Ruter

Planlægger

Funktioner

Opdateringer

App

Log ind eller opret konto

Hent appen

Log ind eller opret konto

Carmense

Følgere

0

Følger

0

Følg

Seneste aktivitet

og tog på cykeltur.

9. marts 2026

Día 999: de Santa Maria a Zacatecoluca

Die Nacht im Liebeshotel war einsam, aber ruhig. Unsere Räder parkten, wie es hier typisch ist, in der zum Zimmer gehörenden Garage, die man von innen verschließt. Carmen musste mir also ihr Garagentor öffnen, damit wir bei ihr im Zimmer frühstücken konnten. Recht früh kamen wir heute los, aber heiß war es trotzdem schon, 7:30, 8:00 unterscheiden sich die Temperaturen kaum von denen zur Mittagszeit, das Thermometer kletterte schnell über die 40°C und erreichte später wieder kurzzeitige Rekordwerte um die 48°C. Zuerst fuhren wir durch die etwas größere Stadt Usulutan. Die Städtenamen hier sind alle sehr kompliziert und schwer zu merken, die basieren auf indigenen Wörtern, die von den Spaniern hispanisiert wurden, wie so oft in Lateinamerika, aber die aus den Maya-Sprachen entlehnten Namen sind ungleich komplizierter. Usulutan war sehr lebendig, wir mussten uns durch ziemlich dichten, chaotischen Verkehr durchkämpfen, bis wir endlich aus dem urbanen Gebiet rauskamen. Danach ging es recht ereignislos auf der CA-2 weiter, die zwar mal nicht zur Panamericana gehört (die verläuft weiter nördlich, durch die Hauptstadt San Salvador hindurch), aber der Verkehr war trotzdem ziemlich dicht und somit war das Ganze wenig genussreich. Immerhin gab es einen gut befahrbaren, breiten Seitenstreifen, sodass die Fahrt soweit recht gefahrenfrei war, außer in den kurzen Verengungen an Brücken, an denen man immer wieder mal für einen kurzen Moment auf die Fahrbahn ausweichen musste. Aber man muss sagen, der Verkehr in El Salvador ist zumeist erstaunlich respektvoll und entspannt, die meisten Fahrer nehmen Rücksicht auf uns. Leider gab es auf dem Seitenstreifen wieder eine Menge Müll und vor allem Reifenkarkassenreste und die damit verbundenen Drähte, die überall herumliegen und die man oft nicht sieht. So trug es sich zu, dass ich natürlich mal wieder einen Platten hatte, den ich bei größter Mittagshitze am Straßenrand im Verkehrslärm flicken musste. Ein etwas schräger Herr gesellte sich zu uns und quatschte uns ununterbrochen voll. Carmen, die eigentlich zuerst weiterfahren wollte, erkannte aber ihre Aufgabe an und hielt mir den irgendwie lustigen, interessanten, aber auch etwas anstrengenden Mann vom Leibe, indem sie die Kommunikation mit ihm übernahm. Nebenbei fand sie auch ein paar der in ihren Reifen steckenden Drähte, die sie aber scheinbar noch früh genug herauszog, bevor sie größeren Schaden anrichten konnten. Ja, die Hitze frisst die Reifen auf, das kann ich auch an meinen Schlappen gut erkennen, die schon wieder ganz schön abgefahren sind, das geht viel schneller als in kühleren Gegenden. Die hatte ich ja erst vor gar nicht so langer Zeit in Bogotá aufgezogen, in Guatemala City muss ich mir nun schon neue besorgen, hoffentlich halten sie noch so lange durch. Apropos Guatemala City: unser Tempounterschied war heute wieder ziemlich groß, Carmen war sehr langsam, obwohl es flach war und auch der Wind nicht störte, und ich fühlte mich unterfordert und gelangweilt. Nach einem kleinen Disput darüber ratterten unsere beiden Köpfe, wie man damit umgeht und bei einer kleinen Pause stellten wir im Gespräch fest, dass sie die gleiche Idee hatte wie ich, nämlich dass ich ab morgen auf kürzestem Wege nach Guatemala City durchziehen werde, um meine Rohloff-Nabe so schnell wie möglich einschicken zu können (die Vibrationen werden immer stärker und ich habe Angst, dass die Nabe überhaupt bis dahin durchhält und möchte ihr keine zusätzlichen Kilometer und Belastungen mehr zumuten); Carmen dagegen kann sich dann bisschen Zeit lassen, ihr eigenes Tempo fahren und sich noch etwas El Salvador anschauen und wir treffen uns später wieder in Guatemala. Dieser Plan entstand also heute auf der Straße. Bis zu unserem Ziel passierte ansonsten nicht mehr viel, einige Vulkane zogen vor allem auf der rechten, also nördlichen Seite an uns vorbei, aber daneben gab es wenig zu sehen und wir kurbelten die heutige Strecke recht mechanisch weg. Auf den letzten 10km ging es sehr allmählich und unmerklich bergauf, ich hasse das, man klebt auf der Straße, sieht den Anstieg nicht, irgendwie geht das in meinem Kopf nicht zusammen und frustriert mich sehr, viel mehr als ein richtiger Anstieg, dazu noch in der unmenschlichen Hitze. Mehr, schneller und weiter zu fahren in den nächsten Tagen wird vielleicht eine Aufgabe, die ich eventuell unterschätze? Zur späten Mittagszeit erreichten wir unser Ziel mit dem nächsten, komplizierten Namen: Zacatecoluca. Wir hatten Hunger und suchten lange nach einem Imbiss oder Restaurant, es ist seltsam hier in El Salvador, die meisten Straßenstände, Lokale und Restaurants öffnen erst nach 16:00, mittags ist das eher schwierig, bestimmt wegen der Temperaturen. Wir fanden aber ein chinesisches Restaurant mit einem günstigen Tagesgericht und schlugen zu. Danach fuhren wir in einen Supermarkt, denn da wir uns ja morgen trennen würden, mussten wir ein paar Sachen einkaufen, die wir normalerweise zusammen benutzen und nun in getrennter Ausführung in unseren Taschen haben müssen, wie Hafer, Nüsse, Öl, Nudeln usw. Außerdem wollten wir heute zelten und abends kochen, dafür kaufte ich auch noch Gemüse. Wir hatten auf Ioverlander eine Finca gefunden, bei der man wohl zelten kann, der Eintrag war etwas schwammig und geheimnisvoll, wir wussten noch nicht genau, was uns da erwartet. Den Besitzer hatte ich heute morgen schon angeschrieben und wir wurden bereits erwartet. Gegen 16:30 erreichten wir die Finca. Tatsächlich hieß man und sehr überschwänglich willkommen und uns wurde unterwarteterweise eine sehr innige Gastfreundschaft zuteil, wie wir sie selten erlebt haben. Carlos und Linda, 75 und 85 Jahre alt, luden uns zuerst auf ihre riesige Terrasse ein, es gab Kuchen und Kaffee, und wir unterhielten uns erst ein Weilchen und erfuhren einiges über die beiden. Sie haben beide über 50 Jahre in den USA gelebt und sich da sehr viel erarbeitet, wie man an der wirklich wunderschönen, riesigen Finca sehen kann, auf der sie nun hier leben. Carlos führte uns später auf seinem ausladenden Grundstück herum, Teile davon werden für Hochzeiten, Geburtstage und andere Events vermietet; es gibt unzählige Vögel, ein Hobby von Carlos: Fasane, Pfauen, Perlhühner, Gänse, Enten, Hühner usw., es ist ein wirklich sehr schöner, friedlicher Ort, an dem wir uns sofort sehr wohl und sehr willkommen fühlten. Auch die beiden mochten wir sofort sehr gern, beim Blättern in ihrem Gästebuch fielen mir einige Namen anderer Radreisender ins Auge, die wir zum Teil persönlich getroffen hatten, zum Teil über die WhatsApp-Gruppen kennen; die Gastfreundschaft wurde also nicht nur uns zuteil. Die größte Überraschung war allerdings, dass wir hier mitnichten zelten würden, sondern wir bekamen ein schönes Zimmer mit Klimaanlage und eigenem Bad zugewiesen, mit einem Kühlschrank voller Obst, Wasser und Bier im Wohnzimmer, wo wir uns bedienen dürfen - wie verrückt! Das war aber noch nicht alles, nein, denn nachdem wir uns geduscht und im Zimmer eingerichtet hatten, fuhren wir mit Carlos und Linda mit ihrem Auto in die Stadt und wurden von den beiden in ein Buffet-Restaurant eingeladen, wo wir uns typisch salvadorianische Speisen auf die Teller luden: die schon bekannten Pupusas, verschiedene Bohnenzubereitungen, Eierspeisen, Chorizos, mariniertes Schweinefleisch, Kochbananen in Honig, Tortillas uvm., außerdem gab es frischen Cashew-Apfel-Saft (El Salvador ist einer der größten Cashew-Produzenten der Welt). Kugelrund und vollgefressen wurden wir wieder auf die Finca kutschiert und staunten ein weiteres Mal, als sich Carlos und Linda von uns verabschiedeten und uns hier alleine ließen, denn sie wohnen in einem Haus in der Stadt. Ich hatte erst bisschen damit gefremdelt, dass wir heute nicht weitergefahren sind, aber der Besuch auf der Finca toppt so ziemlich alles, was wir bisher so an Gastfreundschaft erlebt haben. Carmen und ich hatten spontan die Eingabe, dass wir einen Tag hier verbringen sollten, und das wurde uns natürlich auch sofort gewährt. So kommt es also, dass der Tag 1000 meiner Reise ohne Bericht und ohne gefahrene Kilometer auskommen muss, aber das ganz ohne schlechtes Gewissen!

Tid

7h49m

Afstand

61,8km

Hastighed

15,9km/h

Stigning

410m

Nedstigning

290m

, og andre kan lide dette.

10. marts 2026

I can recommend the coastal road near El Zonte to Carmen (the one with five tunnels), at least for the scenery. However, wild camping might be problematic in the touristy area.



Good luck with your trip to Guatemala City. In Antigua, I can recommend Thomas, a German Warmshowers host. He's very helpful

Oversat af Google •

og tog på cykeltur.

