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🌳Timo🌳 and others planned an e-bike ride.
4 days ago
03:03
55.6km
18.3km/h
140m
140m
HelmutP went mountain biking.
March 7, 2026
Gestern habe ich etwas gebummelt. So sind es heute noch EinHundertUndSiebzigKilometer bis nach Hause. Es ist Sonntag, aber ohne Sonne. Es hilft nichts – Regensachen an und los. Dafür ist es etwas wärmer als die letzten Tage. Ich verzichte zunächst auf die Heatpads unter den Socken. Aber das ist zu optimistisch. Im nächsten Ort suche ich mir ein Carport und benutze sie. Besser. Bei den Handschuhen habe ich zwischen Handschuh und Überhandschuh eine Plastiktüte angezogen. Die Überhandschuhe sollen eigentlich wasserdicht sein, sind es aber schon lange nicht mehr. So geht es. Es sind kaum Menschen auf der Straße und wenn doch, dann haben sie einen Hund dabei. Klar, die Vierbeiner müssen auch bei Regen raus. Am Wegesrand sehe ich ein Schild, dass auf einen Eiskeller hinweist. Eine Möglichkeit, Sachen kühl zu lagern, als es noch keine Kühlschränke gab. Funktioniert auch, ist aber mühselig. Dafür braucht es keinen Strom. Die Strecke führt an Seen vorbei und vor Lilienthal sehr schön durch den Wald. Silke hat mir mitgeteilt, dass der Regen aufhören würde, wenn ich weiter nach Süden kommen. Und tatsächlich regnet es hier nicht mehr. Aber der Boden nass und ich traue dem dunklen Himmel noch nicht. Also bleibt die Regenhose erst einmal an. Ich fahre aus Lilienthal heraus und bin in 19 – BALI Hier war ich doch gestern schon mal – es sieht allerdings komplett anders aus. Keine Ostsee, dafür Weihnachtsbaumplantagen. Es ist wärmer geworden und ich kann einen Teil der Kleidung ausziehen. Die Gegend ist weiterhin hügelig. Ich komme an einigen großen landwirtschaftlichen Gütern mit schicken Herrenhäusern vorbei. In Ascheberg mache ich Pause, esse etwas und ziehe die Regenhose und -überschuhe aus. Der Boden ist hier trocken – ich habe also das Regengebiet verlassen. Ascheberg liegt am „Großen Plöner See“, an dessen Ufer ich jetzt entlanggeführt werde. In Dersau lädt ein Tisch mit Bänken auf einem Steg zum Pausemachen ein. Ich hole mein letztes Brötchen, Salami und Käse aus dem Rucksack und das letzte Bier, dass ich seit Kiel mit mir rumschleppe. Schön hier – so mit Blick auf den See. Es gibt einen lauten Knall. Mein Rad ist von einer Windböe umgeworfen worden. Glücklicher Weise auf die Nichtantriebsseite. Dem Rad ist nichts passiert, nur mein Wahoo baumelt traurig an seiner Fangschlaufe. Die Quaterturn-Halterung am Lenker war mit zwei Schrauben befestigt und ist jetzt raus gerissen. Ich kann es wieder aufsetzten, aber bei jeder Bodenwelle wird es wieder abspringen. Zu Hause wäre das kein großes Problem – ich könnte mir einfach eine neue Halterung drucken. Aber hier habe ich gerade keinen 3D-Drucker zur Hand. Meine MacGyver-Fähigkeiten sind gefragt. Mein Reparaturkit enthält ein Tape mit dem man Jacken flicken oder Luftmatratzen dichten kann. Jetzt schneide ich mir davon einen Streifen ab, halbiere ihn und klebe die beiden Teile der Halterung damit zusammen. Das funktioniert. Jetzt bin ich gespannt, wie lange dieses Provisorium am Rad bleibt, bis es durch eine neue Halterung ersetzt wird. Ich fahre noch ein Stück am See entlang, bevor der Weg durch den Nehmtener Forst führt. Hier sind nicht nur ordentliche Steigungen zu überwinden sondern auch eine Reihe von umgestürzten Bäumen. Hinter Kembs sehe ich einen Wegweiser: „Weitewelt 1km“ und „Berlin 4km“. Ein paar Meter entfernt das Ortsausgangsschild von Kembs: „Weitewelt 2km“. Ja was denn nun? Egal, ich fahre jetzt in die 20 – WEITEWELT Irgendwie erwarte ich etwas besonderes in diesem Ort zu sehen. Aber da ist nichts. Die gleichen Häuser und Grundstücke wie überall. Na gut. Jetzt, wo ich die weite Welt bereist habe, kann ich auch zurück nach Deutschland fahren. Bis 21 – BERLIN sind es ja nur DreiKilometer. Berlin lässt sich nicht lumpen: Es gibt ein Lichterfelde, einen Kurfürstendamm und einen Potsdamer Platz. Ansonsten ist Berlin eher klein. Dies war nun der letzte Ort auf meiner Weltreise. Jetzt muss ich nur noch nach Hause fahren. Noch EinHundertUndSiebenKilometer. Na, dann man los. Vorher sollte ich aber noch meine Wasservorräte aufstocken. Das mache ich an einem Grundstück, an dem ein Paar gerade im Garten arbeitet. Ich bekomme mein Wasser und sie meine Geschichte. Sie versichern mir auch, dass ich jetzt den größten Teil der Hügel hinter mir habe. Ab jetzt wird es also leichter. So ist es auch. Ab Bad Segeberg geht es nach Bad Oldesloe und dann nach Trittau viel auf alten Bahntrassen entlang. Klasse, weil weg vom Autoverkehr. Aber auch ein bisschen langweilig – so immer gerade aus. Jetzt wird es langsam dunkel. Hinter Grande geht es in den Sachsenwald. Es führt auch eine Straße nach Friedrichsruh, aber ich habe ja „Gravel“ geplant und werde so mitten durch den Wald geschickt. Die Wege sind fahrbar, aber lehmig und feucht. Ich habe das Gefühl, die Reifen kleben am Boden. Nur wenige Abschnitte sind total zerfahren. Ein paar Singletrails gibt es auch und auch ein wenig technisches Mountainbiking ist dabei. Eine ganze Stunde dauert die Fahrt durch den Wald. Es kommt mir viel länger vor. Die Konzentration muss auch jeden Moment hoch sein, um nicht in ein Loch zu fahren oder einen Ast zu übersehen. Aber schließlich bin ich an der Elbe. Und obwohl es noch ZwanzigKilometer bis nach Hause sind, fühlt es sich schon an wie geschafft. Ich halte noch einmal und esse etwas Schokolade, dann mache ich mich auf das letzte Teilstück. Was für ein Unterschied zu meiner Rückfahrt von hier an Silvester. Damals musste ich mich mit dem heftigen Gegenwind auseinandersetzen – jetzt ist es windstill. Es rollt gut. Die Elbe ist spiegelglatt. Die Spiegelung der Straßenlaternen sehen einfach umwerfend aus. Ja, und dann bin zu Hause. Meine Weltreise ist beendet. Und wie immer waren die Begegnungen mit den Menschen die Highlights der Tour. Mein Dank geht an MARTIN MOSCHEK von BiketourGlobal für die Inspiration und die tolle Streckenführung. An den Mann, der mir geholfen hat, mein Rad an dem dicken Baumstamm vorbeizumanövrieren. An Theresa und Maikel für die nette Unterhaltung. An die Boßeltruppe für Bier und Liqueur. An SWANTJE für die Beherbergung auf Nordstrand. An WATT’N GRILL für leckeres Essen. An das Paar, dass für mich im Internet wegen der Fähre nach Laboe recherchiert hat. An die Besitzer der Wohnmobile, die mich selbstlos mit Wasser versorgt haben. An alle, die mir sonst mit Wasser ausgeholfen haben oder den Tag einfach ein wenig heller gemacht haben. Und mein besonderer Dank geht an meine FAMILIE, die mich virtuell begleitet und bei Laune gehalten hat. DANKE EUCH!
26:23
176km
6.7km/h
910m
890m
HelmutP went mountain biking.
March 7, 2026
Ich will eigentlich liegen bleiben, bis es hell wird. Von hier soll man einen tollen Blick über die Gegend haben und den will ich mir bei einem schönen Frühstück antun. Ich werde aber schon vorher durch einen dringenden, unterdrückten, sich wiederholenden Ruf geweckt: „KOMM HER! LASS DAS! KOMM HER!!!“ Jemand ist mit seinem Hund in der Dunkelheit unterwegs. Ich schaue auf die Uhr: FünfUhrDreißig. OK, ich stehe dann mal auf. Bis ich gepackt habe, ist es sowieso schon hell. Ich packe Schlafsack, Isomatte, Innenschlafsack, Kissen und Biwaksack zusammen und suche Kocher, Aeropress und die Kaffeemühle heraus. Inzwischen ist noch ein Hund vorbeigekommen und gleich darauf sein Herrchen auf einem eBike. Wir wünschen uns einen Guten Morgen. Der Mann verhält sich so, als ob es völlig normal ist, dass hier jemand auf der Bank sitzt und Frühstück macht. Inzwischen ist es hell geworden. Es hat sich leicht bewölkt, was erklärt, dass es nicht ganz so kalt ist. Oder habe ich mich schon etwas an die Temperaturen angepasst? Kann sein. Jedenfalls genieße ich den wirklich schönen Ausblick über die Gegend, während der Kocher das Wasser heiß macht und ich gemütlich an der Kurbel der Kaffeemühle drehe. Ich genieße es, den Kaffee auf diese Weise zuzubereiten. Der gemahlene Kaffee kommt in die Aeropress, etwas heißes Wasser darauf, umrühren. Mehr heißes Wasser darauf. Deckel mit Filterpapier aufsetzen und festschrauben. Etwas ziehen lassen. Becher drauf und das ganze umdrehen und langsam das Wasser durch den Filter in den Becher drücken. Kaffeeweißer hinzugeben und umrühren. Das restliche Wasser aufgießen. Und dann der erste Schluck!!! Es gibt nichts Besseres!!! Zu essen gibt es ein Brötchen mit Salami und Babybel-Käse. Den kaufe ich gern bei Radtouren, weil er nicht schmilzt. Obwohl diese Gefahr jetzt wohl nicht besteht. Gegen SiebenUhrDreißig fahre ich endlich los. Ein paar hundert Meter die Straße runter komme ich an einer Bushaltestelle vorbei, die sich auch prima als Unterkunft geeignet hätte. Manchmal ist es schon komisch… Ich bin schnell wieder auf Martins Route, die für einen längeren Abschnitt an der B 203 verläuft. Immer wieder fahre ich an verbliebenen Schneefeldern vorbei. Es ist doch noch früh im Jahr. Und dann bin ich in Eckernförde und damit tatsächlich am Meer! Es ist fast windstill und die Ostsee liegt ganz glatt vor mir. Die Sonne steckt hinter einer dünnen Wolkenschicht. Sieht toll aus. Ich fahre weiter und bin plötzlich in 15 – BALI Oops – das war nicht geplant – noch nicht. Aber da ist das Schild. In diesem Fall ist es ein indonesisches Restaurant – natürlich geschlossen. Am Ausgang von Eckernförde mache ich dann noch einen Abstecher nach Ostafrika. 16 – SANSIBAR ist ein abgesperrter Rundbau, der mal ein Kaffee direkt am Strand war. Ich würde ja denken, ein solcher Laden müsste eine Goldgrube für die Betreiber sein. Aber hier sieht es nicht so aus, als ob das Gebäude wieder hergerichtet würde. Eigentlich schade. Die Route verlässt jetzt die B 76 und führt durch das Schellmarker Holz – vorbei am Begräbniswald „Küstenfrieden“. Das ist wieder mit einem ordentlichen Auf- und Ab verbunden, aber besser als an der Bundesstraße, auf die ich nach einer Weile noch einmal kurz treffe, bevor ich sie in Schnellmark endgültig verlasse. Ich werde noch einmal zum Meer geführt, darf ich auf schmalen Sandwegen zum verwaisten Campingplatz „Lindhöft“ durchschlagen und biege dann landeinwärts in Richtung Schilksee ab. Kurz vor Birkenmoor halte ich an einem Großsteingrab und esse etwas. Drei Radrennfahrer sausen auf der Straße vorbei – ach-ja, es ist ja Sonnabend. Und offensichtlich ist an diesem Sonnabend eine Frühjahresputzaktion im Gange. Ich sehe viele Leute beim Müll aufsammeln. Daumen hoch und Danke! In Schilksee komme ich wieder ans Meer. Diese Gegend kenne ich ganz gut, denn etwas weiter, kurz vor Strande, liegt der Strand, an dem ich oft getaucht bin. Bei einem kleinen Strandkaffee mit dem Namen „Ute im Bikini“ mache ich Pause. Ich bestelle „Fish & Chips“ und ein Bier. Das Fassbier, dass sie hier ausschenken ist aus Spanien. Passt zu meiner Weltreise. Der Anleger, wo die Fähre nach Laboe ablegen soll sieht seltsam ungenutzt aus. Ein Pärchen sitzt dort und ich frage, ob und wann die Fähre fährt. „Normaler Weise schon, heute aber wohl nicht“, ist die Antwort. Komisch. Der Mann checkt sein Handy. Nein, hier fährt nichts. Ich muss wohl außen herum. Gut, das ist nicht weiter schlimm, ich bin ja zum Radfahren hier. Mein Wahoo zeigt einen Umweg von FünfUndZwanzigKilometern an.Und ordentlich Höhenmeter sind auch dabei. Ich mache ein paar Fotos von der Brücke über den Nord-Ostsee-Kanal. Es scheint schon ewig her zu sein, seit ich den bei Rendsburg untertunnelt habe. Zeit ist relativ. Ich muss durch Kiel und dann auf der anderen Seite der Förde nach Laboe. Ich sehe auch dort keine Fähre, überprüfe das jetzt aber auch nicht. Ich bin ja hier. Jetzt sehe ich das Marine-Ehrenmal und das davor liegende U-Boot aus der Nähe. Auch hier fasziniert mich das U-Boot und stößt mich gleichzeitig ab. Mixed feelings. Hinter dem Wendtdorfer Strand ist der Weg gesperrt. Baustelle. Ich „übersehe“ das Schild. Wird schon irgendwie gehen und am Sonnabend wird sowieso nicht gearbeitet. Geht auch – wenn auch langsam. Und dann taucht der erste Wegweiser auf: „Kalifornien 3,1“. 