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Simonpåtur | Simon Michalowicz went gravel riding
July 10, 2025 at 03:05
13:40
219km
16.0km/h
73.4km/h
4,410m
5,010m
Garmin Edge 840
Der Tag beginnt wieder früh im Morgengrau. Ich werde mich nie an diese für mich brutalen Weckzeiten gewöhnen.Insbesondere nach den Anstrengungen der vergangenen Tage. Kein Wort wird gesprochen, während wir im Autopilot-Modus unsere Sachen packen. Es ist fast 5 Uhr, als wir unser Lunchpaket an der Rezeption in Turtagrø abholen – ein Kaffee steht auch schon bereit. Was für ein Luxus zu dieser Uhrzeit! Doch die gemütliche Kaffee-Atmosphäre hält nicht lange – zurück auf die Strecke.
Wieder jeder in seinem eigenen Tempo steuern wir den nächsten großen Anstieg an: über den Tindevegen, eine wiedermal spektakuläre Bergstraße geht es weiter. Auch hier gilt, steile Kurven, unfassbare Aussichten und rasante Abfahrten ergeben einen Mix, der einem die Müdigkeit schnell aus dem Körper treibt. Die Passhöhe liegt auf 1300 Metern und von dort geht es hinunter auf Meereshöhe in nur wenigen Kilometern. Es ist hier so früh am Morgen echt frisch und für die Abfahrt ziehen wir uns warm an.
All diese Kontraste sind kaum zu verarbeiten, wenn man mit 80 km/h den Berg hinunter rast. Nach einigen extrem steilen und engen Serpentinen am Ende der Abfahrt erreichen wir Årdal genau zur richtigen Zeit: Der kleine Laden an der Tankstelle dort öffnet um 7 Uhr – und wir stehen schon da. Also wieder auftanken, denn der nächste legendäre Anstieg wartet: Tusenmeteren – 1000 Höhenmeter direkt von Årdal hinauf. Dieser Tag fühlt sich jetzt schon wie eine Königsetappe der Tour de France an – und wir haben noch nicht einmal richtig angefangen.
Der zweite Kaffee des Tages bringt Neuigkeiten: Stefan braucht eine längere Pause und mehr Erholung. Nach über vier Tagen Ultracycling machen sich zu viele kleinere und größere Probleme bemerkbar, er kann das Tempo nicht mehr mitgehen, das Knie zwickt zudem. Wir entscheiden uns erst einmal getrennt weiter zu fahren – vielleicht sehen wir uns später wieder. Viel Zeit um zu planen, groß zu diskutieren oder länger zu warten gibt es nicht, wir müssen weiter
Der Anstieg Tusenmeteren ist die alte Straße zwischen Årdal und Tyin – steil, schmal und voller enger Kehren, die uns Meter für Meter nach oben führen. Es dauert seine Zeit, aber mit einem konstanten Rhythmus schaffen wir es noch vor Mittag hinauf. Jetzt hoch oben über dem Tal, mit Blick auf den Fjord kommt wieder dieses großartige Gefühl vom Stolz auf. Die alte Straße ist im Grunde eine schmale Schotterpiste mit einigen dunklen Tunneln und unfassbar spektakulären Ausblicken in Richtung der hohen Bergen von Hurrungane und führt uns wieder in Richtung Jotunheimen. Plötzlich setzt leichter Regen ein, die Temperaturen sinken, während wir hoch über dem Tal Richtung Tyin See und weiter zum nächsten Supermarkt in Tyinkrysset rollen. Die nächste Verpflegung dort ist eine riesige Motivation. Von dort aus sind es nur ungefähr 60 Kilometer das Tal hinab bis zu mir nach Hause, mit dem Auto etwa eine Stunde und später werden es nur etwa 25 Kilometer nach Hause sein - wie masochistisch veranlagt muss man sein, dort ganz einfach ohne kurz zu zucken weiter zu fahren? Vorbei am gemütlichen eigenen Bett?