8. marts 2026

Día 998: de El Bonjo a Santa Maria

Unseren gemütlichen Pausentag am Playa Mango verbrachten wir mit gepflegtem Nichtstun. Viel mehr geht bei der Hitze eh nicht, unwillkürlich drängt sich einem die Frage auf, wie man sonst bei diesen Temperaturen überhaupt auch nur wenige Kilometer mit dem Fahrrad fahren kann. Dass das geht, das wollten wir heute wieder einmal mehr beweisen. 6:00, eine halbe Stunde vor dem Weckerklingeln, krochen wir aus den Zelten, bauten schnell ab, köchelten unser Frühstück in der speckigen Campingküche und schoben so ziemlich Punkt 8 Uhr unsere Räder über den Strand. Der steile Berg zurück zur Hauptstraße war nur eine kleine Aufwärmübung, denn nachdem wir unsere Wasservorräte an einem Kiosk aufgefüllt hatten und knapp 2km gefahren waren, endete der Asphalt und die gut ausgebaute Straße wurde zu einem furchtbaren Schotterweg, wie ich ihn in der Art noch nicht gesehen habe. Die Kombination aus 7 bis 15% Steigung mit bis zu pferdekopfgroßen, festen Steinen und massenweise losem Gelöt und bröckeligem Untergrund zwang uns dazu, den größten Teil der 175 Höhenmeter zu schieben; an Fahren war da nicht zu denken. Schweißüberströmt ochsten wir unsere Esel den Berg hoch, erst auf den letzten Höhenmetern konnte man hier und da mal bisschen fahren. Bergab war es kaum besser, zwar mussten wir nicht schieben, aber mit größter Vorsicht, sehr bedacht und langsam durch das viele, grobe Geröll ackern. Immerhin, der schwerste Teil des Tages war gleich am Anfang erledigt. Parallel zur Küste fuhren wir weiter, immer mal wieder gab es dann noch mal Stücken mit sehr grobem Natursteinpflaster, immer, wenn es kurz bergauf ging, auch da war dann noch ein paar Mal schieben angesagt. Nur kurze Augenblicke lang gab das Dickicht am Rand und die Topographie mal einen Blick auf das Meer und einsame, unerreichbare Strände preis dabei. Wir erreichten zum späten Vormittag das Ende der Schotterpiste und bogen Richtung Norden auf eine Asphaltstraße ab. Hier ging es wieder nach oben, nochmal 350 Höhenmeter warteten auf uns, in der prallen Mittagshitze kurbelten wir mit vielen Pausen nach oben; ich wartete immer wieder auf Carmen, denn die hatte Kopfschmerzen und fuhr besonders langsam, in den Wartezeiten spielte ich Backgammon auf dem Handy, um mich von meiner Ungeduld abzulenken, das funktioniert ganz gut. Seit ich mir in Granada wieder ein originales Samsung-Display auf mein Handy draufplanzen lassen hab, hält mein Akku wieder viel länger und ich kann es mir also leisten, bisschen zu daddeln dazwischen. Dann ging es auch mal ein Stückchen bergab, die schweißdurchtränkten Klamotten konnten dabei endlich mal ein bisschen trocknen. Längere Zeit hielten wir Ausschau nach einem kleinen Imbiss oder einem Kiosk, aber in El Salvador wird der heilige Sonntag sehr ernst genommen, alles hat zu. Wir fanden dann relativ spät, gegen 14:30, doch noch einen kleinen Imbiss, wo wir nun endlich mal "Pupusas" aßen, eine traditionelle Speise in El Salvador: mit geschmolzenem Käse und zu Soße zermanschtem Chicharon (frittierter Bauchspeck) gefüllte Mais-Tortillas, die immer mit ganz leicht saurem Weißkraut gereicht werden (wobei mir noch nicht so 100%ig klar ist, ob die Säure mit Absicht hinzugefügt wird oder dabei entsteht, weil die mit Kraut gefüllten Behälter stundenlang in der Sonne vor sich hingären). Lecker und sehr günstig waren die Dinger, und wir holten uns noch ein paar nach bei den netten Damen, die uns extra einen Tisch mit Decke bezogen hatten in ihrer kleinen Garküche am Straßenrand. Von dort war es gar nicht mehr weit bis zu unserem heutigen Ziel, von dem aus wir erstmal entscheiden müssen, wie wir weiterfahren, da ist noch bisschen Beratung fällig. Wir erreichten Santa Maria, ein Vorort der größeren Stadt Usulután, schon 15:30. Hier sollte es mehrere Liebeshotels geben, also solcherart Hotels, wo eher jüngere Paare meist stundenweise absteigen; das hatten wir ja in den meisten lateinamerikanischen Ländern schon häufiger gesehen und erlebt. Oft sind diese Hotels aber gar nicht so schlecht und vor allem unschlagbar günstig. Hier aber mussten wir bis 18:00 warten, um einziehen zu können, denn den Nachttarif gibt es erst ab dieser Uhrzeit, und so mussten wir uns bis dahin die Zeit vertrödeln. Wir fuhren bisschen ziellos hin und her, wieder zurück zur Hauptstraße; auch hier hatte alles zu, sodass unser Plan, uns an einen Kiosk zu setzen und ein paar kalte Limos zu trinken, erstmal nicht aufging. Wir fanden dann aber ein weiteres, großes Pupusa-Restaurant, wo wir uns für die nächsten 2,5 Stunden einnisteten und zuerst einmal Cola und Light-Bier bestellten und uns ein Diesel mischten; ich hab Carmen mit dieser Macke angesteckt, ich trinke gern mal ein selbstgemischtes Diesel. So kamen wir auch dazu (vor allem Carmen, die das immer zum größten Teil macht, wie ich an der Stelle mal gesagt haben muss), unsere Strecke für die nächsten Tage zu planen und zu besprechen. Wir futterten weitere Pupusas, davon kann man sich wirklich gut vollfressen, gar nicht schlecht, die Dinger, und günstig. Auch hier standen wieder riesige, mit Weißkraut gefüllte Behälter herum, der Inhalt hatte sich im Laufe des Tages auf etwa 50°C erwärmt; ich kam nicht umhin, mal meine Nase reinzustecken und wäre fast umgekippt bei der heiß-sauren Wolke, die mir da entgegenkam - das rühre ich lieber nicht an, aber die Einheimischen schaufeln sich das Zeug fleißig auf die Teller. Carmen wagte das Experiment, es blieb aber beim zaghaften Versuch. Nach Einbruch der Dunkelheit radelten wir bei leichtem Nieselregen und einer sehr eigenartigen Wetterstimmung zurück zum Liebeshotel und nahmen uns aufgrund der günstigen Preise und um ein Statement zu setzen, jeder ein eigenes Zimmer - mal ein bisschen Abstand kann zwischendurch mal nicht schaden, auch oder gerade in einem Liebeshotel. Man traut sich kaum, irgendwas anzufassen in dem Zimmer, alles ist ein bisschen ranzig und irgendwie eklig, man hat das Gefühl, in jedem Winkel kleben Körperflüssigkeiten, obwohl die Zimmer an sich gar nicht so schlecht sind. Aber der riesige, wandgroße Spiegel neben dem Bett, das leuchtende, große Herz an der Decke, die seltsame, rote, geschwungen gebogene Lederliege lassen keine Zweifel offen, wofür das Zimmer eigentlich gedacht ist und was die Gäste hier in 99% der Fälle so treiben, es sei denn, ein paar seltsame Radreisende verirren sich mal in solch eine Unterkunft.

Tid

10h41m

Afstand

56,2km

Hastighed

11,5km/h

Stigning

810m

Nedstigning

740m

, og andre kan lide dette.

9. marts 2026

Sorry, but I just can't click the heart (following you) button. Even your description of the room made me think of bedbugs. So I really hope that on your thousandth day back in Germany, you and Carmen will finally treat yourselves to a nice bed with good food and drinks.



If that seems too expensive or

Oversat af Google •

og tog på cykeltur.