17 – KALIFORNIEN Fast alle, die von meiner Weltreise gehört haben, haben sofort „Kalifornien“ gesagt. Das verrückte ist, dass es irgendwie gar kein offizielles Schild gibt das sagt: Hier ist Kalifornien. Ich finde ein Schild das sagt: „STRANDDORF KALIFORNIEN E.V. PRIVATWEG“ Als ich aber Leute frage, die aus diesem „Privatweg“ kommen, ob das Kalifornien ist, sagen sie nein. Ich müsste noch weiter. Ich finde ein Schild „surfing Kalifornien“ und daneben einen Lageplan. Nach dem müsste ich mitten in Kalifornien sein. Ich frage einen Passanten, der hier schon oft Urlaub gemacht hat, wie er sagt. „Nein, ein Schild gibt es hier nicht, aber wenn sie am Strand weiter fahren, kommen sie an ein Hotel „California“. OK, das muss es dann tun. Nach dem Hotel fahre ich mal auf der anderen Seite des Deichs entlang. Ich habe jetzt den Blick auf das Meer. Es ist schon wieder verdammt kalt geworden und dabei soll ich doch jetzt nach 18 – BRASILIEN kommen. So ist es. Als Erstes fällt der „Imbiss Brasilia“ auf. Hier gibt es auch ein Ortsschild. Sonst ist nichts los. Alles ist geschlossen. Ich fahre weiter – weg vom Meer. Gar nicht weit weg von Brasilien finde ich einen Unterstand. Soll ich jetzt schon Schluss machen? Heute habe ich den Tag etwas verbummelt. Dann der Umweg über Kiel und der lange Sandweg. Aber wenn mir so eine Unterkunft geradezu aufgedrängt wird, sollte ich sie auch nicht verschmähen. Es ist etwas müllig hier, obwohl ein Abfallbehälter direkt vor der Hütte steht. Manchmal könnte ich an der Menschheit verzweifeln. Ich räume etwas auf. Dann fällt mir auf, dass ich kaum noch Wasser habe. Ich schütte den Rest in eine Flasche zusammen. Hmm – wenig, wenn ich jetzt noch kochen will und morgen früh Kaffee machen. Und für die Weiterfahrt bräuchte ich ja auch noch Wasser… Ich bin ja noch nicht weit von Brasilien entfernt. Vielleicht bekomme ich da irgendwo Wasser. Also fahre ich zurück. Direkt gegenüber vom „Imbiss Brasilia“ ist ein Parkplatz mit zwei Wohnmobilen darauf. ‚Die wissen doch bestimmt, wo hier eine Wasserstelle ist‘, denke ich und frage. Eine Frau mit osteuropäischem Akzent weiß das auch nicht. Aber ihr Mann ist hilfreich und holt eine große Wasserflasche aus dem Wohnmobil. Damit werden meine Flaschen aufgefüllt. Ich bedanke mich und erzähle, was ich gerade mache und dass ich draußen übernachte. Vor allem diese Tatsache wollen sie kaum glauben. Sie haben bereits die Heizung in ihren fahrbaren Häusern angeschaltet. Sie fragen mich, wo ich herkomme und es stellt sich heraus, das mein freigiebiger Wasserspender aus Buchholz stammt. Die Welt ist klein. Ich bedanke mich überschwänglich und begebe mich wieder in meine Unterkunft. Jetzt wird es schon dunkel. Ich koche mir eine Tütensuppe und reicher sie mit Beef Jerky an. Das Zeug ist schon etwas überlagert – aber was soll da schon passieren. Ist ja getrocknet. Ein Bier habe ich auch noch. Klasse Leben! Dann räume ich alles vom Tisch, denn der wird jetzt mein Bett. Ich lege eine Fensterfolie als Unterlage darüber, dann kommt der Biwaksack darauf, die Isomatte, Kissen, Schlafsack und Innenschlafsack da rein – und fertig. Es ist mitten in der Nacht, als ich Schritte höre. Wer kommt da. Es stellt sich heraus, dass es keine Schritte sind, sondern Regentropfen. Na gut, dass ich ein Dach über mir habe. Allerdings scheint die Isomatte unter mir Luft verloren zu haben. Ja, definitiv. Ich klettere aus meinem Schlafsack und blase wieder Luft in die Matte. Es ist erstaunlich warm geworden. Jedenfalls empfinde ich das so. Nach einer Weile ist die Luft in der Isomatte wieder zu niedrig. Mist. Beim Aufstehen schubse ich meine Stirnlampe vom Tisch. Kaputt. Die Leuchte ist von der Halterung abgebrochen. Och nö. Ich klemme mir die Leuchte zwischen die Zähne, öffne das Ventil der Isomatte und untersuche es dann Blase ich die Matte wieder auf. Hoffentlich war es das jetzt. Mein Magen grummelt auch etwas. Vielleicht war das Beef Jerky doch schon zu alt? Die Matte hält jetzt die Luft. Gut. Ich schlafe noch mal ein. Als ich wach werde ist es immer noch stockdunkel. Der Regen hat zugenommen. Es ist FünfUhrDreißig. Mein Magen sagt, ich muss aufs Klo. Es regnet. Ach Mist. Ich entscheide mich, die Nacht für beendet zu erklären und aufzustehen. Zunächst suche ich meine Klo-schaufel und das Desinfektionsspray heraus. Dann laufe ich ein ganzes Stück von der Hütte weg und grabe mir ein Loch in den Boden. Darüber hocke ich mich hin. Hatte ich schon erwähnt, dass es regnet. Das gibt dem Ganzen noch mal eine ganz besondere Note. Dann Hintern reinigen und desinfizieren. Das Loch zuschaufeln. Sieht aus wie vorher. So muss das sein. Danach die Hände desinfizieren und zurück in den Unterstand. Mir geht es besser. Ich packe den Schlafsack zusammen und will sicherheitshalber noch mal schauen, ob sich nicht doch irgendwas in die Isomatte gebohrt hat. Ich finde nichts. Aber ich entdecke Wasser. Das Dach des Unterstandes ist nicht dicht. Noch ein guter Grund, jetzt aufzustehen, denn es tropft genau über dem Tisch, auf dem ich gelegen habe. Ich mache Frühstück. Der Kocher ist sehr unwillig. Geduld ist gefragt. Ich drehe langsam an der Kaffeemühle und schaue von Zeit zu Zeit nach, ob unter dem Topf noch eine Flamme ist. Das Wasser kocht, ich mache Kaffee und esse etwas. Dann packe ich und es geht weiter.
09:59
93.4km
9.4km/h
450m
480m
3 days ago
I would have stayed at #14 🤩! Do you just find the cabins like that, or are they marked somewhere?
And going from California to Brazil 🇧🇷 in one day—that's quite an achievement 😊👍!
Translated by Google •
HelmutP went mountain biking.
March 6, 2026
Draußen ist es schon hell. Ich habe wunderbar geschlafen. Jetzt packe ich Schlafsack und Isomatte zusammen und begebe mich in die Küche. Der Burger kommt in die Microwelle. Mein Topf sieht ein bisschen verloren auf dem Herd aus – ich mache den Kaffee mit dem Campingkocher. Dann setze ich mich im Wohnzimmer an den Tisch. Ich bin gespannt, wie dieser Burger schmeckt. In meinem Kopf dröhnt es sofort wieder: Shadow on the wall – düd-düdüd Shadow on the wall – düd-düd … Treat me like a crimimal Just a CHEDDAR ON THE WALL … Meine Textsicherheit lässt stark zu wünschen übrig. Ich muss sagen, der Burger schmeckt wirklich hervorragend. Zusammen mit dem Kaffee ein super Frühstück! So, jetzt den Teller und das Besteck abwaschen und alles mit einem Küchentuch trocknen. Der Müll kommt in eine Plastiktüte und kommt mit. Ich benutze noch ein letztes Mal das Bad und schaue, dass alles so ist, als wäre ich gar nicht hier gewesen. Nein, nicht alles. Ich hinterlasse eine Nachricht auf Küchentuch mit Dank und meiner eMail-Adresse. Falls Swantje möchte, kann sie mir eine kurze Nachricht schicken und ich schicke ihr dann die Links zu dieser Geschichte zu. Mal sehen, ob sie sich meldet. Das Aufrödeln des Rades dauert immer erstaunlich lange. Heute ist es auch nicht ganz so kalt. Der Schock kommt, als ich den Wahoo einschalte und die Route laden will. Sie ist weg! Ich Dussel habe sie diesmal nicht auf das Gerät geladen, weil Routen von Komoot und Strava automatisch mit dem Wahoo synchronisiert werden. Schwerer Fehler, wie sich jetzt herausstellt. Nur die auf dem Wahoo gespeicherten Routen sind verfügbar. Ich versuche es mit synchronisieren. „WLAN wird gesucht…“. Das kann er ja auch nicht finden, dass ist ZweiHundertKilometer entfernt. Was jetzt? Ich schalte das Handy auf „Hotspot“ und richte das so ausgestrahlte WLAN mit der „ELEMNT“-App auf dem Wahoo ein. Dann starte ich das Gerät neu und versuche es mit dem synchronisieren. Es funktioniert – aber es dauert. Ich habe viele Routen auf Komoot und Strava. Aber gut, die Route ist schließlich sichtbar und lässt sich auch laden. Gott sei Dank! Es ist AchtUhr, als ich endlich los komme. Ich mache noch ein paar Fotos von meiner tollen Unterkunft und setzte mich dann in Bewegung. Die Welt will weiter erkundet werden. Nochmal ein großes DANKESCHÖN an SWANTJE!!! Die Strecke führt entlang eines Deiches, der die Nordsee links von einer Salzwasserlagune rechts trennt. Nach einer Weile wechsele ich von der Lagunenseite auf die Nordseeseite. Es ist gerade Ebbe. Jede Menge Seevögel laufen hier über das Watt. Etwas entfernt sehe ich Halligen von Nordstrandischmoor. Die Leute, die dort wohnen, kommen wohl nur dort hin, wenn Ebbe ist. Was ein abgeschiedenes Leben. Bei Lüttmoorsiel dreht die Route nach rechts und ich verlasse Insel und Nordsee. Vögel über Vögel sitzen rechts und links und auch auf der Straße. Und es gibt ein Meer von Windkraftanlagen. Ob die sich nicht gegenseitig den Wind aus den Flügeln nehmen? Etwas später stehen die meisten von ihnen. Es ist ein sonniger Tag – wahrscheinlich gibt es jetzt genügend Solarstrom. Bezahlen müssen wir den nicht produzierten Strom trotzdem. Irgendwie auch ökonomischer Unsinn. Und während wir hier versuchen CO2 einzusparen, werden in der Ukraine, in Russland und jetzt im Nahen Osten Erdöl- und Erdgasanlagen zerstört – auch mit Waffen, die wir da hin liefern. Was für eine bekloppte Welt! An einer „star“-Tankstelle wird der Dieselpreis gerade mit ZweiEuroZehnKommaNeun angezeigt. Das sind die Konsequenzen des Wahnsinns für uns. Ich möchte bitte sofortigen FRIEDEN! WELTWEIT!!! Mein Weg führt mich heute Richtung Osten. Am Ausgang von Tarp komme ich an einem Haus mit dänischer Aufschrift vorbei. Ein Wappen mit den Buchstaben F D F ist zu sehen. Ich habe das mal recherchiert: F D F steht für „Frivilligt Drenge- og Pige-Forbund“, zu deutsch „Freiwilliger Jungen- und Mädchenverband“. Ich bin also wieder in 10 - DÄNEMARK Auf dem Hof sind Tische mit Bänken und ich mache eine kurze Rast. Schön hier. Auch der Weg durch den Wald, der sich anschließt hat etwas. Weiter geht es auf kleinen Trail durch die „Fröruper Berge“. Dann geht es wieder auf Asphalt weiter. Ein schöner Mix. Und die kurzen, knackigen Anstiege nehmen zu. Von meiner Unterkunft bis zum nächsten Ziel auf Martins Liste sind es ca. AchtzigKilometer. Ich müsste jetzt bald dort sein. Zwei Reiterinnen kommen mir entgegen. Sie sind guter Laune und sitzen so locker da oben auf den Pferden. Da ist der Weg, der nach 11 – SCHWEDEN führen soll. Ich sehe keinen weiteren Hinweis, als ich die Straße entlang fahre. Dann ein Schild „Privatgrundstück Betreten und Befahren auf eigene Gefahr…“. Ich gehe die Gefahr ein und stehe vor dem Hof. Und da liegt der Stein mit der Aufschrift, dass ich tatsächlich in Schweden bin. Ich mache ein paar Fotos, als der Eigentümer des Hofes kommt und mich fragt, ob er auch ein Foto von mir und dem Stein machen soll. Er kennt das schon. Ich zeige auch ihm die Liste mit den Orten, die ich schon besucht habe bzw. noch besuchen will. Er ist beeindruckt und schaut sich mein Rad an: „Kein eBike“, stellt er fest. „Aber eine ordentliche Übersetzung“, sagt er. „Ja, ich habe schon gemerkt, dass es hier ganz schön rauf und runter geht“, sage ich. Er erzählt mir, dass er oft mit dem Rad SiebenKilometer zur Arbeit fährt. „Und das ist schon ganz schön anstrengend“. Wir verabschieden uns und ich mache mich auf ins Nachbarland. 12 – NORWEGEN Norwegen ist ein Pferdehof. Wie das Schild am Eingang verrät, ein „Dressur- & Ausbildungsstall“. Ich fahre mal auf rein und auf das Hauptgebäude zu. Mir kommen die beiden jungen Damen entgegen, die ich vor kurzem noch auf ihren Pferden gesehen habe. Dann kommt eine Frau und fragt, was ich möchte. Also sie sieht, wie ich mit dem Handy auf das Haus ziele, sagt sie: „Ach, Sie sind auf Ländertour?!!“. „Ja, ich bin einer von denen“, sage ich. Sie lacht und lässt mich machen. Eine weitere junge Reiterin kommt über den Hof. Ich bitte sie, ein Foto von mir und dem Norwegen-Schild zu machen. Macht sie. Ich erzähle ihr, warum ich hier bin und dass ich es schon bewundere, wie sicher sich mache Menschen auf dem Rücken eines Pferdes bewegen. Meine eignen Erfahrungen damit beschränken sich auf einen Frankreichurlaub. Meine Frau, in den USA aufgewachsen, hatte früher ein eigenes Pferd. Sie kann also reiten. Und auch mein Sohn kann, denn er war ein paar Jahre in einer Reitschule. Wir wollten einen gemeinsamen Ausflug mit Pferden machen und ich wurde auf ein Tier gesetzt, dass machte, was die anderen machten. Auch wenn es schneller wurde. Das war anstrengend und einschüchternd, denn so ein Pferd ist ganz schön hoch. Sie muss lachen. Wir verabschieden uns. Ab jetzt wird es anstrengend. Es geht immer rauf und runter. Kurze, knackige Anstiege mit ZehnProzent oder mehr sind keine Seltenheit. Den höchsten Wert, den ich auf dem Wahoo sehe, sind SechZehnProzent. Also ein gutes Training für den „Tanz in den Mai“ in diesem Jahr. Nein, wird noch nicht verraten :-) 13 – BELGRAD Belgrad ist ein Reetdach-Gehöfft mit blauen-weißen Türen und Fenstern. Um hinzukommen führt die Route über einen schmalen Feldweg, den ich fast verpasse. Und da es gleich steil hoch geht, bin ich auch im falschen Gang und muss absteigen und schieben. Auch deswegen, weil ein älteres Paar mit Hund auf dem Weg unterwegs sind. Die Frau nimmt den Hund auf den Arm. „Er mag keine Radfahrer“, behauptet sie. Na gut – ich bin ja schon weg. Vor Belgrad kommen sie noch einmal an mir vorbei. Der Hund interessiert sich weder für mich, noch für mein Rad. Aber für einen Hund hinter einem Zaun ein paar Meter weiter. Das gibt ordentlich Radau. Als ich die beiden mit ihrem Hund noch einmal überhole, passiert gar nichts. Weiter geht es Richtung Kappeln. Als ich dort ankomme definiere ich das schon mal als: Ostseeseite erreicht. Ob ich hier eine Fischbrötchen bekomme? Bevor ich über die Schlei fahre, checke ich das ab. Es gibt einen geschossenen Wagen mit der Aufschrift „Fischbrötchen“. Und Restaurants. Vor einem sehe ich Schilder, die auf Fischbrötchen hindeuten. Ja, das klappt. Ich kaufe zwei: eins mit Lachs und eins mit Fischfrikadelle. Für den Transport gibt es eine Papiertüte für DreißigCent. Stolzer Preis – finde ich. Ich setze mich draußen