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mypelz went gravel riding
April 22, 2026
04:36
77.8km
16.9km/h
42.5km/h
600m
600m
Garmin Edge 1040
Heute nur 79 km – und das ist auch gut so. Nach über 2.000 km und wenigen Ruhetagen spüre ich die Müdigkeit einfach. Und nach dem gestrigen Tag, dem vielleicht unangenehmsten der ganzen Tour bisher (mehr dazu in Etappe 20), freue ich mich auf etwas Entschleunigung.
Lange bin ich unschlüssig, ob ich die Route über den Camino nehmen soll – Komoot meldet über 50 km reine Schotterstrecke. In letzter Minute entscheide ich mich doch dafür. Und ja: Es ist die absolut richtige Wahl. Die Piste ist anfangs sogar ausgezeichnet – schneeweißer, feiner, fester Split. Sie erinnert mich an die Strade Bianche rund um Montepulciano. Ein kühler Westwind streift über die Meseta, aber der Himmel ist strahlend blau mit nur wenigen Wolkentupfen. Was für ein Kontrast zu gestern.
Nach dem stundenlangen Straßenlärm der Vortagesetappe ist es so unglaublich erholsam, jetzt einfach nur das monotone Knirschen der Reifen auf dem Schotter zu hören und den Wind durch den Helm sausen zu spüren. Es sind schon viele Pilger unterwegs, als ich gegen halb zehn in Burgos (825 m) aufbreche – eine friedliche, freundliche Atmosphäre, und immer wieder hört man das aufmunternde „Buen Camino!” 🙏
Der Anfang hat es allerdings in sich: Auf den ersten 14 km geht es rauf bis auf knapp 940 Meter, der steilste Teil der heutigen Etappe. Danach rollt die Piste angenehm hinunter Richtung Hontanas, wo ich nach etwa 26 km eine kurze Pause einlege. Das kleine Dorf liegt versteckt in einer Senke der Meseta – man sieht es erst im allerletzten Moment, fast wie eine Fata Morgana.
Kurz danach: das Highlight des Tages. An den Ruinen des Klosters San Antón – einem mittelalterlichen Antoniterkloster, das einst Pilger beherbergte und heute als beeindruckendes gotisches Mahnmal über den Camino wacht – treffe ich Michael wieder. Gemeinsam mit zwei Franzosen fahren wir den Rest des Tages bis Carrión de los Condes zusammen. Nach den langen Solokilometern der vergangenen Tage ist das Gesellschaft wie Balsam. 😊
Dreiviertel der heutigen Strecke sind relativ flach, immer wieder mit weiten Blicken über die fruchtbaren Felder der kastilischen Meseta. Grün, weitläufig, fast unwirklich still. Die Straßen und Wege sind schnurgerade wie mit dem Lineal gezogen und ziehen sich bis zum Horizont. Mit dem Fahrrad ist das schon eintönig genug – ich stelle mir vor, wie es sich anfühlen muss, diese langen, geraden Wege wandernd hinter sich zu bringen. Respekt vor jedem, der das zu Fuß macht.
Gegen 14:30 Uhr erreichen wir Boadilla del Camino (784 m, ca. 50 km) – eine weitere längere Pause, bevor es über Frómista, ein kleines, aber historisch bedeutendes Städtchen mit einer der schönsten romanischen Kirchen des Camino (San Martín de Tours, 11. Jahrhundert), weitergeht. Bei Villalcázar de Sirga, knapp 70 km, passiere ich die bemerkenswerte Tempelritterkirche Santa María la Blanca – eine der bedeutendsten Kirchen am Camino Francés, mit einem berühmten Marienbild aus dem 13. Jahrhundert.
Ein kurzweiliger, entspannter, erholsamer Tag. Gegen 17:00 Uhr rollen wir in Carrión de los Condes ein – unser Grüppchen löst sich leider auf, weil irgendwie jeder eine andere Unterkunft hat. So ist das auf dem Camino.
Mein Appartement liegt direkt neben der Abtei San Zoilo – und was für eine Nachbarschaft! Die Abtei geht auf das 10. Jahrhundert zurück und war ursprünglich ein bedeutendes Benediktinerkloster, das dem heiligen Zoilus gewidmet ist, einem frühchristlichen Märtyrer aus Córdoba. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde sie zu einem wichtigen Pilgerzentrum und zu einem der bedeutendsten Klöster Kastiliens. Besonders beeindruckt mich der Kreuzgang aus der Renaissance – er gilt als einer der schönsten und besterhaltenen Spaniens. Die fein gearbeiteten Gewölbe, die Pilaster mit Porträtmedaillons der kastilischen Könige und Heiligen, das filigrane Maßwerk: alles in einem erstaunlich guten Zustand. In der goldenen Abendsonne schieße ich noch ein paar großartige Fotos – einer dieser Momente, für die man die ganze Müdigkeit gerne in Kauf nimmt. 🤩
Waypoints
Route Details
Elevation
Highest point (940 m)
Lowest point (770 m)
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