6. marts 2026

Día 996: de la Playa Icacal a El Bonjo

Kurz vorm Schlafengehen baute ich mein Zelt nochmal um, denn ich wollte "mit offenem Verdeck" schlafen, Cabriozelt sozusagen, und dazu flüchtete ich mich unter Palmen, um dem hellen Mond zu entgehen, und unter ein Schutznetz, um nicht von Kokosnüssen erschlagen zu werden. Dadurch hatte ich endlich mal wieder eine erholsame Nacht mit halbwegs ausreichend Schlaf, das war bitter nötig. Morgens ließen wir uns viel Zeit auf der Zeltwiese des schönen Freizeitresorts, wir würden es später noch ein bisschen bereuen, dass wir nicht heute schon einen Pausentag hier eingelegt haben. Lange unterhielten wir uns mit einem der Angestellten des Resorts, der uns einige interessante Einblicke gab in das Leben in El Salvador: die großen Veränderungen im Land in den letzten 5-6 Jahren mit Präsident Bukele, der das Land befriedet und all die Maras-Banden in den Knast gebracht hat (und international damit auch viel Kritik erntet, weil er El Salvador zu einer Autokratie umbaut, Menschenrechte beschneidet, die freie Presse unterdrückt, mit Korruptionsskandalen zu kämpfen hat usw., also alles, was symptomatisch ist für die meisten lateinamerikanischen Länder); die Menschen lieben ihn, wie wir nun schon wiederholt vernommen hatten, trotz aller internationaler Kritik, ihren Präsidenten, und man kann es verstehen, wenn man sich überlegt, wie schlimm es sein muss, viele Jahre in bürgerkriegsähnlichen Zuständen leben zu müssen, mit alltäglicher Gewalt, Bandenkriminalität, einer der höchsten Mordraten der Welt, Schutzgelderpressungen usw. usf. - wie kann man es den Menschen verübeln, dass sie lieber einen autoritär regierenden Präsidenten haben als diese schreckliche Gewalt im alltäglichen Leben? Der junge Mann erzählte uns auch von den Chinesen, die hier einen Flughafen bauen und Straßen (das war gestern der Grund, warum wir so eingestaubt worden von all den LKWs, mit Baustoffen beladen); von seinen 15$ Tageslohn; von den ganzen Investitionen im Land, die ausschließlich aus dem Ausland kommen, die USA und China kämpfen um die Vormachtsstellung, und man muss sich schon fragen, was am Ende den Salvadorianern selber bleibt von ihrem kleinen Land. Langsam begaben wir uns dann doch mal auf die Straße, verabschiedeten uns von den herzlichen Menschen im Freizeitresort und fuhren die paar Kilometer durch die immer noch rauchenden, kokelnden Weiden und Felder zurück zur Hauptstraße, um uns da wieder für einige Kilometer von den chinesischen LKWs einstauben zu lassen und auf dem holprigen Schotter-Asphalt-Mix dahinzuhoppeln. Bei Intipuca bogen wir von der Hauptstraße ab, um uns wieder Richtung Süden zum Pazifik zu bewegen. Ab hier wurde es deutlich ruhiger, die Straße besser, mit viel weniger Verkehr und durchgängig gutem Asphalt. Nach einem Anstieg ging es wieder abwärts bis zur Küste, wo wir einige Kilometer an vielen Hotels, Hostels und ähnlichen Etablissements vorbeifuhren, die sich fast durchgängig am Strand aneinanderreihten. Hier ist touristische Aufbruchstimmung, wenngleich wir nicht viele Touristen sahen, obwohl Freitag und Hauptsaison ist. Man fragt sich, wovon und wie all die Herbergen leben können. Wir würden es auch hier später ein bisschen bereuen, dass wir da nicht schon hielten und uns eine Unterkunft suchten, denn wir brauchen einen Tag Pause, die Beine sind schwer und die Hitze macht uns zu schaffen. Wir fuhren aber weiter und erreichten zur frühen Mittagszeit das Dörfchen Playa Cuco. Dort stopften wir uns ordentlich die Taschen mit Nahrungsmitteln, Wasser und Bier voll, denn in der Nähe des Campingplatzes, den wir uns rausgesucht hatten und wo wir Pause machen wollen, gibt es wahrscheinlich nichts zum Einkaufen. Nachdem wir einige kleine Läden abgeklapptert und alles beisammen hatten, war die Mittagszeit angebrochen und wir eierten bisschen durch den touristischeren Teil des Dorfes zum Strand hin. Die vielen kleinen Comedores und Restaurants aber hatten alle noch geschlossen, die öffnen erst zum Abend, wie wir erfuhren. Also teilten wir uns ein Kombomenü mit 2 kleinen Pizzen bei einer Pizzakette, da wir nichts anderes fanden und auch nicht weiter suchen wollten. Vollgefressen machten wir uns wieder auf Achse, nichtsahnend, dass es nun anstrengend werden würde. Das Höhenprofil wurde ab hier sägezahnartig, viele viele, kurze, aber knackige Anstiege galt es zu bewältigen, die Sonne brannte und wir verwelkten förmlich in dieser, diese Kombination ist wirklich unmenschlich, zu brutal ist die Hitze, um da auch noch ständig 10-12%ige Hügel zu erklimmern, die kurzen Abfahrten boten nur wenig Abkühlung. Wir liefen echt auf dem Zahnfleisch und beteten das Ende der heutigen, eigentlich kurzen Tour herbei, die sich zäh wie Kaugummi dahinzog. Die 36km wurden immer länger und länger, eigentlich sollte das heute nur ein halber Fahrtag werden. Nach etwa 32km erreichten wir unser heutiges Ziel namens "The Bongo Experience" in dem kleinen Dorf Bonjo. Dieses einstmalige Hostel mit Campingmöglichkeit und Privatstrand, so stellte sich hier leider heraus, ist nun aber eine Soldatenunterkunft, wie wir von den dort hausenden Soldaten erfahren mussten, das war ein ordentlicher Runterzieher, denn wir hatten uns extra für diesen Ort eingedeckt und auf den Pausentag da gefreut; der Effekt, innerlich schon angekommen und den Fahrtag beendet zu haben, macht es umso schwerer, nochmal auf das Rad zu steigen und weiter zu suchen, der mentale Widerstand in solchen Momenten ist enorm. Nach einer kleinen Krisensitzung einigten wir uns, wieder ein Stück zurückzufahren, es sollte am Playa Mango eventuell ein-zwei Möglichkeiten zum Campen geben; also wieder zurück, auf und ab. An einem Hostel klingelten wir, aber es öffnete niemand. Dann fuhren wir herunter zum Playa Mango, dort sollte es am Strand einen Campingplatz geben, allerdings war der genaue Standort unklar. Wir fanden ein Grundstück, das eher ein Parkplatz zu sein schien und erkundeten das Areal ein wenig. Es fand sich eine Outdoor-Dusche, eine weitere Duschkabine, eine verschlossene Hütte mit Vordach und Hängematte davor und ein paar Sitzmöglichkeiten und einem Spülbecken zum Geschirrwaschen; das könnte doch der halbfertige Campingplatz sein, wie er bei Ioverlander beschrieben war. Toilette und Strom gab es aber nicht, und offensichtlich hängen da gern auch die lokalen Jugendlichen ab, alles in allem also eigentlich ein guter Ort für eine Nacht, aber nicht für einen ganzen, weiteren Pausentag. So richtig zufrieden waren wir also nicht mit der Situation, beschlossen aber, dazubleiben; immerhin, der Strand war wirklich schön und lud zum Bleiben ein, und ruhig und dunkel würde es hier in der Nacht auch sein. Wir entschieden uns, ein Stück am Strand entlangzulaufen und den Besitzer dieses Ortes zu finden, um zu erfahren, ob wir da Campen können, da fühlt man sich wohler mit einer Genehmigung und erspart sich eventuelle unangenehme Situationen. Wir landetet etwa 200m weiter in einer Bar, bestellten und da zwei teure Bier, um einen Aufhänger zum Quatschen zu haben, mussten aber schnell feststellen, dass das Vergebens war, die wenig motivierten Jungs konnten uns keine Infos geben, ob und zu welchen Konditionen man hier zelten kann. Naja, also ich ging erstmal eine Runde schwimmen, Carmi fläzte sich in die Hängematte. Auf dem Weg ins Wasser wanderte mein Blick auf das westliche Ende des Strandes und ich erkannte das Haus, was bei Ioverlander abgebildet war, da würden wir vielleicht auch den Besitzer finden. Schnurstracks nahm ich Carmi an die Hand und wir latschten rüber. Es stellte sich heraus, dass das eine kleine Surfschule mit Campingmöglichkeit war, der Besitzer Gustavo, ein etwas angetrunkener, aber nicht unsympathischer Brasilianer, lud uns ein, bei ihm zu campen, allerdings für 10$ pro Person, was nicht unbedingt günstig ist für das, was man bekommt. Der Ort, wo wir uns bereits eingenistet hatten, gehöre Carmelo, sagte uns Gustavo, er könne ihn anrufen, Camping würde da aber 7$ kosten, ohne Strom, Toilette und Küche, was wir dagegen bei ihm alles bekommen könnten. Da saßen wir also und überlegten hin und her, hatten eigentlich eher Lust auf Carmelos Platz, wegen der Ruhe und Einsamkeit, entschieden uns aber am Ende trotzdem für Gustavos Angebot, denn auch sein Plätzchen ist doch sehr gemütlich und schön, und Küche, Toilette und Strom waren zu verlockend für unseren Pausentag. Wir schoben also unsere Räder über den Strand zu ihm herüber und richteten uns bei ihm ein. Ich brutzelte uns Bratkartoffeln mit Spiegeleiern in der Küche, später duschten wir uns im Dunkeln in der freistehenden Outdoordusche, nicht gerade Carmis Traum-Waschort, aber wat willste machen? Es wurde trotzdem ein sehr ruhiger, entspannter und sehr schöner Abend in der Hängematte, Gustavo verkrümelte sich früh ins Bett und wir hatten im Prinzip den Ort für uns. Wir freuen uns auf einen entspannten Pausentag am Playa Mango bei Gustavo, das wird bestimmt schön hier. Muss nur noch rausbekommen, wo ich Bier herbekomme.

Tid

7h44m

Afstand

36,4km

Hastighed

11,8km/h

Stigning

500m

Nedstigning

510m

, og andre kan lide dette.

og tog på cykeltur.

5. marts 2026

Día 995: de El Amatillo (Honduras) a la Playa El Icacal (El Salvador)