an die Schlei auf einen Poller, esse die Brötchen und beobachte die Szenerie. Zwei Männer beschallen den Platz mit ihrer Unterhaltung, bis sie von einer Gruppe Jugendlicher mit ihrer Boombox übertönt werden. Sonst ist aber noch nicht viel los. Noch keine Tourismussaison und kalt ist es auch schon wieder geworden. Ich fahre über die Schleibrücke weiter. Am Ausgang von Kappeln halte ich an einer Bushaltestelle und ziehe mich wieder warm an. So, mal sehen, wo ich heute Nacht schlafen werde. Die Strecke wird jetzt auch ein wenig abenteuerlich. Es geht über Feldwege. Und die sind feucht – vor allem in den Senken steht das Wasser. Ab und zu geht es an Gehöften vorbei, manchmal auch mitten hindurch. An einem Waldrand „übersehe“ ich ein Schild. Irgendwas mit Privatweg. Der Weg führt über einen größeren Hof und ein Hund kommt wütend auf mich zugerannt. Ich halte an. So richtig mutig ist der Hund aber doch nicht. Er läuft in einem Bogen um mich herum und bellt mich aus sicherer Entfernung an. Eine Tür öffnet sich. Der ältere Herr will wissen, was ich hier mache. Ich erkläre es ihm. „Hier ist alles privat“, ruft er mir zu. „Aber fahren sie die Straße da lang, dann kommen sie zur Hauptstraße“. OK, da wollte ich sowieso lang. Dieser Weg führt nach Harzmoor. Vielleicht hätte mich der Name schon mal vorwarnen sollen. Ich fahre nicht auf die Hauptstraße, sondern durch das kleine Dorf zu einem Gehöft „Am See“. Dort führt ein Feldweg hinab zum „Söbyer See“ Und mit jedem Meter wird es unter mir nasser. Es fährt sich unheimlich schwer und ich will auf gar keinen Fall mit dem Fuß vom Pedal. Das Wasser steht knöchelhoch. Es geht ein Stückchen um den See und die Bedingungen werden etwas besser. An einem abgesperrten Zugang zum See steht eine Bank und es gibt etwas Wiese. Hier könnte ich übernachten, aber es würde wohl sehr feucht werden. Ich schaue mal weiter – es ist ja auch erst AchtZehnUhrFünfZehn und noch hell. Die Strecke führt jetzt eine Treppe hoch. Mein Lieblingssparkurelement. Ich wuchte das Rad hoch und stehe auf einer Brücke über die B 203 – eine Bundesstraße, die Eckernförde mit Kappeln verbindet. Unten sehe ich auf jeder Seite der Straße eine Bushaltestelle. Die Hütten sehen groß genug für eine Übernachtung aus – aber an einer Bundesstraße?! Das wäre echt Hardcore. Nee, weiter. In den nächsten Ortschaften ergibt sich leider nichts. Die an die Straße angrenzenden Felder sind alle privat genutzt und das Stückchen Wald, durch das ich komme, steht total unter Wasser. Und plötzlich ist da das Schild: 14 – RUSSLAND Ich fahre zu den drei Gehöften, zu denen das Schild zeigt. Kein weiterer Hinweis auf Russland. Und immer noch kein Schlafplatz. Jetzt ist es schon dunkel. In meinem Hinterkopf hat sich ein Gedanke breit gemacht: Meine Frau hatte nämlich gemutmaßt, wie ich zu dem Luxusschlafplatz in England gekommen bin: „I'm guessing you asked to be allowed to sleep under someone's carport or something and a normal human being was horrified, knowing that it would be zero degrees that night and so offered you a cheap short stay in the empty accommodation they had with the understanding that you wouldn't need to use the bedding etc..... am I far off?“ Nun nicht ganz far off. Außer, dass ich nicht gefragt habe. Vielleicht sollte ich das mal probieren? Ich klingle an einem der Häuser. Ein netter, älterer Herr öffnet. „Oh“, sagt er. Hier wurde gerade Gülle versprüht. (rieche ich jetzt auch) Und wir haben hier Wildschweine. Fragen Sie doch mal weiter oben an dem Haus. Falls die da sind. Die sind oft nicht da.“ Ich bedanke mich und versuche das mit dem Haus, was mir schon bei der Herfahrt aufgefallen ist. Keiner da. Und einfach so auf privates Land – nein, das mache ich nicht. Es gibt noch ein Gehöft hier. Ich versuche es auch da. Eine Frau öffnet, hört sich an, was ich zu sagen habe und macht es ganz klar: „Nein, wir möchten das nicht!“ Ich gebe auf. Es ist auch überhaupt nicht mein Ding, diese Fragerei. Ich muss mich jedes Mal überwinden, auf den Klingelknopf zu drücken. Muss so gehen wie immer. Also weiterfahren – irgendwas ergibt sich doch immer. Ich fahre wieder nach Russland und an den Häusern vorbei. Der Weg wird jetzt matschig. Vor mir ist ein großes, mannshohes Metalltor. Das Tor für Fußgänger ist genauso hoch und ebenfalls aus Metall. Wildschweine – fällt es mir ein. Es gibt aber keinen Hinweis, dass man hier Nachts nicht durchgehen sollte. Ich öffne das Tor, schiebe mein Rad durch und schließe das Tor hinter mir wieder. Als ich losfahren will, bleibe ich nach wenigen Metern im Matsch stecken und muss runter vom Rad. Der Weg ist total zerfahren und aufgeweicht. Ich schaue auf die Karte im Handy. Der Weg führt durch diesen Wald (Großes Holz) und dann an einem Moor vorbei (Großes Moor (bei Russland)). Es wird also potentiell nasser. Diese Erwartung plus der matschige Weg plus der Mann, der von Wildschweinen gesprochen hatte plus das einschüchternde Metalltor am Eingang dieses Weges plus die Dunkelheit lassen mich dann doch nach einer Umgehung dieses Feuchtbiotops schauen. Gibt es. Zurück zur B 203 komme ich über ein paar kleine Straßen wieder auf meine Route. Also los. Ich bin doch etwas erleichtert, als ich das Metalltor hinter mir wieder schließe und noch einmal durch Russland fahre. Nur kurz denke ich noch einmal an die beiden Bushaltestellen an der B 203, verwerfe den Gedanken aber sofort wieder. Wieder in Söby fahre ich jetzt in die andere Richtung aus dem Dorf. Und irgendwie wurde ich erhört. Plötzlich taucht da vor mir eine überdachte Bank auf. Ich schaue mir das an. Die Bank ist nicht sehr breit aber breit genug, dass ich darauf liegen könnte. Vor der Bank ist noch ein kleiner Tisch. Der Unterstand ist so gebaut, dass seine Rückseite der momentanen Windrichtung entgegen steht. Es fühlt sich merklich wärmer an, wenn ich auf der Bank sitze. OK – mein Schlafplatz. Ich schiebe mein Rad neben die Hütte und beginne die Dinge auszupacken, die ich jetzt brauche. Ein Traktor kommt. Er biegt direkt vor mir in den Weg ein, der hinter die Hütte führt. Hinter der Hütte ist ein Feld. Der will doch nicht ausgerechnet jetzt das Feld beackern? Ich fasse es nicht. Der Traktor fährt ein Stück weiter und schaltet dann seine Flutlichter an. Oh, nein! Nicht aufs Feld jetzt! Ich stehe da, wie gelähmt. Der Traktor bewegt sich ganz langsam auf der Straße weiter. Was will er. Nicht hinschauen, denke ich. Also hole ich mir mal etwas Schokolade aus dem Rucksack und nehme eine Wasserflasche vom Rad. Abendbrot. Nach einer Weile schaue ich noch mal nach dem Traktor. Er ist jetzt weiter entfernt, hat aber immer noch seine Flutlichter an. Was macht der da? Ich setzte mich wieder auf die Bank. Nach eine Weile höre ich den Traktor kommen. Die Flutlichter sind aus. Er fährt vor meiner Hütte auf die Straße zurück, woher er ursprünglich gekommen ist. Ich atme auf und bereite mein Nachtlager vor. Noch Zähne putzen und dann verschwinde ich im Schlafsack. Das Dach des Unterstands ist recht schmal. Regnen darf es möglichst nicht. Dafür habe ich aber eine phantastischen Sternenhimmel über mir. Die B 203 ist weit genug weg. Die Fahrgeräusche kommen als sanftes Rauschen bei mir an. Ab und zu fährt vor dem Unterstand mal ein PKW vorbei. Aber das ist relativ selten und stört mich nicht wirklich. Ich schlafe ein.
11:21
136km
12.0km/h
510m
470m
4 days ago
A burger with cutlery? The end is truly near!
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HelmutP went mountain biking.
March 5, 2026
Es ist wirklich bitter kalt, als ich losfahre. Frühstücken ist nicht – ein Cliff-Bar muss jetzt reichen. Während mein Sigma-Radcomputer mir noch etwas von MinusEinsKommaFünfGrad vorgesäuselt hat, steht auf der Temperaturanzeige vom Wahoo MinusVierGrad. Das kommt auch eher hin. Ich freue mich jedenfalls über jede Steigung. Der Körper muss warm werden. Die Gegend um mich herum könnte auch als Kulisse für „Die Schneekönigin“ herhalten. Alles ist weiß von gefrorenem Reif. Die Reifen machen ein krachendes Geräusch, wenn sie darüber rollen. Alter Falter – worauf habe ich mich hier eingelassen. In der Ferne ist der neue Tag zu erahnen. Als die Sonne aufgeht, fühlt es sich schon mal wärmer an. In Jevenstedt geht es an der Kirche nach links weiter. Ich weiß nicht genau wieso, aber ich habe das Gefühl, dass es in diesem Ort einen Bäcker geben könnte und dass der sich eher rechts von der Kirche befindet. Keine Ahnung wieso – ich schwöre, ich habe vorher nicht auf die Karte geschaut. Also fahre ich nach rechts, komme an einem Fleischer vorbei und da ist er – der Bäcker. Ich bestelle zwei belegte Brötchen und ein Stück Kuchen. Dazu Kakao. Das ist meine Alternative zu Automatenkaffee. Ich bin da verwöhnt und nehme deshalb auch immer Kaffeebohnen aus der Hamburger Speicherstadt mit. Die sind noch traditionell und langsam geröstet – und das schmeckt man. Es ist schön warm hier drin. Während ich gemütlich esse beobachte ich die Leute, die in den Laden kommen. Ein Arbeiter von einer nahen Baustelle kauft für sich und seine Kollegen ein Frühstück zusammen. Eine Frau lässt sich ein Brötchen belegen und spricht mit den anderen darüber, wer wen nachher abholen soll zu – keine Ahnung. Aber offensichtlich ist dieser Ort klein genug, dass sich die Leute hier kennen. Ich muss wieder los. Nach kurzer Zeit bin ich am Nord-Ostsee-Kanal. Fast alle Leute, die ich hier sehe, haben einen Hund dabei. Hunde sind klasse. Sie zwingen Dich auch dann rauszugehen, wenn das Wetter so ist, dass man lieber drin bleiben möchte. Ich denke an unsere beiden Pudel, die jetzt sicher auch gern hier lang laufen würden. Ich muss aufpassen. Der Weg geht vom Kanal weg nach oben und kurz darauf stehe ich vor einer Fahrstuhltür. Es geht durch den Tunnel unter dem Kanal hindurch. Auf der anderen Seite wieder ein Fahrstuhl. Die Profis nehmen natürlich die Rolltreppe mit ihren Rädern. Ich warte auf den Fahrstuhl. Und als ich drinnen bin und sich die Türen schon schließen wollen, sehe ich eine Frau mit ihrem Rad ankommen. Schnell schiebe ich mein Rad zwischen die Türen, die sich brav wieder öffnen. Die Frau bedankt sich und wir fahren gemeinsam nach oben. „Das klingt, als wenn der Fahrstuhl durchs Wasser gezogen wird.“, sage ich. „Ja, ich habe manchmal auch so Katastrophenvorstellungen, wenn ich hier unten im Tunnel bin.“, sagt sie. „Die Katastrophe passiert erst kurz nachdem wir den Fahrstuhl oben wieder verlassen habe.“, versichere ich ihr. Sie lächelt. Wir verabschieden uns und ich schaue noch mal über den Kanal zurück auf die andere Seite. Ich bin jetzt in Rendsburg. Und wieder stelle ich fest, dass Städte nicht so mein Ding sind. Ich bin ganz froh, als ich die Stadt hinter mir habe. Mein nächstes Ziel ist Tirol. Martins Strecke ist ziemlich toll. Immer wieder für eine Überraschung gut, aber nie so, dass man denkt – och nö, das reicht jetzt. Asphalt wechselt sich mit Waldwegen und Singletrails ab. Wirklich schön. Ich fahre durch den Brekendorfer Forst. Jetzt muss Tirol gleich kommen. Das Erste, was ich sehe, als ich den Wald hinter mir lasse ist eine große Kuppel auf einer Anhöhe. Was ist das? Eine Sternwarte? Die Auflösung gibt es in Tirol. Neben dem Tirol-Schild ist ein Pfeil auf dem „Radarstellung“ steht. Ach so. 6 – TIROL Tirol ist eigentlich nur eine Straße mit einer Bushaltestelle und drei oder vier Häusern. OK, es ist eine hügelige Gegend hier. Und an jedem Haus wird noch einmal betont, wo wir hier sind: in Tirol :-) Das war es aber dann auch schon. Das nächste Ziel auf der Liste heißt England und befindet sich auf Nordstrand an der Nordsee. Das ist ja noch ein ordentliches Stück bis dahin. Ich komme an einem leeren Spielplatz vorbei. In der Mitte gibt es einen Tisch mit Bänken. OK – Pause. Ich mache Kaffee und esse etwas. Als ich gerade beim Zusammenpacken bin, kommt eine Kindergartengruppe auf den Platz. Ein paar Kinder kommen an den Tisch und packen Essen aus. Sie sehen mir interessiert zu. Dann erklären sie mir, dass sie bald in die Schule kommen und das der Hippo dort vorn eigentlich ein Abfallbehälter ist. Sehr gut – den brauche ich gerade. Die Sonne scheint, es ist warm und ich fühle mich gut. Kurze Zeit später muss ich zwei Bahngleise überqueren. Irgendwer hat sich da einen Spaß gemacht und ein paar Hindernisse davor aufgebaut. Die sind aber schnell überwunden. Auf der anderen Seite schaue ich mir den Hindernissparkur noch mal an: Jetzt fallen mir zwei Verkehrsschilder auf: ein roter Kreis auf weißem Grund und einer mit einem Wanderer darin. Aber der hat kein Rad dabei. Also nichts falsch gemacht. Gleich darauf komme ich am „Fliegerhost Schleswig“ vorbei. Vorn sind ein paar Flugzeuge ausgestellt. Die muss ich mir natürlich anschauen. Schon schnittig die Maschinen und eine tolle Technik, nur wenn ich bedenke, zu welchem Zweck die da sind, habe ich Bauchschmerzen damit. In Hüsby gibt es eine Bergstraße mit einem U-Bahn-Schild. Zwei Linien fahren hier: die U1 Richtung Flensburg, Kopenhagen und Stockholm und die U3 Richtung Hamburg, Berlin und München. Leider ist der Eingang im Moment nicht sichtbar. Wahrscheinlich ist es so wie der Nachtbus bei Harry Potter: Nur wenn Du wirklich am Ende bist und es nicht mehr weiter zu gehen scheint, öffnet sich zwischen den beiden Steinen die Treppe und gibt dir neue Möglichkeiten frei. Ich bin ja noch lange nicht am Ende, also bleibt mir diese Möglichkeit verschlossen. 