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Schneeschuhtour & Kraxeln weglos auf die Plattspitze 🏔️ 2672m im Frühling ❄️
Schneeschuhtour & Kraxeln weglos auf die Plattspitze 🏔️ 2672m im Frühling ❄️
Tom ⛰️ went mountaineering
April 12, 2026
08:54
11.4km
1.3km/h
1,690m
1,670m
Garmin fēnix 6X
Mit Sebastian und Sandrine habe ich Ende letzter Saison ein paar aufregende Touren auf den Gran Paradiso und den Antelao gemacht. Diese Saison wollten wir unsere gemeinsamen Abenteuer fortsetzen. Da so früh im Jahr noch einiges an Schnee liegt, müssen kleinere Ziele herhalten.
Sandrine schlug vor, die Plattspitze in Vals auf einer Skitourenroute, aber mit Schneeschuhen zu machen.
Also packte ich meine Sachen und wir trafen uns uns kurz vor acht am Ende vom Mühlental und fuhren gemeinsam weiter zum Parkplatz der Fane-Alm. Das Schild und die Ampel wiesen noch einen gesperrten Parkplatz aus, wir fuhren trotzdem hoch. Der Parkautomat war aus, nur ein weiteres Auto. Ob das gutgeht?
Es war frisch, wie immer beim Start von hier. Das Wetter bedeckt und nicht gerade einladend, aber bis zum Nachmittag stabil. Erst liefen wir ein Stück in die falsche Richtung, bis wir bemerkten, dass irgendetwas nicht stimmte (der Gipfel lag schräg hinter uns). Also retour und die übersehene Abzweigung an der Fane-Alm nehmen.
Auf dem Fuhrweg fing es dann an zur Sache zu gehen. Erst Eis- und Schnee-Blöcke, dann nur noch Schnee. Also Schneeschuhe an, LWS-Pieper aktiviert und vorwärts.
Schnell stellten wir fest, dass die geplante Route auf dem Garmin-Navi erstens nicht zu sehen und zweitens auch gar nicht praktikabel war. Nach kurzer Beratschlagung entschieden wir uns, es auf eigene Faust zu versuchen. Zur Not wird es einfach eine kleine Schneeschuhwanderung, dachten wir uns. Die Richtung wussten wir in etwa. Also ging es durch den tiefen Schnee mühsam erst geradeaus, dann steil zwischen Latschen einen Hang hinauf. Das kostete Kraft. Oben in einer Senke angekommen, entdeckten wir einen Wegweiser, den wir anpeilten. Selbst mit den Schneeschuhen war es sehr mühsam, brachen wir doch oft bis zu den Knien ein. Am Wegweiser queerten wir vor einer kleinen Hütte auf einen Hang und arbeiteten uns diesen weiter hoch, in der Hoffnung, dass hier weniger Schnee gibt. Oben angekommen machten wir einem Bogen und endlich einmal bekamen wir einen Überblick.
Der Skitouren-Kurs durch den Kessel war viel zu gefährlich. Einmal gab es einen dumpfen, kurzen Knall und wir wussten, dass sich irgendwo ein Schneebrett gelöst hatte. Also erteilten wir dieser Variante einen Absage. Ein Versuch wäre, sich links bis zum Grat durchzuschlagen (stapfen) und dann über den felsigen Grat einen Aufstieg zu wagen. Also arbeiten wir uns bis zum Grat durch, ließen Stöcke und Schneeschuhe zurück und machten uns an die Kraxelei. Ganz geheuer war uns dabei nicht, denn der Untergrund war stellenweise feucht und rutschig, es gab hier und da Altschnee und Felsen kamen in Sicht. Über einen dicken Block bin ich hoch und rüber geklettert, Sandrine war aber zu klein und so wählten die beiden einen Umweg über sehr steiles Schrofengelände, bis sie wieder zu mir aufschlossen. Die Stelle wurde auf dem Rückweg noch relevant.
Die Kraxelei kostete sehr viel Kraft und wir wussten immer noch nicht genau, wo das Kreuz ist, kam doch einen Kuppe nach der nächsten in Sicht. Und das Gelände wurde steiler und unangenehmer. Als wir eigentlich schon aufgeben und umkehren wollten, tauchte endlich das Gipfelkreuz vor uns auf. Leider lagen zwischen uns und dem Ziel noch ein sehr unangenehmer und verschneiter Aufschwung im Block- und Absturzgelände. Hmm, probieren wir es oder nicht? Allein wäre ich sicher umgedreht, aber Sebastian ist erfahren und sagte, er probiert es. Also fassten wir anderen beiden auch Mut und gingen mit ihm. An Felskanten klammernd, durch den Schnee, über bröckelige Platten und in den Abgrund schauend, versuchten wir, nicht in tiefe Schneelöcher zwischen den Felsen zu treten näherten wir uns dem Gipfelaufbau. Zum Schluss war noch eine Kraxelstelle zu überwinden und dann - unglaublich - standen wir wirklich auf dem Gipfel der Plattspitze auf 2672m - erschöpft, aber überglücklich! Mannchmal gehört das Glück den Mutigen.