Nach einer absurden Verdunkelungsaktion unseres Zimmers, die mich an mir selbst zweifeln ließ, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, schlief ich aber endlich mal wieder bisschen besser. Heute morgen kamen wir nur langsam in Fahrt, wir frühstückten vor unserem Zimmer auf der Bank, Kaffee holte ich mir von der Rezeption. Bis zur Grenze waren es keine 5 Minuten Fahrt mehr, diesmal ohne den typischen, kilometerlangen LKW-Stau wie an sämtlichen anderen Grenzen Mittelamerikas, denn die Panamericana verläuft über einen anderen Grenzübergang nur ca. ein-zwei Kilometer südlich. Wir tauschten noch schnell unsere übrigen Lempiras in Dollar um, denn in El Salvador ist seit 2001 neben dem Bitcoin vor allem der Dollar Hauptzahlungsmittel. Dann hatten wir den schnellsten und entspanntesten Grenzübertritt seit längerer Zeit, wir kamen beim Ausreisen aus Honduras sowie nach der Überquerung der Brücke über den Grenzfluss bei der Einreise nach El Salvador ohne Wartezeit sofort dran, und diesmal gab es auch weder Ausreise-, noch Einreisegebühren zu bezahlen. Heute wurde aber seltsamerweise Carmen an beiden Grenzposten genauer durchleuchtet, in Honduras scannte man ihre Fingerabdrücke und in El Salvador hatte sie ein kurzes Interview; ich dagegen bekam an beiden Posten ohne langes Gelaber sofort meinen Stempel. Meine Gefährtin scheint gefährlich zu wirken. Nur wenige Minuten nach dem Grenzposten stoppten wir an einem vielversprechenden Mobilfunkladen, dort kauften wir uns salvadorianische SIM-Karten; das Ganze ging ebenfalls sehr flott, professionell und problemlos. Dann dauerte es auch nicht lange, dass wir uns wieder auf der Panamericana befanden, wie könnte es auch anders sein. Sie heißt hier weiterhin auch CA-1, wie schon in Honduras, der Zustand allerdings ist schlechter: der Asphalt ist sehr grob und der Standstreifen bröckelig und ziemlich vermüllt, vor allem mit vielen, kleinen Glasscherben, da freut sich das Radfahrerherz. Erstaunlicherweise war das ganze Zeug auf dem Seitenstreifen nicht der Auslöser meines Plattens am Hinterrad, sondern allem Anschein nach hatte das verrutschte Felgenband den Schlauch von der Innenseite aufgerubbelt und porös gemacht. Während ich also meiner Lieblingsbeschäftigung nachging, Schlauchtausch bei Affenhitze im Dreck am Straßenrand, fuhr Carmen schon mal gemütlich weiter, ohne den permanenten Stress, den ich ihr auferlege mit meinem höheren Tempo, wie sie sagt. Ich holte sie nach einigen Kilometern ein und wir fuhren trotzdem zusammen weiter. Landschaftlich, aber auch architektonisch, änderte sich nicht viel, die fast halbwüstenhafte Trockenlandschaft blieb, die einzelnen Hütten und kleinen Siedlungen sahen ähnlich aus wie in Honduras, das Verkehrsaufkommen war genauso, nicht zu dicht, aber durchaus ausreichend viel. Weniger Geschäfte gab es am Straßenrand, wo man mal auf ein kaltes Getränk hätte halten können. Allerdings gibt es die aus meiner Sicht selbe, mich extrem nervende Sache: Wasser aus 0,5L-Beuteln, die es für sehr wenig Geld, nur ein paar Cent, bei jeder Gelegenheit zu kaufen gibt und deren leere Verpackungen einfach überall herumliegen. Diese Beutel werden an der Ecke mit den Zähnen aufgerissen und dann ausgesaugt. Ich finde es absolut kulturlos, aber Carmen steht richtig drauf und kauft sich alle naselang diese verdammten Teile und fährt dann jedesmal mit so einem Beutel im Mäulchen baumelnd hinter mir und saugt langsam das Wasser raus. Das macht mich ganz wuschig! Ich hatte gehofft, dass sich das nun in El Salvador wieder ändert, aber auch hier gibt es nun wieder diese verdammten, kulturlosen Beutel. Unsere Mittagspause machten wir an einem Straßenstand, nur wenige Kilometer vor La Union, dort aßen wir unser erstes salvadorianisches Mittagessen. Die Preise in El Salvador sind hoch, dank der Dollarisierung, und so bezahlt man für ein einfaches Mittagessen nun wieder mindestens 4$, ohne Getränk. Allerdings war das Essen wirklich gut und mal was anderes, zumindest zum Teil: mit Käse und Hackfleisch gefüllte und panierte Paprika mit Gemüsereis, Bohnenpaste, Salat und Tortillas - sehr gut! In die größte Mittagshitze hinein fuhren wir weiter Richtung La Union, am Stadtrand machten wir einen kurzen Schlenker in eine Tankstelle, denn da gab es einen Geldautomaten ohne Gebühren, da holten wir uns ein paar Dollar und ein weiteres, kaltes Getränk, dann bogen wir aber von der CA-1 ab in Richtung Süden, Richtung Pazifik. Unsere Hoffnung, dass unsere Fahrt nun entspannter werden würde, löste sich in kurzer Zeit in Luft auf bzw. in eine riesige Staubwolke, denn über mehr als 20km wurden wir vor allem von unzähligen, chinesischen Kipplastern, die permanent in beiden Richtungen unterwegs waren und im Dauertakt an uns vorbeirauschten, richtig schön eingestaubt, von oben bis unten, und es knirschte zwischen den Zähnen. Scheinbar haben die Chinesen hier irgendwo ein großes Bauprojekt, was mit großen Investitionen und einer riesigen Fahrzeugflotte nagelneuer Shacman-Kipplaster verwirklicht wird, wahrscheinlich ein Hafen am Pazifik, könnte ich mir vorstellen. Diese Flotte rödelte ohne Unterlass über den Flickenteppich von Straße, ein bunter Mischmasch aus bröckeligen Asphaltresten und staubig-steinigem, holprigem Schotter. Auf den letzten Kilometern mischte sich in die Staubwolke dann noch Rauch, überall brannte es drumherum, eine wirklich einzigartige Kombination, bei 42-45°C ein wahrer Fahrgenuss. Ich war froh, als wir diesen Wahnsinn endlich hinter uns hatten und zu unserem Ziel abbogen. Dahin folgten wir einer kleinen, asphaltierten Nebenstraße durch frisch abgebrannte Weiden, Wiesen und Felder, hier und da kokelte oder brannte es sogar noch. Die sind echt so irre hier, dass die alles mit Absicht in Brand stecken und ihr eigenes Land abfackeln, bei dieser Trockenheit und Hitze - total absurd. Wir erreichten nun aber den Pazifik, kamen an einem Strand an. Dort sollte es ein Hotel geben, wo man auch auf der Wiese zelten kann - keine Kombination, die ich gerne mag, die letzten Male fühlte ich mich da immer wie ein Mensch dritter Klasse: erste Klasse sind die Hotelgäste, zweite Klasse sind die Overlander und Wohnmobilbesitzer, und dritte Klasse sind wir mit unseren popeligen Zelten, irgendwo am Rand, Ausgestoßene, einer kleinen Minderheit angehörend, mit sehr geringen Rechten, die so gut wie kein Geld einbringen. Nach ein bisschen Sucherei fanden wir aber das kleine Freizeitresort und waren zuerst überrascht, da es von außen ein bisschen wie ein Hochsicherheitsgefängnis aussah auf den ersten Blick. Als wir aber die Schranke hinter uns gelassen hatten, bot sich ein anderes Bild: hier nun waren wir die einzigen Gäste auf einem großen Areal direkt am Meer, mit vielen Kokospalmen, einigen Pools, ein paar palmwedelbedeckten Hütten und einer Terrasse, einem Restaurand und einer insgesamt netten Atmosphäre bei schönem Abendlicht. Ein paar Tagesgäste waren alle gerade am Abreisen und das Restaurant machte auch langsam dicht - alle verschwanden, und nachdem wir den heruntergehandelten Preis gezahlt hatten, verdrückten sich so langsam, Stück für Stück, auch die Angestellten und ließen uns mit den Überwachungskameras, die uns bei jedem Schritt verfolgten, allein. Es gab sehr saubere Duschen, wo wir unsere staubigen Klamotten durchspülten und danach uns selbst, zuvor war ich gleich direkt in meinen Radklamotten noch schnell in den Pazifik zum Schwimmen reingelaufen. Als wir dann unsere Nudeln mit Jemüse kochten, waren wir schon ganz allein und genossen die Ruhe und Einsamkeit. Ok, die Einsamkeit mit Myriaden von Mücken, aber die halten wir uns mit 30%igem DEET-Spray vom Leib, so gut es geht. Das verspricht doch, eine ruhige, entspannte Nacht zu werden - oder?

Tid

8h43m

Afstand

71,1km

Hastighed

15,3km/h

Stigning

480m

Nedstigning

540m

, og andre kan lide dette.

7. marts 2026

Probably not a very peaceful night. You'll have to open the tent again and share it with mosquitoes all night.

Oversat af Google •

og tog på cykeltur.