7 – DÄNEMARK Dieses Land stand auch nicht auf Martins Liste. Aber in Ohrstedt-Bahnhof komme ich an einem dänischen Kindergarten vorbei. „Dansk Børnehave Ørsted“ steht da und eine dänische Flagge gibt es auch. Dann zählt es auch als Land – oder? Kurz hinter Schwesing treffe ich auf einem Feldweg auf eine Gruppe, die mit Handwagen und Boßelkugeln. Und kurz darauf noch eine. Auch bei uns in der Gegend treffe ich diese Gruppen ab und zu. Jetzt werde ich sogar auf ein Bier eingeladen. Danke schön. Den Schnaps (Likör) dazu trinke ich aber nicht – der wandert in die Food-Pouch. Auf jeden Fall eine sehr nette Begegnung. Ja und dann ist es fast geschafft. Ich bin an der Nordsee. Oben am Deich entdecke ich ein Schild: „Nordstrand – meine Insel an Land“. Dahinter sind einige Beobachtungsstationen, die sich prima als Schlafplatz anbieten würden. Aber es ist erst SechZehnUhr und ich will ja noch nach England. Bevor ich jedoch dort hin komme, mache ich noch einen kleinen Abstecher auf die andere Seite der Erdkugel. Denn plötzlich weht da eine Fahne von 8 – AUSTRALIEN Die Straße zum Grundstück heißt JACKITUP NTH RD und es gibt jede Menge Kängurus. Wieder eine Überraschung, die nicht auf Martins Liste stand. Jetzt muss ich nur noch über den „Hamburger Deich“ und komme tatsächlich an in 9 – ENGLAND Am ersten Haus hinter dem Schild steht eine Frau und bearbeitet den Garten. Ich kann nicht widerstehen: „Hello, you speek English – right?“ Sie schaut mich an. „Because this is England“, sage ich. Wahrscheinlich hat sie das schon tausendmal gehört. Blöder Witz. Aber sie antwortet auf englisch um gleich darauf zu sagen: „Aber Sie sprechen schon deutsch, oder?“ So kommen wir ins Gespräch. Ich erzähle von meiner Weltreise, wo ich überall schon war und das ich jetzt endlich England erreicht habe. Sie schaut mich abschätzend an: „Und wo übernachten Sie?“ „Irgendwo draußen, wo ich gerade bin“, gebe ich zurück und erzähle von den Minusgraden in der letzten Nacht. „Och – wenn Sie wollen, können Sie im Ferienhaus schlafen. Ich lasse die Tür auf.“ Ich kann das gar nicht glauben. Wir kennen uns ja gar nicht! Ich überlege. Eigentlich wollte ich ja noch ein bisschen weiter kommen. Aber so ein Angebot kann man ja auch nicht ausschlagen. Also sage ich zu. „Ich heiße übrigens Helmut“, sage ich. „Ich bin Swantje“, sagt sie. Wir machen ein Foto von uns beiden und sie zeigt mir kurz die Wohnung. „Die Betten oben sind nicht bezogen – aber sie brauchen ja auch nichts, oder?“ Nein, ich habe alles dabei. Da ich jetzt Zeit habe, würde ich mir die Insel gern noch etwas anschauen und frage sie, wo man denn ein Fischbrötchen herbekommen könnte. Das scheint aber schwierig zu sein – es ist noch keine Saison. Aber es gibt einen Imbiss am Südhafen – da vielleicht. Ich bedanke mich noch mal für das tolle Angebot und radele los. Tatsächlich sind alle Restaurants zu. Ich finde den Imbiss. Er heißt „WATT’N GRILL“. Der Inhaber erklärt mir, dass es noch keine Fischbrötchen gibt. „Nächste Woche“, sagt er. Da bin ich schon lange nicht mehr hier. Gut, ich bestelle Backfisch mit Kartoffeln und ein Bier. Ich bin der einzige Gast. Aber von Zeit zu Zeit kommt jemand herein und holt bestelltes Essen ab. Der Renner scheint ein selbst kreierter Burger mit dem Namen „CHEDDAR ON THE WALL“ für AchtEuroFünfzig zu sein. Ich denke kurz über den Namen nach. Ah – Rockfans, denke ich. Der Name kommt wahrscheinlich von dem Song „Shadow on the wall“ von Mike Oldfield. Oh nein, jetzt geht mir der Song nicht aus dem Kopf. Ich frage den Chef, ob er mir so einen Burger zum Mitnehmen machen würde. Klar würde er. Und macht er auch. Während dessen erzähle ich von meiner Weltreise und er mir, dass sein Imbiss bei einer Wahl den dritten Platz gemacht hätte. „Er hätte aber den zweiten verdient“, setzt er noch hinzu. Ich glaube ihm und bin vor allem auf den Burger gespannt. Jetzt muss ich aber zurück nach England. Die Sonne geht gerade am Horizont unter. Ich baue alle Sachen vom Rad ab, die ich für die Nacht brauche und stelle das Rad hinter das Haus. Hier kommt nichts weg, hatte Swantje gesagt. Trotzdem mache ich das Seilschloss dran. Ich schaue, ob es in der Küche eine Microwelle gibt. Gibt es. Dann gibt es den Burger zum Frühstück. Ich versuche mich so zu verhalten, als wenn ich draußen schlafen würde. Es gibt natürlich eine Dusche und Handtücher, aber ich lasse das. Ich will Swantje keine Arbeit machen und laufe auf Socken im Haus herum. Es ist ja auch schon so Luxus, einfach aufs Klo gehen zu können, ohne erst ein Loch in den Boden graben zu müssen. Und warmes Wasser gibt es zum Zähneputzen auch! Ich bereite meine Isomatte aus und schlüpfe in den Hüttenschlafsack. Den Daunenschlafsack mache ich ganz auf und lege ihn als Decke über mich. Super! Ich werde gut schlafen. DANKE SWANTJE!!!
12:23
143km
11.5km/h
520m
520m
HelmutP went mountain biking.
March 4, 2026
Endlich ist es warm draußen. Jedenfalls am Tag. Und ich will in diesem Jahr auf jeden Fall wieder öfter mit dem Rad auf Tour gehen. Und da die Bäume und Hecken im Garten geschnitten sind, mein Papa endlich in einem Pflegeheim aufgenommen wurde (was vor allem meine Schwester stark entlastet) und die Mathe-Semesterprüfung meines Sohnes hinter uns liegt, schaue ich mal so ziellos durch meine geplanten Komoot-Touren und entdecke: DIE WELTREISE! Das wäre doch was!!! Nein, die Idee stammt nicht von mir. Ich habe sie vor längerer Zeit auf Martin Moscheks Blog „Biketour Global“ (https://www.biketour-global.de/2024/09/29/die-welt-vor-der-haustuer-eine-radreise-durch-14-laender-in-schleswig-holstein/) entdeckt. Ich empfehle diesen Blog mal ganz stark für alle, die sich für das Radreisen interessieren – der Mann lebt für das Radfahren. Vierzehn „Länder“ gibt es da zu erfahren – und alle in Schleswig Holstein. Martin ist die Strecke in drei Tagen gefahren – ich plane mal das Doppelte – soll ja schließlich eine Genusstour werden. 1 – HAMBURG Mein Startpunkt liegt ja Dreißig Kilometer weiter südlich als der von Martin. Also kann ich Hamburg als erstes Ziel eintragen. Ich lasse wieder Komoot die Arbeit machen und bin überrascht, welche Wege ich da fahre. Früher bin ich oft zwischen HH und Ashausen mit dem Rad zur Arbeit gependelt, aber es gibt tatsächlich immer noch Strecken, die ich so nicht gefahren bin. Als ich kurz vor Acht vom Hof rolle, ist es noch empfindlich kühl. Ich bin ziemlich dick eingepackt und frage mich, wo ich die Klamotten alle unterbringen soll, wenn es richtig warm wird. Aber das kriegen wir später. Die Felder sind mit Raureif überzogen und ich freue mich, als ich über die alte Elbbrücke von Harburg nach Hamburg rein fahre. Jetzt geht es durch den Hafen zum alten Elbtunnel. Ich hatte ein Foto meins gepackten Rades mit der Unterschrift „Weltreise“ in meinen Status auf WhatsApp gestellt und damit Verwirrung angerichtet. Sorry Leute! Ich fand es aber super nett, dass ihr mir das tatsächlich zugetraut habt. Und ich war auch gerührt von der Sorge von Volker, dass ich dann evtl. ja nicht zum „Tanz in den Mai“ zurück sein könnte. Keine Sorge mein Freund – wir machten das Ding (wer jetzt nicht mitgekommen ist, muss dann den Bericht im Mai abwarten). Als ich vor dem Elbtunnel anhalte, um ein Foto zu machen, stoppt neben mir ganz langsam ein Sattelschlepper. Ich frage mich, ob der durch den Elbtunnel wollte und leider den falschen erwischt hat. Kann schon passieren, wenn man nur noch nach GPS fährt. Ich fahre jedenfalls erst einmal vor ans Wasser, mache Fotos, genieße die Aussicht und ziehe mich um. Es ist warm geworden. Dann geht es durch den Elbtunnel und durch Hamburg Richtung Norden. Ich mag es nicht, mit dem Rad durch HH zu fahren. Zu viel Verkehr, zu viele Menschen, zu viele Möglichkeiten falsch zu navigieren… Ich muss aber zugeben, dass HH eine Menge für den Radverkehr getan hat. Überall rote Radspuren – teilweise sogar wirklich vom übrigen Verkehr getrennt. Nicht schlecht. Mein Blick fällt auf ein Preisschild einer Tankstelle: ZweiEuroSechs für einen Liter Diesel! Ich habe doch gerade noch für EinEuroZweiUndAchtzig getankt. Na, das kann ja heiter werden… Dann bin ich endlich aus der Stadt raus. An manchen Stellen ist der Frühling schon ganz schön anzusehen. Mein nächstes Ziel soll eigentlich Sibirien sein. Aber wenn der Himmel ein Ort ist, dann komme ich dort zu erst an. 2 – HIMMEL Ich sehe das durch reinen Zufall. Ich muss an einer Bahnschranke hinter Heidgraben auf einen Zug warten. Gegenüber steht ein Stomhäuschen und darauf die Aufschrift „Himmel“. Leider ist die Tür verschlossen – ich hätte mir sonst den Himmel gern mal angeschaut. So geht es daran vorbei geradeaus weiter. Mein Wahoo reißt mich aus meinen Gedanken: FALSCH! Achso – ich muss am Bahndamm entlang. OK – dann zurück. Hier muss ich zum ersten Mal durch Matsch und Pfützen. Kein Wunder, ich bin im „Liether Moor“. Schöne Gegend, nur all die auf den Erklärtafeln angegebenen Tiere kann ich nicht entdecken. Schade. Dann bin ich in Elmshorn und jetzt ganz in der Nähe von 3 – SIBIRIEN Ich erkenne das Event-lokal von dem Foto auf Matins Block. Es ist natürlich zu – obwohl mein Besuch hier schon als Event zählen könnte. Hätte ich wohl anmelden müssen. Die Straße hier heißt übrigens auch Sibirien und das angrenzende Gewerbegebiet auch. Sibirien ist also tatsächlich ein ausgedehntes Gebiet. Nur so richtig kalt ist es hier gerade nicht. Ob sich das bei meinem nächsten Ziel ändert? Ich habe schon etwas Hunger. Unterwegs gab es einige Gelegenheiten, etwas zu Essen zu kaufen, aber ich wollte unbedingt erst Sibirien erreichen. In Horst sehe ich dann einen Bäcker, kaufe ein belegtes Brötchen und für meine Seele ein Stückchen Kuchen plus Kakao. Damit setze ich mich nach Draußen in die Sonne. Klasse! Und mein nächstes Ziel ist auch nicht weit entfernt. 4 – GRÖNLAND Grönland ist ein kleines Straßendorf. Es besitzt eine Feuerwehr, einen Spielplatz, eine Kläranlage und ein Weinhaus. Was Trump hier wollte, verschließt sich mir. Aber ich verstehe jetzt, warum DreiZehn Bundeswehrsoldaten ausgereicht haben, diesen Ort nötigenfalls zu verteidigen… Kurz darauf geht es einen schmalen Feldweg entlang und vor mir liegt ein dicker Baumstamm. Klar, dass muss so sein. Während ich noch nach der besten Strategie suche, das Hindernis zu überwinden, kommt der Besitzer des angrenzenden Gehöfts auf mich zu und bietet mir Hilfe an. Zu zweit wuchten wir mein Rad an dem Stamm vorbei. Ich erkläre ihm, was ich vor habe, zeige die Liste mit den „Ländern“ vor und die Gesamtstrecke auf meinem Handy. „Da kommen Sie bestimmt auch durch Kalifornien“, sagt er. Es ist komisch: ALLEN, die von der Idee meiner Tour hören, fällt als Erstes Kalifornien ein. Auch Theresa und Maikel (na, habe ich mir die Schreibweise richtig gemerkt?). Ich treffe die beiden, wie sie am Wegesrand hocken. Ein paar Meter entfernt steht ihr Motorrad. „Na, habt ihr eine Panne?