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Ducky went for a bike ride
August 12, 2026 at 08:57
05:16
105km
20.0km/h
46.0km/h
800m
800m
## Auf dem Skulpturen-Radweg – und 105 Kilometer, die so nie geplant waren
Eigentlich hatten wir an diesem Tag einen ganz anderen Plan.
Wir wollten den **Skulpturen-Radweg** kennenlernen, unterwegs einige außergewöhnliche Kunstwerke entdecken und die Tour später ganz bequem mit dem Zug beenden.
Am Ende standen jedoch rund **105 Kilometer**, ordentlich Höhenmeter und einige ziemlich fordernde Anstiege auf unseren Fahrradcomputern.
Und als wäre das noch nicht genug gewesen, verdunkelte sich auf unserem ungeplanten Rückweg auch noch die Sonne.
Doch der Reihe nach.
Unsere Strecke war eine interessante Kombination verschiedener Radwege. Zunächst nutzten wir Abschnitte des **Kocher-Jagst-Radwegs**, anschließend Teile der **KJ4 3-Bäche-Tour** und des **Schefflenztal-Radwegs**, bevor wir schließlich auf den eigentlichen **Skulpturen-Radweg** trafen.
Von da an spielten die Namen der einzelnen Radwege für uns allerdings kaum noch eine Rolle.
Viel wichtiger war das, was uns unterwegs begegnete.
## Eine kleine Kapelle mit einer großen Geschichte
Nach ungefähr **14 Kilometern** entdeckten wir am Wegesrand die **St.-Gangolf-Kapelle bei Neudenau**.
Sie wirkte beinahe unscheinbar.
Gerade ihre geringe Größe und ihre liebevolle Gestaltung machten sie jedoch zu einem dieser Orte, an denen man nicht einfach vorbeifahren wollte. Also hielten wir an und sahen uns um.
Leider war die Kapelle geschlossen.
Erst ein Einheimischer, der dort lebte, erzählte uns von einer außergewöhnlichen Tradition: An dieser kleinen Kapelle würden sogar **Pferde gesegnet**.
Zunächst klang das wie eine jener Geschichten, die man unterwegs hört und später unbedingt überprüfen möchte.
Doch sie stimmte tatsächlich.
Die Wallfahrtskapelle wurde bereits **1276 erstmals urkundlich erwähnt**, und ihr romanischer Turm entstand sogar schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Besonders auffällig sind die Hufeisen am Portal – und genau sie weisen auf eine jahrhundertealte Tradition hin.
Bereits **1497** wurde eine Pferdewallfahrt zur Gangolfskapelle erwähnt. Der sogenannte **Gangolfsritt** wurde über viele Jahrhunderte gepflegt, Anfang des 19. Jahrhunderts unterbrochen und 1923 wieder aufgenommen.
Bis heute ziehen Reiter mit ihren Pferden zur Kapelle, wo die Tiere gesegnet werden.
Und selbst das Wasser spielt dabei eine Rolle: Für die Segnung wird Wasser aus einer Quelle bei der Kapelle verwendet.
Plötzlich erschien uns diese kleine Kirche am Wegesrand in einem ganz anderen Licht.
Wir konnten zwar nicht hineingehen, aber durch die zufällige Begegnung mit dem Einheimischen hatten wir eine Geschichte erfahren, die wir sonst vermutlich niemals entdeckt hätten.
## Die Höhenmeter erzählten nur die halbe Wahrheit
Danach wurde unsere Aufmerksamkeit allerdings zunehmend von etwas anderem beansprucht.
Der Landschaft.
Oder genauer gesagt:
**ihren Anstiegen.**
Auf der gesamten Tour sammelten sich knapp **800 Höhenmeter** an. Das war schon ordentlich, erklärte aber trotzdem nur teilweise, warum einige Abschnitte so anstrengend waren.
Denn Höhenmeter allein erzählen beim Radfahren nur die halbe Geschichte.
Entscheidend war, **wie** diese Höhenmeter überwunden werden mussten.
Ein langer Anstieg über mehrere Kilometer fühlte sich völlig anders an als dieselbe Höhendifferenz auf einer langen, gleichmäßig verteilten Strecke. Und sobald die Steigung stärker wurde, änderte sich die Belastung noch einmal erheblich.
Genau das bekamen wir an diesem Tag zu spüren.
Mehrfach zog sich die Strecke über längere Zeit bergauf. Teilweise gewann sie über mehrere Kilometer immer weiter an Höhe. Besonders in Erinnerung blieben jene Momente, in denen man glaubte, gleich müsse doch endlich der höchste Punkt erreicht sein – und hinter der nächsten Kurve ging es einfach weiter nach oben.
Ich merkte dabei besonders deutlich, was es bedeutete, **ohne Motor** unterwegs zu sein.
Kein Pedelec half nach.
Jeder Höhenmeter musste selbst erarbeitet werden.
Das Fahrrad wurde langsamer, die Gänge kleiner und irgendwann konzentrierte sich alles nur noch auf einen möglichst gleichmäßigen Rhythmus.