4. marts 2026

Día 994: de la Isla del Tigre/Playa Tamarindo a El Amatillo

Der Betonboden auf der Kaimauer hatte mein Zelt tatsächlich in eine kleine Sauna verwandelt, der Zeltboden und meine Isomatte hatten die Wärme aufgenommen und das hielt wirklich durchgängig die ganze Nacht an. Von oben leuchtete hell der Vollmond in mein Zelt. Den Zelteingang musste ich offen lassen, sonst wäre ich da drin gestorben, allerdings bekam ich so ungebetenen Besuch von diversen Blutsaugern, die mir meinen Rücken zerstachen. War also mal wieder 'ne wilde Nacht, aber dafür haben wir einen sehr exklusiven Zeltplatz gehabt, an dem wir zum Glück auch sonst von niemandem gestört wurden, und ich hatte irgendwie trotzdem gute Laune heute morgen, obwohl ich mich gleichzeitig auch ziemlich gerädert fühlte - war bisschen viel Schlafmangel in den letzten Tagen. Wir frühstückten auch auf der Kaimauer mit Meeresblick, die Zelte hatten wir natürlich schon lange eingepackt. Die Sonne ging in unserem Rücken auf der anderen Seite der Insel auf, sodass wir von diesem heißen Feuerball noch eine Weile verschont wurden. Ich wünschte mir, es könnte einfach den ganzen Tag so bleiben. Wir schleppten unsere Sachen auf der Kaimauer zurück zu unseren Rädern, die zum Glück auch noch da waren, schummelten unser Gepäck wieder um den Zaun herum, bastelten alles zusammen und fuhren los, um die Inselumrundung abzuschließen. Sanft hügelig ging es die zweite Hälfte um die Insel herum, auf Kunststeinpflaster, durch erstaunlich entspannte und ziemlich idyllische, kleine Siedlungen mit immer freundlich grüßenden Menschen und für honduranische Verhältnisse sehr aufgeräumten Grundstücken, ohne Müll am Straßenrand. Ich glaubte, erahnen zu können, dass das Leben hier auf der Isla del Tigre wahrscheinlich für die Verhältnisse in diesem Land so ziemlich eines der besten sein dürfte, vor allem, was das Thema Sicherheit betrifft, aber auch im Allgemeinen den Lebensstandard und das Zusammenleben betreffend. Honduras hat auch eine notorisch hohe Analphabetenquote, aber hier auf der Insel sahen wir im Verhältnis zur kleinen Anzahl an Menschen, die hier leben, ziemlich viele Schulen. Schön ist auch, dass es fast keine Autos gibt auf der Isla del Tigre, die meisten Leute bewegen sich mit Motorrädern, Mototaxis oder Fahrrädern fort. Carmen wollte unterwegs die Strände anschauen, aber die Ringstraße um die Insel herum war recht hoch gelegen, sodass das sehr viel Hoch- und Runtergekurbel bedeutet hätte. Einzig einen Strand konnten wir besuchen, fast am Ende unserer Umrundung, dort war es dann auch sehr schön und wir verweilten einen Moment, obwohl wir heute noch einiges vor uns hatten. Vor allem wurde uns da bewusst, dass unserer Rückkehr ans Festland die derzeitig vorherrschende Ebbe einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Als wir aber wieder am Playa Burno ankamen, sahen wir, dass bei Ebbe die Lanchas von einem am Rande des Strandes gelegenen Steges ablegen. Wir fuhren also über den Strand dahin und konnten sofort eines der Boote nehmen. Wir schmissen unsere Taschen auf die Lancha, die Räder hinterher und schon legte das Boot ab. Das hatte also schon mal gut geklappt. Als nächstes mussten wir wieder über den Berg der Vulkanhalbinsel, um in den Mangrovenwald zu gelangen. Nachdem das geschafft war, hielten wir bei dem gleichen Restaurant wie gestern, wollten aber nicht wieder so teuer essen, sondern beließen es bei einem Getränk. Allerdings hatten wir gestern ja das WLAN-Passwort bekommen, und da wir uns für die 2-3 Tage in Honduras nicht erst eine SIM-Karte kaufen wollten, sind wir auf solche Möglichkeiten angewiesen, wenn wir zwischendurch mal ins Netz wollen. Mit leichtem Gegenwind fuhren wir weiter nach Norden, um die CA-1, die Panamericana zu erreichen. Zur späten Mittagszeit waren wir dann wieder auf der Piste Richtung Westen und somit Richtung El Salvador. In erstbesten Restaurant, darauf hatten wir länger schon gewartet, hielten wir und futterten etwas und erholten uns ein bisschen von der Hitze, die auf der stark befahrenen Schnellstraße nochmal um einiges heftiger war als auf der einsamen Nebenstraße. Auf dem Standstreifen fuhren wir wieder durch das hier so schmucklose und wenig sehenswerte restliche Stück Honduras - gut, dass wir wenigstens gestern und heute auch eine schöne Seite des Landes gesehen haben. Die Menschen, die wir trafen, waren aber überall sehr nett, aufgeschlossen und neugierig. In der kurzen Zeit wurden wir mehrmals mit Aufmerksamkeiten und Geschenken beglückt, so auch heute wieder: ein Mann schenkte Carmen hinter mir zuerst diese typischen 0,5L-Wasserbeutel, vor mir hielt er dann an und teilte mir mit, dass er uns in etwa 2km zu einem "Fresco", einem Kaltgetränk, einladen möchte. Tatsächlich wartete er knapp 3km später am Straßenrand und lud uns auf die andere Straßenseite in eine Autowerkstatt mit Kiosk ein. Viele Männer standen da und wir kamen mit einigen ins Gespräch, während wir unsere Colas tranken und auch noch Wasser zum Mitnehmen bekamen. Wir wurden vorgewarnt vor der Grenzstadt, gefährlich soll es da sein. Wir wurden eingeladen, lieber hier zu bleiben, aber so richtig geheuer war uns die Situation irgendwie nicht und wir zogen es vor, nach einem Weilchen weiterzufahren. Ein paar Kilometer später erreichten wir dann auch den Grenzort, ein kleines Dorf, durch das die Schnellstraße direkt hindurchführt und an dessen Rand auch gleich die Grenze zu El Salvador liegt. Zwei Hostels sollte es da geben, gleich das erste gefiel uns ganz gut, der Preis war verhandelbar, der Vermieter sehr nett und so bezogen wir unser Zimmerchen und beendeten den Fahrtag. Zum Hotel gehört ein chinesisches Restaurant, da aßen wir später Chop Suey und frittierten Reis, später ritt noch eine Horde junger Bauarbeiter ein, die noch lange rumlärmen werden und zu hoher Wahrscheinlichkeit für die nächste, unruhige Nacht sorgen werden. Diese Reise kostet mich ein paar Lebensjahre...

Tid

8h55m

Afstand

72,1km

Hastighed

14,0km/h

Stigning

690m

Nedstigning

640m

, og andre kan lide dette.

og tog på cykeltur.

3. marts 2026

Día 993: de Choluteca a la Isla del Tigre/Playa Tamarindo

Diese Nacht war dunkel, ruhig, kühl, mit gemütlichen Betten, alles wirklich gut. Aber Vollmond draußen. Da schlaf ich immer schlecht. Demnächst würde ich gern mal wieder schreiben, dass ich gut gepennt habe. Frühstück war schon vorbereitet, so kamen wir relativ zeitig los, noch lange vor dem 250km-Argentinier, der uns auch später nicht einholte und dem ich das nicht so ganz abnehme mit seinen täglichen 250km, Carmen ebenfalls nicht. Von Choluteca verläuft die Panamericana als CA-1 weiter, zu der wir quer durch die Stadt fahren mussten, um diese zu erreichen. Über eine zugestaute Brücke und einen großen Fluss mussten wir, um die Stadt zu verlassen, wir konnten uns schön um die lange Blechlawine herummogeln und waren zeitig auf der Piste. Angenehmer Rückenwind schob uns durch die ansonsten eher monotone und wenig sehenswerte, dürre, fast schon halbwüstenhafte Landschaft, weitere verbrannte Straßenränder mit viel Müll allenthalben, viel Verkehr, viele LKWs, aber auch ein ganz guter Seitenstreifen, allerdings immer wieder kleinen Abstätzen, über die wir ständig drüberhoppeln mussten. Ansonsten gibt es nichts zu erzählen von der Piste, wir flogen mit Kopfhörern dahin und kurbelten schnell den ersten Teil des Tages weg. Nach etwa 30km erreichten wir San Lorenzo. Hier gabelten sich unsere Routenwünsche so ein bisschen, denn ab hier geht es einerseits weiter Richtung Grenze zu El Salvador, die heute auch noch erreichbar gewesen wäre, oder aber südlich zum Pazifik und einer Vulkaninsel. Ich hätte gern noch wenigstens 1-2 Tage in Honduras verbracht, um etwas mehr als nur die Panamericana von diesem Land zu sehen. Wir hatten hin- und herdiskutiert und eigentlich erst heute morgen die Entscheidung getroffen, trotzdem direkt bis zur Grenze durchzurauschen, das war eher Carmens Idee, aber mit meiner angeschlagenen Rohloffnabe konnte ich mich mit dem Gedanken dann doch anfreunden. In San Lorenzo machten wir dann eine Getränkepause, saßen vor einem Kiosk und Carmen stellte fest, dass es schon irgendwie traurig ist, einfach so in 2 Tagen durch Honduras durchzuballern - mein Reden! Wir wurden schon wieder von so vielen wahnsinnig netten Menschen unterwegs gegrüßt, angesprochen und angewunken, und das geht Carmi natürlich bisschen ans Herzl. Nochmals sprachen wir die Möglichkeit durch, doch noch einen kleinen Abstecher zum Pazifik und zur Isla del Tigre zu machen, zu einer weiteren, kleinen Vulkaninsel, um doch mal noch einen Einblick in das honduranische Hinterland zu bekommen. Die Grenze wäre morgen dann trotzdem noch erreichbar gewesen. Carmen ließ den Gedanken kurz setzen und war nun doch spontan dafür, dass wir von der Route abweichen und nach Südwesten statt nach Nordwesten fahren. Ich freute mich darüber, und hoffentlich würden wir das nicht bereuen. Wir verließen also die CA-1 und folgten einigen kleinen, verzweigten Schotterstraßen, verließen San Lorenzo und kamen an vielen kleinen und auch größeren Salinenbecken vorbei, wo Salz hergestellt wird. Bisschen hoppelig und rumpelig war die Schotterpiste, die Sonne brannte unbarmherzigst vom Himmel dabei, wie jeden Tag hier momentan, und es gab keinen Schatten, um sich zu verstecken. Später bogen wir auf die Hauptstraße Richtung Süden ab und hatten für ein paar Kilometer Schatten unter den Bäumen, die uns am Straßenrand begleiteten. Bevor wir nochmal klettern mussten, erreichten wir ein kleines Dorf, das aus eigentlich nur aus 4 oder 5 Restaurants bestand. Hier machten wir eine lange Mittagspause in deinem der Restaurants, einerseits, weil das bestellte Essen ewig auf sich warten ließ, andererseits, weil wir so die allerschlimmste Mittagshitze abwarten konnten, bevor wir über den Berg auf die andere Seite der vor uns liegenden Halbinsel fahren. Carmen aß Fisch, der wohl recht schlammig schmeckte, der wird sicherlich hier in den Mangroven gefangen. Ich aß Gegrilltes. Wir scheinen die Reiszone hinter uns gelassen zu haben, gestern wie heute wurden wir tatsächlich von Reis verschont, dafür gab es für mich einen ganzen Berg frittierte Bananen dazu. Hier aber beginnt nun die Bohnenpastenzone, gestern wie heute gab es das als Beilage, und in Guatemala wird das wohl zu jeder Mahlzeit serviert. Die eiskalte Limettenlimonade war teuer, aber jeden Lempira wert, sie kühlte uns schön runter. Nach der langen Pause fuhren wir einige Kilometer durch noch viel heißere Mangrovenwälder hindurch, in den flachen Gewässern um uns herum wird die viel Wärme gespeichert; dann erklommen wir nochmal knapp 200 Höhenmeter bei etwa 42°C, das macht einfach keinen Spaß, wirklich. Im Restaurant wurde uns bestätigt, dass es im Moment auch für honduranische Verhältnisse außergewöhnlich heiß ist, bestes Timing also. Auf dem Weg nach oben konnten wir über die Mangroven- und Küstenlandschaft schauen. Dann rasten wir bergab und erreichten das kleine Fischerdorf Coyolito, von wo die Fähre auf die Isla del Tigre fährt. Fähre ist allerdings übertrieben, es sind kleine Boote für etwa 15 Personen pro Boot, von denen allerdings mehrere ständig zwischen Festland und Insel pendeln. Es herrschte viel Betrieb im kleinen Hafen, und auf uns stürmten sofort Leute ein, die uns für völlig übertriebene Preise mit ihrem Boot auf die Insel bringen wollten, uns anbettelten und uns, ohne darum gebeten zu werden, unser Gepäck auf eines der Boote luden, um dann aber Geld dafür zu verlangen. Ziemlich frech und auch bisschen anstrengend. Große Armut herrschte in dem Fischerdorf, viele wirklich augenscheinlich am Rande des Existenzminimums lebende Menschen sahen wir hier. Obwohl wir eigentlich schon 15:00 das Dorf erreicht hatten, lag das Boot noch lange am Ufer und fuhr erst ab, als es voll besetzt war. Das hatte uns leider viel Zeit gekostet, die uns später auf der Insel fehlen würde. Am anderen Ufer, nach etwa 20min Überfahrt, erwartete uns ein ebenso armes Fischerdorf und auch hier saßen viele Leute am Ufer und alle Augen waren auf uns gerichtet. Wir bastelten unser Zeug wieder zusammen, kauften noch etwas Wasser und verließen das kleine Dorf, um uns auf der relativ kleinen Insel eine Bleibe zu suchen. Eigentlich wollten wir irgendwo am Strand wildcampen, so unsere naive Vorstellung, die Realität sah aber anders aus: die wirklich sehr armen Verhältnisse und uns immer wieder anbettelnden Menschen unterwegs luden nicht gerade zum Wildcampen ein, und auch nicht der Fakt, dass die Insel doch dichter bebaut war als angenommen und auf der Karte ersichtlich. Im größten Ort der Insel, in Amapala, gab es ein Hostel, allerdings mit wirklich frechen Preisen, viel zu viel für uns; wir behielten uns vor, zur allergrößten Not darauf zurückzugreifen, und so fuhren wir weiter. Carmen quatschte Leute auf der Straße an, ob sie eine Idee hätten, wo wir campen oder anderweitig übernachten könnten; ein Imbissbesitzer riet uns zum Strand, die Insel wäre absolut sicher, gar kein Problem; Polizisten schickten uns zum Playa Grande, wollten aber für unsere Sicherheit nicht garantieren; am Playa Grande stellten wir fest, dass der Strand durchgängig bebaut ist, wir sprachen mit einigen Anwohnern, ob wir unsere Zelte am Strand aufbauen können, aber die nettesten unter ihnen rieten uns davon ab - zu gefährlich. Ratlos standen wir am Strand, die Sonne ging unter, der Abend wäre so schön gewesen, aber ohne zu wissen, wo man pennt, kann man das leider nicht so richtig genießen, das stresst einen zu sehr, nicht zu wissen, wo man pennen wird, wenn bereits die Sonne untergeht. Wir schoben unsere Räder wieder vom Strand, vom Playa Grande, und fuhren den Berg wieder hoch. Es gab noch einen weiteren Strand, den wir schon passiert und rechts liegenlassen hatten, kurz davor hatten wir mit den Polizisten gesprochen. Das wollten wir uns auch nochmal anschauen, bevor wir endgültig aufgeben und in das teure Hostel zurückgekrochen kommen. Der Strand erwies sich auch nicht als so toll, zu viel los drumherum. Aber wir entdeckten einen großen, langgezogenen Kai, der sich am Ufer entlang unterhalb der weiter oben liegenden Polizeistation erstreckte, mit einem breiten Mauersims, auf dem man perfekt und halbwegs versteckt Zelte aufbauen könnte. Nur an dem halb eingefallenen Zaun mussten wir vorbei und damit eine meiner Wildcampingregeln brechen (Niemals über Zäune steigen). Mittlerweile war es aber schon dunkel geworden, das Grundstück oberhalb der Kaimauer war verlassen, und wir waren beide so fertig, sodass wir beschlossen, auf der Kaimauer zu zelten - auch mal was Neues! Wir schleppten unser Gepäck auf dem schmalen Simms um den Zaun herum auf den Kai und bauten unsere Zelte im Wind auf. Der Betonboden war schön warm von der Sonne, das würde eine tolle Sauna werden im Zelt. Zuerst gönnte ich mir eine Flaschendusche, weniger als ein Liter kann völlig ausreichen, um sich halbwegs gründlich mit seiner Fahrrad-Wasserflasche zu duschen, es gibt nichts ökonomischeres, sollten alle eigentlich so machen. Während Carmen es mir gleichtat, kochte ich uns Nudeln mit Tomatensoße, mehr war heute nicht drin. Immerhin, zwei kleine Bierchen hatte ich mir noch geholt, die zischte ich genüsslich weg, während ich im Vollmond meinen Bericht zusammenhämmerte. Es ist spät geworden heute, wieder ein sehr langer Fahrtag, das war so eigentlich nicht geplant. Und morgen wird wieder so ein Fahrtag. Gähn.