“, frage ich. Aber die sie nur eine Pause. Wir kommen ins Gespräch. Auch sie finden die Idee mit der Weltreise klasse. Und wie klein die Welt doch ist. Sie haben einen Platz auf dem Campingplatz „Stover Strand“ und kennen so die Gegend aus der ich komme recht gut. Ich bin gespannt, ob sie diesen Text auf Komoot tatsächlich finden. Wenn ja, dann schreibt mal einen kurzen Kommentar. Es war auf jeden Fall eine nette Begegnung. Und ein Foto darf ich auch noch von den Beiden machen. Es geht wieder in ein Moorgebiet. Hier ist alles voll mit Wasservögeln. Meist komme ich auf Asphaltwegen voran, ab und zu geht es auch mal über die Wiese. Die Orte heißen hier Moordiek oder Auufer. In letzterem habe ich eine Begegnung mit einem eingefrorenen Radfahrer. Naja, hier in der Nähe von Grönland... Es wird Zeit, in wärmere Gegenden zu kommen. Also ab durch Kellinghusen nach Hennstedt und schon bin ich in 5 – KAMERUN Hier gibt es einen Bauernhof und einen Funkturm im Hintergrund. Das war’s. Unspektakulär. Also weiter. Obwohl ich nur wenig vom Äquator entfernt bin, wird es jetzt doch schon merklich kühler und ich ziehe mich wieder warm an. Und ganz langsam sollte ich auch mal an einen Schlafplatz denken. Also Augen offen halten. Es ist schon dunkel, als ich durch Aukrug fahre. Da, gegenüber ist ein Parkplatz mit einem Wartehäuschen. Mal schauen, ob das zur Übernachtung taugt. Ich schaue und finde es passend. Ein Zwei-Zimmer-Appartment mit Wohn- und Schlafbereich. Der Wohnbereich hat zwei Bänke, wo ich meine Sachen sortieren und Essen machen kann. Der Schlafbereich ist eine Fahrradreparaturstation mit Werkzeug, Luftpumpe und Wasseranschluss – leider ohne Wasser. Aber das habe ich ja an Bord. Hinter der Luftpumpe ist genügend Platz für meine Luftmatratze. Das passt. Im Moment ist noch recht viel Betrieb auf der Straße, aber das wird sich sicher bald geben. Ich mache mir erst mal eine Tütensuppe und trinke ein Bier dazu. Dann ist hier sicher Ruhe. Der Kampf beginnt mit dem Kocher. Ich hatte die Kartusche etwas überfüllt – statt EinHundert Gramm habe ich EinHundertUndZwanzig Gramm Gas eingefüllt. Das war wohl doch keine so gute Idee, denn als ich den Kocher jetzt aufdrehe, kommt kein Gas, sondern Flüssigkeit heraus. Das liegt wohl auch an der niedrigen Außentemperatur, die schon auf unter Fünf Grad plus gefallen ist. Als ich mein Feuerzeug an den Kocher halte, gibt es eine ziemlich große Flamme, die den ganzen Kocher erfasst. Glücklicher Weise ist der Effekt recht kurz. Nur leider hat der Kocher einen Piezozünder und der besteht teilweise aus Plastik. Der wirkt jetzt als Docht für eine kleine Seitenflamme. Ich puste sie aus. Der Piezozünder hat damit leider seine Funktion im Leben eingebüßt. Schade, aber nicht so schlimm. Erstens kann man die Dinger als Ersatzteil nachkaufen (dieser ist schon ein Ersatzteil) und zweitens ist er nicht wirklich notwendig, da ich sowieso immer ein Feuerzeug dabei habe. Also – zweiter Versuch. Diesmal brennt der Kocher wie er soll, nur mit wenig Umpf. Klar, das ist kein Wintergas. Mit Hilfe von Geduld reicht die Flamme aber aus, das Wasser mit der eingerührten Tütensuppe zum Kochen zu bringen. Dann stelle ich den Topf in einen Neoprenmantel und warte „bis zur gewünschten Sämigkeit“ (Tütenaufdruck) Zehn Minuten. Während dieser Zeit beobachte ich die Gegend. Auf der Straßenseite gegenüber ist ebenfalls ein Parkplatz vor einer Raiffeisenfilialie. Dort gibt es einen Vorraum mit einem Geldautomaten. Ich habe davon gelesen, dass manche Radreisende diese Vorräume aus „EC-Hotel“ bezeichnen und darin übernachten. Mich stört das automatische Licht und die Tatsache, dass ja doch mal jemand kommen könnte, um Geld abzuholen. Obwohl – wer macht das schon in der Nacht? Es ist jetzt NeunZehnUhrDreißig und immer noch eine Menge los auf der Straße. LKWs, PKWs, Motorräder. Aber auch Fußgänger kommen immer wieder die Straße entlang. Eine Frau mit Hackenporsche folgt ihrem Mann und hält ihr Handy gen Himmel. Telefoniert die so? Immer wieder halten auch Autos drüben auf dem Parkplatz. Wie laut Autotüren knallen können! Und was machen die Leute, die aus den Autos steigen? Sie gehen zu dem Geldautomaten! Das geht so bis nach ZweiUndZwanzigUhr. Was ist hier los??? Ich habe auf jeden Fall kein gutes Gefühl, kann mich jetzt aber auch nicht mehr dazu durchringen, einen anderen Schlafplatz zu suchen. Also baue ich mein Lager mal im Schlafbereich auf und packe alle Sachen schön in die Radtaschen. Der Wohnbereich ist wieder freigeräumt und mein Rad kommt auch mit in den Schlafbereich. Ich schließe es auch mit einem Seilschloss an – wegrollen kann es also schon mal nicht. Dann putze ich mir hinter der Haltestelle die Zähne. Hier liegen Gleise. Was ich noch nicht so richtig realisiert hatte war, dass hier tatsächlich alle halbe Stunde ein Zug fährt. Der ist aber deutlich leiser als der Radau auf der Straße vor mir. Ich schlüpfe in den Schlafsack. Endlich warm. Ein PKW hält direkt vor meiner Unterkunft. Eine Dame steigt aus und läuft irgendwohin. Später kommt sie wieder und fährt weg. Auch ein paar Jugendliche kommen und holen ihr Auto. Gegen Mitternacht hört das endlich auf. Beide Parkplätze sind leer. Endlich! Auf der Straße kommen jetzt auch seltener Fahrzeuge vorbei. Aber etwas ist trotzdem komisch. Statt der vier Straßenlaternen, die ich vorhin gezählt hatte, gibt es jetzt fünf. Und die fünfte ist ganz schön hell Es dauert etwas bis ich bereife, dass das der Vollmond ist. Er scheint mir direkt ins Gesicht. Na toll. Ich verkrieche mich etwas tiefer im Schlafsack. Um VierUhr hält ein Motorrad direkt vor meinem Schlafraum. Es fährt wieder los auf den Parkplatz vor der Raiffeisenfilialie gegenüber und kommt dann zu Fuß zurück. Er verschwindet kurz im Wohnbereich – ich kann nicht sehen, was er da macht, bin aber froh, mein Zeug weggeräumt zu haben. Dann geht er wieder – dreht sich noch mal um und leuchtet mir mit der Taschenlampe voll ins Gesicht! „Heh!“, schreie ich ihn an. Er macht sich davon. Jetzt ist links von meiner Unterkunft Bewegung. Die hört auch nicht auf. Was ist das? Ich schaue auf die Uhr: VierUhrDreißig. OK, ich stehe auf. Die Temperatur wird mit MinusEinsKommaFünfGrad angezeigt. Später lerne ich, dass das äußerst beschönigt ist – es sind in Wirklichkeit MinusVierGrad. Ich kletter aus dem Schlafsack und schaue, was die Geräusche verursacht: Ein Mann baut einen Obst- und Gemüsestand auf. OK, Zeit zu gehen. Ich ziehe alles an, was ich habe und mache mich davon. Trotz der Umstände muss ich wohl doch etwas geschlafen haben – jedenfalls fühle ich mich einiger Maßen ausgeruht. Aber noch so eine Nacht brauche ich auch nicht unbedingt.
11:34
129km
11.2km/h
400m
380m
HelmutP went mountain biking.
December 31, 2025
Der Wecker klingelt. Es ist Vier Uhr am letzten Tag des Jahres und ich habe mir vorgenommen, meine Jahresabschlusstour in diesem Jahr etwas auszudehnen. Ich will an die Ostsee nach Travemünde. Und zurück, um mit der Familie ins neue Jahr zu feiern. Ich habe mir ausgerechnet, dass ich um Fünf Uhr los muss, wenn ich so gegen ZweiUndZwanzig Uhr wieder zurück sein will. Also los. Als ich um FünfUhrZehn das Rad vom Hof schieben will, fängt es an zu regnen. Also Stopp. Regenhose und Überschuhe herauskamen und anziehen. Als ich endlich losfahre, habe ich schon eine halbe Stunde verloren. Mein KZVM (KomfortZonenVerlassenMonitor) steht ziemlich weit im roten Bereich. Erstens bin ich Langschläfer. Dann ist da eine Abneigung gegen Kälte – alles unter Fünf Grad Plus ist für mich nur schwer tolerierbar. Und heute Morgen zeigte das Thermometer MinusNullKommaAcht Grad an!!! Dazu kommt Regen, Schnee und Glätte… Aber es ist nun mal der letzte Tag im Jahr und traditionell mache ich da eine Jahresabschlusstour. Meist so um die Einhunder Kilometer – heute wird es aber deutlich mehr. Der Weihnachtsmann (besser gesagt die Weihnachtsfrau) hat mir auch wieder eine Menge Dinge unter den Baum gelegt, die getestet werden wollen: - Da ist zunächst eine Radhose von Assos. Die musste her, weil sich bei allen meine Gonso-Hosen mit SQLab-Polster genau dieses Polster zerlegt hat. Schade, denn ich bin sehr gut damit zurecht gekommen. Amazon hat aber tatsächlich den vollen Preis erstattet – eine Geschichte für sich. Die Assos Sitzcreme gab es auch noch dazu – was kann da schief gehen. - Für die Frontbeleuchtung gab es eine Magicshine EVO 1300. Endlich eine Lampe, die ich während des Betriebs mit einer Powerbank betreiben kann. Außerdem hat sie eine Fernbedienung und ein Fernlicht. Sehr schick. Da verschmerze ich mal, dass sie keine StVZO-Zulassung hat. Eine klare Hell-Dunkel-Grenze hat sie und blendet somit nicht. - Und schließlich sind da noch elektrisch beheizte Socken. Was mich bei denen überzeugt hat ist, dass sie mit einer Fernbedienung kommen, mit der die Heizstufe geschaltet werden kann. Oder auch komplett aus. Für Mehrtagestouren ist das nichts, aber mal schnell zum Einkaufen schon gut. Mal sehen, wie sich die Socken schlagen. Elektrisch beheizte Handschuhe sind ja schon vom letzten Jahr an Board. Und zur Sicherheit gibt es auch ein paar Heatpacks in der Tasche. Von der Frontlampe bin ich sofort begeistert. Der Lichtkegel ist soviel besser als der meiner Lezyne-Lampe. Die hat zwar eine StVZO-Zulassung, blendet aber trotzdem, wenn man sie so einstellt, dass man auch etwas sehen kann. Die Socken und Handschuhe verbreiten eine angenehme Wärme und das Regen/Schnee Gemisch von oben ist nach einer Weile egal. Naja, nicht ganz, denn auf dem Elberadweg nach Geesthacht bildet sich eine Schneedecke. Die Reifen rutschen aber nicht. Fast nicht! Der Radweg auf der rechten Seite Brücke über die Elbe ist gesperrt. Wie – der ist doch noch gar nicht so lange offen. Na gut, dann eben auf der linken Seite rüber. Den Hinweg habe ich als „Graveltour“ geplant. Bis zur Zwölf Prozent Steigung von Escheburg nach Fahrenholz kenne ich den Weg. Jetzt geht es hier aber links in den Wald. Und da die Steigung auch im Wald überwunden werden muss, geht es also erst mal ordentlich hoch. Und dann lange durch den Sachsenwald. Es ist natürlich stockdunkel und ich sehe nur, was der Scheinwerfer beleuchtet. Manchmal schalte ich die Helmlampe dazu, um die Kurven besser einsehen zu können. Der Untergrund ist gefroren und ausgefahren. Schnell komme ich hier nicht voran. Selbst wenn es bergab geht, lasse ich das Rad nicht einfach rollen. So gegen Acht Uhr wird es langsam hell. Ein wahrer Lichtblick. Als ich den Wald verlasse, merke ich auch, dass er wärmer geworden ist. Der Schneeregen ist jetzt zum Regen mutiert und auf den Straßen bilden sich Pfützen. Eine besonders große hat sich direkt hinter der Überführung der A24 gebildet. Ich bin auf dem Radweg und hinter mir kommt ein PKW auf der Straße heran. Und ohne auch nur im geringsten die Geschwindigkeit zu reduzieren fährt der durch diesen kleinen See und sorgt damit für eine Zusatzdusche für mich und mein Rad. Danke! Was es doch für nette Zeitgenossen gibt. Hinter Basthorst wäre die Strecke eigentlich weiter durch den Wald gegangen. Ich habe aber nach Mühlenrade umgeplant. Hier gibt es einen Hofladen, den ich im Frühjahr entdeckt hatte, als ich eine Tour von Silke mit Freundin zum „Brandschatz“ nachgefahren bin. Seither war ich noch einmal hier und eine Pause kann ich jetzt auch gut gebrauchen. Es gibt Kakao (mit Zartbitterschokolade – kann man hier wählen), ein Baguette (Tomate/Morzarella) und ein Stück Kuchen. Draußen hat es aufgehört zu regnen. Ich habe die Regensachen ausgezogen, ziehe sie aber doch wieder an, denn so richtig traue ich dem dunkeln Himmel nicht. Hinter Köthel geht es wieder in den Wald. Mit Tageslicht ist das gleich viel angenehmer. Jetzt kann es eigentlich auch nicht mehr weit bis zum Elbe-Lübeck-Kanal sein. Am Kanal entlang fahren ist immer ein wenig langweilig. Schnurgerade, rechts der immer gleiche Kanal, links Feld oder Wald. Unter mir Kies. Dieser Kies ist jetzt durch den Regen aufgeweicht und verteilt sich über mich und mein Rad. Als die Sonne tatsächlich herauskommt, überlege ich die Radhose und Überschuhe auszuziehen. Aber da ist soviel Weg drauf, dass ich beschließe, sie als Spritzschutz anzulassen. Für mich wird die Fahrt am Kanal noch einmal ein wenig interessanter, als ich feststelle, dass mein linkes Pedal irgendwie keinen idealen Kreis mehr beschreibt. Ich schaue mir das an: Ja, die Kurbel hat sich mal wieder vom Tretlager entfernt. Eigentlich ist da eine Schraube, deren einzige Aufgabe es ist, das zu verhindern. Aber diese Schraube strebt wohl nach Freiheit und hat sich schon einige Umdrehungen in diese Richtung bewegt. Jetzt wird sie von mir und meinem Multitool gnadenlos wieder in ihre Arbeitsposition befördert. Solche Auflösungserscheinungen kann ich einfach nicht dulden. Lübeck kündigt sich dadurch an, dass plötzlich mehr Menschen – meist mit Hunden – auf dem Weg sind. Ein Paar macht mir Platz und stellt sich rechts und links vom Weg auf. Ich bremse auf unter Schrittgeschwindigkeit ab. „Fahren Sie nur“, sagt die Dame. Sie hat eine weiße Jacke an. Und die Pfütze zwischen den beiden würde das ändern, wenn ich da einfach durchrauschen würde. Sie sind mir dann doch dankbar, als ich das erkläre und wünschen mir überschwänglich eine gute Fahrt, einen guten Rutsch und ein frohes, neues Jahr. Das wünsche ich ihnen auch. Die Wege werden jetzt schmaler sind voller Pfützen und an einigen Stellen reine Eisbahnen. Ich muss echt aufpassen, nicht wegzurutschen und in einer solchen Pfütze zu landen. Klappt aber alles und dann geht es sowieso durch die Stadt. Und schlagartig gehen mir die vielen Menschen und Autos auf die Nerven. Ich bin einfach kein Stadtmensch. Und froh, endlich neben der Bahn in Richtung Dänischburg zu fahren. Und von dort geht es wieder in den Wald. Anstrengend aber abseits vom Trubel. Das ändert sich in Travemünde! Es ist voll am Hafen. Menschen über Menschen. Ohne diese hätte ich das Radfahrverbot auf der Mole zum Leuchtturm auch übersehen, aber so steige ich ab und schiebe. Und dann bin ich da. Ziel erreicht. Leuchtturm. In mir kommt die Erinnerung an unseren „Tanz in den Mai“ im Frühjahr hoch. Auch da ging es zu einem Leuchtturm – in Warnemünde. Zusammen mit Maik und Volker und – was es noch viel Besonderer gemacht hat – mit Alfhilde, die uns ein Stück begleitet hatte. Sie wandert ja gern und sammelt Stempel – vielleicht sollte ich Leuchttürme sammeln? Ich stelle mich an die Mole und krame eine kleine Flasche Sekt und ein paar Schokis hervor. Guten Rutsch Euch allen und ein Frohes Neues Jahr! Ich komme mit einer Familie ins Gespräch, die wissen wollen, wo ich herkomme. Wohl auch, weil ich so verdreckt aussehe. Sie wollen gar nicht glauben, was ich erzähle und als ich sage, dass ich jetzt schnell wieder zurück muss – noch