Was verwundert einen wohl mehr: eine Ziege auf einem Baum oder ein Baum in der Wüste? Das Kunststück, beides zusammen zu inszenieren, vollbringt der mächtige Arganbaum. Als Überlebenskünstler der marokkanischen Wüste sammelt er das Wasser in seinen Blättern, die damit zur Delikatesse für durstige Ziegen werden. Nur während der Regenzeit sprießt der sonst eher zurückhaltend oder gar nicht mehr wachsende Baum, dessen Krone bis zu 14 Meter Durchmesser erreicht, in üppiger Eile und blüht und fruchtet. Bis zu Reife der olivenähnlichen gelben Früchte vergehen allerdings nochmals zwei Jahre, im Vergleich zum bis zu 200 Jahre währenden Leben des Arganbaumes eine kurze Zeitspanne. Das Fruchtfleisch umgibt eine im Durchmesser ca. 3 cm dicke Nuss. Diese wiederum enthält ein bis zu drei tropfenförmige Samen bzw. Kerne, kleiner als Sonnenblumenkerne, aber reich an wertvollem Öl.
Aus den Fruchtkernen des Arganbaumes wird ein wertvolles duftendes, goldgelbes Öl extrahiert: Arganöl - das flüssige Gold Marokkos.
Das Öl wird zur Herstellung von Kosmetika und Arzneimitteln verwendet, aber auch in der Gastronomie geschätzt. Die Berber Marokkos verwenden es seit Jahrhunderten wegen seiner einmaligen Eigenschaften, die besser als die des Olivenöls sein sollen. Natürliche Antioxidanzien im Arganöl sollen durch die Vernichtung freier Radikale eine vielfältige positive Wirkung auf Haut und Gesundheit ausüben. Das Öl schützt die Haut vor Austrocknung und macht sie geschmeidig, es soll Falten mindern, brüchige Nägel und sprödes Haar bessern und die Hautalterung verlangsamen. Bei richtiger Anwendung kann Arganöl den Heilungsprozess nach Verbrennungen beschleunigen sowie Rötungen und Neurodermitis lindern. Traditionell wird das Öl in Marokko gegen Akne, Windpocken und Hämorrhoiden eingesetzt. Durch die reichhaltig enthaltenen essentiellen ungesättigten Fettsäuren ist das nussig schmeckende Arganöl eine wertvolle Nahrungsergänzung.