Tid

10h05m

Afstand

75,8km

Hastighed

14,6km/h

Stigning

600m

Nedstigning

650m

, og andre kan lide dette.

og tog på cykeltur.

2. marts 2026

Día 992 pt.2: de la frontera a Choluteca

Nun also Honduras. Die Migrationsbehörde erreichten wir schnell gleich auf der anderen Seite des Grenzflusses. Nicht viel los war da, aber das bisschen, was los war, wirkte gleich ziemlich chaotisch und ungeordnet. Systemlos gingen die paar Wartenden an die besetzten Schalter. Wir kamen aber fast sofort dran, bezahlten 4$ Einreisegebühr, von denen 1$ direkt in die Tasche des Zollbeamten flossen, denn auf dem Beleg waren nur 3$ ausgewiesen - willkommen in Honduras, da bekommt man doch gleich ein Gefühl dafür, wie die Dinge hier laufen. Wir fanden uns natürlich auf der Panamericana wieder, klar, die verläuft nun mal quer durch Zentralamerika und die Länder sind klein und kein Weg führt dran vorbei, vor allem nicht an Grenzübergängen; hier heißt sie nun CA-03, sieht aber genauso aus wie zuvor in Nicaragua: ganz gut ausgebaut, mit mittelmäßig viel Verkehr, der gleichen Trockenwald-Vegetation am Rand und auch die Hütten und Häuser am Rand sehen ganz ähnlich aus. Allein die Fahnen der FSLN fehlen, der sandinistischen Befreiungsfront. Der Verkehr wird etwas rauer, ist mein Eindruck, es gibt wieder mehr lateinamerikanische Poser-Kultur und Rumgeprolle, absurdes Autotuning, Halbstarke auf aufgebohrten Mopeds, viele Autos und Motorräder fahren ohne Kennzeichen herum, und weniger Pferdefuhrwerke; am Imbissstand läuft Gangster-Rap, am kleinen Kiosk aber werden wir nun wieder neugierig nach dem Woher und Wohin ausgefragt, die Leute sind wieder ein bisschen offener und neugieriger als in Nicaragua, das ist sehr auffällig, und wir bekamen außerdem gleich am ersten Kiosk, an dem wir für ein kühles Getränk hielten, eine Großpackung Muffins geschenkt. Geld hatten wir direkt im Niemandsland der Grenze schon getauscht, die letzten nicaraguanische Cordoba gegen honduranische Lempira, alles Währungen, von denen man noch nie vorher gehört hat. Während man in Nicaragua 1€ zu 43 Cordoba getauscht hat, bekommt man hier 1€ zu 31 Lempira, wir müssen uns also wieder neu justieren. Ansonsten gab es dann keine besonderen Vorkommnisse mehr auf dem heutigen Weg. Es war brüllend heiß, bis zu knapp 48°C zeigte auch heute wieder das Garmin an, heiße Hitzeschwälle waberten immer wieder über die Straße, man fragt sich, woher die kommen. Viel Müll, viel mehr als in Nicaragua, liegt in Honduras am Straßenrand, ein trauriger Anblick. Noch trauriger wurde es, als wir fast permanent durch verkohlte und nach verbranntem Müll stinkende Abschnitte fuhren, hier geht man ganz pragmatisch vor und schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: die Straßenränder werden zur Trockenzeit statt mit Motorsense und Machete mit dem Flammenwerfer von Vegetation befreit; das hat den Vorteil, dass der ganze Müll ganz einfach gleich mit verbrennt. Eine riesige Schweinerei ist das, und auch nicht gerade schön anzusehen. Wir werden aber auch hier wieder oft gegrüßt, von Jung und Alt, männlich wie weiblich, manchmal sogar auf englisch. Das ist schön, die Leute sind auch hier sehr nett und freuen sich über Ausländer, die ihr Land bereisen. Vergeblich warteten wir aber auf ein Restaurant, da kam nichts, außer kleine Stände mit totfrittiertem Hähnchen, aber da kommen wir beide nicht ran. Wir aßen die Brot- und Käsereste samt Gurke von gestern Abend und die geschenkten Muffins. Zum frühen Nachmittag erreichten unser heutiges Ziel, die größere Stadt Choluteca. Wir hielten am Ortseingang an einem Supermarkt, denn da gab es einen Geldautomaten, wo ich tatsächlich ohne Gebühren ein bisschen Geld abheben konnte. Wir fuhren ein Hotel an, welches wir bei Ioverlander rausgesucht hatten, da sollte es halbwegs günstige Zimmer mit Klimaanlage geben, wir brauchen eine Auszeit von der übelsten Hitze. Die bekamen wir, wir konnten den doch etwas höheren Preis bisschen drücken und checkten ein. So ein schönes Zimmer hatten wir schon lange nicht mehr. Carmen fuhr in die Stadt, was essen, bevor sie schlechte Laune bekommt. Ich wusch derweil Wäsche und machte ein schönes Nachmittagsschläfchen. Ich war skeptisch, ob wir abends nochmal das Hotel verlassen sollten. Immerhin ist Honduras DAS Land der "Maras" genannten Jugendbanden, ein sehr armes Land mit einer der höchsten Kriminalitäts- und Mordraten der Welt, von daher hielt sich meine Lust, herauszufinden, ob das stimmt, eher in Grenzen. Unser sehr freundlicher Hotelwirt aber beschwichtigte mich und erklärte, Choluteca ist absolut sicher für Ausländer, kein Problem, absolutamente tranquilo! Na gut - also trauten wir uns doch noch mal raus, ich hatte mittlerweile Hunger, Bierchen und Frühstück mussten auch noch her. Der Supermarkt einige Straßen weiter war proppevoll, ich stand lange an hinter Leuten mit überbordend vollen Einkaufswägen; das Angebot im Supermarkt war überraschend groß und gut, die Preise sehr niedrig, die Warteschlangen lang, und so konnte ich schon mal den ersten Teil meines Berichts schreiben, während ich lange an der Kasse wartete. Danach gingen wir zu einem Straßengrillrestaurant, mal was anderes als Bohnen, Reis und Hühnchen: Tortillas, Salat, Bohnenpaste, Chorizo und Minutensteak. Ganz gut, und günstig dazu. 20:30 waren immer noch 33°C, als wir zurück in unser Quartier fuhren. Wie können die Menschen nur hier immer in so einer Hitze leben - und den ganzen Tag in langbeinigen Jeans rumlaufen? Ich würde sterben. Ich kann vor allem die abendlichen Temperaturen hier kaum ertragen und freue mich auf eine kühle Nacht mit der eigentlich verhassten Klimaanlage. Im Hotel kam abends noch ein etwas schweigsamer Argentinier an, der von Ushuaia bis hierher in 5 Monaten gefahren ist, mit Gravelbike und Anhänger, ein höchst eigenwilliges Gespann, vor allem in Kombination mit dem Fakt, dass der junge Mann täglich laut seinen Angaben im Durchschnitt 250km damit fährt, selbst bei der Affenhitze. Verrückt.