weniger. Der Mann beäugt fachmännisch mein Rad und ist ein ganz kleines bisschen enttäuscht, als sich die vermeintlichen Akkus als Taschen herausstellen. Nein, kein eBike. Die Frau bietet an, ein Foto von mir zu machen. OK. Dann verabschiede ich mich. Ich bin schon deutlich hinter meinem Zeitplan zurück. Die Rückfahrt habe ich allerdings als „Fahrradtour“ geplant. Sollte als schneller und leichter sein. Und tatsächlich geht es jetzt auf der Straße nach Lübeck zurück. Dort muss ich allerdings ein wenig suchen, weil eine Brücke gesperrt ist. Und dunkel wird es jetzt langsam auch. Und um mich herum ist der „Krieg“ ausgebrochen. Überall werden Feuerwerkskörper gezündet. Besonders gern unter Brücken oder Unterführungen. Knallt lauter! Ich bin ganz froh, wieder am Kanal zu sein. Unter eine Brücke mache ich kurz Pause, esse und trinke und lockere die Muskulatur. Mir ist schon klar, dass ich es bis ZweiUndZwanzig Uhr nicht bis nach Hause schaffen werde. Aber DreiUndZwanzig Uhr sollte möglich sein. Das ist ja auch noch vor Neujahr. Es geht jetzt wieder ewig am Kanal entlang. Zu sehen ist nicht viel. Nur ab und zu mal eine Brücke oder eine Schleuse. Ich registriere die Stelle, wo ich auf der Hinfahrt auf den Kanal gestoßen bin. Jetzt geht es hier noch weiter, an Mölln vorbei bis nach Grambek. Und dann geht es wieder in den Wald. Ich hätte gern mehr Asphalt, aber mein Wunsch wird nicht erhört. Statt dessen geht es hinter der A24 auf wenig benutzen Waldwegen weiter. Die sind im Scheinwerferlicht nicht so leicht zu sehen, weil überall Laub liegt. Und ich muss recht viel Totholz umfahren. Meine Hoffnung auf einen schnellen Rückweg wird hier echt torpediert. Ab Elmenhost geht es an der Bundesstraße entlang nach Schwarzenbek. Normaler Weise wäre das nicht so mein Ding, aber Heute ist das schon in Ordnung. Wenn nur diese vielen dunkel gekleideten Leute nicht wären, die irgendwelche Feuerwerkskörper abbrennen. In Schwarzenbek führt mich Komoot ein paar Straßen entlang, die ich so noch nie gefahren bin. Aber am Ende komme ich doch dort heraus, wo ich sonst auch aus Schwarzenbek herausfahren würde. Ein schöner, asphaltierter Radweg schlängelt sich durch den Wald neben der Straße. Zwei dunkel gekleidete Jugendliche tauchen im Scheinwerferlicht auf: „Bleiben Sie bitte stehen!“, ruft mir einer zu. Im nächsten Moment gibt es einen Blitz und ohrenbetäubenden Knall direkt auf dem Radweg. Ich bedanke mich für die Warnung und wünsche den beiden einen „Guten Rutsch“. Jetzt kenne ich den Weg eigentlich. Dem Radweg nach Kollow folgen, dann nach Hamwarde und dann bin ich ja schon in Geesthacht. Aber Komoot hat andere Pläne. Klar, es geht in den Wald. Und in diesem Wald hat Schnee und Eis auf den Wegen teilweise überlebt. Ich muss vorsichtig fahren und die Konzentration trotz der langsam merkbaren körperlichen Anstrengungen hochhalten. Aus DreiUndZwanzig Uhr wird DreiUndZwanzigUhrDreißig. Hamwarde! Endlich! Geesthacht – überwiegend bergab. Nur nicht zu leichtsinnig werden. An der Elbe. Jetzt ab zur Brücke. Eine Straßensperre sperrt die Straße. Das kann doch nicht wahr sein. OK, auf der anderen Straßenseite komme ich über den Fußweg weiter. „Radfahrer absteigen!“ – keine Chance! Seit Elmshorn regnet es auch wieder. Erst nur ganz wenig, aber jetzt doch schon wieder deutlich. Mist! Ich müsste eigentlich auch was Essen, will aber nicht anhalten. Rauf auf die Brücke. Als ich oben bin spüre ich den Wind. Und der kommt, zusammen mit dem Regen, aus der Richtung, in die ich hinter der Brücke muss. Och nö. Aber es hilf nichts. Noch ZweiUndZwanzig Kilometer. Der Wind, den ich am Deich ankämpfen muss, kommt in Böen und bläst mir den Regen ins Gesicht. Es ist auch deutlich kälter geworden. Und mein Magen sagt: Iss was! Jetzt! Es gibt hier nichts, wo man sich unterstellen könnte. Also halte ich an und krame das Studentenfutter heraus. Zwei Handvoll davon verspeise ich, trinke noch mal ordentlich. So, jetzt halte ich nicht mehr an, bis ich zu Hause bin! Manche Windböen erwischen mich so stark, dass sie mich fast anhalten. Ich schalte runter und mache mich auf dem Aerolenker so klein wie möglich. Den Kopf dabei oben zu behalten, strengt total an. Aber jetzt mit einer dieser Schranken zu kollidieren wäre ja auch suboptimal. DreiUndZwanzig Uhr. Noch Zehn Kilometer. Das sollte doch kein Ding sein. Ich bezweifle selbst das jetzt. Es geht unglaublich langsam voran, während ich wirklich alles aus meinem Körper heraushole, was nach Zweihundert Kilometern noch geht. Ab Laßrönne geht es oben auf dem Deich entlang. Hier kann der Wind noch besser angreifen. Hoopte. DreiUndZwanzigUhrZwanzig und noch Sechs Kilometer. Der Weg nach Gerden führt über offenes Feld und der Wind kommt von rechts vorn. Alter – wieso kein Rückenwind!? Endlich erreiche ich den Windschatten der wenigen Häuser. Über die Bahnbrücke Ashausen. Noch ZweiEinhalb Kilometer. DreiUndZwanzigUhrDreißig. Vom Edeka-Parkplatz schallt laute Musik. Scheinbar wurden die Plexiglashäuschen für die Einkaufswagen zu einem Jugendtreff umfunktioniert. Gleich zu Hause. Die letzte lange Gerade. Selbst hier – Gegenwind. DreiUndZwanzigUhrFünfzig – ich bin zu Hause. Schnell das Rad in die Garage, Lichter und GPS ausschalten und über den Keller ins Haus. Ich muss aus den nassen, verdrecken Klamotten raus. So, noch ein Bier geschnappt und nach oben. DreiUndZwanzigUhrSiebenUndFünfzig: Ich betrete das Wohnzimmer und werde von Frau, Sohn und zwei Hunden begrüßt. „You made it!“ „We watched you the whole time. You where so slow at the Elbe“… Dann kommt das neue Jahr über uns. Ich erzähle, was ich erlebt habe. Wir schauen uns noch das Feuerwerk in London an. Gegen Zwei Uhr falle ich ins Bett. Um Vier Uhr klingel der Wecker. Oh...
18:28
234km
12.6km/h
740m
700m
HelmutP went gravel riding.
October 4, 2025
Um kurz nach Zwei Uhr werde ich wach. Was für eine Geräuschkulisse! Die kommt einerseits von dem Wind in den Bäumen und andererseits von der Folie, die ich als Unterlage hingelegt habe und die jetzt vom Wind wild geschüttelt wird. Die Sterne und der Mond sind verschwunden. Und ich bekomme die ersten Regentropfen ab. Ach ja, „Morgen wird es regnen“ hatte der Mann am Grenzsteifen gesagt… Fakt ist, bei dem Wind werde ich in meinem Turmzimmer komplett nass. Zwar hat das Zimmer ein Dach, aber der Wind drückt den Regen von der Seite rein. Was tun? Ich könnte liegen bleiben und es darauf ankommen lassen. Ist das clever? Sicher nicht. Nicht nur der Regen macht mir Sorgen, sondern auch, dass ich das Rad irgendwie die Treppen wieder runterschleppen muss. Nasse Stufen und Wind sind da sicher nicht hilfreich. OK – Abbruch! Ich packe und schleppe das Rad runter. Es regnet jetzt leicht. Ich schaue noch mal zum Turm hoch. Schade – war so eine tolle Idee. Ich fahre los und bin nach ein paar Hundert Metern am Mittellandkanal. Richtig – ich fahre zu der gleichen Brücke zurück, über die ich auch gekommen bin. Dann ist ja auch die Vogelbeobachtungshütte nicht mehr weit davon. Hmmm – soll ich da hin oder mich gleich auf den Heimweg machen? Ich entscheide, erstmal bis zur Brücke zu fahren und dann weiter zu sehen. Ein letztes Mal überquere ich dabei die innerdeutsche Grenze. Als ich unter der Brücke angekommen bin, regnet es schon etwas stärker. Die Aussicht, im Dunkeln und bei Regen durch den Wald zu irren und die richtigen Wege zu suchen, finde ich jetzt nicht so prickelnd. Es ist jetzt HalbVier – ach ich fahre zur Hütte und lege mich noch mal hin. Es sind EinsKommaFünf Kilometer bis zur Hütte. Sie befindet sich in dem selben Zustand, in dem ich sie verlassen habe. Ich mache mein Bett zurecht und lege mich wieder hin. Der Regen prasselt jetzt auf das Metalldach. Dafür ist von den Vögeln nicht zu hören. Ich schlafe ein. Als ich aufwache, ist es bereits hell. Ich verpacke die Sachen und mache erst einmal Kaffee – ihr wisst schon – mit der Mühle und so… Jetzt kann ich auch mal sehen, worauf man durch die Sehschlitze eigentlich sieht. Wiesen. Keine Vögel da. Dafür zieht es duch die Löcher aber ordentlich. In der ganzen Hütte gibt es eigentlich nur eine Wand, an der man windgschützt steht. Dahin verziehe ich mich mit meinem Kaffee und dem Frühstück. Draußen auf dem Kanal fahren die Lastkähne entlang. Ein Schubschiff kommt nur mit dem Schub-Teil. Das ist also vorn platt und drückt das Wasser einfach so weg. Mein Gott, was das Ding für eine Kraft hat… Jetzt kann ich es aber auch nicht länger hinausschieben – ich muss raus in den Regen. EinHundertFünfzig Kilometer liegen vor mir. Also los. Meine „interesannte“ Gravelstrecke verläuft wieder abseits der Straße durch Wälder und an Feldern entlang. Ich kann auf jeden Fall bestätigen, dass es sich durch nassen Sand nicht besser fahren lässt, als durch trockenen. Alles zieht unheimiich Körner! Am Ortsausgang von Bergfeld steht ein Bäckerwagen. Ich überlege, ob ich etwas brauche – drehe dann um und fahre zu dem Wagen. Die Frau am Tresen bedauert mich: „Vielleicht hört der Regen ja bald auf?!“ Ich kaufe zwei Brötchen und ein schokoladiges Teil, werfe alles in meinen Rucksack. Ein Typ aus dem Haus nebenan kommt zum Wagen. Er sieht mich und fragt: „Wo willst Du denn noch hin?“. „Nach Hamburg“, sage ich. „Ach so, geht ja auch mit so’nem eBike.“ Ich versuche zu erklären, dass das kein eBike ist – aber er glaubt das nicht. Na, von mir aus. Es geht wieder in den Wald. Vor mir liegt das Volkswagen Prüfgelände. Das fand ich auf der Karte interessant und wollte es mir mal anschauen. Aber außer einem hohen Zaun mit drei Reihen Stacheldraht oben, gibt es nichts zu sehen. Das Beste, was man sagen kann ist, dass es eine schön glatte Asphaltstraße vor diesem Zaun gibt. Meine Planung schickt mich aber bald wieder in den Wald, nur um am Ende des Prüfgeländes wieder dort anzukommen. Da hätte ich auch weiter auf der schönen Teerstraße fahren können. Allerdings hätte ich dann die Kirche am Rande von Schneflingen verpasst. Sie taucht unvermittelt vor mir auf, als ich aus dem Wald herausfahre. Das Tolle an dieser Kirche ist zunächst, dass man sich im Eingang unterstellen kann. Das noch Tollere ist, dass die Kirche zu einem Friedhof gehört, auf dem es auch Trinkwasser gibt. Ich schütte das verbliebene Ilse-Wasser in eine Flasche zusammen und fülle die anderen aus der Leitung. Geschmacklich habe ich mich allerdings deutlich verschlechtert. Aber was solls… Ich esse das Schokoteil vom Bäckerwagen und trinke ordenlich Wasser. Ok – wieder raus in den Regen. Etwas später komme ich an der Stackmannsmühle heraus. Auf dem Hof, über den ich fahre, steht eine Frau und wendet mir den Rücken zu. Als ich fast bei ihr bin, sieht sie mich und bricht in Panik aus. „Bleiben Sie bitte stehen“, fleht sie mich fast an. Ich halte an. Sie ruft ihren Hund, der hinter einer Ecke ist. Der kommt auch, ignoriert aber ihren Befehl, macht eine Bogen um sie und kommt direkt auf mich zu. Das Fellkneul reicht mir bis zur Hüfte. Der Kerl ist neugirig und ich lasse ihn schnüffel und steichle ihn dann. Die Frau ist unheimlich erleichtert. Ich glaube, sie hatte Sorge, dass ich in Panik ausbrechen könnte. „Der will ja immer das Grundstück verteidigen“, sagt sie mir. „Ja, kenne ich“, sage ich und erzähle von unseren beiden Killerpudeln – jedenfalls könnte man das glauben, wenn man als fremder – oder mit Hund - an unserem Grundstück vorbeigeht. Sie ist jedenfalls froh, das alles so friedlich abgelaufen ist, schnappt sich den Hund am Halsband und wünscht mir noch eine gute Fahrt. Na, mal sehen... Langsam schlauchen die nassen Wald- und Feldwege. Ich muss jetzt ja auch noch die Pfützen umfahren. Es ist schon fast wie eine Erlösung, als ich endlich am Elbe-Seitenkanal ankomme. Ursprünglich hatte mich Komoot an diesem Kanal entlang bis nach Lüneburg geschickt. Das war mir zu langweilig – also habe ich es etwas „interessanter“ gestaltet. Das heißt – mehr Wald und Feldwege. Jetzt am Kanal beschließe ich, unter der nächsten Brücke anzuhalten und meine Notfallsuppe zu kochen. Eine Tütensuppe ist immer dabei, falls es wirklich mal keine Versorgugsmöglichkeit gibt. Da dies mein letzter Tag der Tour ist, kann ich sie also auch vertilgen. Insbesondere, da sie noch ein Überbleibsel meiner letzten Tour „Hansegravel“ ist – das war im April letzten Jahres. Ich habe keine Sorge, dass es ein Problem mit dem Ablaufdatum gibt – da ist sowieso nichts drin, was verderben könnte. Während die Suppe kocht, kühle ich aus. Die Feuchtigkeit ist inzwischen bis an meine Haut vorgedrungen. Die Handschuhe sind sowieso durchnässt, weil die „wasserdichten“ Überhandschuhe nur die ersten drei Male wasserdicht waren. Jetzt hat der rechte Überhandschuh sogar einen Riss auf der Innenhandfläche. Das macht aber keinen Unterschied zu dem linken. Schlimmer ist, dass ich beim Bäckerwagen nicht aufgepasst habe. Beim Geld heraussuchen habe ich meine Jacke aus der Regenhose gezogen und hinterher nicht wieder ordentlich darin verstaut. So hat sie Regenwasser aufgenommen und nach und nach durch die Kleidungsschichten bis an die Haut