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Kleinwalsertaler Hüttenrunde Tag 1 - Von der Kanzelwand zur Widdersteinhütte
Kleinwalsertaler Hüttenrunde Tag 1 - Von der Kanzelwand zur Widdersteinhütte
Alex-wandert-halt 🥾 and Bert went for a hike
June 9, 2024
05:06
16.5km
3.2km/h
1,040m
990m
Diese Etappe geht bis dato in die für mich herausforderndste Wanderung meiner persönlichen Wandergeschichte ein. Sie zeigt mir auf, wie schwierig eine gute Planung bei unklaren Wetterbedingungen sein kann. Wie langsam man doch durch Schnee wandert und dass man nicht auf die höchsten Berggipfel kommen muss, um in wirklich brenzliche Situationen zu geraten. Mit 16km und 1.000 Höhenmetern war sie zwar sportlich, jedoch nicht zu lange.
An der Kanzelwandbahn geparkt, stehen wir nun am Schalter der Talstation. Das Auto bleibt 3 Tage unbewegt - im Gegensatz zu uns. Wir fahren auf die rund 2.000m hohe Bergstation, um unser Wochenendabenteuer zu beginnen. Spontan entscheiden wir uns kurz auf den Gipfel der Kanzelwand zu steigen, da dieser ohne große Mühen sowieso auf dem Weg liegt. Die weiteste Aussicht der Tour erreichen wir also schon nach wenigen Minuten. Wenige andere Wanderer begleiten uns hier noch auf dem Weg, wohingegen wir auf unserer restlichen Strecke mutterseelen allein bleiben werden. Wir biegen von der Kanzelwand jetzt links in Richtung Warmatsgundtal ab um dann den Weg hinauf zur Fidererpasshütte zu nehmen. Bereits zu Beginn kommen wir an kleinen Schneefeldern vorbei. Meine Grödel bringen mir hier leider gar nichts, weil der Schnee bereits so weich ist, dass ich mit den Spikes kaum Halt finde. Der steile Aufstieg (teilweise bis zu 50% Steigung) zur Fidererpasshütte bringt uns dann wirklich gut ins Schwitzen, weshalb wir eine kurze Trinkpause auf der Hütte nehmen. Von hier sehen wir den komplett verschneiten Weg zum Saubuckelkopf. Des Risikos bewusst wagen wir dennoch den Aufstieg, da bereits viele Fußspuren einen gut begehbaren Pfad für uns vorbereiteten.
Einen Moment nicht aufgepasst und den Stock falsch angesetzt, kracht es plötzlich hinter mir. Ein Wanderstock meines Mitwanderers ist in einer Felsspalte gebrochen. Von nun an geht er wohl nur noch mit einem Stock.
Es zieht so langsam zu. Auf dem Wetterbericht erwartet uns gegen 19 Uhr ein Unwetter. Wir planen natürlich bereits viel früher an der Widdersteinhütte zu sein. Da wir nun aber zunehmends durch tiefe Schneefelder stapfen, kommen wir langsamer voran als geplant. Die eigentlich wunderschöne Route entlang des Hangs des Rappenalptals können wir kaum genießen, da wir weder Sichtweite noch festen Untergrund haben. Keine Sicht beunruhigt uns nicht sonderlich, da wir per Navigation und Schilder recht gut auf dem Weg bleiben, aber es wird kälter und windiger.
Nach 5,5h erreichen wir die Mindelheimer Hütte. Viel Zeit für eine Pause bleibt nicht, dennoch müssen wir uns kurz aufwärmen, den Wasser- und Zuckerhaushalt auftanken und uns über unsere nächsten Schritte beraten. Denn das Wetter wird weiterhin zunehmend schlechter. Der Wirt der Mindelheimer Hütte erklärt uns, dass wir es normalerweise auch bei den aktuellen Schneebedingungen gut bis zur Widdersteinhütte schaffen sollten, allerdings könnte es knapp werden, da das Gewitter früher eintreffe als vorhergesagt.
Deshalb wandern wir nun schnellen Schrittes weiter vorbei am Wildengundkopf, am Geißhorn und hinauf zum Koblatpass. Dieser Abschnitt hat mir meinen Kräften wirklich einiges abverlangt. Wir sind nun 7,5h unterwegs und stapfen seit Stunden durch den Schnee bergauf. Zudem ist der steile Aufstieg im Schnee zum Pass auch technisch nun fordernd. Als wir die Südseite des Koblatpasses erreichen werden wir von der vollen Breitseite des zu früh eingetroffenen Unwetters erwischt.
Der Widderstein fühlt sich jetzt zum Greifen nah an, aber Weg hinunter wird gerade zum Faktor 100 schwerer zu laufen. Der kalte Wind bläst uns nun so stark entgegen, dass wir die Regencapes der Rucksäcke entfernen müssen, um nicht wie ein Windsurfer weggeweht zu werden. Lieber einen nassen Rucksack als Gleichgewichtsprobleme am Berg. Die eiskalten Regentropfen fühlen sich jetzt an wie Nadelstiche im Gesicht.
Einen Schreckensmoment überkam mich, als unser Vordermann uns im Rückwärtspurzelbaum entgegen kommen, weil er von einer der extremen Windböen erwischt wird und den Halt verliert. Glücklicherweise konnten wir ihn am Rucksack halten. Weil der Wind nun stark tobt und der Nebel dicht aufzieht, sehen und hören wir kaum noch etwas. Kommunikation ging nur noch mit Gestikulierungen. plötzlich holt mein Kumpel das Handy aus der Tasche und beginnt zu telefonieren. Wir wundern uns was jetzt so wichtig ist, bis er uns ins Ohr schreit, dass dies der Hüttenwirt der Widdersteinhütte war, und nachfragt, ob wir noch ankommen werden oder Hilfe benötigen.
Obwohl wir nur wenige hundert Meter von der Hütte entfernt sind, brauchen wir nochmals eine volle Stunde um im Gewitter voran zu kommen und die sichere Hütte zu erreichen.
Kaum überraschend sind wir die einzigen Hüttenbesucher auf der Hütte. Der Wirt ist erfreut über unser Erscheinen und wir über eine warme Stube und eine ruhige Nacht. Unsere Sachen sind jetzt komplett durchnässt. Da wir aber genug Platz auf der Hütte haben, können wir alles noch bis zum nächsten Morgen trocknen lassen.
https://alex-wandert-halt.de/kleinwalsertaler-huettenrunde-in-3-tagen/
Waypoints
Route Details
Elevation
Highest point (2,220 m)
Lowest point (1,730 m)
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