Wir machten eine ausgiebige Rast und stellten beruhigt fest, dass unser Entschluss nicht durch den Kessel zu gehen und statt dessen den Grat zu wählen, der richtige gewesen war. Der Kessel war metertief verschneit und mit unserer Ausrüstung nicht passierbar. Ganz abgesehen von der Lawinengefahr.
Wir hampelten ein wenig vor der Handykamera herum, ruhten uns aus und mir kamen - ähnlich wie beim Antelao - schwere Gedanken über den Abstieg. Schaffen wir - schaffe ich - das auch wieder runter? Ohje ... aber was soll´s. Runter müssen wir halt.
Wir umgingen ein heikles Stück vom Aufstieg, indem wir am Kreuz ein paar Höhenmeter die Schrofen steil abstiegen und dann erst zum Grat querten. Dort, langsam, jeden Schritt bedacht setzend und vorausschauend stiegen wir Meter um Meter wieder ab. Die Kraxelstelle war dank meiner langen Beine auch im Abstieg für mich einfach. Der Rest heikel, aber schaffbar. Seltsamerweise - und ebenso wie auf dem Antelao - kam bei mir nie Angst oder Unsicherheit auf. Ich war völlig konzentriert und bei jedem Schritt. Interessant, sich dabei im Nachhinein zu beobachten.
Als wir an dem Felsklotz ankamen, den ich im Aufstieg allein überklettert hatte, mussten wir auf die Aufstiegsvariante von Sebastian und Sandrine an dieser Stelle ausweichen, denn abzuklettern war der Block nicht.
Also 100m wirklich ziemlich steil die Schrofen hinab und wieder zum Grat. Ich war wirklich froh, als wir wieder beim Grat waren und Fels unter den Füßen hatten. Dies war aber die letzte wirkliche Herausforderung.
An den Stöcken und Schneeschuhen angekommen, wählten wir auch eine andere Route runter zum Wegweiser, in der Hoffnung, einen Abschnitt des tiefen Schnees (und des bedrohlichen Knalls auf dem Hinweg) zu umgehen. In der Senke vor dem Wegweiser wurde es noch mal ziemlich anstrengend. Der Schnee war tief und jetzt weicher, es war es sehr, sehr mühsam, vorwärts zu kommen. Einmal überquerten wir einen rauschenden Bach, den wir nur hörten, aber nicht sahen, war er doch tief unterm Schnee verborgen. Werden wir nass? Nein, wir kamen irgendwie ohne nasse Füße über die Stelle. Zurück zum Wegweiser und in alten Spuren bis zum ersten Hang, den wir im Aufstieg nahmen. Dieser raubte uns die letzten Kräfte, fielen wir doch mehr als einmal in den Schnee und zappelten wie Käfer auf dem Rücken. Nicht schlimm, nur anstrengend. Auf dem Fuhrweg angekommen, konnten wir endlich die Schneeschuhe ausziehen und den Rest des Weges runter zur Fane-Alm normal laufen - welche Wohltat. Der Blick zurück zum Gipfel zeigte Wolken und wahrscheinlich Schneefall im Gipfelbereich, das Wetter schlug um. Alles richtig gemacht!
Die Fane-Alm hielt Winterschlaf. War bei meiner Besteigung der Wurmaulspitz letzten Sommer hier noch Halligalli - sah man jetzt wohltuend keine Menschenseele. Überhaupt trafen wir den ersten Menschen des Tages erst am Parkplatz - und wir hatten keine Knolle!
Was eine aufregende, anstrengende und herausfordernde Tour. Aber gleichzeitig auch eine wunderschöne Erfahrung, denn wir haben immer wieder neu und richtig entschieden. Und wurden für unseren Mut am Ende belohnt. Meine Grenzen habe ich an diesem Tag etwas verschoben. Danke dafür an Sebastian und Sandrine. Ein tolles Abenteuer!
Waypoints
Route Details
Elevation
Highest point (2,720 m)
Lowest point (1,720 m)
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