weitergegeben Nicht schön. Was hilf ist, das Wasser auf körpertemperatur zu erwärmen. Aber im Stehen geht das nicht so gut. Ich löffle also die Suppe aus – und die Wärme tut mir wirklich gut. Dann spühle ich den Topf im Kanal, packe und mache mich auf den Weg. Ich verlasse den Kanal schon wieder über die Brücke, unter der ich gerad gekocht habe. Und sofort geht es wieder über ein Feld, durch einen Wald, über ein Feld… Ich gebe auf! Meine Geschwindigkeit auf diesen Wegen liegt unter Zehn KilometernProStunde. In dem Tempo bin ich irgendwann gegen Mitternacht zu Hause. Und meine Kräfte gehen auch langsam zu Ende. Die letzten Tage waren ja auch alle ziemlich anstrengend. Ich habe noch EinHundert Kilometer vor mir. Ich beschließe, im nächsten Dorf die Tour abzubrechen. Das nächste Dorf ist Wierstorf. Ich stoppe an einem größeren Bauerngehöfft und breche die Tour auf dem Wahoo ab. Dann wähle ich die Funktion „Bring mich zu…“ und wähle „Home“. Es dauert eine Weile. Dann ist die Tour berechnet. Die Kilometeranzahl hat sich nur geringfügig geänder: VierUndNeunzig Kilometer bis „Home“. Ich drücke mir aber alle vier Daumen, dass diese VierUndNeunzig Kilometer jetzt auf Straße verlaufen. Wenigstens hat der Regen jetzt aufgehört. Zunächst bin ich verwirrt: Ich muss gegen den Wind fahren. Wenn etwas positiv an diesem Regenrückfahrttag ist, dann dass der Wind aus Süden kommt – ich also überwiegend Rückenwind habe. Ich zoome mal in die Kartenansicht. Ahhh – es geht in Richtung Süden bis Steimke und dann Richtung Norden. Meine Originalroute wäre gleich nach Norden gegangen – durch Felder und Wälder natürlich. Ich kann es kurz machen – ich bleibe von jetzt an auf der Straße. Leicht ist das aber auch nicht. Sie Strecke ist ziemlich hügelig. Wenigstens kann ich es jetzt in den Abfahrten einfach laufen lassen. Die Anstiege haben es aber in sich – und ich keine Kraft mehr. Trotzdem bin ich deutlich schneller unterwegs. Ich könnte es zum Einbruch der Dunkelheit bis nach Hause schaffen. Zunächst geht es aber nach Uelzen, quer durch die Stadt und dann an der Bundesstraße Vier nach Lüneburg. Bevor ich den Radweg an der Bundesstraße erreiche, halte ich noch mal an. Ich brauche einfach eine Pause. In meinem Rucksack ist noch ein Apfel von der Elbe, den ich die ganze Strecke mitgeschleppt habe. Den esse ich jetzt. Über mir verdunkelt sich der Himmel zusehens und als ich mir die nassen Handschuhe wieder anziehe, um weiterzufahren, beginnt es wieder zu regnen. Das Blöde an diesen Pausen ist, dass jetzt die Handschuhe wieder eiskalt sind und das Wasser erst wieder erwärmt werden muss. Das geht aber schnell, denn es geht jetzt ordentlich bergauf. Der Regen wird immer stärker. Als ich durch Tätendorf fahre, ist der Regen so stark, dass die Regengatter der Dächer ihn nicht mehr aufhalten können. Er strömt einfach daran vorbei in Bächen auf die Straße. Auf der anderen Straßenseite ist die „Obstscheune Tätendorf“. Hinter den Glasscheiben sitzen Menschen – warhscheinlich bei Kaffee und Kuchen. Soll ich da rüber fahren und Pause machen? Nein, weiter! Von der Fernverkehrsstraße läuft das Wasser in Bächen auf den tiefer liegenden Radweg. Und meine Räder haben Spaß daran, ihn hochzuwirbeln zu mir. Aber egal, ich bin ja schon nass. Bienenbüttel! Jetzt kann es nicht mehr weit sein bis Lüneburg. Melbeck. Hier ist mein Sohn früher mal auf das Gymnasium gegangen. Meine Route führt nicht bis nach Lüneburg hinein. Ich biege vorher nach Hacklingen ab und fahre von dort nach Rettmer. Dort ist mein Sohn auf die Montesorischule gegangen. Inzwischen ist das ein richtiger fester Bau – damals waren dort nur Container. Und auch das Neubaugebiet drumherum gab es damals noch nicht. Ich bin jetzt ziemlich fertig. Wie weit noch? OK, Kirchgellersen. Westergellersen. Wieso sind die Dörfer alle so unendlich lang. Vierhöfen. Noch länger. Jetzt muss doch gleich Bahlburg kommen. Kommt aber nicht. Ach ja, da kommt ja erst noch die Straußen-Farm. Da sind jetzt aber gar keine Strauße mehr, sondern Pferde. Jetzt aber: Bahlburg. Auch ein langgestrecktes Dorf. Danach geht es noch ein weinig über Feldwege. Aber jetzt bin ich fast zu Hause. Da – die Milchtankstelle von Scharmbeck. Von hier aus sind es noch DreiEinhalb Kilometer. Ich fahre unter der Autobahn durch und da ist das Ortschild „Ashausen“. Und ich bin zu Hause. Unser „Killerpudel“ Rollo hört mich sofort, als ich das Gartentor öffne. Er macht so einen Lärm in der Wohnung, dass sicher jeder potentielle Einbrecher wieder umdreht. Klasse Alarmanlage. Ich schiebe das Rad in die Garage. Den Schlafsack ziehe ich noch aus der Lenkerrolle, den Rest lasse ich einfach am Rad. Geschafft. In jeder Hinsicht.
16:41
149km
8.9km/h
550m
580m
October 12, 2025
I hope you've recovered well by now and also survived the miserable weather on your last tour without any problems (sniff...).
Thank you so much for the great reports and huge respect for your achievement. I think it's fantastic 👍🏻!!!
Translated by Google •
HelmutP went gravel riding.
October 3, 2025
Heute ist der „Tag der deutschen Einheit“. Also ein Feiertag. Da kann ich doch auch ein wenig länger im Bett – ähh – Schlafsack bleiben. Wenigstens bis es hell wird. Dann stehe ich auf und mache Frühstück. Ganz wichtig: Kaffee. Das ist bei mir ja so ein Ritual. Völlig unpraktisch nehme ich Kaffeebohnen (aus der Hamburger Speicherstadt) mit auf die Tour. Dann brauche ich natürlich auch eine Kaffeemühle. Und einen Kocher für heißes Wasser. Und eine Aeropress um Filterkaffee zu erzeugen. Das Ganze hat natürlich Gewicht und nimmt auch ordentlich Platz im Gepäckraum ein. Muss aber sein. Kaffee mahlen hat etwas von Entschleunigen. Ich könnte ja auch Instant Kaffee mitnehmen. Oder ganz auf Kaffee verzichten. Aber dieses Ritual, die Bohnen zu mahlen… Es geht mir gerade um das langsame und antiquierte dieses Vorgangs. Es setzt dieser Schneller-Höher-Weiter-Zeit etwas entgegen. Wie das Reisen mit dem Rad überhaupt. Diese Touren sind ja auch immer ein Versuch, die Komfortzone mal für eine Zeit zu verlassen. Das gelingt natürlich nicht wirklich. GPS, Handy, Supermarkt, Tankstellen – so RICHTIG RAUS bin ich ja doch nicht. Aber die Perspektive auf viele Dinge ändert sich schon… Eine Gruppe Jogger kommt vorbei – sieht mich aber nicht einmal. Ich packe zusammen. Zuerst muss ich mal an die Ilse und Wasser holen. Ich könnte das Wasser sicher einfach so in die Trinkflaschen füllen, nehme aber trotzdem einen Filter. Das Wasser schmeckt herrlich frisch. Viel besser, als das aus dem Wasserhahn. Auf der anderen Seite der Ilse sind schon Gruppen am Aufsteigen. Klar, Feiertag und schönes Wetter. Da wird der Brockenwirt heute gut etwas zu tun bekommen. Unten in Ilsenburg ist auch wirklich die Hölle los. Scharen von Wanderern und Autos, die sich verzweifelt nach einem freien Parkplatz umschauen. Polizei und Ordner sind auch da. Gut, dass ich wegfahre. Oder auch nicht gut. Ich mag den Harz. Jedes Mal, wenn ich wegfahre, schaue ich mich immer wieder um. Da war ich eben noch. Na gut, wenn alles nach Plan verläuft, bin ich ja im Mai wieder hier – dann zu einer Stippvisite mit dem Rennrad auf dem Brocken. Für den Rückweg habe ich auch zwei Tage eingeplant. Ich bin die Strecke auch schon nonstop gefahren, habe mir diesmal aber wieder eine „interessante“ Gravel-Strecke ausgesucht. Die führt zunächst fast den gleichen Weg zurück, auf dem ich gekommen bin. Ich muss wieder zum „Großen Fallstein“ hinauf und über die Betonplatten der NVA balancieren. Auf der anderen Seite überquere ich wieder die Grenze nach Niedersachsen und damit die ehemalige Staatsgrenze. Ich habe mir vorgenommen, den „Elm“ etwas genauer zu erkunden und von Südosten nach Nordwesten zu durchfahren. Deshalb halte ich nicht direkt darauf zu, sondern biege nach Osten ab. Bei Mattierzoll führt mein Weg an einer Gedenkstätte der innerdeutschen Teilung vorbei. Ein Stück der Grenzbefestigung ist erhalten worden und es gibt Schautafeln mit Informationen. Ich laufe ein Stück in den Grenzanlagen umher. Dann frage ich eine Familie, wo nun eigentlich der Osten und wo der Westen war. Sie sind genauso unsicher wie ich. Ich stelle die gleiche Frage an eine Gruppe die mit süßen, kleinen Hunden am Informationspunkt steht. Die kennen sich aus, denn sie sind von hier und kennen die Grenze noch, als sie scharf war. Ich lag völlig falsch, was die Ausrichtung der Grenze betrifft. Das, was ich als Grenzstreifen betrachtet habe war in Wirklichkeit die BREITE der Grenze. „Sehen sie den Grenzturm da hinten? Da war der Osten.“ Ich stehe also nicht im Grenzstreifen, sondern im Westen. Aha. Sie fragen mich, wo ich hin will und als ich grob „Hamburg“ sage ist die Antwort: „Aber doch nicht mehr heute?!“ „Nein, ich werde irgendwo übernachten“. „Oh, morgen wird es regnen“, sagt der Mann. Kaum zu glauben bei dem strahlenden Sonnenschein. Ich verabschiede mich und mache mich wieder auf den Weg. Hinter Beierstedt geht es wieder heftig bergauf. Den „Heeseberg“ hatte ich irgendwie gar nicht auf der Rechnung. Langsam quäle ich mich hoch. Mir fallen zwei VANs auf. „Universität Köln – Geologisches Institut“ steht auf einem. Ich sehe einige Menschen mit Namensschildern um den Hals sich auf Englisch unterhalten. Was die hier wohl untersuchen? Ich komme an einem Funkturm heraus. Zwei Frauen mit einem Hund sind etwas unschlüssig, was sie machen sollen. Ich schaue auf die Karte: „Der Aussichtsturm ist dort rechts“, sage ich. „Wir suchen unsere Leute“, bekomme ich als Antwort. „Ach, gehören Sie zu den Geologen aus Köln?“, frage ich. „Nein, wir fahren nur die Busse. Ich sage den beiden, wo ich die Gruppe gesehen habe. „Wissen Sie, was die da untersuchen?“, frage ich. „Nicht so richtig. Irgendwas fossiles wurde da entdeckt. Man sieht wohl Streifen im Felsen.“ Ich bin platt. Kann man so uninteressiert sein? Da kommen Leute aus der ganzen Welt um sich irgendeine Besonderheit anzuschauen, da würde ich denen doch ein Loch in den Bauch fragen. Inzwischen habe ich dem Internet ein Loch in den Bauch gefragt. Wen das also interessiert – hier https://www.youtube.com/watch?v=Ptmk7cb_BHc&t=69s gibt es eine Antwort. Ich bedauere jetzt ein bisschen, nicht zum Heesebergturm vorgedrungen zu sein. Beim nächsten Mal schaue ich mir den und den Steinbruch aber unbedingt an. Über Dobbeln und Twieflingen komme ich zum Einstieg in den „Elm“. Klar, es geht wieder bergan. Von hier aus kann ich zum letzten Mal den Brocken sehen. Ganz schön weit. Der Elm ist ein riesiger , bewaldeter Naturpark. Trotz Feiertag sind aber nur wenige Menschen unterwegs. Das ändert sich erst am „Waldgasthof Tetzelstein“. Klar, hierher kann man mit dem Auto oder Motorrad kommen. Der Parkplatz ist jedenfalls gut gefüllt. Ich sause dran vorbei und kurze Zeit später einen Singletrail hinab. Natürlich muss ich dann wieder heftig hinauf, bevor ich den Elm verlasse und an Königslutter vorbei, weiter fahre. Es ist jetzt doch wieder kühl geworden. Also Klamotten an. Die Sandwege haben mich wieder. Und auch die Abwesenheit von Ortschaften ist zurück. Mal sehen, ob ich wieder eine Hütte für die Nacht finden kann – zur Not habe ich ja ein Tarp dabei. Das setzte ich nur ungern ein. Erstens ist mein Tarp recht flach. Das Einsteigen in den Schlafsack bekommt also noch mal eine zusätzliche Schwierigkeit. Dann ist es windanfällig. Und schließlich nimmt das Sil Nylon Wasser auf. Es regnet nicht rein, aber wenn man das Ding verpackt, ist es klitschnass und entsprechend schwer. Also besser ein festes Dach finden. Ich bin immer noch fast auf dem gleichen Weg, wie auf dem Hinweg. Komoot schickt mich bei Grafhorst noch einmal über die Grenze nach Breitenrode. Vielleicht, weil „Tag der deutschen Einheit“ ist. Am Ortseingang von Grafhorst gibt es einen Pausenplatz mit Tischen und Bänken, aber kein Dach. Ich hätte dort mein Tarp aufbauen können, aber für die Variante ist es mir noch zu früh. Es ist erst kurz nach Zwanzig Uhr. Hinter Breitenrode führt der Weg über einen kleinen Plattenweg in nördliche Richtung. Und plötzlich ist da links ein Beobachtungsturm. Der hat ein Dach! Das wäre doch mal eine besondere Unterkunft. Ich klettere hinauf. Ja, es ist genügend Platz und es ist sauber. Sogar mein Rad hätte hier Platz. OK, das mache ich. Das Rad die Treppen hinaufzuwuchten ist eine Nummer für sich. Dann ist es oben. Der Mond scheint – alles ist friedlich. Ich versorge die Kette vom Rad als Erstes mit Wachs. Nach FünfHundert Kilometern ist das wohl doch mal nötig. Dann bereite ich die Folie auf dem Boden aus, lege den Biwaksack darauf, blase die Isomatte auf, stecke sie hinein, stopfe den Schlafsack hinterher und den Innenschlafsack. Fertig. Ich blase die Sitzunterlage auf, setzte mich auf die Treppenstufen und Esse etwas. Es ist völlig ruhig. Viel zu beobachten gibt es nicht, also mache ich mich bettfertig und schlüpfe in den Schafsack. Meine Befürchtung, dass der Mond mir direkt ins Gesicht scheinen könnte ist unbegründet. Super Platz!
11:09
116km
10.4km/h
930m
1,500m
HelmutP went gravel riding.
