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Ruediger
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626 km Solo Unsupported Ultracycling – am Stück ohne Schlaf - völlig spontan

Ruediger
Completed activities

626 km Solo Unsupported Ultracycling – am Stück ohne Schlaf - völlig spontan

went gravel riding

July 10, 2026 at 06:12

626 km Solo Unsupported Ultracycling – am Stück ohne Schlaf - völlig spontan

27:31

626km

22.8km/h

67.1km/h

3,170m

3,230m

Garmin Edge 1030

Mittwoch zum Mittag fing eigentlich alles an. Das Wetter fürs Wochenende sah
einfach zu gut aus. Ich sprach mit meiner Frau darüber, dass ich irgendwie Lust hätte, einen Ultra zu fahren. Keine organisierte Tour, keine Gruppe, kein Windschatten. Einfach nur
ich und das Rad.
„Dann mach das doch.“ Mehr brauchte es nicht. Am Donnerstag gegen 13:30 Uhr fragte ich die Kollegen, ob ich am Freitag nach zwei Stunden Feierabend machen könnte. Es passte. Damit war die Entscheidung gefallen.
Ich wollte niemanden beeindrucken. Ich wollte nur eine Antwort auf eine Frage, die schon lange in meinem Kopf war: Kann ich über 600 Kilometer komplett allein fahren? Der Start verlief unspektakulär. Bewölkter Himmel, angenehme Temperaturen – und trotzdem brannten die Beine schon nach vierzig Kilometern stärker als erwartet. Ich schwitzte ungewöhnlich viel und dachte kurz: „Wenn das den ganzen Tag so bleibt, wird das richtig lang.“ Zum Glück fing sich der Körper wieder. Über Salzwedel und Stendal schüttelte mich ruppiges Kopfsteinpflaster durch. Erst sprang eine Trinkflasche aus meiner selbst gedruckten Halterung. Dann noch einmal. Ich befestigte ein Gummiband von meiner Hüfttasche am Flaschenhalter und spannte das Gummi über den Flaschenhals, nahm dann an, dass die Trinkflasche so für die restliche Tour halten würde.
Pustekuchen. Bei dem nächsten Halt bei Norma musste ich leider feststellen, dass ich bei dem ruppigen Untergrund die Flasche endgültig verloren hatte. Eine 0.5 Liter Wasserflasche hab ich als Ersatz in den Flaschenhalter gesteckt mit dem Gummiband über den Flaschenhals und zusätzlich mit einem FixPlus Strap gesichert, den ich mal für meine Deutschlandumrundung gekauft. Weiterfahren.
Als die Dunkelheit kam, wartete ein Feldweg, der sich wie Paris–Roubaix anfühlte. Irgendwann brach die komplette Halterung. Stirnlampe auf. Werkzeug raus. Umbauen. Der Rest der Halterung blieb irgendwo im Nirgendwo liegen. Manchmal besteht Ultracycling einfach daraus, Probleme zu lösen und weiterzufahren. Vor dem Harz hatte ich Respekt – wegen des Verkehrs. Doch genau dort war es fast vollkommen still. Zwei oder drei Autos auf der ganzen Durchquerung. Rechts und links raschelte es im Wald. Angst hatte ich keine. Aber der Gedanke war schon da: Wenn jetzt ein Wildschwein aus dem Gebüsch kommt, wirst du den Berg hoch keinen Sprint mehr hinlegen. Vermutlich dachten die Wildschweine über den Verrückten mit Licht genau das Gleiche.
Meine Hände fühlten sich die ganze Zeit immer klebriger an. Nicht das Getränkepulver. Nebel. Also Langarmshirt, Regenjacke und Handschuhe anziehen. Die schnellen Abfahrten im Harz waren wunderschön und gleichzeitig fordernd. Die Stirnlampe und der Scheinwerfer mit Fernbedienung machten genau in dieser Nacht den Unterschied. Mit der Morgendämmerung kam ein Wunsch: frische Brötchen und guter Kaffee. Schon vorher roch es nach einer Backstube. Für einen Moment fragte ich mich, ob ich schon halluzinierte. Die Backstube gab es wirklich – nur leider ohne Verkauf. Später fand ich eine Bäckerei. Aufbackware. Mittelmäßiger Kaffee. Eine Schinkenrolle, die ich nicht aus Genuss aß, sondern weil mein Körper Kalorien brauchte. Genau auf diesen Moment hatte ich mich die ganze Nacht gefreut – und genau dieser Moment war enttäuschend. Nach dem Harz dachte ich: Jetzt wird es endlich flach. Falsch gedacht. Das Leinebergland schickte mir Hügel um Hügel entgegen. Irgendwann fing ich an, laut mit ihnen zu schimpfen. Nicht, weil sie groß waren. Sondern weil nach über fünfhundert Kilometern selbst kleine Anstiege riesig werden. Die letzten Kilometer bestanden nicht mehr aus Landschaft, Durchschnittsgeschwindigkeit oder Trainingsdaten. Sie bestanden aus Durchhalten. Pedaltritt für Pedaltritt. Kilometer für Kilometer. Und irgendwann stand das Ortsschild von Celle vor mir. Kein Zielbogen. Keine Medaille. Keine Zuschauer. Nur die Antwort auf meine Frage. Ja. Ich kann 600 Kilometer allein fahren. Und trotzdem war mein erster Gedanke nicht: „Wann mache ich das wieder?“ Sondern: „So eine Tour musst du so schnell nicht noch einmal fahren.“ Genau deshalb werde ich sie wahrscheinlich nie vergessen.

Jens Buchholz liked this tour.

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