Treten.
Atmen.
Noch ein Stück.
Und irgendwann kam dann tatsächlich die Abfahrt.
Die fühlte sich anschließend umso besser an.
## Eine Pause bei Hörchers
Bei ungefähr **Kilometer 37** kam deshalb eine Pause gerade recht.
Wir erreichten **Hörchers Bauernladen** und legten dort eine Rast ein.
Der Hof arbeitet nach den Grundsätzen von **Demeter** und bietet zahlreiche biologisch beziehungsweise biologisch-dynamisch erzeugte Produkte an.
Nach den zurückliegenden Kilometern interessierten uns in diesem Moment allerdings weniger Zertifizierungen und Landwirtschaftsphilosophien.
Wir wollten vor allem sitzen.
Etwas essen und trinken.
Und für eine Weile nicht bergauf fahren.
Danach ging es gestärkt weiter.
Und langsam näherten wir uns dem Teil der Tour, wegen dem wir überhaupt hierhergekommen waren.
## Plötzlich stand da ein Manta
Der **Skulpturen-Radweg** existiert seit 2006 und verbindet Kunst mit der Landschaft von Bauland und Odenwald. Entlang der gesamten Strecke stehen heute zahlreiche Werke verschiedener Künstler.
Wir befuhren nur einen Teil dieser Route.
Aber schon dieser Abschnitt genügte, um einige Kunstwerke zu entdecken, die man nicht so schnell vergaß.
Vor allem eines.
**Der Manta.**
Schon aus einiger Entfernung war klar, dass dort etwas ausgesprochen Ungewöhnliches stand.
Das Werk von **Stefan Rohrer** basierte tatsächlich auf einem Opel Manta.
Aber mit dem Auto, das einmal vom Fließband gerollt war, hatte diese Skulptur nicht mehr viel gemeinsam.
Der Wagen schien regelrecht auseinandergezogen worden zu sein. Karosserie und Form erstreckten sich über viele Meter und ließen das Auto beinahe in Bewegung erscheinen.
Je länger wir hinsahen, desto mehr verlor sich die Grenze zwischen Fahrzeug und Fantasie.
Der Manta war kein Auto mehr.
Er war Bewegung geworden.
Und irgendwie erinnerte die langgezogene Form tatsächlich auch an den gleichnamigen Meeresbewohner.
Genau solche Kunstwerke machten diesen Radweg interessant: Man musste kein Kunstexperte sein, um davorzustehen und sich zu fragen:
**Wie kommt jemand auf so eine Idee?**
## Ein Sprungturm ohne Schwimmbad
Wenig später folgte die nächste Überraschung.
Mitten in der Landschaft stand plötzlich ein **Sprungturm**.
Nur das Schwimmbecken fehlte.
Das Kunstwerk von Johannes Wald trägt offiziell den Namen **„Ohne Titel (Kirnaubad)“**.
Der etwa drei Meter hohe Sprungturm steht an einem Hochwasserrückhaltedamm. Nur wenn sich bei Hochwasser tatsächlich Wasser in diesem Bereich sammeln würde, bekäme der Turm plötzlich eine scheinbar logische Umgebung.
An einem normalen Tag dagegen wirkte er vollkommen absurd.
Ein Sprungturm mitten im Grünen.
Genau deshalb funktionierte das Kunstwerk.
Unwillkürlich ergänzte man im Kopf das fehlende Schwimmbecken.
Für einen Moment entstand dort ein Freibad, das überhaupt nicht existierte.
Dann stiegen wir wieder auf unsere Fahrräder.
## Wenn Asphalt plötzlich Wellen schlägt
Und dann kam die **Welle**.
Dieses Kunstwerk blieb mir besonders im Gedächtnis.
Der Weg sah plötzlich aus, als hätte jemand den Asphalt weich werden lassen und anschließend eine riesige Welle hineingedrückt.
Eine Straße sollte eigentlich etwas Festes sein.
Flach.
Berechenbar.
Und plötzlich schien sie sich vor uns zu bewegen.
Fast so, als würde eine Meereswelle durch den Asphalt laufen.
Gerade weil wir mit dem Fahrrad unterwegs waren, wirkte diese Illusion besonders stark. Normalerweise vertraute man darauf, dass der Weg vor dem Vorderrad einigermaßen eben blieb.
Hier schien genau diese Gewissheit für einen Augenblick aufgehoben.
Der Skulpturen-Radweg hatte damit etwas geschafft, was gute Kunst vermutlich immer erreichen wollte:
**Wir blieben stehen und schauten ein zweites Mal hin.**
## In Merchingen sollte eigentlich Schluss sein
Nach all den Kilometern, Höhenmetern und Kunstwerken näherten wir uns schließlich **Merchingen**.
Unser Plan war einfach.
Hier sollte unsere Radtour enden.
Wir wollten zum Bahnhof beziehungsweise zur Bahnverbindung und den Rest des Weges bequem mit dem Zug zurücklegen.
