen war (wie sich herausstellen sollte, war dies jedoch unser schlechtester Schlaf auf der Tour). Um kurz nach 6 Uhr standen wir also wieder in voller Montur vor der Hütte. Das Wetter sollte traumhaft werden (am 15. September!!), weshalb ich bereits in kurzer Hose startete. Während wir die ersten 100 Höhenmeter zur deutsch-österreichischen Grenze hinaufstapften, blickten wir auf die im Morgenrot bestrahlte Krottenspitze. Trotz der Müdigkeit war ich aufgrund der traumhaften Umgebung hoch motiviert.
Am Mädelejochpass (und unserer ersten Grenzüberschreitung) trafen und überholten wir vier geführte Wandergruppen. Diese sollten uns noch bis nach Italien begleiten. Irgendwie schafften sie es immer, vor uns loszuwandern, um dann nach einem Kilometer wieder eingeholt zu werden. Wir beeilten uns stets, vor den Gruppen zu bleiben, um nicht an Engstellen in einen Stau zu geraten. An der deutsch-österreichischen Grenze erklärte gerade ein Guide, wie man den Berg im Geröll absteigt, ohne umzuknicken, während wir schnellen Schrittes vorbeihuschten.
Der Abstieg ins Höhenbachtal in Richtung Holzgau ist wunderschön. Dieser felsige Abschnitt nennt sich Roßgumpe. Über größere felsabsprünge und Geröll gelangten wir zügig bergab auf einen etwas breiteren Weg entlang des Höhenbachs. Nun konnte die Konzentration etwas reduziert werden – ich ließ meine Blicke entlang der Bergketten schweifen, während das Bachrauschen uns bis nach Holzgau begleitete. Die Höhenbachschlucht bietet tiefe Wasserfälle, und mitten im Fels erstreckt sich ein Klettersteig über dem gefährlichen Tobel. In Holzgau kamen wir nach circa 2,5 Stunden (und 8 km) an.
Tipp: Gleich zu Beginn des Dorfes gibt es einen Trinkwasserbrunnen. Dort legten wir eine erste Rast ein und füllten unsere Wasservorräte auf.
Die meisten E5-Wanderer (und vor allem die geführten Gruppen) lassen sich von Holzgau nun mit dem Taxi chauffieren. Als wir ankamen, warteten bereits ungefähr zehn Personen am Abholpunkt. Da wir wirklich perfektes Wetter und viel Energie hatten, entschieden wir uns für den Fußweg. Diese Entscheidung bereue ich auch nicht, denn der Weg führt entlang saftiger Wiesen und steiler Berghänge durch die Lechtaler Berge. Ich liebe die Momente, die nach harten Abschnitten auch die Chance bieten, die Umgebung zu erkunden, ohne ständig darauf achten zu müssen, wohin man tritt. Wir wanderten also 15 entspannte Kilometer durch Täler mit relativ wenig Steigung, aber eindrucksvoller Natur und viel Zeit für Gespräche.
Hinweis: In Madau gab es für uns keine Möglichkeit zur Einkehr. Zu unserem Glück und zu unserer Überraschung fanden wir aber an der ehemaligen Hermine-Alpe einen Kühlschrank mit einem Kässchen. Diese letzte Gelegenheit nutzten wir vor dem steilen Aufstieg zur Memminger Hütte. Im September ’25 gab es hier Cola, Almdudler, Sprudel und Bier zur Auswahl.
Die Materialseilbahn Memminger Hütte dient als Drop-off-Punkt für unsere taxifahrenden Mitwanderer. Vor der Materialseilbahn erstreckt sich ein riesiges Geröllflussbett mit dem eiskalten Parseierbach. Robert nutzte die Möglichkeit und streckte seine Füße ins kalte Wasser. Ich hingegen wusch meine vollgeschwitzte Cap aus und warf sie mir klatschnass auf den Kopf. Wir hatten einen perfekten, sonnigen Septembertag erwischt, dessen Hitze mir aber beim letzten Aufstieg noch einmal zu schaffen machen sollte.
Für mich persönlich war der Aufstieg von der Materialseilbahn zur Memminger Hütte der härteste Abschnitt der gesamten Alpenüberquerung. Dies lag mitunter aber auch an den vorher geleisteten 23 Kilometern und der Hitze. Die 1.300 Höhenmeter am Stück bereiten allerdings vielen Wanderern Probleme. Zu Beginn geht es über viele Serpentinen entlang eines wurzelreichen Pfades stetig bergauf. Im zweiten Drittel wird es naturgemäß felsiger. Das letzte Drittel ist technisch zudem herausfordernd, weil wir sehr steil bergauf über Geröll und Wasserfälle wandern
„Nach der Bergkuppe kam einfach noch einmal eine, und danach ging es trotzdem nochmals weiter hoch“, hört man dann in der Memminger Hütte des Öfteren. Denn der Weg erweckte immer den Anschein, dass man es gleich geschafft hat, um dann doch noch mit weiterer Höhe zu überraschen.
Sobald aber der magische Moment erreicht ist und die Memminger Hütte in Sicht kommt, weiß man, warum man das alles tut: aufgrund dieser wunderbaren alpinen Momente. Die Memminger Hütte liegt nämlich auf einem Hochplateau zwischen dem Seekogel und dem Seekopf. Wir befinden uns nun auf 2.200 Metern über Normalnull, umgeben von alpinem Gelände, und vor der Memminger Hütte liegt einfach ein wunderschönes, von einem fließenden Gewässer durchflutetes Moor. Ein Paradies für Alpentiere wie das Murmeltier oder die Gams.
Die Memminger Hütte bietet uns eine warme Dusche für wenige Taler, die wir nach der schweißtreibenden Tour gerne in Anspruch nehmen. Zumal wir im Matratzenlager eng an eng liegen. Robert, Dave und ich teilen uns zu dritt ein Stockbett mit drei Matratzen. Unser „Schlafzimmer“ ist ein Durchgangsraum; während des Abends, nachts wie auch früh morgens laufen hier ständig Personen ein und aus. Mit Ohropax bekomme ich kaum etwas mit, viele andere schlafen hier jedoch schlechter.
Am Abend lernen wir noch zwei lustige Holländer am Esstisch sowie zwei weitere E5-Wanderer, Lotte und Jannik, kennen, während wir uns bei einem All-you-can-eat-Käsespätzle den Magen vollschlagen. Wir haben viel zu lachen und tauschen zahlreiche Wandergeschichten aus. Für Jannik ist es die erste größere Wanderung. Wie wir später leider feststellen müssen, ist er total überpackt, unerfahren, ohne Stöcke und nicht wirklich fit.
Lotte, die Bergwachtlerin aus Oberbayern, wird uns noch auf einigen Etappen begleiten. Mit ihr haben wir eine fantastische Mitwanderin gewonnen.
Unglücklicherweise musste sie in unserem ersten Gespräch von uns erfahren, dass sie den Parkplatz ihres Autos in Oberstdorf fälschlicherweise nur für eine Nacht anstatt für eine Woche bezahlt hatte.
https://alex-wandert-halt.de/e5-alpenueberquerung-von-oberstdorf-nach-meran
Waypoints
Route Details
Elevation
Highest point (2,210 m)
Lowest point (1,070 m)
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