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Markus M. Waldschrat went for a hike
October 6, 2026 at 08:14
03:16
13.6km
4.2km/h
770m
760m
🥾 Mendelpass – Romeno-Alm – Monte Roen
Ein Gipfelweg durch Geschichte, Geologie und Natur
Vom Mendelpass auf 1.364 m führt unser Weg über die Romeno-Alm (Malga di Romeno) hinauf zum Monte Roen, mit rund 2.113–2.116 m der höchste Gipfel der Monti d’Anaunia. Der Weg folgt dabei dem historischen SAT-Weg 500 und verläuft auf dem breiten Höhenrücken zwischen dem Val di Non im Westen und dem Etschtal im Osten.
Schon der Mendelpass ist ein geschichtsträchtiger Ort. Lange Zeit war er lediglich ein Übergang zwischen den Tälern. Mit dem Bau der Passstraße im Jahr 1885 begann jedoch seine Entwicklung zum Fremdenverkehrsort. Wenige Jahrzehnte später kam die spektakuläre Mendelbahn von Kaltern hinzu, die ab 1903 den Pass für den Tourismus wesentlich leichter erreichbar machte.
Von hier geht es zunächst durch Fichten- und Tannenwälder, bevor sich die Landschaft zunehmend öffnet. Zwischen Wald und Almwiesen zeigen sich typische Pflanzen der montanen und subalpinen Höhenstufe: Enzian, Alpenrosen, Wacholder, Heidelbeeren und verschiedene alpine Gräser. Mit zunehmender Höhe verändert sich auch der Charakter des Waldes; schließlich bestimmen offene Weideflächen und Latschenkiefern das Bild.
🪨 Ein Blick 220 Millionen Jahre zurück
Geologisch ist der Roen besonders interessant. Wir befinden uns hier im Bereich der Südlichen Kalkalpen. Die mächtigen Gesteinsschichten entstanden zu einer Zeit, als große Teile des heutigen Alpenraumes noch von einem warmen, flachen tropischen Meer mit Lagunen und Küstenebenen bedeckt waren.
Die für den Roen besonders wichtige Hauptdolomit-Formation entstand im Oberen Trias vor ungefähr 220 Millionen Jahren. Sie bildet heute große Teile der Monti d’Anaunia und reicht bis zu den Gipfelbereichen des Roen.
Besonders eindrucksvoll wird die Erdgeschichte vom Gipfel aus sichtbar: Der Roen erhebt sich auf der Ostseite mit einem gewaltigen, rund 1.800 Höhenmeter umfassenden Abbruch zum Etschtal. Von oben lässt sich dadurch regelrecht die geologische Schichtung des Gebirges nachvollziehen – von den jüngeren Dolomitgesteinen am Gipfel bis zu älteren, vulkanisch geprägten Gesteinen weiter unten im Etschtal.
Auch die Eiszeit hat ihre Spuren hinterlassen. Während der letzten großen Vereisung, vor weniger als 20.000 Jahren, reichten gewaltige Gletscherströme aus Etschtal, Passeiertal und Eisacktal bis in den Raum Bozen. Der heutige Landschaftscharakter ist deshalb nicht allein das Ergebnis der Gebirgsbildung, sondern auch der gewaltigen Erosionskraft des Eises.
🐂 Von der Alm zum Gipfel
An der Romeno-Alm auf etwa 1.766 m ändert sich der Charakter des Weges deutlich. Die Almwirtschaft prägt bis heute die offene Kulturlandschaft. Von hier steigt der Weg über die Nordflanke des Roen zunächst durch Wald, später über immer offenere Weideflächen und schließlich durch einen Bereich mit Latschenkiefern zum Gipfel an.
Mit etwas Glück begegnet man dabei Rehen, Gämsen, Murmeltieren oder verschiedenen Greifvögeln. Über den offenen Hängen kreisen häufig Bussarde und andere große Vögel; in den felsigeren Bereichen gehören auch typische alpine Arten zur Tierwelt.
Und dann ist er erreicht: der Monte Roen.
Oben öffnet sich ein außergewöhnlicher 360-Grad-Panoramablick. Im Westen liegt das Val di Non, im Osten fällt der Blick über das Etschtal hinweg zu Schlern, Rosengarten und Latemar. Weiter südlich stehen die Brenta-Dolomiten, während im Norden und Nordwesten die höheren Gipfel der Ortler- und Ötztaler Alpen den Horizont bestimmen.
Der Roen ist damit weit mehr als nur ein Gipfel: Er ist ein Aussichtspunkt auf die Geologie der Alpen, auf eiszeitlich geformte Landschaften, auf jahrhundertealte Almwirtschaft und auf die Verbindung zwischen Südtirol und dem Trentino.
Und vielleicht passt deshalb auch die alte Geschichte zum Berg: Schon früher rankten sich um den Roen Geschichten von Hexen und nächtlichen Zusammenkünften. Mit dem aufkommenden Alpentourismus Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich der sagenumwobene Berg dann endgültig zum Wanderziel. �
SAT
Ein Wanderweg also, bei dem man auf wenigen Kilometern nicht nur Höhenmeter macht, sondern durch Millionen Jahre Erdgeschichte und Jahrhunderte Kulturgeschichte wandert.
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