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PCkomoot went for a hike.
February 9, 2026
Vielleicht war`s so: Die, die der Strudeln mitriss Eine Sage aus der Starzlachklamm - vom mir - Man erzählte sich früher, dass die Klamm nicht immer einen Namen gehabt habe. Die Alten nannten sie nur „’s Loch“. Nicht aus Respekt – sondern, weil man Orte meidet, die einen zurückrufen könnten. Es war im Spätsommer eines Jahres, in dem das Heu früh eingebracht worden war. Die Starzlach führte wenig Wasser, und die Hirten trieben ihr Vieh tiefer hinunter als sonst, dorthin, wo das Gras länger saftig blieb. Unter ihnen war die junge Sennerin Marei. Sie galt als stilles Mädchen. Nicht scheu – eher, als höre sie auf Dinge, die andere nicht wahrnahmen. Während die Burschen johlten, wenn sie über Stege gingen, blieb sie oft stehen und sah in das Wasser, als läse sie darin. „Geh weiter“, rief man ihr zu. „Der Bach frisst dich sonst.“ Sie lächelte nur. An einem Nachmittag zog ein Gewitter über den Grünten. Schnell, schwer, ohne Vorwarnung. Innerhalb einer Stunde schwoll die Starzlach an – erst braun, dann weiß vor Schaum. Die Hirten trieben ihre Kühe zusammen. Nur eine fehlte. Eine alte Braunviehkuh, störrisch, aber wertvoll. Marei ging zurück. Allein. Man weiß nicht genau, was geschah. Nur das, was man später fand – und das, was man sich erzählte. Ein Hirtenjunge hörte ihr Rufen, unten aus der Klamm. Dann das Brüllen der Kuh. Dann ein Geräusch, das keiner genau beschreiben konnte. Nicht Sturz. Nicht Aufprall. Mehr ein Ziehen. Als würde etwas genommen. Die Männer suchten bis in die Nacht. Sie fanden die Kuh nicht. Und Marei auch nicht. Nur ihr Kopftuch hing an einem Ast über einem der großen Strudeltöpfe – dort, wo das Wasser selbst bei Niedrigstand schwarz wirkte. Man ließ ein Kreuz zimmern und schlug es in den Fels. Nicht, um zu gedenken. Sondern, um zu bannen. Von da an mieden die Hirten den Platz. Denn nach Gewittern begann das Wasser dort zu „kochen“. Nicht wie sonst – stärker, tiefer, mit einem Ton, der wie Atmen klang. Ein alter Trifter schwor später: „Wenn d’Starzlach hochgeht, steht unten a Weiße im Wasser.“ Er habe sie nur einmal gesehen. Barfuß. Still. Bis zu den Knien im Strudel. Sie habe nicht gewunken. Nicht gerufen. Nur geschaut – bachaufwärts. Als warte sie, dass etwas zurückkäme, was nie wiederkam. Mit den Jahren bekam der Strudeltopf einen Namen: Mareis Kessel. Mütter warnten ihre Kinder: „Bleib weg von den runden Löchern. Da unten zieht sie dich zu sich.“ Ob sie damit den Geist meinten – oder die Strömung – ließ man offen. Einmal, viele Jahre später, versuchte ein junger Holzknecht, den Ort zu verspotten. Er stellte sich an den Rand des Kessels und rief: „Wennst no do bist – hol mi doch!“ In derselben Nacht schwoll der Bach an, obwohl kein Regen gefallen war. Ein einzelner Stamm löste sich aus der Trift, verkeilte sich oberhalb des Strudels – und löste eine Wasserwalze aus. Der Knecht rutschte aus. Man fand ihn zwei Tage später im Illerbett. Seitdem rief dort niemand mehr hinunter. Heute gehen Wanderer durch die Klamm, über Stege aus Stahl, gesichert, geführt, vorbei an Tafel mit Erklärungen. Aber wenn nach Starkregen das Wasser steigt, bleibt es an Mareis Kessel oft länger stehen als anderswo. Und manchmal, wenn Nebel aus der Schlucht steigt, sagen Einheimische noch immer leise: „Heit isch sie wieder unterwegs.“ Dann schauen sie nicht hinunter. Sondern gehen weiter.
02:04
6.59km
3.2km/h
250m
260m
PCkomoot went for a bike ride.
December 9, 2025
01:56
41.9km
21.6km/h
270m
270m