Tid

9h38m

Afstand

48,9km

Hastighed

15,3km/h

Stigning

350m

Nedstigning

330m

, og andre kan lide dette.

og tog på cykeltur.

2. marts 2026

Día 992 pt.1: de Somotilla a la frontera

Keine Nacht, in der es keinen Grund gibt, mal nicht schlecht zu schlafen. Wir hatten zwar dann endlich mal eine Klimaanlage, die viele Stunden brauchte, um den Raum unter 30°C zu kühlen, aber diese dröhnte und brummte wie eine Flugzeugturbine und ich fand mal wieder nur wenig Schlaf, während Carmen neben mir durchschnarchte. Beneidenswert. Trotzdem waren wir alle beide heute morgen ähnlich schlapp, trotz einiger Schlafmengendifferenz, und kamen sehr schwer aus den Federn. Die Voraussicht, den halbwegs kühlen Raum wieder gegen die unnachgiebig brennende, zentralamerikanische Sonne und die Hitze der Trockenzeit einzutauschen, war wenig verlockend. Wir frühstückten im Aufenthaltsraum des Hotels, denn da konnten wir uns Wasser kochen und stiegen spät, erst gegen 9:00, auf die Räder. In Somotillo war der Markt zum Leben erwacht, wir kauften noch Wasser und ein Erfrischungsgetränk, schossen ein paar letzte Fotos vom nicaraguanischen Straßen- und Marktleben und düsten los - im wahrsten Sinne des Wortes, denn schönster Rückenwind bließ uns die paar wenigen Kilometer bis zur honduranischen Grenze. In der nicaraguanischen Migrationsbehörde standen wir ein Weilchen in der Schlange. Als wir dran waren, begegnete ich der bisher schlechtgelauntesten Zollbeamtin meiner gesamten Reise, aber von der ließ ich mir heute nicht die Laune verderben. 3$ Ausreisegebühr später hatten wir unseren Ausreisestempel, wir surften noch die letzten Minuten im nicaraguanischen Netz und überquerten kurze Zeit später die Grenze über eine Brücke über den kleinen Grenzfluss. Nach 15 Tagen lassen wir Nicaragua schon hinter uns, wir hätten nicht für möglich gehalten, wie sehr es uns hier gefallen würde, es war ein kleines, aber außerordentlich schönes Land, an das ich mich gerne erinnern werde, trotz der immensen Hitze. Ich persönlich mochte auch, dass die Menschen hier etwas stiller und ein wenig introvertierter als andere Lateinamerikaner sind, was wahrscheinlich auch historisch begründet ist: 43 Jahre Somoza-Diktatur, 10 Jahre Sozialismus und Bürgerkrieg und weitere viele Jahre Ortega-Diktatur haben die Menschen hier tief geprägt, da bin ich mir sicher. Ich bin gespannt, inwieweit sich Honduras vor allem gesellschaftlich von Nicaragua unterscheidet. Wir haben uns nun nach reiflicher Überlegung doch dazu entschieden, nicht mit der Fähre direkt gleich bis El Salvador zu fahren, sondern verbringen doch ein paar Tage in Honduras und kreuzen das Land; ich freue mich, dass Carmen ihre Meinung dazu geändert hat. Und damit beginnt ein neues, wenngleich auch kurzes Abenteuer: Honduras.

Tid

1h45m

Afstand

6,48km

Hastighed

16,1km/h

Stigning

50m

Nedstigning

50m

, og andre kan lide dette.

og tog på cykeltur.

1. marts 2026

Día 991: de León a Somotillo

Nach einer weiteren, sehr heißen Nacht mit wenig Schlaf glotzte ich heute morgen nicht schlecht, als unsere Räder verkeilt ineinander auf dem Boden vor unserer Tür lagen. Obwohl wir unsere Tür offengelassen hatten über Nacht wegen der Hitze, hatten wir, obwohl wir beide auch nicht gut geschlafen haben, nicht mitbekommen, wie andere, wahrscheinlich betrunkene Hotelgäste im Suff unsere Räder umgerissen hatten. Kaputt war zum Glück nichts, zumindest nicht davon. Ich hatte nämlich gestern mein Hinterrad ausgebaut, nachdem ich nun schon seit Tagen starke Vibrationen im Radumdrehungsrhythmus gespürt habe. Ich musste nun leider feststellen, dass die Rohloffnabe ziemlich mahlende Geräusche macht, und viel schlimmer noch: es gibt Rastpunkte im Getriebe bzw. kleine Blockaden, die man nur mit Kraft überwinden kann. Es zeichnet sich also ein kleiner Getriebeschaden in der Nabe ab und mir graut es davor, was da an Folgen und logistischen Herausforderungen in naher Zukunft wieder auf mich zukommen. Auch ein Ölwechsel brachte keine Besserung, dabei tropfte ich mir aber schön einige dicke Tropfen Öl auf die Bremsbeläge meiner Hinterbremse, die ich zwar sofort ausbaute und mit Alkohol reinigte, aber das brachte leider nicht allzuviel, die habe ich mir anscheinend versaut und muss jetzt erstmal mit einer sehr schlecht bremsenden Hinterbremse leben. War also kein erfolgreicher Schraubernachmittag gestern. Aber Carmen ist wieder auf dem Damm und wir konnten heute weiterfahren. Hostelfrühstück gab es leider ziemlich spät, sodass wir auch relativ spät erst loskamen und wir schon in großer Hitze starteten. Heute war hitzemäßig ein weiterer Rekordtag, vor allem zum Nachmittag wurde es wirklich brutal, unsere beiden Garmins zeigten als Rekordwert 48°C an, aber weit über 40°C war es den größten Teil des Tages, sogar nach 17:00 noch. Auch abends kühlte es überhaupt nicht ab - völlig abartig. Ich trank so viel wie lange nicht, fast jede Gelegenheit nutzen wir, um ein kühles Getränk zu uns zu nehmen, denn das Wasser in unseren Flaschen war kurz vorm Kochen. Aus León heraus waren wir recht schnell, sahen auch noch ein paar Teile dieser schönen Stadt, die wir bisher noch nicht gesehen hatten; León besteht, ähnlich wie Granada, aus sehr viel sehr alter Bausubstanz aus der Kolonialzeit, die gut erhalten ist und der Stadt ein ganz besonderes Ambiente gibt. Wir mochten beide Städte sehr gern. Wir folgten knapp 20km einer gut ausgebauten Schnellstraße nach Norden, auf der wir, trotz leichtem Gegenwind, gut vorankamen. Das änderte sich ganz akut, als wir von dieser Schnellstraße auf eine sehr sandige Schotterstraße abbogen, der wir weiter Richtung Norden folgen wollten. Schon nach wenigen Metern wollte ich lieber umdrehen, denn ich hatte kein Bock auf 20km sülzigen, tiefen, weichen Sand. Die Umfahrungen im Osten um den Vulkan Telica sowie im Westen um den Nationalpark San Cristobal wären zwar auf Asphalt, aber mindestens 20km länger gewesen, und darauf wiederum hatte Carmen keinen Bock. Ich witterte, dass das keine gute Entscheidung sein würde, fügte mich aber Carmen und bereute diese Entscheidung die nächsten 2-3h. Meine Erfahrung ist nämlich, dass Schotterstraßen, die schon mies anfangen, im Verlauf fast nie besser, sondern eigentlich so gut wie immer schlechter werden, so auch in diesem Fall. Wir hatten zwar einige Einheimische gleich am Anfang gefragt, wie der Zustand der Straße sein würde, aber die gemischten Antworten konnten meine Skepsis nicht entkräften. Leise fluchte ich in mich hinein, während wir uns durch die weiche Sülze kämpften. Immer wieder hieß es Absteigen und Schieben auf kurzen Stücken, das Tempo sank von 20km/h auf nicht mehr als 8km/h Durchschnitt und für diese 20km brauchten wir eine Ewigkeit. Es ging ein Weilchen ganz allmählich bergauf, bergab wurde es dann noch schlimmer mit der weichen Sülze, ich war sauer auf mich selbst, dass ich nicht einfach den anderen Weg gefahren bin...die 20km Umweg hätte ich dicke in weit kürzerer Zeit und einem Bruchteil an Kraftaufwand erledigen können. Wir sahen noch nicht mal so richtig die 2 Vulkane, durch die wir hindurchfuhren, sondern zumeist den Tunnel der Straße in Form von gelbgraubrauner Erde und zugestaubter Vegetation, hier und da mit ärmlichen Wellblechhütten dazwischen. Zur Mittagszeit erreichten wir die letzte Sektion der Sandpiste, unfassbar heiße Schwälle von Luftmassen kamen uns entgegen, infernalisch heiß wurde es nun, da die Vegetation offener wurde. Ich machte echt 3 Kreuze, als wir diese Sandpiste hinter uns hatten. Wir erreichten die NN252, eine asphaltierte Überlandstraße, der wir weiter folgten und auf der wir nun endlich auch mal wieder bisschen vorankamen. Etwa 12km später gab es ein Restaurant am Straßenrand in einem kleinen Dorf, dort machten wir eine längere Mittagspause und hatten unser bisher günstigstes Mittagsmenü in Nicaragua, Reis, Bohnen, Proteine, wie immer. Allerdings bekamen wir eine gute, sehr würzige Suppe dazugeschenkt, mit Yucca, einer anderen Wurzel und Kochfleisch, die war sehr lecker und die teilten wir uns, gut für den Elektrolytehaushalt. Außerdem kippten wir einiges an kalter Flüssigkeit in uns hinein. Wieder in die infernalische Hitze rauszugehen und auf die Räder zu steigen fiel uns beiden nicht leicht, vor allem ich hatte mit schwerer Müdigkeit zu kämpfen, aber muss ja weitergehen. Ein paar Kilometer weiter bogen wir auf die NIC-24B ab, auch hier hielt sich der Verkehr halbwegs in Grenzen, immer wieder kam mal ein Truck an uns vorbei, aber nichts wildes. Der Gegenwind nahm allerdings Fahrt auf, Carmen versteckte sich in meinem Windschatten und ich kämpfte nun statt gegen den tiefen Sand gegen den Wind. Was für ein Tag mal wieder. Wir erreichten nach 64km unser eigentliches Tagesziel, ein einsames Restaurant auf der Landstraße. Bei Ioverlander hatten wir diesen Ort gefunden, andere hatten hier auch schon gezeltet, das wollten wir ebenfalls tun und der nette, ältere Herr am Verkaufsstand des kleinen Ladens neben dem Restaurant, bei dem ich zuerst kalte Getränke kaufte, erlaubte uns auch sofort, dass wir da zelten könnten und zeigte uns die Stelle, wo wir unsere Zelte aufschlagen dürfen. Wir berieten uns lange, denn mir gefiel die Nähe zur Landstraße und die damit verbundene Aussicht nicht, die ganze Nacht die verdammten US-Trucks an uns vorbeiorgeln zu hören. Nach langem Hin und Her konnte diesmal ich mich durchsetzen, ich konnte Carmen irgendwie davon überzeugen, noch weitere 20km bis Somotillo zu kurbeln, wahrscheinlich lockte sie dann auch der Gedanke an eine Dusche und vielleicht ein Zimmer mit Klimaanlage. Wir waren beide kleine Staubmonster, vor allem Carmens Beine sahen echt lustig aus, und aus der Hitze herauszukommen und weg von der Landstraße hatte schon etwas Verlockendes. Wir begaben uns also wieder auf Straße, es würde ein langer Fahrtag werden mit dieser Entscheidung; bei Sonnenuntergang kamen wir in Somotillo an, dem letzten, größeren Ort vor der Grenze zu Honduras. Ein Hostel war schnell gefunden, und tatsächlich kamen wir in den Genuss, ein relativ günstiges Zimmer mit Klimanlage zu beziehen, die wir auch sofort anwarfen. Allerdings war der Fahrtag noch nicht beendet, denn nachdem wir unsere Taschen abgeworfen hatten, fuhren wir nochmal zum Markt und kauften Futter für Abendessen und Frühstück ein. Spät ist es heute geworden, Carmen hatte sich ihren ersten Fahrtag nach der Erkältung bisschen anders vorgestellt, kann ich auch verstehen. Ich war froh, dass wir mal bisschen vorangekommen sind, trotz der verdammten Sandpiste. Wir wuschen die eingetrocknete Sandpatina ab, aßen das Sauerteigbrot aus León mit Avocado, Räucher-Chilikäse und Gurke und waren ziemlich erledigt.

