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Jour 1168: de Callenville à Vaucottes

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Jour 1168: de Callenville à Vaucottes

var på cykeltur

23. august 2026 kl. 05:33

Jour 1168: de Callenville à Vaucottes

05:24

81,7km

15,1km/h

46,1km/h

710m

790m

Garmin Edge 1040

Nach dem etwas nervigem Start an meiner Wildcampingstelle auf dem Wanderweg hatte ich da trotzdem eine ruhige und entspannte Nacht, niemand behelligte mich, Regen gab es auch keinen.
Ich schlief ein bisschen länger, bis 7:00, und packte dann schnell mein Geraffel zusammen und fuhr erstmal los. Zum Frühstück wollte ich in eine nahegelegene Parkanlage, weiter unten am Berg. Dort musste ich mein Rad zwar einige steile Treppen runterschieben, aber tatsächlich war das ein sehr schöner, ungestörter Frühstücksort, in dem ziemlich waldnahen Park. Ich ließ mir Zeit dabei und verließ erst nach einer Weile den Ort. Mittlerweile war es wenigstens ein bisschen wärmer geworden, denn bei der Abfahrt war es echt empfindlich frisch und ich am Bibbern, an diese Temperaturen muss ich mich erstmal wieder gewöhnen nach der langen Zeit in den Tropen.

Gleich im nächsten Ort, in Callenville, staunte ich, denn am Dorfplatz hatte doch ein Supermarkt geöffnet, obwohl Sonntag ist. Wahrscheinlich, weil es dort Brot gibt und das so als Boulangerie geduldet wird, denn ohne das frische Baguette am Morgen geht in Frankreich einfach nichts.
Ich kaufte auch ein paar Kleinigkeiten, Wasser, Kekse, Ziegenkäse, etwas Obst und Gemüse, damit meine Taschen bisschen schwerer werden.

Bis Honfleur folgte ich ruhigen, kleinen Landstraßen und genoss den sonntäglichen Morgen mit sehr wenig Verkehr.
Das kam mir auch später zugute, als ich über die riesige Brücke fuhr, die über die Seine führt, welche hier südlich von Le Havre in den Ärmelkanal mündet.
Die Überquerung aber war trotzdem kein Genuss, denn der Radweg befand sich ohne Trennung auf der vierspurigen Straße und war sehr sehr schmal und nah an den Autos, die hier unerbittlich mit bis zu 100km/h an mir vorbeiballerten. Es wehte zudem wieder sehr straffer Ostwind, in diesem Fall Seitenwind, und auf Brücken ist sowas in der Regel nochmal um einiges stärker. Ich war recht froh, als ich die Brücke hinter mir hatte, es fühlte sich nicht gerade nach einem Sonntagsspaziergang an.

Im Übrigen habe ich gestern die Unwahrheit geschrieben, ich dachte, ich fahre nicht mehr auf dem EV4, aber das stimmt überhaupt nicht, denn kurz vor der Brücke traf ich wieder auf diesen und folgte ihm heute auch wieder den ganzen Tag.
Nach der Brücke dann bog der Radweg Richtung Westen ab, Richtung Hafen von Le Havre, und diese knappe halbe Stunde genoss ich den Rückenwind, der mich in den großen Industriehafen hineintrieb. Schon von weitem sah ich die Verladekräne und Containerburgen, auch das Atomkraftwerk, welches ich passierte, war schon von Ferne zu sehen.
Der EV4 führte quer durch den Hafen nach Le Havre hinein, eine größtenteils moderne Hafen- und Industriestadt, welche auf mich den Eindruck machte, ausladend und mit viel Platz gebaut zu sein, was ihr ein besonderes Flair gab. Ich fand die Stadt nicht uninteressant und dödelte noch ein bisschen umher.