Dann meldet sich Stefan per Telefon: Er hat sich entschieden, das Rennen in Tyinkrysset zu beenden. Zu viele Probleme machen ihm zu schaffen, die Entscheidung ist schon länger in ihn gereift – und manchmal muss man eben eine Entscheidung treffen.
Wir sind traurig. So viele Kilometer sind wir zusammen gefahren, so viel Leiden, so viele starke Momente gemeinsam – und jetzt muss er aufhören. Aber viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, es warten noch unzählige Kilometer auf uns. Immerhin hat Stefan im Unglück Glück: Da mein Zuhause nicht weit weg liegt, kann er dort übernachten, duschen und sich erholen, bevor es für ihn zurück nach Tolga geht. Er kann mein Auto nehmen, so dass ich dann auch ganz bequem wieder damit nach Hause fahren kann.
Wir hingegen klettern weiter über den Slettefjellvegen in Richtung Beitostølen – und dieser Anstieg in der grellen Nachmittagssonne ist brutal. Nicht nur die Steigung an sich, sondern die Hitze und die Sonne, die uns regelrecht grillen. Ich kenne den Abschnitt gut, bin ihn schon öfters vorher gefahren, das macht das leiden aber auch nicht besser. Oben angekommen sind wir ziemlich durch. Die Aussicht ist – wie so oft – spektakulär. Aber ganz ehrlich: Die größte Motivation ist das nächste kalte Getränk in Beitostølen.
In Beitostølen prüfen wir unsere Optionen für den weiteren Verlauf des Tages. Wenn wir heute richtig pushen, könnten wir morgen Abend das Ziel erreichen. Mehr als 300 Kilometer sind es bis nach Tolga zwar noch – und es ist bereits 17 Uhr, klingt aber machbar. Nach einem kurzen Gespräch gehen wir all-in, wollen es mit dem Ziel morgen Abend probieren und buchen mutig ein AirBnB in Vågåmo. Der Gastgeber fragt, wo wir gerade sind, und wir versprechen, vor 23 Uhr da zu sein – noch etwa 90 Kilometer sind es bis dorthin und um ehrlich zu sein, der Gastgeber denkt nicht wirklich, dass wir das schaffen werden. Um es nicht zu einfach zu machen, müssen wir dafür noch über einen weiteren Pass: Die Valdresflye mit einer Passhöhe von 1389 Metern. Am besten nicht zu viel darüber nachdenken, die Pause ist beendet, das Rennen für einen komfortablen Schlafplatz ist eröffnet. Let’s get this sh*t done!
Der Anstieg hinauf zur Valdresflye vorbei am markanten Bithorn Berg und zwischen den Bygdin und Vinstre-Seen im Abendlicht ist einfach überwältigend. Was für eine Stimmung! Vom höchsten Punkt der Valdresflye aus geht es in Richtung der Unterkunft. Welliges Terrain und viele Abfahrten geben uns das Gefühl, es wirklich schaffen zu können. Doch die kleinen Gegenanstiege – und besonders die steileren Rampen kurz vor dem Ziel – werden zu einem Kampf des Willens über den Körper. Den letzten Anstieg kenne ich schon, auch hier bin ich 2018 auf dem Weg zum Nordkapp bereits her gewandert Ich muss schieben, haben keine Energie mehr zu kurbeln. Aber auch diesmal gewinnt der Wille gegen die Muskeln. Noch einmal!
Endlich kommt sie dann, die letzte verrückte Abfahrt des Tages hinab nach Vågåmo. Es ist fast 23 Uhr, als wir mit 70 km/h über losem Schotter durch den Wald ins Tal hinunter rasen. Es fühlt sich an wie ein Computerspiel. Mein Kopf ist komplett leer, völlig durch, als wir es tatsächlich rechtzeitig zu unserem Gastgeber schaffen, der uns etwas ungläubig empfängt.
Giacomo und ich – wir sind beide komplett erledigt. Einfach fertig. Nur noch duschen, essen und ins Bett. Was für ein wahnsinniger Tag! Was tuen wir uns hie bloß an!
Waypoints
Route Details
Elevation
Highest point (1,400 m)
Lowest point (20 m)
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