Nach den bisherigen Kilometern klang das nach einem ausgezeichneten Plan.
Es gab nur ein Problem.
**Es fuhr kein Zug.**
Wegen Bauarbeiten war die von uns eingeplante Verbindung nicht verfügbar.
Und das hatten wir bei unserer Planung vollständig übersehen.
Wir standen also dort, mit bereits reichlich Kilometern in den Beinen, und mussten feststellen:
Unsere Radtour war noch lange nicht vorbei.
Es half nichts.
Die Fahrräder mussten uns auch wieder zurückbringen.
Also stiegen wir erneut auf.
## Der ungeplante zweite Teil
Was ursprünglich eine Tour mit Zugrückfahrt werden sollte, verwandelte sich nun in eine ausgewachsene Langstrecke.
Und natürlich verschwanden die Hügel nicht plötzlich, nur weil wir eigentlich keine Lust mehr auf sie hatten.
Auch auf dem Rückweg warteten weitere Anstiege.
Nach 30 Kilometern fühlt sich ein Berg anders an als nach 70.
Und nach 80 Kilometern entwickelt man ohnehin ein besonderes Verhältnis zu jeder Straße, die sichtbar nach oben führt.
Man schaut sie an.
Sie schaut zurück.
Und dann weiß man:
**Da müssen wir jetzt hoch.**
Irgendwann näherte sich der Kilometerzähler der dreistelligen Marke.
Aus der geplanten Tour waren schließlich rund **105 Kilometer** geworden.
Aber dann geschah etwas, das wir bei unserer gesamten Planung unmöglich hätten besser arrangieren können.
Der Himmel begann sich zu verändern.
## Und plötzlich verschwand die Sonne
Auf unserem ungeplanten Rückweg erlebten wir die **Sonnenfinsternis vom 12. August 2026**.
Global betrachtet handelte es sich um eine **totale Sonnenfinsternis**. Der schmale Bereich der Totalität verlief weit entfernt von uns unter anderem über Grönland, Island und Nordspanien.
Bei uns in Baden-Württemberg bedeckte der Mond die Sonne dagegen nur teilweise.
Aber „nur teilweise“ war in diesem Fall eine ziemliche Untertreibung.
In unserer Region wurden rund **89 Prozent der Sonnenscheibe** vom Mond verdeckt.
Langsam schob sich der Mond vor die Sonne.
Aus der vertrauten runden Scheibe wurde eine immer schmalere Sichel.
Das Licht veränderte sich.
Die Landschaft bekam plötzlich eine eigenartige Stimmung, die mit einem normalen Sonnenuntergang kaum vergleichbar war.
Und wir saßen auf unseren Fahrrädern mittendrin.
Ausgerechnet auf jenem Rückweg, den wir überhaupt nicht hatten fahren wollen.
Hätte der Zug wie geplant funktioniert, wären wir zu diesem Zeitpunkt vermutlich irgendwo in einem Waggon gesessen.
Stattdessen standen wir draußen in der Landschaft und beobachteten, wie sich die Sonne über uns verdunkelte.
Plötzlich erschien die Panne mit der Bahn in einem ganz anderen Licht.
Oder vielleicht besser:
**in einem ganz anderen Halbdunkel.**
## 105 Kilometer, die so nie geplant waren
Als wir schließlich nach Hause kamen, hatten wir rund **105 Kilometer** zurückgelegt.
Dazu kamen knapp **800 Höhenmeter**, mehrere längere und teilweise durchaus kräftige Anstiege und eine Rückfahrt, die in unserer ursprünglichen Planung überhaupt nicht existiert hatte.
Doch gerade dadurch wurde aus dieser Tour mehr als nur eine Fahrt auf dem Skulpturen-Radweg.
Wir hatten an einer kleinen mittelalterlichen Kapelle erfahren, dass dort seit Jahrhunderten Pferde gesegnet wurden.
Wir hatten bei Hörchers Rast gemacht und neue Kraft gesammelt.
Wir hatten einen auseinandergezogenen Opel Manta bestaunt.
Vor einem Sprungturm ohne Schwimmbecken gestanden.
Und erlebt, wie Asphalt scheinbar Wellen schlug.
Wir hatten uns über einen ausgefallenen Zug geärgert und anschließend festgestellt, dass uns genau dieser ausgefallene Zug ein Erlebnis beschert hatte, das sich nicht planen ließ.
Denn während wir auf dem ungeplanten Rückweg Kilometer um Kilometer abarbeiteten, schob sich der Mond vor die Sonne.
Vielleicht war das die schönste Pointe dieser Tour.
Manchmal geht ein Plan schief.
Manchmal werden aus einer geplanten Radtour plötzlich **105 Kilometer**.
Und manchmal bekommt man dafür etwas zurück, mit dem niemand gerechnet hatte:
**eine verdunkelte Sonne über dem Kraichgau und zwei Fahrräder, die uns genau im richtigen Moment dorthin gebracht hatten.**
Waypoints
Bagged Peaks
Route Details
Elevation
Highest point (410 m)
Lowest point (190 m)
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