Tid

10h22m

Afstand

89,1km

Hastighed

14,5km/h

Stigning

430m

Nedstigning

490m

, og andre kan lide dette.

2. marts 2026

Carmen doesn't seem to mind the heat much; no matter how hot, she won't go on her bike without a hood 🤣

Oversat af Google •

og tog på vandretur.

27. februar 2026

Día 989: León #2

Nach einer weiteren, unfassbar heißen Nacht folgte ein weiterer heißer Tag in León. Wir frühstückten Pancakes im Hostel und begannen den Tag sehr langsam. Carmen braucht noch heute und morgen, um wieder auf dem Damm zu sein, aber es geht ihr besser und eine baldige Weiterfahrt ist in Sicht. Zu Mittagessen gingen wir auf den Zentralmarkt, stöberten ein bisschen rum und aßen Enchiladas, die allerdings wenig mit dem mexikanischen Pendant zu tun haben, sondern große, mit Reis, Gemüse und zerkochtem Rindfleisch gefüllte Weizentortillateigtaschen sind, die brutalst satt machen. Dazu gab es frischen Saft. Auf Märkten essen ist immer schön, die Gerichte sind billig, aber die Qualität meist ganz gut und man isst das, was die Einheimischen auch essen. Nach dem Markt gingen wir in das Revolutionsmuseum, ein sehr spezielles Erlebnis war das. Das Gebäude wurde seit 1979 nicht mehr restauriert und befand sich in einem wirklich traurigen, desaströsen Zustand. Das Museum an sich besteht nur aus zwei großen Räumen im Erdgeschoss, die aus vergilbten Kopien von Fotos bestehen, auf denen lebende und tote Revolutionäre abgebildet sind, nicaraguanische und auch bekannte lateinamerikanische, Che Guevara und Fidel Castro durften nicht fehlen; daneben gab es Zeitungsberichte, ebenfalls als Kopien. Im ersten Raum wurde vor allem über Augusto Sandinos Leben berichtet, dem Begründer der nicaraguanischen sandinistischen Revolutionsbewegung, die sich in allererster Linie gegen die über 40 Jahre lange diktatorische Herrschaft der Somoza-Familie richtete, die von der US-amerikanischen Regierung ge- und unterstützt wurde. Nicaraguas Revolution hat also ähnliche Wurzeln wie z.B. die kubanische: der Kampf gegen die Diktatur und vor allem gegen den US-amerikanischen Imperialismus in Form der United Fruits Company, die mächtiger war als die zentralamerikanischen Staaten selbst und diese und deren Bewohner viele Jahrzehnte gnadenlos auf Zucker-, Kaffee- und Bananenplantagen ausbeutete. Der zweite Raum behandelte vor allem den Zeitraum nach dem Tode Somozas und der Revolution von 1979, die Zeit des Bürgerkriegs und der "Contras", die von Honduras aus operierenden und von der CIA und von der USA finanziell und materiell unterstützten Guerillas, die die Revolution wieder stürzen sollten und einen langen, von der USA unterstützten Bürgerkrieg in Nicaragua führten. Die Zeit nach den Sandinisten wurde ausgespart, auch die heutige Zeit unter dem diktatorischen Machthaber-Duo Ortega und seiner Frau wird nicht behandelt, sowie die ideelle Entfernung Ortegas von den Ideen der Sandinisten und der Befreiungsfront. Alles in allem ist die Geschichte Nicaraguas sehr interessant und beispielhaft für die Einmischung der USA in lateinamerikanische Belange. Unser Guide allerdings ratterte die vielen Namen und Daten in so einem schwer verständlichen Englisch herunter, dass mir der Kopf schon nach 5 Minuten brummte und ich so gut wie nichts von alledem verstand. Zum Schluss wurden wir auf das Dach des alten Gebäudes geführt und konnten immerhin León noch ein bisschen von oben bewundern. Dazu passierten wir die zweite Etage des Hauses, und man muss sagen, dass immerhin hier nichts versteckt oder beschönigt wird. Man konnte in alle Räume des alten Hauses schauen, welches stark mit der Geschichte der Revolution verbunden ist und fragt sich, wie es sein kann, dass das der nicaraguanischen Regierung nicht peinlich ist, dieses Haus so verlottern und zerfallen zu lassen und wieso man Touristen an so einen traurigen Ort lässt; immerhin begreift sich Ortega und die heutige Regierung ja nach wie vor als sandinistisch-sozialistisch, obwohl das nur eine Ideologiehülse ist und nichts mehr in den Ideen der einstigen Revolution mehr zu tun hat. Alles war voller Taubenscheiße, alles bröckelt traurig vor sich hin, und irgendwie kann man das als versteckte Analogie zu dem sehen, was Ortega in den letzten 20 Jahren aus den einst noblen Idealen der Sandinisten gemacht hat. Das war mit Abstand das seltsamste Museum, was ich jemals besucht habe. Während Carmen danach zum Markt marschierte und für unser Abendessen einkaufte - Yucca und Gemüse für Guacamole sowie famosen Räucherkäse - telefonierte ich lange in die Heimat. Wir latschten langsam wieder in unser Quartier zurück, Carmen besetzte ihre Stamm-Hängematte und ich beschäftigte mich mit Daten-Upload und Wäschewaschen. Außerdem setzten wir uns nochmal kurz auf unsere Räder, denn wir mussten uns für morgen nochmal ein neues Hostel suchen, da unseres voll ausgebucht ist. Das war aber schnell erledigt, wir müssen nur 2 Straßen weiterziehen morgen. Nach der abendlichen Kochsession, wo Carmen mal wieder Yucca-Pommes produzierte und ich Guacamole zusammenrührte, die wir dann mit dem wirklich sehr leckeren Räucherkäse vernichteten, latschte ich nochmal allein in die Stadt, im Hotel-Restaurant Via Via sollte es Live-Musik geben, da wollte ich mal reinschauen. Tatsächlich war der Laden richtig voll, schnauzbärtige Euro-Hipster-Backpacker mischten sich da mit einheimischen bzw. lateinamerikanischen Touristen, die lokale Coverband spielte klassische Rockstücke. Ich unternahm nochmals den Versuch, einen Rum zu trinken und bekam diesmal wirklich einen ohne Eis, aber nur einen siebenjährigen. Ja, keine Ahnung, also ich werde kein Rum-Liebhaber, da trinke ich lieber einen gepflegten Whiskey, ist mein derzeitiges Zwischenurteil. Bei meinem nächtlichen Heimweg stellte ich erneut fest, wie unglaublich ruhig es hier ist und vor allem, wie wenig Autos es gibt und wie schön das ist, wenn nicht sämtlicher Raum von Automobilen eingenommen wird. Nur ein paar vereinzelte Autos standen auf der Straße, das kann man sich als Europäer wirklich kaum vorstellen, gerade als Berliner, wo jeder Quadratzentimer Straßenrand zugeparkt ist und man abends Stunden verbringt, um einen Parkplatz zu finden. Ich mochte die nächtliche Atmosphäre sehr gern in León, und obwohl Nicaragua bitterarm ist, fühle ich mich sehr sicher, obwohl die Straßen dunkel sind und nicht viel los ist.

Tid

9h21m

Afstand

6,39km

Hastighed

5,2km/h

Stigning

80m

Nedstigning

70m

, og andre kan lide dette.

Loading