October 2, 2025
Mein Schlafsack ist ein Wunderding. Er lässt sich unglaublich klein verpacken und ist doch unglaublich warm. Danke an die polnischen Gänse, die ihre Daunenfedern dafür hergegeben haben. Als ich gegen Morgen meine Hand aus dem Schlafsack strecke um zu sehen, wie spät es ist, schrecke ich zurück. Kalt! Und leider sagt der Radcomputer auch, dass es Fünf Uhr ist – also Aufstehzeit. Ich drücke die Taste, bis die Temperatur angezeigt wird. Alter, wollt ihr mich verarschen???? EINSKOMMAFÜNF Grad steht da. Meine Hand verschwindet wieder im Schlafsack. Aber es hilft ja nichts – wenn ich noch vor Sonnenuntergang auf dem Brocken sein will, dann muss ich jetzt aufstehen. Ich schäle mich aus dem Schlafsack und ziehe alles an, was ich dabei habe. Inklusive Regenhose und Regenjacke. Die haben zwar keine Isolationswirkung, halten aber das Mikroklima am Körper. Es ist unglaublich, wie viel das bringt. Ich beglückwünsche mich auch, meine dicken Winter-Fahrradhandschuhe mitgenommen zu haben. Leider kann ich mit Handschuhen nicht zusammenpacken. Das muss so gehen. Als alles gepackt ist, mache ich einen letzten Check in alle Ecken der Hütte: nein, nichts liegen gelassen. Danke Hütte für die Beherbergung. Wir ahnen beide noch nicht, dass dies noch nicht unsere letzte Begegnung auf dieser Tour war. Draußen ist noch stockdunkel. Nach wenigen Metern soll ich den Kanal verlassen und auf meine Route zurückkehren. Der Weg wird schmaler und zugewachsener. Ein Hochsitz kommt in Sicht. Danach ist kaum noch Weg vorhanden. Dafür reicht mir das Schilf bis zu den Schultern. Nach einer Rechtskurve bin ich wieder auf Christos Tour. Ein Weg ist hier aber nicht – nur ein freies Feld und ein Graben neben mir. Oh – man. Ich kämpfe mich weiter im Scheinwerferlicht. Am Ende der Wiese soll der Weg eigentlich gerade aus weiter gehen. Da ist aber nur eine Wand aus Schilf. Ich schalte die Helmlampe auf höchste Stufe und fahre an der Schilfkante entlang. Nirgends ein Durchgang. OK, zurück zum Kanal und einen anderen Weg suchen. Mist, da hätte ich ja auch noch länger liegen bleiben können. Die nächste Möglichkeit, wieder auf meine Route zu kommen ist an der nächsten Brücke. Hier gibt es tatsächlich einen breiten gut fahrbaren Weg. Also falls jemand diese Tour nachmachen möchte – das ist der Weg – auch für Wanderer. Ich komme wieder in den Wald. Jede Menge frisch geschnittene Stämme liegen am Wegesrand. Der Weg selbst ist gut – eine Waldautobahn. Nur meine Füße sind inzwischen Eisklumpen geworden. Aber Moment – ich habe ja – völlig unnötig, wie ich dachte – zwei Päckchen Zehenwärmer eingepackt. Davon werde ich jetzt eins benutzen. Die Päckchen enthalten zwei selbstklebende Pads, die bei Luftkontakt auf chemischem Wege Wärme erzeugen. Ich reiße das Päckchen auf, und schüttele die Pads, um die Luftzufuhr zu erhöhen. Dann will ich meinem Magen etwas zukommen lassen, hole eins der Snickers-Riegel heraus, entnehme einen davon und … Ich breche mir fast die Zähne ab. Steinhart! Nicht essbar! Zurück in die Foodpouch. Ich nehme statt dessen einen Cliff-Bar. Die gehen irgendwie immer, egal ob kalt oder auch wenn alle anderen Riegel langsam dahinschmelzen. So, jetzt die Pads vorn bei den Zehen unter die Socken geklebt. Ja, es wird warm! Als ich den Wald verlasse, sehe ich zwei Bänke und einen Papierkorb. Da kann ich ja mal meinen Müll entsorgen. Ich nutze die Pause gleich mal um zu schauen, ob es irgendwo einen Ort mit einem Bäcker oder so gibt. Als ich hochschaue kommt ein Jogger vorbei und läuft in den Wald. Warum ich das erwähne? Weil der Typ in kurzen Hosen unterwegs ist! Alter muss der innere Hitze haben. Gerade als ich los will kommen auch noch zwei PKWs. Was machen die hier so früh? Eine Dame öffnet den Kofferraum und ein recht beachtlicher Hund springt heraus. Ach so. Ich fahre los. Das findet der Hund gar nicht gut. Laut bellend rennt er auf mich zu. Die Dame ruft und schimpft und entschuldigt sich bei mir. Ich sehe aber auch so anders aus. Naja. Endlich kommt auch die Sonne raus. Das allein macht es schon gefühlt wärmer. In Almke komme ich an einer Tankstelle vorbei. Ich kehre ein und kaufe Erdnüsse, drei Croissants mit unterschiedlicher Füllung und zwei normale Brötchen für später. Für jetzt gibt es eine Bockwurst im Brötchen und einen Kakao. Beides warm. Sehr gut. Als ich die A2 überquert habe, glaube ich in der Ferne schon den Harz zu sehen. Wenn ich jetzt auf die Karte schaue war das wohl eher der (die, das?) Elm bei Königslutter. Da muss ich ja vorher noch drüber. Genau. Königslutter bedeutet hoch zum Kaiserdom kurbeln. Das Highlight für mich ist aber nicht der Dom sondern eine öffentliche Toilette. Es ist schon komisch wie sich die Perspektiven verschieben, wenn man anders unterwegs ist. Und dann geht es hoch in das Waldgebiet „Elm“. Sehr schweißtreibend. Gleich am Anfang muss ich Treppen überwinden, danach ist es steil – aber noch fahrbar. Mit ist nur so warm in all meinen Klamotten, dass ich denn doch anhalte und einiges ausziehe. Zu viel, denn kaum ist die Steigung weg, wird mir kalt. Also Jacke wieder an. Das Waldgebiet ist richtig schön. Nur sehr wenige Menschen begegnen mir. Die Abfahrt ist ein Fest. Ich lasse Kona laufen und stelle mich in die Pedale. Das geht lange – und ich verpasse den Abzweig am Waldrand. Nicht so schlimm, die Straße, auf der ich jetzt bin führt gleich wieder auf die Route zurück. Vorher ist da aber noch ein hoher Hochsitz. Da muss ich natürlich rauf. Die Wegebeschaffenheit hat sich deutlich geändert. Kaum noch Sand, dafür Schotter. Nicht nur feiner Schotter – teilweise richtig derbe. Schnell fahren kann man mit dem Rad darauf nicht. Das ist mehr was für Trecker. Aber immer noch besser als Sand. Bevor ich zum Harz komme, muss ich aber noch den großen Fallstein überwinden und kurz vorher noch einmal über die Grenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt fahren. Der „Große Fallstein“ ist ein Waldgebiet, dass früher wohl von der NVA behaust wurde. Jedenfalls sind da oben diese fürchterlichen Betonplatten, die die Löcher so haben, dass man keine Ideallinie findet.Die Löcher sind breit genug, dass meine Sechs Centimeter Reifen darin verschwinden können. Also Obacht. Außerdem schlaucht das Hochfahren langsam. Ich bin noch gar nicht am Fuße des Harz und meine Oberschenkelmuskeln haben jetzt eigentlich schon genug. Na, wollen wir mal kein Weichei sein. Schließlich werde ich wieder mit einer rauschenden Abfahrt belohnt. Auch hier verpasse ich den Abzweig am Waldrand aber auch hier ist das kein großes Problem – beide Wege führen nach Osterwieck. Und Osterwieck überrascht mich mit einer tollen Fachwerkinnenstadt. Ich habe ja keine Zeit, sonst hätte ich mich dort sicher etwas mehr umgeschaut. Ein Grund mal zurückzukommen. Am Ortsausgang geht es zunächst wieder bergan Richtung Schauen. Es ist jetzt so warm geworden, dass ich im Langarmshirt fahren kann. Verrückt, wenn ich an heute Morgen denke. Ab Veckenstedt geht es sehr idyllisch an der Ilse entlang bis nach Ilsenburg. Dort ist erst einmal Einkaufen angesagt. Morgen ist ja Feiertag. Ich kaufe Sandwiches, Wraps Schokolade und zwei Dosen Bier. Beim Bier bin ich mir unschlüssig. Einerseits ist so ein Gipfelbier ja irgendwie ein MUSS, andererseits muss ich das mit hinaufschleppen. Aber das Rad mit dem ganzen Gepäck ist schon so schwer – da sollte es auf das eine Kilo nun auch nicht mehr ankommen. Der Wanderweg führt abseits der Hauptstraße durch Parks entlang der Ilse. Am Waldhotel soll ich links der Ilse lang. Das ist auch wirklich schön, aber nach ein paar Metern drehe ich um. Mit dem Rad ist das schwer machbar. Und rechts der Ilse ist es ja auch schön :-) Ich habe Sieben Kilometer Aufstieg vor mir. Es ist SechZehnUhrDreißig. In Drei Stunden wird es dunkel. Das sollte doch zu schaffen sein. Ich schalte in den ersten Gang und fahre langsam aber stetig hinauf. Die meisten Menschen und Hunde, die unterwegs sind, kommen mir entgegen. Eine Frau versucht ihren Hund dazu zu bringen, auf der von mir abgewandten Seite von ihr zu laufen. Er will sie aber beschützen. Wir kommen ins Gespräch und natürlich kommt die Frage, ob ich keine Angst vor wilden Tieren habe – so allein da draußen. Nein! Was soll ich sonst sagen. Es steht ja auch nicht ständig in der Zeitung, dass Menschen von wilden Tieren zerfetzt in Wald gefunden wurden. Nachts in der Hamburger U-Bahn hätte ich mehr Sorgen. Der Wanderweg wechselt wieder auf die andere Seite der Ilse. Ich bleibe auf der Straße. An der „Bremer Hütte“ bin ich etwas verwirrt – „Brocken – Acht Kilometer“ steht da. Das waren doch eben schon mal Fünf?!?! Ein Pärchen fragt, ob es helfen kann. Es empfiehlt mir dringend den längeren Weg: „Den anderen kommen Sie nicht hoch! Zu steil! Alles Panzerplatten.“ „Danke“, sage ich und fahre also auf dem weniger steilen Weg weiter. Aber mit Fahren ist jetzt langsam Schluss. Meine Muskeln sind müde und so flach ist es hier nicht. Dazu ist der Weg mit Schotter belegt, also sowieso schon nicht ganz leicht zu befahren. Ich schiebe – schon um mal andere Muskelgruppen ins Spiel zu bringen. Damit ist meine Reisegeschwindigkeit von Sechs bis Sieben KilometerProStunde auf Vier KilometerProStunde gesunken. Das wird jetzt knapp mit dem Brocken bei Tageslicht. Beim nächsten Abzweig entscheide ich mich für den kurzen Weg hinauf und fahre zur Schutzhütte „Stempelbuche“. Jetzt geht es die Hermannstraße hinauf. Zehn Prozent Steigung. Es wird aber noch besser, als ich auf den Hirtenstieg komme. Jetzt geht es über die Betonplatten mit Fünfzehn Prozent Steigung hoch. Ich benutze die SiebenUndSechzig-Schritte Methode: SiebenUndSechzig Schritte schieben und dann für Drei bis Vier tiefe Atemzüge Pause. Wieder SiebenUndSechzig Schritte… In den Pausen habe ich einen Trommler mit Basstrommel in den Ohren. Es ist mein Herzschlag, der da so wummert. Ist das noch OK? Ich checke mich mental durch. Ja, kein Schwindelgefühl oder anderes Unwohlsein. Also weiter: SiebenUndSechzig Schritte… Ich bin diesen Weg im Mai 2021 schon mal gelaufen (https://www.komoot.com/de-de/tour/366161747?share_token=aTHQNvv4z6rGh31Y29a19J34h3LWlwokz3E8HNzB9Uz3TN1QTJ&ref=wtd). Damals musste war ich noch mit der ZweiUndSechzig-Schritte-Methode unterwegs. Ja, es wird nicht besser… Ich komme am EinTausendMeterÜberDemMeeresspiegel-Schild vorbei. Kurz darauf sehe ich die Spitze des Funkturms vor mir. Nicht mehr weit. Aber es wird schlagartig kalt, als die Vegetation spärlicher wird. Die Zeit wird auch langsam knapp. Aber ich MUSS anhalten und mich warm anziehen. Da ist ein Felsen, an den ich mein Rad anlehnen kann und in Windeseile ziehe ich alle Klamotten wieder an – wie heute Morgen. Die letzte Brockenbahn fährt bergab und die Sonne macht sich auf den Weg zur anderen Seite der Erdkugel. Ich erreichen die Schienen der Brockenbahn. Nur noch ein paar Hundert Meter. Und dann ist es geschafft. Die letzten Meter zur Brockenuhr fahre ich, stelle das Rad an den Felsen und mache das obligatorische Foto. Menschen sehe ich keine mehr. Auch beim Brockenwirt sind alle verschwunden. Aber nein, doch nicht alle. Ein Fuchs kommt hinter den Tischen hervor, beschreibt einen Fünf Meter Bogen um mich und macht sich in aller Ruhe davon. Ich hatte mein Telefon gerade wieder tief in der Innentasche versteckt. Schade. Aber wenn ich auf das Foto vom Brockenwirt schaue, kann ich den kleinen Räuber unter den Tischen entdecken. So, Licht an und runter hier. Mir ist kalt. Und das wird bei der Abfahrt nicht besser. Hier kann man ganz schön schnell runterbrettern, Das mache ich jetzt aber nicht. Es gibt noch ein paar Leute, die unterwegs sind und mir kommen sogar Räder entgegen. Bei den „Brockenkindern“ biege ich nach links auf den Schotterweg ab. Jetzt muss ich noch vorsichtiger fahren. Vor mir schreckt ein Tier hoch und ich mache eine Vollbremsung, die dazu führt, dass die Frontlampe nach unten klappt und ich vor mir nichts mehr sehe. OK, Lampe wieder ausrichten und Helmlampe an. Ich kenne die Hütte, in der ich übernachten will vom August 2021, als ich bei L2H-Niedersachsen (https://www.komoot.com/de-de/tour/455768138?share_token=aCO4SbT2ZMuItz7878hL16Uaw1rzBP7I7aU3CUXIjn3RYm1Y8l&ref=wtd) auf den Wurmberg hochgefahren bin und dann dort übernachtet habe. Der Weg dorthin erscheint mir unheimlich lang zu sein. Bin ich schon dran vorbei??? Nein, da ist die Hütte. Und frei ist sie auch. Ich setze mich hinein und versuche das Zittern meines Körpers in den Griff zu bekommen. Geht nicht. Egal, ich mache mir ein Bier auf und suche mir etwas zu Essen aus dem Rucksack. Zwei Radfahrer kommen noch an der Hütte vorbei, dann ist Ruhe. Ich bereite mein Nachtlager auf der Bank aus. Ach ja, ich musste feststellen, dass mein aufblasbares Kissen von See To Summet die Luft nicht mehr hält. So muss die Sitzunterlage jetzt die Kissenfunktion mit übernehmen. Es geht doch immer irgendwie.
13:16
108km
8.1km/h
1,720m
1,130m
October 24, 2025
Dear two-wheel enthusiasts,
Only a few days separate us from the next New Year's Eve 🥂🥳
I look back on the past year with joy, but I'm even more excited for the next one 👀 I'd like to celebrate the season opening with you again in 2026 and invite you to join me for a ride 🚴🏼♂️ Since the preparations
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