Es war zudem Mittagszeit, und mehrere Gründe sprachen dafür, ein verdammtes McDonald's aufzusuchen: ich musste dringend mal die Akkus meiner Geräte laden, ich musste unbedingt Strecke vorplanen und Karten runterladen, und da kamen mir die Steckdosen und das freie WLAN wie gerufen; nebenbei schnabulierte ich ein günstiges Angebotsmenü für sagenhafte 5€, so billig bekomme ich nicht mal Döner.
Ich plante lange herum, bestimmt 1,5h saß ich da und versuchte, für Dienstag ein Quartier zu bekommen, mit Dach über dem Kopf, aber auch anderen scheint schon aufgefallen zu sein, dass da das Wetter besonders beschissen wird und ich fand einfach gar nichts in meinem Preisniveau; höchstens einen festen Mietcamper auf AirBnB, der aber viel zu weit ab von meiner Strecke liegt. Alternativ plante ich also meine Strecke mit Vogelschutzhütten und betete, dass das alles so funktionieren wird, wie ich das geplant habe (alleine schon mit den 110km für morgen habe ich große Zweifel).

Aus Le Havre hinaus musste ich über einen Berg hinüber, überhaupt wurde der zweite Teil der heutigen Strecke viel anstrengender: der Ostwind hatte leicht nach Norden gedreht, sodass ich den restlichen Tag richtig kräftigen Gegenwind hatte, und es wurde dann auch um einiges hügeliger, sodass auch noch ein paar Höhenmeter zusammenkamen. Dafür gab es nur noch wenig zu sehen; Felder, Dörfer, Kulturlandschaft, nichts, was sich zu fotografieren und zu erwähnen lohnt.

Mein Ziel war eine Wildcampingstelle, die ich auf Ioverlander gefunden habe, auf einem Wanderweg an der Steilküste. Die Umschreibung beschränkte sich auf "What an Adventure", was mich schon ein bisschen aufhorchen ließ, ich ahnte, dass das "Adventure" die Anfahrt zu diesem Punkt sein würde.
Und das bestätigte sich natürlich auch. Ein schmaler, extrem steiler Pfad mäanderte zwischen Brombeerranken den Berg hinauf zur Hochküste. Ich ließ das Rad erstmal stehen und kämpfte mich so durch die Brombeeren nach oben, um zu schauen, ob sich der Aufwand lohnt und ob das mit dem Rad überhaupt geht.
Ersteres bestätigte sich, da oben gab es eine tolle Stelle zum Zelten, aber mit dem Rad dahin - keine Chance. Es war mir aber zu spät, mich noch nach irgendwas anderem umzusehen, und so schloss ich mein Rad an, packte meinen Rucksack mit dem Wichtigsten zusammen, kochen würde bei dem Wind heute sowieso wieder ausfallen, also konnte ich mir das ganze Kochgerödel schon mal sparen; 2 Ortliebtaschen, die Lenkertasche und mein Rucksack schleppte ich also mit hoch, den Rest beließ ich am Rad, da ist nix groß was dabei, wo ich mir Sorgen mache, dass das jemand klaut, auch wenn ich natürlich mein Zeug lieber bei mir hätte, ganz klar.

Oben hatte sich mittlerweile eine dreiköpfige Gruppe angefunden, die an meiner Zeltstelle saß. Die drei laberten und laberten und nisteten sich fest ein, und ich befürchtete schon, die bleiben bis Sonnenuntergang. Ich aß erstmal mein Abendessen, Brot, Ziegenkäse, Salami, 'ne Möhre, 'ne Banane. Reicht.

Irgendwann verschwanden die 3 endlich und ich atmete auf, mir wurde schon langsam kalt, der Wind kühlte mich runter. Schnell zog ich meine Waschaktion durch, Flaschendusche, man, wie ich mich auf meine Dusche in Berlin freue, immer mehr, von Tag zu Tag. Ich hockte mich in die Kuhle, in der die drei vorher saßen und machte eine Blitzwäsche, immer von der Angst getrieben, dass gleich ein Jogger oder so vorbeikommt, was für ein scheiß Nervenkitzel, darauf könnte ich echt gern verzichten.

Einmal lief ich nochmal zum Rad runter, holte noch meine Ersatzheringe und Ersatz-Abspannleinen, denn der Wind war mir nicht geheuer. Ich sicherte mein Zelt mit allem, was ich habe, dem italienischen Mittelklassezelt aus Kolumbien vertraue ich nicht so richtig, was Windstabilität betrifft. Aber es wird die Nacht schon überleben - ihr werdet es erfahren, so oder so, außer, es pustet mich in der Nacht über die Steilküstenkante.

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