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N G (Nortuk Gausgart)
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Zwickauer Mulde / WE 1 / Tag 1 – Großbothen nach Rochlitz

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Zwickauer Mulde / WE 1 / Tag 1 – Großbothen nach Rochlitz

went for a hike

August 22, 2026 at 06:46

Zwickauer Mulde / WE 1 / Tag 1 – Großbothen nach Rochlitz

06:22

27.5km

4.3km/h

360m

360m

Auftakt unserer (Dav/Sektion Leipzig) Vier-Wochenenden-Serie flussaufwärts: von der Mündung bei Sermuth bis zur Quelle bei Schöneck. Rund 200 km, verteilt auf Spätsommer, Herbst und Frühwinter. Heute der erste Abschnitt – 23,9 km von Großbothen nach Rochlitz, durchgehend bei Regen. 🌧️

Start an der Bushaltestelle Wilhelm-Ostwald-Park in Großbothen. Der Landsitz „Energie" des Chemie-Nobelpreisträgers Wilhelm Ostwald liegt direkt am Wegbeginn – ein guter Einstieg, wenn man eine Flusswanderung nicht nur als Kilometerfressen verstehen will. ⚗️

💧 Nach gut fünf Kilometern der eigentliche symbolische Startpunkt der ganzen Serie: die Muldenvereinigung bei Sermuth. Hier treffen Zwickauer und Freiberger Mulde zusammen. Die Infotafeln am Zusammenfluss lohnen einen Stopp – weltweit ist es selten, dass sich zwei gleichrangige Flüsse zu einem neuen vereinigen; meist mündet der kleinere in den größeren. Die Zwickauer Mulde ist mit 167 km die längere der beiden, entspringt auf 770 m bei Schöneck – genau dort, wo wir im November ankommen wollen. Der Zusammenfluss liegt auf 132 m. Das ist die Klammer für die gesamte Serie.

🌋 Die Tafeln erzählen darüber hinaus die Erdgeschichte der Region: Vor rund 290 Millionen Jahren lag Sachsen nahe dem Äquator, zwischen Rochlitz und Grimma hinterließ intensiver Vulkanismus die über 30 km große Rochlitz-Caldera. Der berühmte Rochlitzer Porphyrtuff stammt aus dieser Zeit. Später, in der Eiszeit, schob skandinavisches Inlandeis Moränen quer vor den Fluss – die Mulde musste ausweichen und durchbrach erst vor etwa 130.000 Jahren nach Norden zur Elbe. Im Flussschotter findet sich heute Feuerstein von der Ostsee neben Porphyr aus dem Erzgebirge. 🪨

🏰 Weiter flussaufwärts über Wehr und Wasserkraftwerk nach Colditz. Schloss Colditz liegt bei km 11 direkt am Weg, auf einem Porphyrfelsen über der Mulde – im Zweiten Weltkrieg als Oflag IV C das Kriegsgefangenenlager, aus dem die bekannten Fluchtgeschichten stammen. Am Fluss unterhalb ist der Blick aufs Schloss fast besser als von der Straße oben.

🦩 Eine schöne Überraschung dann in Penna: Am Ortsrand steht ein Storchenmast mit besetztem Horst, dazu zwei sehr liebevoll gemachte Tafeln. Seit 1987 wird hier jede Brut dokumentiert – Jahr für Jahr, mit Anmerkungen zu jedem einzelnen Vogel. Alle Männchen heißen traditionell „Heinrich". Der „Alte Heinrich" kehrte 15 Jahre lang zurück und wurde vermutlich 18 Jahre alt. 1999 wurde nach mehreren tödlichen Unfällen die Mittelspannungsleitung erdverkabelt – danach ging es mit dem Bruterfolg deutlich bergauf. Bis 2021 sind 74 ausgeflogene Jungstörche zusammengekommen, damit ist Penna das erfolgreichste Storchennest im Regierungsbezirk Chemnitz. Bemerkenswert auch: Ein 2003 hier beringter Storch wurde 2004 lebend in der Kapprovinz wiedergefunden – 9.455 km südlich. 🌍

Das letzte Drittel zieht sich etwas, der Regen wurde nicht weniger. Kurz vor dem Ziel dann Schloss Rochlitz mit seinen beiden markanten Türmen, danach über den Marktplatz direkt vor die Haustür der Pension. Die Etappe endet buchstäblich an der Unterkunft. 🛏️

⚠️ Zum Untergrund, ehrlich gesagt: Obwohl die Strecke offiziell als Muldental-Wanderweg ausgeschildert ist (weiß-rot-weiß), handelt es sich zu gut drei Vierteln um asphaltierte Wege. Wer schmale Pfade erwartet, wird enttäuscht. Glücklicherweise sind die Straßen kaum befahren, und landschaftlich ist die Etappe trotzdem schön. Für harte Sohlen und lange Tage sollte man das aber wissen – die Kilometer gehen so anders in die Beine als auf weichem Untergrund.

✅ Fazit: Eine gut laufbare Auftaktetappe ohne technische Schwierigkeiten, aber mit deutlich mehr Inhalt, als man einer Flusswanderung im Mittelsächsischen zutrauen würde. 🥾

➡️ Morgen geht es weiter nach Penig – mit Kloster Wechselburg, dem Göhrener Viadukt und Schloss Rochsburg.

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